Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 5 (4.2.1927)
- Date
- 1927-02-04
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277729-2277734--03459-2283977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
63 5©;r frpcn zusauunein grjan^cttnm, eine gnn; starke ftrnft und eine c.in; «roste Hofsming. ist an der Lell'-ivergiftung durch stldiosimkraste -„qrunde gegangen. Er hat nicht nur seine glänzenden Gaden 'iit NiidennchNmi, Hitlertuni und solches verschleudert, er f,nt n-’di teiu A e sl e n seines -echrfsens die Dolleudnn^ jene äicherue' cheiiilieit, wie sie ganz selten ist. wie sie ihm aber Hütte -„teil werden können, geraubt. Welche Mahnung für die. die wie er rum arosten Lch-uen der Tinge berufen sind. Liegen sie an fernem Bcispi-l den Weg 'finden, der sie auecrwühlt werden lässt. r-.' Vor kurzem ist eine Uebersttznng der unvollendet hinterlasse,len N a s i e n k n »de Frankreichs" de? Grafen I. A. G o b i n e n u in Leliin-rnns Verlag. München, erschienen. Hierin entivichelt Gobi,,eau die bekannten Liassedogmen, die unsere Völkischen als ihre Bibel betrachten. Nun, so mögen sie auch seine Ansicht über die Namenkunde vernehmen, dre, obwohl im Jahre 1879 modergeschrieben, so modern ist. daß auch wir ihr rückhaltlos zustimmen können. Au) Seite 23 des erwähnten Buches steht geschrieben: „Tie Namenkunde, als eine äußerst jung- Wissenschaft, ist naturgemäß manchen Derirrungen ausgesetzt; und es darf uns nicht wundernchmen, wenn sie sich mitunter in den Händen der ärgsten Schwätzer sehen läßt. Von Haus aus ist sie zwar durchaus wissenschaftlich, aber die Mathematik nt es ja gleicherweise, was sie^doch nicht daran gehindert hat, erstmals unter der Führung von Sterndeutern und Horoskopstetlern aufzutreten. also von Leuten, die ihr Ziemlich lange den übel verdienten Ruf einer baren Phantasterei einbrachten. Man muß esder Nasfenkunde daher zugutehalten, wenn man sie n o ch hin und w i e d e r durch Schwatzbasen b l o ß g e st e l l t sieht." Professor L. Basnizki (soeidelberg). ffchsVacher (DiUsldorf) /?> Mit dem Lebensbild vonMar.Weber*), das sie vor eimgenMonaten erscheinen ließ, hat Marianne Weber die deutsche Memorrenliteratur um ein kostbares Werk bereichert. Sachlich ungewöhnlich interessant, eins der sesselndsten Bücher, die seit Jahren erschienen sind, ist diese Biographie zugleich ein Dokument sür die Geschichte der Wnsenschasten und der Politik der jüngsten Jahrzehnte und em Denkmal für die Entwicklung des Lebens der Persönlichkeit in dieser Epoche. Als solches hat es bleibende Bedeutung auch sür die Zukunft. Auch der I u d e mit seinen Problemen, der deuisä)e Jude wie der des Auslandes, hat den großen Denker, Forscher und Politiker gefesselt. Webers Lebensbild liefert uns deshalb wertvolle Waffen in unserem Kampf um unser Recht. Seine Aeußerungen gewinnen sür uns doppelten Wert, weil sie nicht speziell sür Inden und Judentum gemünzt wurden, sondern Konsequenzen seiner menschlichen und politischen Gesamtüberzeugung sind. Und neben seiner Stellung zum Judentum wird für uns seine Kritik am deutschen politischen Leben der Zeit und damit auch an unseren antisemitischen Gegnern wichtig und bedeutend. Der vork>errschende Zug in Mar Webers geistiger Natur war seine Leidenschaft für die reine Wahrheit in der Wissenschaft. Er stellte dem Forscher die schwere Aufgabe, solange er Forscher und nicht etwa Politiker ist, sein Ich auszulöschen, seine Wünsche für den Verlauf der Entwicklung