Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 3 (21.1.1927)
- Date
- 1927-01-21
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 bk von ihm ciisqcht.* Hub er schrieb an -Eitler: ,/£cy t-er (jvoyatüüc Subcnborrf sich elfen Ihnen anschlicßt undsich zu der Bewegung bekennt.'die von Ihnen ansgelck. welch herrliche Bestätigung!" In Herrn Schotts Hitler-Buch wird diese Briefstelle dreimal wicbergegeden! Bon Gobineauhatte sich Chamberlaiu biszu den Gehoinmissen der Weisen von Zion entwickele von dorun Strescmanns „Deutsche Stimmen" ge'chrieben haben, mau erhalte den Eindruck, daß sie von einem Geisteskranken geschrieoen seien, „einem sehr ungebildeten Geisteskranken/ der vorher seinen ^til au der Lektüre von Krincknalgeschichtcn und der Offenbarung Johannis geschult Hais. Zwar ist Baraeian worden, daß sie eine Fälschung sind; aber das i\i „der beste Beweis dafür, dag sie echt sind", sagt chorr Hitler 111 seinem Buch von 1925. Diesen seinen Abgott hat Eh am her laut bei den Bayreuther Fesckpielen den Gästen vorgesührt, was freilich denn 'Haus Wahnfried übel bekam. Wie auch dem greisen Ernst v. IW o l - zogen die Hakenkreuzromane seiner letzten Periode solche Früchte getragen habcm. Es währt eine kurze Frist, dann zeigt es sich, wie schlecht das Völkische ist. Die Frist war nahezu avgelausen. als Chcm-'aerlain die Augen' sch loh. Die Scharen seiner Verehrer hatten sich schon gelichtet, und bald wird die Zeit da sein, wo von seinen Offenbarungen über die nordische Edelrasse der Blonden und Blauäugigen so wenig mehr die Rede ist, wie heute von der ehedem aufgebauschten Modeschrift über Rembrandt als Erzieher. Bismarck aber, dem Ehamberlaiu Herrn Hitler zur Seite stellt, hat im November 1880 (siehe Poschmger, „Neue Gespräche" 3cite 113) erklärt: „Ich mißbillige ganz entschieden diesen Kampf gegen die Juden, sei es, daß er sich aus konfessioneller oder gar auf der Grundlage der Abstammung bewege . . . Ich werde niemals darauf eingehen, daß den Juden die ihnen verfassungsmäßig zustohenderr Rechte in irgendeiner Weise verkümmert werden." Bon anderer Decke wird uns noch geschrieben: Man mag über die Wirkung und Ausbeutung vou Chamberlains Werk „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" denken wie man will. Die Gerechtigkeit erfordert, festzustellen, daß ein glänzender Stilist dieses Werken einer hinreißenden Sprache geschrieben hat, und daß seine beredten Ausführungen manchem, insbesondere aus ftubentifefj^n Kreisen, die Grundlagen zu einer sogenannten „germanischen Weltanschauung" gegeben haben. Ties schmerzlich, daß diese Grundlagen brüchig waren, daß sie gegen das große Ganze wirken, ^chon daß sich Dinter, Hitler und ähnliche Schlagwortredner zu Chamberlain und seinen Werken bekannten, erweist das Unheil, das er anrichtete. Wo sich dieser Mann vom Politischen frei hielt, in seinen Schriften über Kant und Goethe, leuchtet seine große Begabung ungewöhnlich auf. Ties anzuerkennen, entspricht der Gerechtigkeit, die wir auch dem Gegner niemals versagen wollen. Große Hauptvorstanössitzung öes G. v. Am 16. Januar d. I. fand in Berlin eine große Hauptvorstandssitzung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, die unter ganz besonders großer Beteiligung aus dem ganzen Reiche eine Aussprache über alle rvesentlichen Punkte der inneren und äußeren Bereinspolitik, der Propaganda, der Kulturpolitik, der Finanzen und der zukünftigen Aufgaben des C. B. mit sich brachte. Tie Erfolge des C. B. waren auf einer großen