Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 8 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
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Serlin, 2S. Zebruar 1927 VI. Jahrgang ♦ •6%>ofJ?.-7° P /LÄWKöWMÄNA-M-N f|f'** Einzelnummer 10 Vfennig Verlag BierttljahrsaSonnement 1,20 RM. (zuzügl. BLstellgeld). . . BanNonto: Dresdner Dank, Wechsel» 7gesPaltene Zeile nach Rudolf Mossss ™ mm breite Rerlarnezeile 4,SO fiJ'lMliVi'XNll (\f\ Ein AypÄ an öa§ MtgEsn m \! | ■iil l * .'0^! 1 Wir haben wicdcrholl in der „(£. L.-Zcitung" qu] bic bcdrängte Lüge der Juden in Rinnänien hingewiesen. Heute können wir einen Bericht au? sachverständiger Feder veröffentlichen. der nicht nur die Wahrheit alles^ bisher Gemeldeten bestätigt, sondern darüber hinan? auf die immer drohender werdende Gefahr hinweist, dasz ans der Pvgramstimmrmg Pogrome entstehen können. Wir wünsänn, daß dieser Notschrei in der gesamten zivilisierten Welt gehört werden möge. Tie Schristleitnng. Die europäische und amerikanische Oefsentlichkeit hat in der letzten Zeitzur größten Bestürzung der rumänischen Regierung Anlaß genommen, sich mit dein Schicksal der rumänischen Juden eingehender zu befassen. Tie rumänische Regierung hat auf die große Zahl von Protesten, die ihr zur Kenntnis gebracht worden sind oder die ihr sonst irgendwie bekannt wurden, auf eine etwas merkwürdige Weise reagiert. Der rumänische Gesandte in Bern hat den Berner Prediger M e s s i n g e r zu sich gebeten und ihm mitgeteilt, daß die im Auslande verbreiteten Nachrichten über Judenpogrome in Rumänien der Wahrheit widersprächen. Davon hätte sich z. B. der Direktor der Minderheitenavteiiung des Völkerbundes, Erik Colban, der Rumänien vor einiger Zeit bereist hat, persönlich überzeugen können. Im Augenblick halte sich Herr Dr. Viktor I a k o b s o h n , der Vertreter der zionistischen Organisation beim Völkerbund, in Rumänien aus. Allch er könne bestätigen, daß Judenpogrome nicht stattgesunden hätten. Soweit richtig. Aber Herr Peirescu Cpmen, Gesandter uud bevollmächtigter Minister des Königreiches Rumänien in der schweizerischen Bundeshauptstadt, fügte auch noch hinzu, daß die Juden in Westeuropa den rumänischen Juden durch die Aufnahme, die sie den von den Feinden Rumäniens verbreiteten Tendenznachrichten über die Lage der Juden in Rumänien bereitet haben und noch immer bereiten, einen schlechten Dienst erweisen. Es ist schwer, diese seltsame Redewendung zu mißverstehen: es ist seltsam, eine solche unmißverständliche Erklärung (die doch, nicht wahr. im Grunde genommen eine Drohung bedeutet, Herr Patronen Comen?) üus dem Munde eines Diplomaten zu vernehmen. Allerdings icheiut es, als hatte die rumänische Diplomatie in dieser Frage vollends ihren Kopf verloren. Der rumänische Gesandte in Washington, ein Herr Creiiami, hat die Teilnehmer eines Protestmeetings gegen die Judenverfolgungen in Rumänien, varunter den protestantischen Bischof Manning, das Mitglied &e§ obersten Gerichtshofes der kl. S. A. Dowling nub bcn Chief-, rabbi Dr. Stephen \Yi?e kurz und bündig als Bolschewiken bezeichnet. Herr Cretianu gehört wohl zu jener Sorte von Diplomaten, die sich über die primitivsten gesellschaftlichen Bedingungen des Landes, in dem sie akkreditiert sind, mit staunenswerter Leichtigkeit hinwegsetzen, oder aber es ist ihm jinocfaimt, daß, wenn man nt Kreisen der amerikanischen Ee- Mhchafk jemanden als Bolschewiken bezeichnet, das ungefähr vayjelbe'ist, wenn'in unseren Gesellschaftskreisen von einer Person, die diesen Gesellschaftskreisen angehört, behauptet wird, sie hätte gestohlen. - Es ist aber nicht unsere Sache, uns hier mit den Oua- Iftäten der rumänischen Diplomatie zu befassen: schließlich hat jedes Land die Diplomaten, die es verdient. Was im gegebenen Falle von Bedeutung ist, das ist die Denkungsart, die aus derartigen Aeußerungen spricht. Allerdings muß sestgestellt werden, daß diese an die finstersten Zeiten^ des Zarismus erinnernde Gesinnung offenbar aitch die Gesinnung der gegenwärtigen rumänischen Regierungskreise ist. Anders läßt sich nämlich die systematische Hetze, die die Regierungspresse gegen die Juden in Rumänien betreibt, nicht erklären. In einer ganzen Reihe von Artikeln, die in dieser Presse erschienen sind, wird der Spieß ganz einfach umgedreht und den Juden vorgeworsen, s i e seien diejenigen, die die Rumänen dauernd angreifen. Wenn in Eerrwwiy ein jüdischer Student erschossen wird, so sind die Juden selbst die Schuldträger, denn sie sind die Angreifer gewesen! Wenn in Kischenew jüdische Läden geplündert werden, sind die Juden die Schuldigen, denn sie haben die manifestierenden Studenten gereizt. In dieser Weise geht es spalten- und wochenlang fort, trnd zwar nicht etwa im Organ irgendeines antisemitischen Hetzblättchens, sondern, wie gesagt, in den offiziellen Organen der rumänischen Reglern n g selbst. Nach der Altssassung verschiedener, auch jüdischer Kreise in Rumänien, sollen diese Artikel eine Verteidiguugsmaßnahme der Regierung sein. Wenn dies zntrifft, so muß man wohl schon sagen, daß diese Art von Verteidigung, die jedem unbefangenen Leser den Eindrrlck einer 'wohlüberlegten Pogrvmpropaganda machen muß, ettvas merkwürdig ist. Wogegen verteidigt sich nun eigentlich die rumänische Regierung? Sie verteidigt sich gegen,den Borwurf, Pogrome zugelassen, zu haben. Wenn man unter Pogrom den organisierten Massenmord versteht, wie wir ihn aus der Zeit der Kiewer Beilis-Affäre z. B. kennen, so darf allerdimgs festgestellt werden, -daß es zu derartigen Pogromen in Rumänien n o ch n i ch t gekommen ist. Dies bedeutet jedoch für die rumänische Regierung keine wie immer geartete Entlastung, denn durch die Propaganda in ihrer eigenen Presse arbeitet sie der blutrünstigen Propaganda der ruulänischen Antisemiten, der sogenannten^,Ehrist!ichen Liga für natioimleBerkeidigung", in die iw.nde. Sämtliche Veröffentlichungen dieser Liga jedoch fordern unmittelbar und von der Regierung, die in der Aus dem Inhalt: Wahr (Bcnthcn, O.-S.): Tic Bodenständigkeit der obcrschlefischen Juden. — Ans der Red: des Münchener Universttätsrektors. — Gegen die Magdeburger Beschlüsse. — Freimaurer und Juden. — Dr. N. M. Nathan (Hamburg): Von der Rechtsstellung der Synagogengerrrcrnden Lu Preußen. — Georg Hermann: Vom deutschen Inden und seinem Gegnern * " ~