Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 7 (18.2.1927)
- Date
- 1927-02-18
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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$$ Kefite Hebräer: Deutsche! Eine Antwort veS Norddeutschen Lloyd._ In Nummer 5 unserer Zeitung teilten wir unter der Neberschrift .Heine Hebräer: Deutsche" mit daß die Hapag und der Norddeutsche Lloyd den Reisenden vor Antritt einer Amerikareise ein Formular vorlegen, in dem die Frage nach der Nationalität von allen jüdischen Reisenden nicht mit der Staatsangehörigkeit, sondern mit der Bezeichnung: Hebräer auszufüllen ist. Wie wir von amerikanischer, gut unterrichteter Seite erfahren, beruht diese Fragestellung und die Anweisung, daß alle Juden — gleichgültig, welcher Nationalität sie sind — sich als Hebräer einzutragen haben, aus einer Vorschrift der amerikanischen Einwandorungsbehörden, die aus statistischen Gründen in den Zählungsberichten der Einwanderer die Bevölkerung nach ihrem „rassischen" Ursprung cinzuteilen für nötig halten. Tie amerikanischen Juden hätten bereits vor längerer Zeit energisch gegen diese Art der Einteilung protestiert, aber bisher ohne Erfolg; und zwar sei das Mißlingen dieser Aktion zürn Teil darauf zurückzuführen, daß die Zionisten in Amerika sich für die Beibehaltung dieser Einteilung erklärten. Auch der Norddeutsche Lloyd, Bremen, teilt uns in einem .Schreiben vom 9. Februar mit, daß diese Fragebogen den Dorschriften der amerikanischen Behörden entsprechen. In diesem Schreiben heißt es: - - ' . . Wir gestatten uns. Sie zur Widerlegung Ihrer Behauptungen darauf hinzuweisen, 1. daß die Fragebogen in jeder Beziehung den Vorschriften der amerikanischen Einwanderungsbehörden entsprechen; 2. daß es sich bei dem fraglichen Rundschreiben nicht um ein streng vertrauliches Schriftstück handelt, sondern lediglich um eine Instruktion auf Grund der den Schiffahrtsgesellschaften von den amerikanischen Einwanderungsbehördcn zuteil gewordenen Vorschriften. Um Ihnen den Beweis für die Richtigkeit unserer Darlegungen zu geben, gestatten wir uns. Ihnen in der Anlage ein auf unseren Wunsch von dem hiesigen Vertrauensmann des Hilfsvereins deutscher Juden. Herrn Galatzer, uns übermitteltes Schreiben zur Verfügung zu stellen, das unseres Erachtens genügen dürfte. Sie davon zu überzeugen, daß wir lediglich bei der Vorlage der betressenden Fragebogen im Sinne der amerikanischen Gesetzgebung handeln. . . . Wir glauben nicht notig zu haben, noch besonders den Nachweis zu erbringen, daß irgendein Glaubensunterschied unseren Passagieren gegenüber-nicht gemacht wird, und daß. wir schon in unserem eigenen Interesse auch in Zukunft nicht daran denken, von dieser Ueberlieferung abzugehen. Der in dem Brief des Herrn G a l a tz e r enthaltenen Anregung entsprechend, haben wir uns noch heute mit unserer Generalvertretung in NewDork ins Benehmen gesetzt und diese veranlaßt, den Versuch zu machen, eine Abänderung des amerikanischen Einwanderungsgesetzes in Ihrem Sinne vorzuschlagen." Damit ist zwar festgestellt, daß die Einteilung nicht deutschen Ursprunges ist, es ist aber keineswegs die Wirkung beseitigt, die diese Fragestellung auf jeden deutschen Juden, der stolz aus sein Deutschtum ist, ausüben muß. Und wenn der Norddeutsche Lloyd uns mitteilt, daß er sich mit seiner New Dorker Generalvertretung ins Benehmen setzen will, um eine Abänderung des amerikanischen Einwanderungsgesetzes in unserem Sinne zu erreichen, so müssen wir bedauern, daß die deutschen Schiffahrtsgesellschaften nicht schon früher diesen Weg beschritten haben, und daß es erst des Hinweises in der Oeffentlichkert bedurfte, um sie zu diesem Schritt zu veranlassen. Im übrigen halten wir an dem Ratschlage fest, den wir bereits in Nummer 5 unserer Zeitung unseren Mitgliedern und Freunden gaben: sich irr die Spalte 10 ves Fragebogens bei Amerikareiserr als „Deutsche" einzutragen. Daß sich daraus für sie keinerlei Schwierigkeiten ergeben werden, belveist uns die Zuschrift eines langjährigen Vertreters des Norddeutschen Lloyd, der uns mitteilt. „daß er stets ohne Rücksicht auf die Religio» i« die Spalte 10 des Fragebogens bei deutschen Staatsbürger« als „Nasse" „deutsch" eingetragen habe und eS auch in Zukunft weiter so halten werde". Zum Schluß sei noch die eine Fragestellung erlaubt: Diese Eiuwanderungsvorschriften gelten bestimmungsgemäß auch für die Engländer. Würde es eine englische Schiffahrtsgesellschaft wagen, z. B. Sir Herbert Samuel oder Lord Reading als „Juden" einzutragen statt als „Engländer", und würde die amerikanische Ein« wanderungsbehvrde dagegen Einspruch erheben? Der Deamte ist niemals nur Privatmann. In der letzten Nummer unserer Zeitung veröffentlichten wir den Artikel von Landgerichtsrat Dr. Schwenk über den Beamten. Die Ausführungen Dr. Schwenks über die Eigenschaften, die ein Beamter haben soll und haben muß, werden vorzüglich ergänzt durch einen Erlaß des Kultusministers Becker an die Lehrerschaft, in dem es, wie die „Deutsche Republik" in ihrem Heft 15 vorn 4. Februar mit« teilt, heißt: „Daö Amt erfaßt die Gesamtpersönlichkeit des Beamten. Er ist niemals nur Privatmann: In Men seinen Handlungen, auch außerhalb des Dienstes im engsten Wortsirrue, muß er sich dessen bewußt sein, daß das Amt ihn bindet, stets — auch in der Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte — diejenige Mäßigurrg und vorsichtige Zurückhaltung sich anfcrlcgen, die durch seine Stellung als „Diener der Gesamtheit", durch das Ansehen seines Amtes bedingt ist und jede Mißdeutung seiner Harrdlurrg, jeden begründeten Zweifel an der Zuverlässigkeit in dev Ausübung der ihm übertragenen Amtsgewalt ansschließt." Tote! „Die größte Ehre eines Rumänen." In der „Wiener Morgen-Zeitung" vom 9. Februar, der wir die Verantwortung für die Nichtigkeit dieser Nachricht überlassen müssen, lesen wir, daß in Ploesti in Rumnmen seit Ende Januar ein Blatt der reaktionären Partei erscheint namens „Carpatii". Dieses Blatt, das mit dem Hakenkreuz und der Devise „in hoc signo vinces" (in diesem Zeichen wirst du siegen!) geschmückt ist, enthält in seiner ersten Nummer folgenden Aufruf: „Tie Juden haben im ganzen Reiche die Offensive ausgenommen, mit der Llbsicht, alles, was gut ist, zu vernichten und den Staat zugrundezurichten. Die Regierung schweigt hierzu. 'Auch die Rumänen schweigen, unb das Resultat wird unsere Vernichtung sein, wenn wir weiter sortsetzen werden, mit der roten Bestie zivilisiert zu werden. Töte! Unsere nationale Würde befiehlt uns herrisch, sofort tödlich dre'mzuschlagen gegen jedes Individuum, welches unser Volk, unseren Staat zerstören will. Töte ohne Furcht! Niemand lwt das Recht, unseren Arm aufzuhalten, wenn die Existenz des rumänischen Volkes am Spiele ist. Ehre dem. der den Verräter oder Feind -seines Landes tötet. Einmal muß endlich die Schande aufhören, daß wir blödsinnig und sprachlos dastehen. Wer fühlt sich nicht Mann gemrg, Rumäne zu sein! Ich wiederhole: Ten Feind des Landes zu flöten ist kein Verbrechen. Es ist die größte Ehre eines Rumänen. Töte also! Me Sklaven Wernen, Helden aber töten." Wieder eine Zrieöhofsschänöung. Kuppenheim in Baden. Wir haben kürzlich eine Liste von Fricdhossschändungen veröffentlicht, die in ihrer Zusammenstellung mit erfchiitternder Klarheit zeigte, wie die antisemitische Verhetzung nicht einmal vor den Ruhestätten der Toten haltmacht. Wieder ist eine derartige Untat entdeckt worden, und wieder konnten bisher die Täter nicht ermittelt werden. Unser Lanbesverband Baden, die Vereinigung badischer Israeliten, teilt uns mit, daß kürzlich anläßlich einer Beerdigung auf dem Verbandsfriedhof in Kuppenheim bei Rastatt eine Friedhofsschändung entdeckt wurde. Da der Friedhof etwa eine halbe Stunde vom Orte entfernt liegt, wurde die Tat erst verspätet sestgestellt; dadurch ist die Verfolgung der Täter erschwert. 18 Grabsteine wurden urngeworfcn, und selbst das Ehrenmal der Gefallenen wurde nicht verschont. Der Oberrat der Israeliten in Baden, mit dem unser badischer Landesverband in engem Zusammenhang in dieser Angelegenheit arbeitet, hat die behördliche Verfolgung veranlaßt und wird eme Belohnung für Erfassung der Täter aussetzen. Der Vorfall ist um so bedauerlicher, als bisher von völkischer Bewegung und antisemitischen Exzessen in Kuppenheim nichts zu merken war. Wir hoffen und wünschen, daß die Täter ermittelt wertzen. damit sestgestellt werden kann, welche Motive zu dieser neuen Schandtat geführt haben. Zurück LnS „Ghetto*. In der Brünner zionistischen „Jüdischen Dolksstrmme* vom 27. Januar lesen wir folgende Notiz: „Mas nicht sein sollte. Im „Prager Tagblatt" kündigte die Lanvesorganisation der jüdischen Frauen einen Dortrag Frant. Gott- Uebs. des bekannten „tfd}cd?tfdjen" Dichters, an. Front. Gottlieb ist bekanntlich ein nationahüdisch denkender Poet, und es ist zumindest nicht in Ordnung, ihn als „tschechischen* Dichter zu deklarieren, ebensowenig wie man Max Brvd als deutschen Schriftsteller betrachten kann. Solche Entgleisungen sollten nicht mehr Vorkommen." Was sagen unsere Nationaljuden dazu?