Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 4 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- Seite 41 (sequence 1)
- Language
- German
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Serlin, 28. Januar 1H27 |SpjS'55Wgg5Sa Einzelnummer JLO Bfrnnls» Vertag u. SchriftleUrmg: Berlin §W bZ, Lindenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 8595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube O, Berlin 8^' 63. Lindenstr. 7, und von Goldfchinid1.Ro:hschi!d L Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosie, Berlin 8^ 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,99 JIM für bie 7gespaltene Zelle rach SRuboy SioflJ3 Normalzeilenmesser Rr. 4, Familienarzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 9,45 JIM, dre 90 mm biettß ReUomezelle 4,59 JtM* Von Di!. H. W BL'W Bei der Aufnahme des nachfolgenden programmatischen ^Aufsatzes eines hervorragenden katholischen Gelehrten gehen wir von der Erwägung aus: Wer Toleranz übt und Toleranz oder noch mehr verlangt, muß sich an der Quelle auch anderer Religionen unterrichten und die Auffassung kennen lernen, die, irr diesem Falle, das katholische Glaubensbekenntnis vom Toleranz begriff hegt. <Tie ^chriftlcitting.) SiMmMs Lslöram. Religiöse Toleranz ist die geflissentliche Duldung einer religiösen Ueberzeugung. die man innerlich nicht billigt, äußerlich aber zuläßt und nicht hindert. Die religiöse Ueberzeugung der Katholiken beruht auf dem von der Kirche gelehrten Dogma. Der Katholik ist dogmatisch eingestellt. UnterDogma im eigentlichen Sinne versteht er eine von Gott geossenbarte, also in der Bibel oder Tradition begründete Wahrheit, welche die Kirche durch ihr unfehlbares Lehramt vorlegt (definiert). Diese dogmatischen Sätze oder Definitronen, die nur ein allgemeines (ökumenisches) Kirchenkonzil unter Vorsitz des Papstes oder der Papst allein, wenn er in feierlicher Werse für die Eesamttirche bindend (ex cathedra) lehrt, festlegen kann, müssen.von jedem Katholiken geglaubt werden, dh. jeder Katholik muß sie fest für wahr halten, nicht etwa. weil ihm ihre Wahrheit selbst einleuchtet, sondern weil Gott sie geosfenöart und durch das unfehlbare kirchliche Lehramt übermittelt hat. Es gibt ihrer nur wenige; sie sind jedenfalls viel weniger zahlreich, als der Außenstehende, ja selbst der katholische Laie, in der Regel anninnnt. In einer angesehenen katholischen Zeitschrist Frankreichs hieß es, allerdings mit einiger Uebertreibung, mau könne sie. auf einer Handfläche zusammenschreiben. In diesen Dogmen nun ist die katholische Kirche intolerant; das heißt: sie ist überzeugt, daß ihr Dogma die einzig wahre religiöse Lehre darstellt. Der Katholik empfindet diese dogmatische Intoleranz als etwas Logisches, rveil er sich sagt, daß nicht zwei Lehren, die einander widersprechen. zugleich wahr sein können, und wer! es ihm eine Selbstverständlichkeit ist, daß eine Kirche, die an ihre Wahrheit und an ihre Existenzberechtigung glaubt, ihre Religion als die allein richtige betrachten muß. . Die katholische Kirche verwirft somit den religiösen Indifferentismus, der die Gleichwertigkeit aller Religionen behauptet. Ebenso verwirft sie ein dogmenloses Christentum und beu religiösen Subjektivismus. Das protestantische Prinzip der „freien Forschung" ist dem Katholiken etwas Unverständliches, weil es die eine objektive Wahrheit entweder gar nicht erkennen läßt, oder diese Wahrheit zum SpielbaL subjektiver Meinungen macht. Neben den definierten Dogmen, den Kardinalsätzen der katholischen Religion, die der Katholik wenigstens unplicite glauben. muß, gibt es noch andere katholische Lehren und in der ganzen katholischen Kirche verbreitete Ansichten, die wohl allgemein angenommen werden, aber nicht zum eigentlichen Dogma gehören, also nicht das Objekt des eigentlichen übernatürlichen Glaubens, der kides divina, fein können. Hierher gehören z. B. die Auslegung zahlreicher Bibelstellen, insonderheit die Vereinbarung des Pentateuch mit den Ergebnissen der modernen Naturforschung; die Frage, ob das Leben sich aus emer Urzelle entwickelt hat, ja, ob der menschliche Körper (nicht auch die Seele) vom Tier abstamme, die Wunder der Heiligen (erst recht die Ereignisse in Lourdes und anderen Gnadenorten), viele Ansichten der Moralisten über die sittliche Erlaubtheit menschlicher Handlungen usw. Dazu kommen Dinge liturgischer, disziplinärer -oder kirchenpolitischer Natur, z. B. die kirchlichen Zeremonien, das Ordenswesen, der Priesterzölibat, vitz. jüngsten bischöflichen Erklärungen zur modernen Frauenmode, die Politik des Vatikans, die Stellungnahme der Katholiken im öffentlichen Leben usw. — Von allen diesen Dingen braucht der Katholik nur diejenigen anzuerkennen, die mit dem definierten Dogma in einem notwendigen inneren Zusammenhang stehen und deshalb in der Kirche allgemein geglaubt bzw. gehalten werden. Er hat ihnen gegenüber nicht den eigentlichen göttlichen Glauben (Udos divina), sondern nur den sogenannten Kirchenglauben (kides ecclesiastica). Auch hierauf wird sich also seine dogmatische Intoleranz erstrecken. In allen anderen Fragen aber — und sie sind im Katholizismus sehr zahlreich — kann er seine eigene Meinung haben und die Meinung anderer Menschen gelten lassen. Vürserliche Toleranz. Der Katholik muß die katholische Glaubenslehre für die einzig wahre halten — darin kennt die Kirche keine Kompromisse. 'Aber im bürgerlichen Berlehr/also im gesellschaftlichen, geschäftlichen, wissenschaftlichen, politischen usw. Leben mutz er seine nichtkatholischen Mitbürger selbstocrständlich tolerieren: er darf den Aerkehr mit ihnen nicht deshalb meiden, weil sie andersgläubig sind, er darf ihre ehrliche Ueberzeugunz $fltd hPttl Itlfi/lff♦ FricdhofSs.hättdttngcn. — Unsere K4UJ? VClil 4JHJUU. ar-ohc Aufgabe: Aufklärnttg: - Bcrthold Haase: Unser Kampf um die Pascncr K>cimat. — Professor Dr. Mindc-Pouct: Adolf Warschauers Lcbcnserinncrungcn. — Dr. A. Singalowskh: Sicdlungsarbeit in Nutzland. — Dr. rer. pol. A. I ust (Brcolau): Die Juden in der Wohlfahrtspflege. — Dr. P. Nathan: Lucien Wolf. — Ephraim Cohn - R e i tz; Wilhelm HerzbergS 100. Geburtstag. — Adam Röder (Karlsruhe): Das Judentum in der Musik.