Reihe von Gebieten durchaus g ü nst i g. Es konnte gezeigt werden, daß die Vereinsarbeit in allen Landesteilen zum Teil gut und befriedigend gewirkt hat. Die Stimmung der Vorstandsmitglieder bewies der Leitung, daß sie in allen wesentlichen Fragen das Vertrauen der Gesamtheit der Mitglieder genießt. Für die Schaffung kulturpolitischer Aufklärung, für die V e r t i e f u n g d e r w i s s e n s ch a f t l i ch e n Erkenntnis über die Verwurzlung der deutschen Juden im deutschen Kultur- und Wirtschaftsleben wurde eine namhafte Summe bereitgestellt. lieber das Thema „Das kommende R c i ch s s ch u l g e f e tz und seine Einwirkung auf die politischen und sozialen Verhältnisse der deutschen Juden" wurden die Vorstandsmitglieder durch Referate der Herren Rechtsanwalt Tr. Jakob Dt a r x (Karlsruhe) und Rabbiner Dr. Goldmann (Leipzig) eingehend unterrichtet. Die Hauptvorstandssihung ist sich der Wichtigkeit dieser Frage durchaus bewußt und war für die ruhige und sachliche Unterrichtung sehr dankbar, sah aber von jeder weiteren Behandlung der Angelegenheit ab, weil weitere Klärung notwendig erschien. Einen wesentlichen Raum nahmen die Erörterungen auf dem innerjüdischen Gebiet, so auch über die Gründung des Pro- Palästina-Komitees ein. Man war dabei allgenrein der Ansicht, daß abzuwarten sei, inwieweit durch die Tätigkeit des Pro- Palästina-Kouütees die unverrückbaren Grundsätze des Centralvereins, unsere unlösbare Verbundenheit mit dom deutschen Volkstum und unerschütterliche Auffassung des Judentums als Glaubens- und Stammesgemeinschast etwa berührt werden. Die von der Satzungskornmission entworfenen n e u e n S a tz u n - gen wurden von dem Vorstand angenommen und werden nunmehr einer alsbald einzuberufenden außerordentlichen Hauptversammlung zur endgültigen Genehmigung vorgelegt werden. Zur innerjü öischen Gefrieöung. Briefe an die LchriftLeiLung. Die Aussätze von Dr. Franz Oppenheimer und Lulwig Holländer, die des Abgeordneten v. Frankenberg, wie auch der zuletzt erschienene vou Dr. Felix Gold mann und schließlich unsere Mitteilung über das neugegründete Pro - Palästina- Komitee haben uns eine Reihe von Zuschriften ei ngc bracht, die bciuciferv welche lebhafte Anteilnahme alte diese Fragen ijn deutschen Judentum erfreulicherweiw gesunden haben. Es ist leider bei dem außerordentlichen Platzmangel, unter dem diese Zeitung leidct, unmöglich, aus der Fülle der Inschriften auch nur einige im ganzen zu veröffentlichen. Etliche fürchten, das neue Pro-Palästina-Komitce würde eine Verschärfung der Gegensätze im innerjüdischen Lager bedeuten. So schreibt Georg Dt eck len bürg (Chemnitz) in einem Aussätze unter anderem: „Wir betonen überall und immer freudig unsere Schickfalsgemeinschast. wir bekennen uns stolz zum Judentum, wir fühlen uns aber tief verwurzelt im deutschen Volk und der deutschen Kultur und lehnen ganz entschieden jede jüdische Knltnrgemeinschaft oder Verbundenheit mit einem geistigen Zentrum in Palästina ab." Professor Basnizki in Heidelberg, der ähnliche Gefahren wie Mecklenburg sieht, beendet ein Eingesandt mit folgenden Ausführungen: „Tie Ansiedlung von Juden, die aus ihrem bisherigen Wohnlande vertrieben werden, ist selbstverständlich eine allgemeinjüdische Frage. Aber wir vermögen nicht einzusehen, warum der Strom dieser Unglücklichen gerade nach Palästina gelenkt werden soll, wo die Betroffenen nach unserer festen tteberzeugnug sehr ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse vorfinden und wohl oder übel