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Central-Verein-Zeitung · 1927-01-21 · 3 (21.1.1927) · p. Seite 29

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
3 (21.1.1927)
Date
1927-01-21
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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fp/0toir UfTfTl PLUS ütiQi vor 'Rumänische Judenpogrome und ihr! Widerhall in der zivilisierten Weit, j Unsere Zeitschrift hat darauf hmgewieseu, das; die an ti senilj tischen Ausschreitungen in &n meinten. sehr schnell | zurückgedämmt werden würden, iveun die Killturländer ihre Empörung über die Barbareien, die man sich an der unteren Donau gestattet, laut und deutlich zum Ansdruck bringe'.! würden. Das Eine ist geschehen und das Andere ist als Folgeerscheinung eingetreten. Wir bringen nachstehend eine Auslese der entsprechenden Nachrichten, die von der I. T. A. in diesen Tagen veröffentlicht worden find: Warschau. „Der Klub der jüdischen Deputierten und Senatoren hielt soeben eine Plenarsitzung ab, die ausschließlich einer Protestaktion gegen die Judenverfolgungen in Rumänien gewidmet war. T^r Klub nahm eine vom Abgeordneten Reizes vorgeschlagene Resolution, in der das Mitgefühl mit den schwerleidenden rumänischen Juden ausgedrückt und vor der ganzen Kulturwett gegen die rumänische Barbarei protestiert wird, einstimmig an. Zum Schluß gelangte der folgende. von, Präsidenten des Klul>s. Abg. Farbsteiu, eingebrachte und begründete Antrag zur einstimmigen Annahme: Es werden an den Völkerbund in Genf, an die Interparlamentarische Union in Brüssel und au die Liga für Menschenrechte in Paris Telegramme gesandt, in denen gegen die Verfolgungen, denen die jüdische Minorität iit Rumänien ausgcsetzt ist, schärfster Protest erhoben wird. In den Protesttelegrammen wird nod) werter 311111 Ausdruck gebracht, das; die Negierung Rumäniens es wisien sollte, daß ein Volk, besten Profestoren und Studenten Pogrome veranstalten oder sich mit Pogrommachern identifizieren, keinen Platz hat unter den Kulturvölkern der Welt/ New-Dort. „Herr Louis Marshall, der Präsident des American Jewish Comittee, hielt im Tempel Emcmuel eine Rede, in der er sich sehr scharf gegen die rumänische Regierung wandte, die in ihrem Lande barbarische Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung zuläßt. Er erinnerte daran, daß die amerikanische Regierung schon einmal bei der rumänischen Regierung gegen die brutale Behandlung der jüdischen Bürger protestiert hat, und daß die rumänische Regierung damals ein festes Versprechen gab, die Juden in Zukunft bester zu behandeln. Trotzdem hat sich die Lage noch merklich verschlimmert. Bis 1878, fuhr Marshall fort, war Rumänien ein unterdrücktes Land und das rumänische Volk eine unterdrückte Nation. Erst durch die Anstrengungen des jüdischen Staatsmannes TIsraeli (Lord Beaconsfield) erhielt Rumänien die Unabhängigkeit. Dieses Land hat al^er alle, die für seine Befreiung kämpften, enttäuscht. In keinem Lande sind die Minderheirsvölker, insbesondere die Juden, so unterdrückt wie in Rumänien/ Andere Proteste in England, in Frankreich folgten. Proteste, die direkt an die rumänische Negierung gelangten oder die sehr vernehmlich die aufgeklärte Presse der verschiedensten Länder zum Abdruck brachte. Die Wirkung blieb nicht aus. Darüber gibt folgende Mitteilung der I. T. A. Auskunft: Bukarest. „Die Besprechungen zwischen dem Unterrichtsmiuister Petrovici und den Delegierten des Studentenkongrcsses in Jassy wurden fortgesetzt. Der Minister erinnerte nochmals an die vom Ministerpräsidenten, General Avcrescu, kundgegebene Entschlossenheit, A u s s ch r e i t u 11 q c u nicht m e h r z it dulde 11 und gegen die Schuldigen mit st r e n g st e n M a ß 11 a h m e n vorzugehen, und sagte, er sei anderseits vom Ministerpräsidenten