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Central-Verein-Zeitung · 1927-01-28 · 4 (28.1.1927) · p. Seite 42

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
4 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 nicht verachten, erst recht darf er sie deswegen nicht bekämpfen und verfemen. Damit aber hat er wme religiöse Pflicht Andersgläubigen gegenüber nach nicht erfüllt. Tie .Nrrche verlangt mehr von ihm als diesebürgerliche Toleranz". Sie Verlangt, daß er seine nichtkatholischen itbürger liebe; wie denn auch ihr Stifter Jesus Christus die Liebe zu Gott und dem Nächsten an die Spitze seiner Sittenlchre iteltte, ohne in der Nächstenliebe einen Unterschied zwischen Christen und Nichtchristen zu machen. Ebenso empfahl der Bölkerapostcl Paulus die Nächstenliebe als „Band der Vollkommenheit" (Col. 3,14) unter den Menschen ohne Unterschied des Stammes oder der Religion. Nicht anders dachten und lehrten dieK i r ch e n v ä t e r. Ter größte ihnen ihnen, Augustinus, pxäqte das auch heute noch als Richtschnur in Fragen der Toleranz geltende Wort „Dilige hominem, oderfs vitium"1) (Senn. 19,5): und für das Morgenland schrieb der heilige Chrvsostomus: „Tie häretischen Lehren müssen wir verwerfen und widerlegen, die Menschen aber lieben und für ihr Heil beten." (De anathem. 4.) Bei ihren Mahnungen, Außenstehenden Liebe und Verständnis entgegenzubringen, dachten nicht nur die Apostel und Christus selbst, sondern auch die Kirchenväter in erster Linie an die Nichtchristen. Und gewiß meinte Jesus, wenn er von den Nächsten sprach, die er zu lieben befahl, vor allen die Juden, von denen er dem Fleische nach stammte, mit denen er lebte und aus deren Mitte er nur eimnal für ganz kurze Zeit herausging. Als späterhin immer mehr Absplitterungen von der Christengemeinde entstanden und die Sekten den Kamps gegen die Kirche eröfsneten, nahm diese gegen die „A b t r ü n - rrigen" naturgemäß eine andere Stellung ein. Es entstanden religiöse Kämpfe, die nicht ans den Streit nur die Weltanschauungen beschränkt blieben, sondern hüben und drüben auch aus das bürgerliche Gebiet übertragen wurden und im Lause der Jahrhunderte zu blutigen Zusammenstößen ausarteten. Man muß diese Religionskampse im Nahmen der Zeit- Verhältnisse beurteilen, und man darf nicht übersehen, daß sie auf katholischer Seite von einer Gesellschaft geführt wurden, die in einer ganz katholischen Zeit sich in ihrem religiösen Besitz durch Abtrünnige bedroht sah. Bemerkenswert ist, daß die Katholiken und die Kirche selbst im großen und ganzen mit den Juden besser austamen als mit den vom Katholizismus abgefallenen Christen. Tie Kirche hat sich wiederholt gegen die Verfolgungen und die Verleumdung^ der Juden ausgesprochen; sie hat eigne Toleranzgesetze gegenüber den Juden herausgegeben und gewaltsame Judentausen streng verboten (vgl. Philipps,, „Kirchenrecht" II, 2, § 97 bis 99). Bekannt ist das angenehme Verhältnis, welches vielerorts zwischen den bischöflichen Stellen und den Oberrabbinern besteht. Tiefe Erscheinung hat ihre tieferen Gründe wohl in dem Gefühl gemeinsamer religiöser Traditionen und anderseits in einer nur zu naheliegenden Aversion gegen „abtrünnige" Brüder. Eine antisemitische Bewegung größeren Stils setzte im Katholizismus erst mit den Kreuzzügen ein. Tie flaute bald ab, um später hier und da, z. B. in der spanischen Inquisition, in geringeren! Maße und für kürzere Zeit wieder aufzublühen. Die Erundstimmung aber sowohl gegenüber den Juden als auch gegenüber den Protestanten ist in der katholischen Welt seit Augustinus, ja seit Christus und den Aposteln, immer die gleiche geblieben. Sie liegt in dem Grundgesetz des Herrn begründet: Liebe den Nächsten, wenn du auch seine religiösen Ansichten verwirfstjAieb' ihn wie dich selbst! Der Begriff „Toleranz" entspricht somit weder im dogmatischen noch im bürgerlichen Sinn der katholischen Idee."Dogmatisch kann der Katholik eine andere Glaubenslehre als die seiner Kirche niemals als wahr anerkennen; und im bürgerlichen Leben soll er sich nicht damit begnügen, seine Mitbürger evangelischen oder jüdischen Glaubens wie ein llebet zu „dulden": er muß sie achten und lieben. Das ist katholisch. Und wenn es früher manchmal in katholischen (wie umgekehrt auch in protestantischen) Gegenden zu Exzessen gegen Andersdenkende gekommen ist, so bedauert diese aus den Zeitanschauungen zu verstehenden Ereignisse niemand mehr -als die Katholiken selbst. (Bgl. „Histor.