Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 4 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Die C.V.-Woche im ‘Rheinland. JF. In der Zeit, wo die judenseindlick^e Welle auch das Rhein-! andzu erfassen droht, wo die Nationalsozialisten mit allen offenen und geheimen Mitteln ihren Feldzug am N hei n weiterzuführen bestrebt sind, wo überall die Anzeichen sich mehren, daß völkische Arbeit des rechtsrheinischen Deutschlands im Linksrheinischen Gebiet neu auslebt, in dieser Zeit hat der linksrheinische Landesverband des C.V. auch in seinen Reihen Umschau gehalten. In einer bedeutsamen Rheinlandwoche, die zweifellos einen Markstein in der Geschichte des rheinischen C. V. bilden wird, hat er in großzügiger Persammlungstätigleit, durch Belehrung, Mahnung und Warnung die rheinischen Juden emporgerissen Hu erneutem engen Zusammenschluß im Kampf gegen den völkischen Gegner hat er aufs neue die Erkenntnis vertieft, daß die C. V.-Arbeit die Grunolage aller jüdischen Arbeit überhaupt ist, daß nur auf Grund einer ruhigen und sicheren wirtschaftlichen und politischen Entwicklung jüdische Ausgaben jeder Art innerhalb Deutschlands erfüllt werden können. Bekenntnis zum Heimat- und Rechtsgedanken ist die Basis, aus der wir unsere Arbeit aufbauen. Im Zeichen dieses Titels stand auch die Kölner Kundgebung im altehrwürdigen Gürzenich-Saal, die in ihrer Gestaltung und ihrem glänzenden Verlauf den Kristallisationspunkt der C. V.-Woä)e bildete. Rabbiner Dr. Gold mann (Leipzig) gab der Synthese von Deutschtum und Judentum auss neue Inhalt und Leben, ltnb Direktor Dr. Ludwig Holländer (Berlin) wies der C.B.-Arbert neue Wege. An der Orgel aber saß Meister Aloys Kren z, wahrend Frau Lilli Amerikaner mit ihren biblischen Liedern von Dvorak sich den Beifall der Zuhörer ersang. Die Rheinlandwoche selbst ist glänzend verlaufen. In 20 Versammlungen der Woche und vier Borvcrsammlnrrgcn haben folgende Redner gesprochen: Dr. Ludwig Holländer (Berlin), Dr. Norbert E r n st e i n (Berlin), Artur Schweriner, stellvertretender Syndikus des C.P. (Berlin), Rabbiner Dr. Felix Gold mann (Leipzig), Staatsrat a. D. Dr. Eohn (Dessau), Rabbiner Dr. Eschelbach er (Düyeldors), E. I a c o b i (Köln), Dr. S. Braun (Köln), Rabbiner Dr. N e u h a u s (Mülheim a. d. Ruhr), Rabbiner Tr. Kahlberg (Halle), Frau Stadtverordnete Jeanette Wolf (Bocholt), Dr. Alfred Veis (Andernach) und Dr. Martin Marx, stellvertretender Syndikus des C.V. (Frankfurt a. M.). Es wurde gesprochen von der jüdischen Not, vom wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Judenhaß, von der neuen Form des Judenhasses, aber auch von unserem Staatsbürgertum, von unserem unerschütterlichen Willen zum Kampf um des Judentums und Deutschtums willen. Ein gewaltiges Programm ist in einer Woche abgerollt, neue Anregungen gebend, neues Leben schaffend, den Willen stärkend, die Treue festigend. Und alle Versammlungen in v den Städten des Rheintals wie auch auf den Plätzen im Gebirge waren gut besucht, ja überfüllt: der rheinische Jude hat den Augenblick verstanden. Den Abschluß der Woche bildete die Delegiertentagung am Sonntag, den 23. Januar, in Koblenz, zu der 29 Ortsgruppen 60 Vertreter entsandt hatten. Vormittags sprach Herr Dr. Norbert Einstein (Berlin) in ausgezeichneter Rede über „Das Wirtschaftsleben und die Juden", und in der uns bekannten Art unser Meister Ludwig Holländer (Berlin) über die Lage und die Arbeit des C. D. Ein Referat des Verbandssyndikus E. Jacobi (Köln) folgte über „Jugendbewegung — Finanzfrage — Werbewoche — ,C. D.