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Central-Verein-Zeitung · 1927-01-28 · 4 (28.1.1927) · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
4 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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#• jtisere iiüiliiliilüüi-ilüiiiülSül ilülüü'iiHüHliüüüülilüiliiüiHi!;;;: mm mm ■UH um ■i Oeffentliche Belehrung über den Talmud. — Br. Ludwig Haas und Br. Cohn (Bessau) über „Beutschtum und Judentum“ in Frankfurt a. M. — Bie Rheinlandhundgebung in Köln. — 24 Gemeindeversammlungen in einer Woche. — Gemeinderabbiner Br. Lewin (Königsberg) über „Ber deutschen Juden Wertigkeitt(. — Ber Philo-Verlag. Die letzten Wochen standen unter dem Zeichen eifriger Aufklärungsarbeit des C. B. Eine Reihe von Verscrmmlungen, z. T. öffentlichen, fand statt, in denen jüdische und nichtjüdische Redner brennende Zeitfragen fast durchweg instarkbesetztenSälen behandelten. Auch der Philo- Berlag entwickelte eine besondere Tätigkeit. In Fürth, Nürnberg und Erlangen sprach Pastor v. Windfuhr (Hamburgs ein hervorragender Kenner des nachbibli sehen Schrifttums, in öffentlicher Versammlung über: „Der Talmud, seine Entstehun'g und sein Weseu." In Fürth wurde die Versammlung von Direktor Kunreuther, dem Vorsitzenden unserer -Ortsgruppe, geleitet. Der Saal war mit etwa 500 Personen dicht besetzt. Außer mehreren .Stadtraten war auch der Bürgermeister anwesend. Auch 50 bis 70 Völkische waren zur Stelle. Diese stellten Zunächst einen Antrag zur Geschäftsordnung, der aber abgelehnt wurde. Der Redner konnte sodann seinen Vortrag ohne Störung halten. Ter Dortrag hinterließ sichtlich eine tiefe Wirkung. Nach der Versammlung sammelten sich auf der Straße etwa 150 Völkische unter Heil-Hitler- Rufen an und stellten sich am Eingang aus. In Nürnberg wurde die Versammlung durch völkischen Mutwillen gestört. Der energischen Leitung unseres Ortsgruppen- )orsihenden Dr. Berlin ist es Zu danken, daß sie Zu einem guten Lnde geführt werden konnte. Als der Saal um Uhr geöffnet wurde, drangen Völkische in Hellen Scharen mit Frauen und Halbwüchsigen in Zahl von etwa 250 ein. Ter Saal füllte sich dann ehr rasch, so daß etwa 700 bis 800 Menschen anwesend waren, in iberwiegender Mehrheit nichtjüdischcs Publikum. Als Pastor Dindfuhr mit seinem Vortrag begann, setzte bei den Völkischen busten und Räuspern ein. Ter Redner ließ sich aber nicht unterbrechen. S-eine Ausführungen wurden dann dauernd von üblen Zwischenrufen begleitet, so daß der Vorsitzende wiederholt eingreifen mußte. Nach Beendigung des Dortrags wurden von Völkischen verschiedene Anfragen wegen der Talmudzitate gestellt, die vom Redner beantwortet wurden. Gerade als der Vorsitzende die Ver- 'ammlung schloß, erschien der bekannte völkische Stadtrat Holz unter Heilrufen. Er sprang auf einen Stuhl und wollte das Wort ergreifen. Es bestand anscheinend die Absicht, eiue völkische Versammlung zu eröffnen. Die Polizei aber räumte den Saal. Trotz der Storungen wurde unserem Nürnberger Borstande mehrfach son christlicher Seite versichert, daß sie von dem Vortrag Gelvinn and Aufklärung hatten. In Erlangen leitete Justizrat Galling er (Nürnberg) die Versammlung. Sie war von nichtjüdischcn Zuhörern stark besucht. Völkische waren nur vereinzelt und nicht planmäßig da. Herr Pastor W i n d f u h r konnte ohne jede Störung seine lehrreichen Ausführungen beenden. Die Versammlung war ein voller Erfolg In Schwäbisch-Gmünd sprach am 9. Januar 1927 Dezirlsrabbiner Tr. Beermann .Heilbronn) über „D e r T a l m u d i m Licht e der K u l t u r - rh ilo s o ph i e". Außer der israelitischen Gemeinde batten sich 'me erhebliche Anzahl christlicher Zuhörer, darunter der OMwbürgermciftcu und die Geistlichen beider Konsessionen, eiugesunden. Der Redner verstand es meisterlich, in überaus klarer, überzeugender Werse, den Inhalt und die Entstehung des Talmud den Zuhörern vorzusühren, Mißverständnisse anfzuklären und den 'hohen Wert oreses großartigen Werkes für das Judentum nachzuweiseu. Emc der Ortszeitungen faßt den Eindruck so zusammen: „Wohlbefriedigt und