eines historlsck)en Prozeyes zu unterdrücken, alles zu vergehen, was nach seiner Meinung sein soll, und sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit rein auf die Erklärung und Ableitung der sozialen und historischen Gebilde aus ihren Ursachen zu beschranken. Diese scheinbar selbstverständliche, in Wirklichkeit fast übermenschlich schwere Forderung Webers hat in dem Methodenstreit der Geifteswissenschaften in den jüngsten Jahrzehnten im Mittelpunkt gestanden. An ihrer Entstehung hat Webers Abneigung gegen Treitschkes Antisemitismus keinen geringen Anteil. T-enn in dem großen akademischen Lehrer Heinrich v. Treitschke sah der junge Student zum ersten Male einen Forscher, der dieser Forderung bewußt zuwidcrhandelte. Der dreiundzwanzigjährige Max Weber, dem „die antisemitischen Kriegsrufe der Konservativen ebenso zuwider sind wie die Hohenzollernlegenden", tadelt im Jahre 1887 „den entschieden nicht erfreulichen Eindruck, den das persönliche Einwirken (des Professors) auf die Bescheidenheit des Urteils, die Urteilsfähigkeit und ben Gerechtigkeitssinn der Studenten hat". Er hält diese Art der Beeinflussung junger Lenke, „solange man noch selber einen eigenen Standpunkt der Betrachtung suchen soll", für verderblich. Wahrscheinlich, meint seine Biographin, halben zuerst diese Eindrücke in Treitschkes Kolleg ihm die Ueberzeugmrg cingcsenkt, „daß die absichtsvolle Prägung der Werdenden durch Aufdrängen politischer Werturteile nicht auf's Katheder gehört, daß der Lehrer, der im Hörsaal als Demagoge oder „Prophet" auf die bildsame Jugend zu wirken sucht, seine Befugnisse überschreite". Dieses Problem, das ihm zum ersteil Male an Treitschkes Antisemitismus klar wird und das ihn dann sein Leben lang nicht verlassen hat, ist aber keineswegs eine nebensächliche Angelegenheit der Hochschulpädagogik, sondern eine Grundfrage der Politik und eine ihrer schwersten Gefahren. Weber war ein scharfer Kritiker des deutscljen öffentlichen Lebens am Ende der Bismnrckschen Epoche. Frühzeitig sah er in dem geistigen Zustande des damaligen Bürgertums die Wurzel des Unglücks, das nachher in der Kriegszeit über lwreiubrech.m sollte. „Tie furchtbare Vernichtung selbstamager Ucberz-cugnug, welche Bismarck bei uns angerichw: lyai, ist natürlich der oder einer der Hauptgründe aller Schaden der jetzigen Zustände. Al>er tragen wir daran nicht mindenens die gleiche Schuld wie Bismarck selbst?" ..Die Erziehung der Aatwn zur Selbständigkeit politischen Denkens wie zu geistiger Freiheit . schreibt Marianne Weber, „erscheint schon dem jungen Weber über alles wichtig, darum setzt er sich mit Treitschkes Lohrart wiederholt auseinander. In den von diesem glänzenden Lehrer beeinflußten Kreisen wird die Ansicht vertreten, daß Historie die bis an die Gegenwart heranreichte, als politisck-es Erziehungsmittel L-rlag °^°2. C. Ä. ®a,kwn' TiMngea, aufzufassen sei und^ deshalb. im Gegensatz zur Geschichte der Vergangenheit. auf wissenschaftliche Objektivität verzichten dürfe. Demgemäß verfährt eben Treirschke. Er politisiert seine Hörer, berauscht sie für Bismarck und die Hohenzollern und schürt ihren Antisemitismus." Hier erscheint also der Antisemitismus im Horsaal als wichtiges Glied in einem politischen System, das Deutschland ins Unglück gestürzt hat, und selber als eine wesentliche Ursache dieses Unglücks. Die Frage hat in den seitdem verflossenen vierzig Jahren von ihrer Wichtigkeit nichts verloren, der Antisemitismus aus dem Katheder