-Zeitung'." Die sich anschließende Aussprache war äußerst anregend und fruchtbringend. Die Rheinlandwoche ist dahingerauscht. Ihren Wert wird sie in dem beweisen, was zurückbleibt. Hier haben die einzelnen Ortsgruppen und ihre Führer das Wort. Mögen sie nicht nur den Augenblick, sondern auch die Zeit verstehen. Möge die ideelle und materielle AuSlefe der Rheinlandwoche groß fein! Von der deutschen Juden Wertigkeit. Am 15. Januar, dem Vorabend der großen Hauptvorstands- Eung des C. B., sprach Gemeinderabbiner Dr. L e w i n (Königsrg): „Von der deutschen Juden Wertigkeit und der Verbreitung ihrer Kenntnis." Der nicht nur in Centralvereinskreisen anerkannte Redner verstand es, durch seine in wunderbarer Sprache vorgetragenen Ausführungen, die Teilnahme seiner Zuhörerschaft unausgesetzt wachzuhalten. Er stellte der bisherigen Centralvereinsarbeit, deren Wert und Bedeutung er anerkennende Worte widmete, eine neue Deutung des jüdischen Anteiles au der deutschen Kulturarbeit gegenüber. Der Dortrag war von Berliner und auswärtigen Hauptvorstandsmitgliedern wie von den Vorstandsmitgliedern des Landesverbandes Groß-Berlin und seiner Ortsgruppen stark besucht. Die Leistungen des Philo - Verlages. Am 18. Januar, abends 7 Uhr, wurde in den Räume»! der Buchhandlung von Reuß u. Pol lack in Berlin, Kurfürstendamm 220, Eingang Meineckestraße, die bekanntlich dem großen Publikum das Wirken literarischer und wissenschaftlicher Verleger durch Ausstellungen mit einleitendem Vortrag zu vermitteln sucht, eine Au§< stellung des Philo-Verlages eröffnet. Die Ausstellung bei Neuß u. Pollack, die aus drei Wochen au§« gedehnt »vird. soll der Oesfentlichkeit Gelegenheit geben, sich über Ns Erschwungen des Philo-Verlages zu unterrichten. Sie wnrds durch einen Vortrag von Amtsgerichts rat Dr. C. F. SB* Behl eingeleitet, der ungefähr folgendes ausführte: „Die eigentliche Grundlage des P h i l o - V e r l a ge s, der Ihnen in unserer heutigen Ausstellung einen Ueberblick über sein Werk gibt, ist der Kampf gegen das — leider immer noch und immer wieder — Zu bekämpfende Vorurteil des Antisemitismus. Es ist ein geistiger Verteidigungskamps, desien Ziel nicht der Kampf selbst, sondern der Friede ist, dessen tieferer Sinn also ein friedlicher genannt werden darf. Die Abwehrstellung bringt es mit sich, daß die polemische Haltung überwicgt. Sie ist aber stets gekennzeichnet von dem geistigen Bestreben, zu überzeugen, anstatt, wie das die Gegenseite vielfach tut, zu schmähen und zu schirnpfen. Es gibt ja kaum einen öffentlichen Kampf, der so vergiftet ist. Die Streitschriften De§ Philo«Berlages versuchen, durch geistige Waffen, durch' Aufklärung und Widerlegung vermöge eines überwältigenden Taisachenmaterials den Kampf gegen die Epidemie des Antisemitismus zu führen. Die verschiedenen Ausstrahlungen dieses Aberglaubens fordern den Kampf auf verschiedenen Fronten. Das Judentum als' Religion, seine religiösen Bücher und die jüdische Ethik sind das eine Hauptgebiet. Hier finden wir etwa Friedrich C a r o s Schrift vom „I u d e n g o t t", eine erschöpfende Antwort aus die Schrisl von Theodor Fritsch „Der