Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 5 (4.2.1927)
- Date
- 1927-02-04
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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60 kenSwert ist immerhin, daß «r den grobschlachtiaen Judenhaß seinen Nachgeordneten Unter, führern überlassen hat. während er im Lchienhalwsaa.c in Gotha vor 2000 Menschen ein ..groß ausgezogencZ Lcltanjchniniig«. Programm" entwarf. „Mit philosophischer ^.iese griff ^er tue ^.ebensfrcae des deutschen Volkes heraus, mit musierhaster Sprache wufzte er sie auf seine Plattsorm zu übertragen und zu verlebenden. Stundenlang hielt er die Zuhörer in Bann", lobt sein Leibblatt in Weimar. Aber Hitler i|t dech im wesentlichen nichts anderes als ein großer Blender, der sich mit seinen eiaenon Worten schlagt. Wenn Hitler in Gotha gesagt hat: „Es gibt auf der Welt nur einen sicheren Beweis von der Richtigkeit einer Idee: d as i st de r E r f o l g", dann wird der große Volks- Held Einkehr halten müssen, wenn er die Zahlen des Wahler gebni s se s ricbtig liest. In Schlei z hat er em nachdenkliche» Publikum gefunden, als er die We l t-F r e r m a u r e r e l für alles Unglück in Deutschland verantwortlich machte. In'deutschnationalen Zeitungen sind von Leuten, die ihm nahe stehen. Erklärunaen abgegeben worden, daß Hitler mit seinen Angriffen auf die Freimaurer die öffentliche Meinung bewußt irreführe. Es mußte ein Redner aus München erscheinen,-und „die Herren Brüder der Loge wurden nochmals eingeladen", sich selbst über die Freimaurerei zu äußern. (In den Hitler-Versammlungen gab es keine Aussprache.) So wenig wir die Hitlersche Goächr unterschätzen, so sehr haben wir gerade in Gotha und Meiningen beobachten .können, daß der Besuch Hitlers mehr eine Art M o d e k r a n kheit war. Und wenn ein Gothaer Polizeioffizier im Vorraum eines Hotels in Gotha laut erklärte: „Der einzige, der etwas zu sagen hatte, war Hitler. In 'diesem Wahlkampf waren die Redner aller anderen Parteien Schreier", hat Hitler hier sicherlich keine Seele gerettet. Vor dem Weimarer Nationaltheater stehen am Wahltag viele nach Billetts an. Sie freuen sich, daß ihnen der Wahltag Ablenkung verschafst, denn man _tft hierzulande noch nicht so weit, stcH beim Warten mit Klappstühlen zu versehen und einen spannenden Roman zu lesen. Ein Wagen „lan dfremder" Nationalsozialisten umkreist in der üblichen Aufmachung das Denkmal Schillers und Goethes. Im Takt wird Hoch und Nieder geschrien, und das gibt Mwechslung.. Die Schleppa r b e i t ist mustergültig organisiert. Alle Parteien haben in den Zeitungen angekündigt, daß Autos auf Anruf zur Verfügung stehen, Arbeitersamariter tragen S ch w e r k r a n k e auf Bahren durch die Stadt. Sonst aber sind die Anschlagsäulen die einzigen Hinweise auf den Wahltag. Ein Landhauschen im Glanze einer roten Hakenkreuzsonne leuchtet aus den Plakaten hervor. Unterschrift: „Wohnungsnot. Arbeitslosigkeit, Zinswucher und Judenherrschaft — wer diese Zusammenhänge kennt, wählt Deutschvölkisch Freiheitspartei." Weniger lieblich wirkt das Plakat der Nationalsozialisten! Ein Pslasterer in roter Riesengestalt läßt seinen Rammer aus einen Wolkenkratzer niederjausen, aus dem Juden u-nd Jüdinnen, Zerrbilder, entfliehen. Geleitschrift: „Zerschmettert den Weltsernd, die internationale Hochfinanz und den Marxismus!" Ausfällig sind .die Plakate der Sozialdemokraten, die die „Sünden der Rechtsregierung" drastisch veranschaulichen. Die Einheitsliste der Deutschnationalen, Dolkspartei, des Landbundes und Zentrums arbeiten gleichfalls mit allen Mitteln der modernen Zeichnungstechnik. Tie Weimarer Wahlen haben gezeigt, wie man in der Wahlreklame ein gutes Stück vorwärts gekommen ist. * Das moderne Mittel der Illustration hat die thüringische Presse aller Parteien in einer Weise benutzt, daß man fast sagen konnte, eswarzuviel.um wirksam zu sein. Dazu schlecht- Verse. Die Einheitsliste einigte sich aus folgendes Motto: „Deutsches Gewisien hast du keins. Wenn du nicht wählst die Liste 1." Die Nationalsozialisten dichteten: „Fünf Finger an der schwieligen Hand Wählt Liste 5 im Thüringer Land." Durch die s o z i a l i st r s ch e Presse ging eine Zeichnung: Niedergeschossener Polizeibeamter, neben ihm Hitler-Gardist mit Pistole und Dolch. Text: „Auf dem letzten ,Kulturtage" der Nationalsozialisten wurde ein Polizeibeamter von den Diuter-Horden niedergeschosien. Sollen diese Mörderbnnden auch in Zukunft Thüringen terrorisieren und die Bevölkerung bedrohen können?" Die Demokraten versprachen sich von folgendem Leitsatz Werbekraft: * „Er zählt die Häupter seiner Lieben, Und sieh' — sie wählen alle Liste sieben." Wirksamer als dieser Ruf war in Weimar das Ereignis der demokratischen Wahlkampagne, eine zweistündige Rede von D r. Lu dwig Haas im großen Stadthausr Qö«k^crcn glänzender Erfolg durch einen