Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 7 (18.2.1927)
- Date
- 1927-02-18
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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..,.S * , $7 I «Journal', über seine Eindrücke vom deutschen „Rassenhaß' seinem f Blatte mitgeteilt hat. f ' Aus Anraten zweier seit langen Jahren in Deutschland ansässigen 1 französiscken Landsleute begab sich Berand nach dem Casä Wilf feiniff in Charlottenburg. Der Direktor des Lokals, erzählt der f <~tan30fe, hat auf jedem Pfeiler eine Aufschrift anöringen lassen, in J er seine Kundschaft auffordert, die „Unbekannten und Fremden' t r^t zu erschlagen. Diese menschenfreundliche Vorsicht erstreckt sich j Sfraeltten und Franzosen.; Bärand macht die treffende Bemerkung, daß die aufliegenden? radikalen Rechtsblätter gerade — wie in allen Ländern — ihren i Äsern stets dasselbe beb rau vorsetzen können. Reben den Vorwürfen, j die man Frankreich mache, fei in den erwähnten Zeitungen von der | Notwendigkeit von Pogromen die Rede. Derand sagt dann j wörtlich: I „Das ist ihr Lieblmgsthema. Wir haben keine Ahnung in 1 Frankreich, was der Antisemitismus der reaktionären Deutschen; eigentlich ist. Er bedeutet weder eine Meinung, noch ein Gefühl, noch einen körperlichen Gegendruck. Er ist eine Leidenschaft, eine j wirkliche Besessenheit von Trunkenen, die selbst vor einem Ber- \ brechen nicht zurückschreckt. Rathenau, Erzberger, Kurt Eisner, l Rosa Luxemburg fielen nicht so sehr wegen ihrer Handlungen als 5 wegen ihrer Abstammung/! An anderer Stelle heißt es:; 1 „Was hat das alles mit dem Haß gegen Frankreich zu tun? wird - 1 man einwenden. Einen Augenblick! Frankreich ist für einen wahren Rassefanatiker nur eine im Dienste des Judentums stehende versudete Armee. Ludendorff bat das zuerst gesagt. Frankreich ist also jüdisch wie die Sowjets, der Völkerbund, das amerikanische Bankwesen und die deutsche Republik. Selbst Hindenburg wird als Aushän-geschild für jüdische Machenschasten benutzt. Wie hierbei deutsches nationales Leben behandelt werden wird, kann sich jeder Denkende an Hand der obigen Kostprobe leicht vorstellen. Wenn unser Vaterland, wenn seine Bewohner im Auslände lächerlich dastehen, dann nur durch die Denk- und Handlungsweise jener Verblendeten, die meinen/Rasten haß bedeute irgendeine Politik oder führe gar ein Volk zu den Höhen der Menschheit. Dtan glaubt vielleicht, daß ich übertreibe. Wir rverden das gleich sehen: In den Augen eines lutherischen Nationalisten, des Reinsten unter den Reinen, bedeutet das rot schwarzgoldene Reichsbanner die Vereinigung der revolutionären, jüdischen Internationale (rot), der internationalen jüdischen Bank (gold) und des vatikanischen Roms (schwarz). Ja, der Papst ist gemeint, der Papst und der ganze römische Katholizismus haben sich mit dem Ghetto gegen die reine und heilige lutherische, gegen die auserwählte nordische Rasse, besonders gegen Deutschland, verbündet! Ja, dahin kann die Mageneinbildung führen/ Die Schilderung des französisckzen Schriftstellers über den Inhalt bestimmter völkischer Anschauungen ist leider zutreffend. Daß solche Verstiegenheiten dazu dienen können, den wohlwollenden Ausländer irgendeines Landes mit Achtung vor deutscher Arbeit und Kraft zu erfüllen, wird jeder Einsichtige verneinen müssen. Der „Eisenhammer" hat eine Auflage von 20 006. Seit der Lockerung der Besatzung macht sich in der Pfalz eine starke völkische Bewegung bemerkbar. Eine ähnliche Bewegung | sehen wir auch im R h e i n l a n d e, wo — besonders von Köln ■ f ausgehend —- eine heftige nationalsozialistische Agitation entfaltet wird.; Nicht ohne ernste Gründe hat der Centralverein vor .: ] kurzem, wie hier ausführlich dargestellt worden ist, überall im - i, | Rheinlande in stark besuchten Versammlungen seine Mitglieder *; über die Lage unterrichtet und zum Kampf aufgeboten. Dr. Ludwig Holländer, der Direktor des Centralvereins,;S ist soeben von der Pfalz zurückgekehrt, wo er in Besprechungen und i auch in Versammlungen unsere Freunde beraten und ausgerufen hat.! Es ist bezeichnend, daß die völkische Wochenschrift „Eisenhammer', die in Pirmasens erscheint, jede Woche in 20 000 1 i Exemplaren verbreitet wird. Wer die Auslagenhöhe von / Provinzzeitungen kennt, wird zugeben, daß die Auflage dieses völ- {-. , ■ kischen Organs groß ist. Obwohl man sich darüber klar ’!| sein muß, daß viele Leser des „Eisenhammer' das Organ nur j:!' jl deshalb beziehen, weil es — ähnlich dem „Stürmer' in Nürn-; j berg — ein „Enthüllungsblatt' bedenklichster Art ist, so dürfen ' ,; wir keinesfalls die Gefahren dieser neuen völkischen Welle unterj i \ schätzen.! / Xlnfer La n des verband Pfalz und auch unser!inksrl>eif auch er Landesverband sind mit allen geeigneten Dtitf kln auf der Wacht, dieser völkischen Bewegung entgegenzutreten. f Tie Monatsausgabe der „C. V.