falsche Gott", eine Abrechnung mit den Phantasien eines fanatischen Wirrlopfes. Wie d-ie Bibelschmähungen eines Friedrich Delitzsch auch die Ehristenreligion in ihren wesentlichen Grundlagen erschüttern, zeigt Rabbiner Dr. Horowitz, und mit den Verleumdungen gegen den Talmud setzen sich Immanuel Bernfeld und Dr. Kaatz anseinander. Zusammenfassend dars ich hier vielleicht eine Stelle aus der zuerst in der „Katholischen Rundschau für Ostdeutschland", dann im Philo-Derlag erschienenen Aussatzreihe von Franz Steffen über „T-ie antisemitische und deutschvolkische Bewegung im Lichte deS Katholizismus" zitieren: „Ein ungeheurer Schvindel »vird von den Antisemiten mit dem jüdischen Talmud getrieben, indem sie und ihre gedankenlosen Nachläufer Stellen aus dem Talmud zitieren, die sie irgendeiner judenseindlichen Tendeuzschrist entnommen haben, ohne meist zu wissen oder sich klarzurnachen, was der Talmud denn eigentlich ist." Auch das andere Hauptgebiet des Antisemitismus, die Raffen- Polemik, findet den Philo-Derlag auf dem Plan. Hier gilt es ihm vor allein, auch im Gegensatz zu den zionistischen Bestrebungen, die Heimatsberechtigung des deutschen Judentums nachzuweisen und die immer wieder mit grotesken Kombinationen aufwartende Behauptung zu widerlegen, daß eine „politische Internationale des Judentums" und gar eine „geheime Oberleitung des internationalen politischen jüdischen Machtwillens" existiere. Tie berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion" spielen hier die Hauptrolle, mit denen sich Segel in seinen Schriften auseinandersetzt. Hier schließt sich der Kampf an gegen die Behauptungen vom „zersetzenden Einfluß des Judentums" auf die deutsche Kultur und von der „Verknüpfung des Judentums mit Marxismus und Bolschewismus". Allseinandersetzungen mit So mbar t und Spengler kommen da als Ersck)einungen des Philo-Verlags rn Betracht, und sehr interesiant ist Julius Babs Broschüre „Goethe und die Juden", die ebenfalls mit alten Vorurteilen ausräumt. Statistisches Material wird gegen die Verleumdungen der Haltung unserer jüdischen Mitbürger im Weltkrieg beigebracht. Und schließlich hat der Verlag, der mit dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eng zusammenarbeitet, in einer sehr »vichtigen Broschürenreihe zusmnmenfaffende Darlegungen gegen den Judenhaß herausgebracht. Hier erwähne ich — in der kurzen Zeit laßt sich ja nichts Erschöpfendes sagen — besonders die Schriften des berühmten Volkswirtschaftslehrers Lass Brentano, des Lizentiaten Möhring „Gegen .völkischen Wahn" und des katholischen Arztes Dr. I. Weigls Buch „Das Judentum". Neben den Kampfschriften pflegt der Verlag auch die reine Wissenschaft jüdischen Einschlags und die Belletristik. Hier kann in weitestem Sinne ausbauende Tätigkeit ausgeübt und das Besondere der jüdischen Weltanschauung und des jüdischen Denkens für die AllgemeinlM fruchtbar gemacht werden. Die von Professor Dr. Julius Gold st ein (Darmstadt) geleitete hervorragende Zweimonatsschrift „Der Morgen", die dein geistigen Schicksal des denksck)en Judentums dient, erhält diese Zukunstsausgabe des Philo- Verlages in lel>endigem Zusammenhang mit den Strömlingen der Gegenwart. So wächst das Bild des Verlages allmählich über die kämpferische Grundlage hinaus zu einem geistigen Zentrum des jüdischen Elements deutscher Nationalität."