-polit. Blätter", XO, 188-2). *) Liebe den Menschen, verabscheue das Nebel. R kr v - v kS (Sitte «rschiittcrnve Liste. 5? % **&' £ *-*rJ «iw v v W v Aus unserem reichen Aktenmaterial legen wir unseren jüdischen . und nichtjüdischen Lesern eine Liste von Schändungen jüdischer Friedhöfe vor, die in den letzten zwei Jahren in Teutschland zu verzeichnen waren. Tie Liste ist nicht vis zum letzten erschöpfend: sie genügt aber, um zu zeigen, daß nicht einmal die Ruhe der Toten, das höchste Gebot jeder Menschlichkeit, vor aufgehetzten Buben sicher ist. Es besteht durchaus die Möglichkeit, daß hier und da in den aufgezählten Fällen auch Nichtvölkische sich an den Gräbern vergriffen haben. Jeder aber, der die völkische Lehre genauer kennt, wird nicht im geringsten daran zweifeln, daß die erdrückende Zahl dieser Untaten auf das Konto Völkischer zu setzen ist. Gewiß gegen den Willen der Leiter dieser Bewegung; da sie aber im Wesenskern nur H a ß u n b R a ch s u chtlehrt, so führt sie insbesondere ihre jugendlichen Anhänger zwangsläufig dazu, jedes ihnen irgendwie geeignet scheinende Mittel zn benutzen, um dem „Feinde", von dem ihnen nur die größten Schlechtigkeiten und Widerwärtigkeiten gelehrt werden, zu schaden. Ten Beschmutzungen und Beschädigungen jüdischer G o t t e s h ä u s e r in München, Berlin, Potsdam, Kiel und vielen anderen Orten reihen sich die Friedhossschändungen, die hier ausgezeichnet sind, als gleichwertige Ergänzungen an. 1 2. D e z e m b e r 1924-.Beverungen: Aus dem israelitischen Friedhof wurden sieben Grabsteine umgestürzt. M ä r z 19 2 5. K l e i n - B c r & o r f: Auf beut israelitischen Friedhof wurden Zerstörungen angerichtet. Mai 1925. Köthen: Aus dem jüdischen Gemeindefriedhof wurden etwa 3 0 Gräber, durch Umstürzen und Zertrümmern der Grabdenkmäler beschädigt. Täter bekannt, aber verschwunden. 5. bis 6. Juni 1 92 5. Plauen.: Tie neu hergerichtete Leichenhalle wurde nachts über und über uüt roter Oelfarbe beschmiert. Beleidigende Aeußcrungen wurden angemalt. A u g u st 1 9 2 5. Alsbach a. d. Bergstraße: Auf dein israelitischen Friedhof wurden elf Grabsteine mugeworfen und zertrümmert. Januar 192 6. Hockenheim: Auf dem israelitischen Friedhof wurden Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Februar 192 6. Löwen borg: Auf dem jüdischen Friedhof wurden zwölf Gräber durch Bemalen mit Hakenkreuzen. Abhauen von Verzierungen und Eifcnteilen beschädigt. Täter: Schüler des dortigen Gymnasiums. M ä r z 1 9 2 6. P f l a u m l o ch (Süddeutschland): Auf dem jüdischen Friedhof wurden 18 Grabsteine umgestürzt und mehrfach zerbrochen, zum Teil die cteinsockel ausgehoben. Täter-' elf Schüler der evangelischen Volksschule. 12. bis 13. März 192 6. Erfurt: Ter alte jüdische Friedhof wurde verwüstet. 95 Grabdenkmäler umgeworfen und zertrümmert. Täter: Angehörige des W i k i n g b u n d e s , die mit Gefängnis b-estraft wurden. M a i 1 9 2 6. M e m m e l s d o r f (Oberfraukeu): Auf dem jüdischen Friedhof wurden aus Grabsteinen eingelegte Platten zertrümmert. April 1 926. Collies i. Pommern: Aus dem jüdischen Friedhof wurden mehrere Grabmäler vernichtet imb viele Gräber zerstört. Tater:..ein Mitglied des Stahlhelms, wurde mit Gesänguis bestraft. Oktober 1926. A l t d a m m i. Pommern: Das Tor des jüdischen Friedhofes wurde ausgebrochen, sieben bisachtGrabsteine umgeworfen und zerstört. . November 1 926. önoien i. Mecklenburg: Auf dem israelitischen Friedhof wurden Gedenksteine rmigcworfcm, Gräber denwliert. 14. bis 15. Dezember 1926. Breslau: Auf dein alten jüdischen Friedhof in der Claßenstraße wurden etwa zehn Grabsteine umgeworfen und die Gräber demoliert. 2 4. Dezember 1926. Bingen: Auf dem jüdischen Friedhof wurden Grabdenkmäler lungestürzt, Brouzestücke und Bronzeplatten abgeschlagen und mitgenommen. Dezember 1 9 2 6. E r m e tz h o f e n (Mittelfranken): Beschädigung des kleinen jüdischen Friedhofes. Einverstanden. Im „Stahlhelm" (Ar. 4 vom 23. Januar 1927) werden aus den nachgelassenen Auszeichnungen des weit rechts stehenden Schriftstellers M o e 1 l c r o a n den D r u (£ Gc danken über G e - schichte veröffentlicht. Air geben drei davon hier wieder, die zeigen, daß selbst der völkischen Weltanschauung Nahestehende nicht immer auf das arische „Rassenevaugelrum" schwören. „Tie Vorgeschichte ist die Geschichte der reinen Nassen. Tie Geschichte beginntmit der Rassenmrschung." „Geschichte vollzieht sich in Nationen." „Rasse des Blutes hat noch nie Geschichte geschaffen."

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