-Zeitung' wird in besonders , j stattlicher Zahl in den gefährdeten Gebieten verbreitet, zahlreiche j ,? Broschüren werden an alle Berufsstände versandt. Aufj, jj klärungsversammlungen für Nicht-Juden fürden statt; neue sind geplant, und auch sonst geschieht, was erforderlich ist, . 1 soweit die Mittel dafür ausreichen, r Wir halten cs aber für unsere Pflicht, unsere Freunde in | der Pfalz und im Rheinland wie auch in allen anderen Gebieten ~~ des Reiches auf diese Entwicklung hinzuweisen, damit auch sie zu / j ihrem Teil in jeder geeigneten Weise an diesem Kampf teilnohmen. Der Mi In Nassau veranstalteten völkische Verbände im November v. I. einen sogenannten „Deutschen Tag'. Der „West- ' «uusche Beobachter' und kurz danach auch der „Völkische Beobachter' stellten die Behauptung aus, daß die Juden in ^cafsau versucht hätten, durch die ausländische '^esatzungsbe Hörde ein Verbotder Veranstaltung ou erwirken. Unser Landesverband Hessen-Nassau .vnd Hessen stellte mit Unterstützung unseres bayerischen ]*£n?c»öci:&an&c3 Strafantrag, um gegen die unerhörten ^nerdlgungen eines ganzen Bevolkerungsteiles die öffentliche Anerwirken. Der Staatsanwalt München verwies uns jedoch : uf den Weg der Privatllage mit folgender Begründung: besteht kein össentliches Interesse, wegen BeleidilLung von Einwohnern der Provinz Hessen- Nassau vor dem Schwurgericht in München ein Strafverfahrenvon Amts wegendur chzu führen/ Selbstverständlich wurde mit sehr treffender Begründung gegen diese Ablehnung Beschwerde erhoben, und die Oberstaatsanwaltschaft in München scheint auch diese Begründung der untergeordneten Instanz merkwürdig gefunden zu haben, denn sie formuliert ihre Ablehnung dahin: „Es wäre allerdings zu mißbilligen, wenn in dem Einstellungsbeschluß— wie in der Beschwerde schri fr angenommen ist — das Dorliegen eines öffentlichen Jntercpes deswegen verneint wäre, weil als Verletzte außerbayerische Reichsangehorige in Frage kommen. In diesem Sinne darf aber die Begründung des Einstellungsbeschtusses nicht verstanden werden. Gemeint ist vielmehr, daß die Gefährdung des öffentlichen Friedens durch den beanstandeten Zeitungsartikel wegen der weiten Entfernung des Wohnsitzes des Verletzten voll b c m Erscheinungsorte unddern hauptsächlichen Verbreitungsgebiet der Zeitung gering zu achten und deshalb ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung nicht gegeben i st/ Man ist versucht, an das bekannte russische Sprichwort zll denken: „Rußland ist groß und der Zar 'ist weit!' Die Partei ist tot — öer GeZanke lebt. Zur Spaltung in Den völkischen Parteien. Seitdem wir in der letzten Nummer der „C. V.-Zcitung' über die Spaltung im völkischen Parteigetriebe berichteten, ist dieses Thema aus der Tagespresse nicht mehr verschwunden. Zwar sind die Prophezeiungen, die von einer vollkomme n c n parlamentarischen Bedeutungslosigkeit der völkischen Parteien sprachen, weil durch die Spaltung die Mindestsätze einer Fraktion unterschritten wurden, nicht eingetreten. Graf 9t c v e n t l o w und seine Freunde haben sich der ^Nationalsozialistischen Arbeiterpartei angeschlossen, so daß sie indirekt ihrer alten Gruppe erhalten blieben. „Der Jungdentsche' glossiert unter tem 11. Februar in einem Aufsatz „Die Krise der Partei-Völkischen. Austritte, Uelertritte, Neugründungen', ailsführlich diese Vorgänge, und sthließt folgendermaßen: „Deutschvölkische Freiheitsbewegung. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Deutsche Kaiserpartci, Unabhängige Nationalsozialistische Partei, Dentschsoziale Partei, Nationalsozialistischer - Kameradschaftsbnnd. Deutsch-Konservative Partei, Evangelische Partei und vielleicht noch einige andere Gruppen, die übersehen worden sind: Diese Liste ,st ein Bild der Ziellosigkeit und Verwirrung in jenen Parteigefilden, wo einer dem anderen seine sozialrevolutionüre oder seine monarchische Gesinnung abspricht. Die großen Verbände haben in diesem parteii strichen G e w i m m el n i dj t *3 zu suche n. Der Jungdeutsche Orden sah diese Dinge kommen und hat sich aus den Parteisronten langst gelöst. Andere Verbände sind ihm gefolgt. Wer dennoch als Gegner des heutigen Parlamentarismus das Heil in Reichstagsmandaten sieht, den wollen wir daran nicht hindern. Wir aber werden unseren geraden Weg wcitergehen, fern vom Getriebe der Parteien, für das Ziel des freien, gerechten, großen Reiches.' Es wäre jedoch völlig fehl geurteilt, wenn man annähme, daß die völkische Bewegung durch die Zersplitterung ihrer Fraktioneu zur Einslußlosigkeit herabgedrückt sei. Die völkischen Parteien haben durch die Scharfe ihrer Agitation die politische Verhetzung na so weite Kreise getragen, das; ihre r^rlamenlarisch Einllußlosiakert demgegenüber nur wenig ins Gewicht fällt. ' i -