ist im Gegenteil gerade heute zu einer der gefährlichsten Waffen gegen das Judentum ausgebildet worden. Weber liefert uns int Kanrpfe gegen ujn starke ethische und politische Argumente, geschöpft aus den größten Zusammenhängen, und den Nachweis seiner für Deutschland verhängnisvollen politischen Wirkung. Damit gewinnt in diesem Punkte das Lebensbild von Max Weber sür den deutschen Juden aktuell-politisch Bedeutung. Juden und Judentum selber hab^en Weber immer lebhaft beschäftigt. Der große Soziologe hatte, besser als viele Juden, das feinste Verständnis für die religiöse Eigenart des Judentums und ihre entscheidende Bedeutung für alle jüdischen Probleme, auch für die anschinend rein politischn. So erklärt sich seine klare und für uns alle bedeutende Stellungnahme zum Zionismus. Er gab die Möglichkeit der zionistischen Kolonisation Palästinas zu, sah darin aber keine Lösung für die innere Problematik des Judentums. .Lllas fehlt denn wohl hauptsächlich?" schreibt er einem zionistischen Freund. „Ter Tempel und der Hohepriester sind es. Gäbe es diese in Jerusalem — alles andere wäre Nebenfach. Daß hier die wirklich das jüdisch-nationale, aber an religiöse Bedingungen sestgeknüpfte Würdegesühl angehenden Werte liegen würden, scheint nur erst an die eigentlich Problematik des Zionismus zu rühren." Als er als Erster die von ihm erst entdeckten Probleme der Wirtschastsethik der Weltreligionen untersuchte. bearbeitete er zunächst das biblische Judentum und lernte, als Fünfziger. Hebräisch um die Bibel in der Ursprach zu studieren. Wie er sie betrachtete, zeigt das großartige Bild des Propheten Jeremia. das uns Marianne Weber wiedergibt. Er wollte auch den Talmud in gleicher Weise analysieren, und mtr der Tod hat ihn an der Durchführung dieser Absicht gehindert. Er verehrte das Alte Testament und sah in den Propheten und im Buch Hiob „unvergleichliche Dokumente religiöser Beseeltheit und Tiefe". Er kannte aber auch viele Inden und hatte einen großen Respekt vor jüdischer Art. Daß dem Juden das Beste seines Wesens cnis seinen: jüdischen Urquell komme, lmt er wundervoll nach dem Tode von Georg Jellinek ausgesprochen. einem Sohne jüdische Elterw mit edelster jüdischer Tradition, die auch durch seine Abkehr vom Judentum und den Empfang der Taufe nicht getilgt werden konnte. „Aus seiner Herkunft und den Traditionen seiner Familie hatte er etwas von jenem feinen Duft empfangen, der uns Wandel kommender und gehender Stimmungen doch immer wieder in ihr Gleichgewicht zurückkehrende eigenartige souveräne Stellung der Seele zur Wett, die wir wohl „Lebensweisheit" im Sinne des antiken Orients nennen dürfen. Wenn er innerlich ganz bei sich war, in seinen besten Stunden, leuchtete ein milder Strahl von rhr in ihm auf. und aus dieser Quelle friste sich das Beste von dem. lutiä ich unter feinem Hunwr verstehen wollte." Der getan f t e I u d e. desfen Beste § sich doch aus seinem jüdischen Ursprung speist, ein wundervoller Trost für den treuen Juden! Und ein ihm wohl selbst nicht klar bewußtes feines Gefühl für jüdisches Wesen verrät Welker, wenn er bei einer Würdigung von Jellineks eigcntümlick)em Humor die Bemerkung macht' -Mrr lst von Lebenden nur der Witz Alfred Doves bekannt, und umn sagt mir. daß der von Joses Nnger ähnlich geartet sei." Es war wohl der besondere jüdische Witz, was Weber da empfand, denn ^lcL!-n’icrJ!!^ ^oorg Jellinek waren der Abstammung nach aanr, und Alfred Dove war von seiten seiner Mutter Jude.