innerlich bereichert gingen die zahlreichen Zuhörer nach Hause. Der Vortrag war äußerst lehrreich, überaus klar und allgemeinverständlich." Wir beglückwünschen unsere Ortsgruppe und den Redner zu diesem schönen Erfolge. Ludwig Haas und Cohn <Bessau) in Frankfurt am Main. Unsere Ortsgruppe Frankfurt a. M. veranstaltete am 24. Januar 1927 im großen Saal des Fortbildungsheims eine öffentliche Versammlung, die so überfüllt war. daß sie eine Viertelstunde nach Beginn Polizeilich gesperrt werden mußte. Als erster Redner sprach Staatsrat Dr. Cohn (Denan) über „Staat, Gesellschaft und Judentum". Ter Redner betraue, daß es ein Glück für ein Volk sei, sich sein Recht und seine Geltung erfänipreu zu müssen. Das Schicksal d-er deutschen Juden ist mit dem Schicksal der Masse des deutschen Volkes verbunden. Ter Redner zeigte die Gefahren, die der deutschen Freiheit und mit ihr den deutschen Juden von dunklen Mächten drohen. Jeder Jude habe die Pflicht, für die Ideale des Judentums einzutreten. Reichstagsabgeordneter Dr. Ludwig Haas (Karlsruhe) wandte sich ausführlich gegen die scheinwisienschastlichen Rassetheorien, die in das Volk hineingetragen werden. Gegen sie hätten sich nicht nur die deutschen Juden, sondern mindestens ebenso seine engeren badischen und schwäbischen Landsleute zur Wehr setzen müssen. Tann setzte Haas sich mit dem völkischen Staatsbegriff auseinander. Seit den Freiheitskriegen stellen die Juden in Kriegs- und Friedenszeiten eine auf allen Gebieten voll teilnehmende soziale Schicht des deutschen Volkes dar. Es gibk keinen Gegensatz zwischen Deutschtum und Judentum. Als Juden macht uns der Judenbaß keine allzu schweren Sorgen. Als Deutsche aber sind wir besorgt, und wir wehren uns kräftig dagegen. Zur Aussprache meldete sich lediglich ein Redner, denen Ausführungen ohne Bedeutung waren und der nicht das Ohr der Versammlung fand. Ter großartige Eindruck der warmherzigen Ausführungen der beiden Vorkämpfer auf unsere nichtjüdischen Dolksgenoffen gab sich in vielen Aeußerungen und Dcmkesworten nach der Versammlung kund. Bie grosse Kundgebung in Köln. Tie große Kundgebung des Eeutralvereius in K ö l n . die in dein historischen Großen Saal des Gürzenichs vor sich ging, war gut besucht. Wir veröffentlichen daeüber den Bericht, den die ..Kölnische Zeitung" (Abendausgabe vom 21 Januar) brachte: „Zu einer Kundgebung f ü r H c i m a t u n d Recht hatte der Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit Donnerstag in den Großen Saal des Gürzenichs eingeladen. Die Vorsitzenden der Kötner Ortsgruppe, Dr. Frank, und des linksrheinischen Landesverbandes. Feil chen seid, begrüßten die Versammlung. Dann nahm Rabbiner Dr. Goldman n (Leipzig) das Wort zu seinem Vortrag über „Deutschtum und Judentum", der darin gipfelte, daß die Verbindung dieser beiden Begriffe, wenn sie nicht als hohle Schlagworte gebraucht, sondern innerlich ersaßt würden, zu einer Bereicherung der deutschen Kultur in ihrer großen Vielseitigkeit l>eitrügen. Der Kamps gegen den Anlisemiusmus sei nicht nur ein Kamps ums Recht, sondern zugleich eine deutsche Arl^eit, da der Antisemitismus das deutsche Ansehen im Ausland schädige und im Inland wertvolle Kräfte durch Streit vergeudet würden. Die Aufgaben des Eeutralvereius seien aber auch noch nicht von allen Juden erfaßt: er müsse zu einer gewaltigen Bewegung werden, die jeden umschließe. Der Direktor des Ecutralvereins. Dr. Holländer (Berlin), kennzeichnete die Gegenwartsaufgaben des Vereins, die sich weit über die Abwehrarbeit hinaus zu einem Ringen um die deutche Volksseele gestalten müßten. Es gelte, allgemein über den Wert des jüdischen Deutschen auszuklären und das Gefühl dieses Wertes zu einem Gemeingut des deutschen Volkes zu machen. Die Fremdheit uud die daraus folgende Abneigung in weiten Schichten sei vielfach ans eiue verzerrte Anschauung der jüdischen Religion zurückzukühren. so daß großzügige Werbearbeit geboten fei, um den Volksgenossen die Kenntnis jüdischen Wesens zu vermitteln uud die Brücke zu ihren Herzen zu lchlagen."

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