die Basis politischer Utopien bilden sollen. Es wird in letzter Zeit viel davon geredet, daß in innerjüdischen Fragen größerer Friede herrschen möge. Dieser Friede wird natürlich nicht dadurch herbeigeführt, daß man weltanschauliche Gegensätze vertuscht oder gar verschweigt, sondern dadurch, daß man sie klar einander gegenüberstellt, und daß hierbei ihre Anhänger sich gegenseitig die Achtung erweisen, die ein geistiger Kamps verlangt." Beachtlich erscheint uns die Zuschrift des Amtsgerichtsrats Tr. Fritz G o l d s ch m i d t in Wilmersdorf, der wir die folgenden Zeilen entnehmen: „Dem kürzlich gegründeten Pro-Palästina-Konritce sind christliche Politiker fast aller großen deutschen Parteien beigetreten, lieber ihr Jnterepe am Ausbau Palästinas können wir uns nur freuen. Denn sicher lag ihnen nichts ferner, als sich in innerjüdische Streitigkeiten einzumischen und etwa für den Zionismus Stellung zu nehmen. Ihre Haltung zeigt nur, daß der Aufbau Palästinas in keinerlei Gegensatz zur deutschen Politik steht. Sie haben Verständnis dafür, daß für alle heimatlosen Juden das Land der Vorväter, das Heilige Land, eine besondere Anziehungskraft hat und daß die Ansiedlung dieser Heimatlosen, soweit es irgend möglich ist, auch von der großen Mehrheit derjenigen Juden erstrebt wird, die sich bodenständig in Deutschland und seiner Kultur verwurzelt fühlen. Wie der deutsche Katholik ein guter Deutscher bleibt, auch wenn erden Vatikan zu Ronr unterstützt, so wird die Vaterlandsliebe der deutschen Juden nicht beeinträchtigt, wenn sie die Kolonisation heimatloser Glaubens- und Stammesbrüder fördern oder die Universität in Jerusalem unterstützen. Gerade dem Judentum wohlwollend gegenüberstehende Christen sind deshalb meist lehr erstaunt, wenn sie — die vom jüdischen Parteiwesen keine Ahnung haben — entdecken, daß gegen den Fonds, der dem Aufbau Palästinas zu dienen bestimmt ist, gegen den Keren Hajesiod, in weiten jüdischen Kreisen schwere Bedenken bestehen. Sie vermuten zunächst bei dieser Zurückhaltung enge oder kleinliche Motive, wie Scheu vor antisemitischer Mißdeutung der Palästinaaktion, oder Abneigung, Gelder zu verausgaben, die praktisch nur Zionisten zugute kommen. In Wirklichkeit sind unsere Bedenken ganz anderer Natur. Dcr auf Anregung der Zionisten gegründete Keren Hajessod soll über die Schranken einer einzelnen Partei hinaus alle Juden für den Ausbau Palästinas gewmucu. Es kann uns nun nicht wnndernchmen, wenn — nach der E ntsteh u n gsge s ch ich te dieser Organisation — die Beamten des Keren Hajessod wohl zum größten Teil Zionisten sind. Viel schwerwiegender ist die Beobachtung, daß Beamte des Keren Hajesiod neben der Werbetätigkeit für ihre Organisation zionistische Propaganda treiben. Man könnte dagegen einwenden, daß cs diesen Beauiteii unverwehrt bleiben iliüsse, in ihrem Privatleben für ihre Partei einzntretcn. Aber Privat- und Amtstätigkeit lasicn sich in diesem Falle schwer trennen. Und für nichtzionistische Juden ist es nun einmal ein schwer erträglicher Gedanke, daß die von ihnen gewährten Beträge — wenn auch nur mittelbar — dazu verwandt werden sollen, eine gegen sie selbst gerichtete jüdische Politik — etwa gar im Sinne der „Entwurzelungstheoretiker" — zu unterstützen. Denn wenn auch die Führer des Zionismus sich dagegen wenden, daß für das Nationaljudentum .geworben wird, indem man der Jugend suggeriert, sie sei in Deutschland heimatlos, so gibt es doch in der jüngeren Generation leider eine Anzahl von Agitatoren, die