Trupp Nationalsozialisten und Werwölfe nicht mehr gestört werden konnte. Die Do l k i sch enhabeneineschwereNiederlageerl r t t e n. H i t l e r und G r a e f e haben nur rund 40 000 Stimmen aufbringen können und über 50 Prozent ihrer Anhängerschaft gegen» über der Reichstagswahl von 1924 verloren. Trotzdem rst Dinters Macht in Thüringen nicht gebrochen. Dre Rechtskoalition braucht die zwei Stimmen der Nationalsozialisten und die eine Stimme des Aölkisä)en. falls es zu einer Minderheitsregierung der Rechten in Thüringen kommen sollte. Aber auch abgesehen davon ist auf der Einheitsliste eine ganze Reihe von Männern zu finden, die Dinier politisch nahestehen, soweit es sich um die Minderung der staatsbürgerlichen Rechte der thüringischen Juden haiidelt. Bedauerlicherweise hat auch die Wirtschaft»- Partei, die mit fünf Mandaten in das Parlament einzwht, trotz mancher jüdischer Deutscher in ihren Reihen einen Mannan ihrer Spitze, der in Wort und Schrift aus seiner judenfeindlichen Einstellung keinen Hehl gemacht hat. Hoffen wir, daß die verantwortliche Stellung, in die er jetzt hineingekommen ist, ihn vor Unverant- Wörtlichkeiten in Zukunst schützt. Im übrigen läßt es sich heute schlecht prophezeien, was werden wird und wie wir die Lage von uns aus zu betrachten haben. Der Centralverein in Thüringen hat sich tapfer geschlagen, hat umsichtig und fleißig gearbeitet und wird wachsam bleiben. Soviel rst gewiß: Der Wahlausfall gibt trotz erfreulicher Wirkungen auch unserer Aufklärungsarbeit keinen Anlaß,aus vermeintlichen Lorbeerenauszuruhen. Euckerr rrrrv WrinDt. Ter Lehrstuhl, den Rudolf E u ck e n in Jena jahrzehntelang bekleidete und der zu einem Mittelpunkte deutschen idealistischen Geisteslebens wurde, ist vor kurzem durch Mar Wundt, den Sohn des großen Wilhelm Wundt, besetzt worden. Aus der Aneinanderreihung von Aeußerungen beider Männer möge ihr A b st a n d erkennbar werden. In einem Briefe an einen Anhänger schreibt Süden: „Seien Sie überzeugt, daß ich das Judentum mit seinen: hohen sittlichen Ernst und seiner bewunderungswürdigen Lebensenergie ausrichtigst schätze, ja verehre, daß mir namentlich die Propheten und die Psalmen bei meiner Lebensarbeit stets gegenwärtig sind ... So betrachte ich die geistige Bewegung im Judentum nicht als etwas mir Fremdes, sondern ich freue mich ihrer von Herzen." Max Wundt hat eine Reihe umfangreicher Werke über die völkische Weltanschauung versaßt. Er gilt deswegen mit Recht als maßgebender geistiger Kopf der völkischen Bewegung und wird deshalb bei repräsentativen völkischen Veranstaltungen gern zu Vorträgen herangezogen. Auf einer Provinzialtagung der völkischen Gesellschaft Deutscher Staat gab Wundt, der Goethe-Festredner für 1927. im Verlaufe einer Gedankenkette, in der er die Ueberfremdung des deutschen Geisteslebens beklagte, folgende Sätze zum. besten: Deutlich macht sich hier der zersetzende jüdische Einfluß geltend in den Werken namentlich eines Heine und Börne, die den deutschen Geist verhöhnen, in der Lehre eines Karl Marx, der sich als Schüler Hegels bezeichnte und besten Werk um« fälschte. Unter diesem indischen Geist leiden wir noch heute, und der Ausspruch: „Wir Juden verwalten den geistigen Besitz Deutschlands" hat nur allzusehr seine Berechtigung, wenn man nur beispielsweise daran denkt, daß von den vorhandenen sieben Goethe-Biographien nicht weniger als sechs Juden als Verfasser haben, und daß auch an das Erbe Kants,;a soeprrFichtes, der jüdische, völlig materialistisch eingestellte Geist sich 'heranwagt. Kein Wunder, wenn uns so der Zugang zu unserem eigenen geistigen Erbe verschlosten ist" . . . Widerlegung nutzlos! Erläuterung überflüssig! —. Das ist Euckens Nachfolger! Unsere MonatsauSgabe. Die Monatsausgabe unserer Zeitung", die wir allmonatlich christlichen Lesern zusenden, hat jetzt eine Auslage von mehr als 30 000. Aber die Ausklärungsarlwit muß ausgedehnt werden, wollen wir nur einigermaßen mit der völkischen Agitation Schritt halten. So wollen wir auch die Auflage dieser Monatsansgabe erheblich vergrößern und ihr außerdein alle zwei Monate eine Beilage geben, in der wir unsere nichtjübifdjen Leser über den wahren Geist, der im jüdischen Schrifttum herrscht, aufllären wollen. Diese Flugblätter können gegen geringes Entgelt, auch ohne die Monatsausaabe. für Aufklärungszwecke von unserer Zentrale, Berlin SW 68, Lindenstraße 13, bezogen werden. Ebenso wollen wir später in dieser Beilage die Wahrheit über die wichtigsten Schlagworte und Verössentlichungen verbreiten, mit denen die Völkisäxn ihren Kampf zu führen pflegen. Wir hoffen, daß unsere Mitglieder uns weiter in diesem Aufklärungskampf unterstützen werden, damit wir schließlich das Ziel erreichen, das wir, um der Wahrheit zum Siege zu verhelfen, anstreben müsten: die Mona tsausgabe möglichst in jedes nichtjüdische Haus!