ermächtigt, den Studenten zu versichern, daß alle ihre vorgebrachten Wünsche wirtschaftlicher und beruflicher Natur erfüllt werden würden. — Die Studentenabordnung erwiderte, die Parole, Ruhe zu halten, sei ausgegeben, die letzten Ruhestörungen seien durch noch nicht disziplinierte Elemente hervorgerufen, die eben erst die Mittelschule verlassen haben/ Auch diese Ausschreitungen gegen die Juden in Rumänien haben jenen Verlauf genommen, loie alle vorhergehenden Krawalle und Plünderungen. Zunächst verhalten sich die gerade amtierenden rumänischen Regierungen passiv, und wird dann der Unwille der zivilisierten Wclc so laut, daß mau auch in den Bukarester Ministerien an die Folgen zu denken beginnt, dann erinnern sich plötzlich die sogenannten .Staatsmänner dieses Landes, daß es unter Umständen für das Königreich an der unteren Donan zu kostspielig werden könnte, der Uni« vcrsitatsjugend oder den die Bauern schindenden Bojaren die mittelalterlichen Zerstreuungen der Judenhetzen großen Stiles zu gestatten. Und wenn die Regierung will, so sind alsdann im Augenblick die rumänischen Pöbetbelusrigungen unterdrückt, bis sie bei erneuter Gelegenheit ebenso schnell wieder von neuem beginnen. Tie Nachsicht gegen diesen kommandierten Szeneuwandel sollte die zivilisierte Welt sich abgewöhnen. In Genf kann das Problem rumänischer Erziehung von oer international-politischen Seite in Angriff genommen werden, und von seiten der Haute Finance überall in der Welt von der nnanziellen Seite. Auch in Bukarest bringt man für solche Belehrung als Ergänzung von Protesten in Zeitungen und Versammlungen der verschiedenen Länder das nötige Verständnis auf. —n. Die Erklärungen des Bundeskanzlers. Von Dr. Paul Nathan. Die christlich-soziale Regierungspartei in Lesterreich hat zum Jahreswechsel Anlaß genommen, eine Ansprache an ihre Anhänger zu veröffentlichen, in der es heißt: „Die christlich-soziale Regierungspartei bekämpft die Ueber - m a ch t des zersetzenden jüdischen E i n s t n s f e s auf g e i st i g e m und wirtschaftlichem Gebiet . . / Es hat sich darauf die Jüdische Telegraphenagentur veranlaßt gesehen, den Herrn Bundeskanzler Dr. Seipel um eine nähere Aufklärung über diese Ausführungen zu ersuchen. Die Jüdische Tetegraphonagentur hat eine solche nicht uninteressante Aufklärung durch das Bundeskanzleramt zugestellt erhalten. Es ist zunächst auzuerkenneu, daß Herr Dr. Zeiget sich bereitgesunden hat, eine Erklärung zü jener offiziell-eu Aenßerung zu geben. Solche öffentliche Erörterung entspricht den Notwendigkeiten unserer demokratischen Zeit. Will Herr Dr. Seipel Schäden des modernen Lebens bessern, so muß er bereit sein, in eine Erörterung über seine Worte einzutreLen. Durch eine Behauptung ist nichts erwiesen und im allgemeinen nichts gebessert: eine Beseitigung des Nebels kann nur eiutreten, wenn das Nebel in seiner Eigenart erkannt, und wenn dementsprechend die Möglichkeiten der Beseitigung wohl erwogen werden. Es war daher erfreulich, daß Herr Bundeskanzler Tr. Seipel das, was er zunächst als Behauptung zum Ausdruck gebracht hatte, nunmehr weiter zn erklären bereit ivar. In dem Schriftstück, das der Jüdischen Telegraphenagentur als Erläuterung zugestellt worden ist, heißt es: „Die Christlich-Soziale Partei, die seit Jahrzehnten besteht und ihr Programm in keinem wesentlichen Punkte geändert hat, ist ja ohnehin als eine antisemitische Partei bekannt. Es kann daher keine Ueberraschung bedeutet haben, daß in ihrem jetzt veröffentlichten Programme ebenfalls eine antisemitische Wendung' vorkommt/ Die Behauptung, daß die Christlich-Soziale Partei seit ihrem Bestehen in wechselnder Stärke sich zum Antisemitismus bekannt hat, ist durchaus zutresseud. Also in dieser Beziehuug ist die Kontinuität gewahrt: es fragt sich nur, mit ivelchem Nachdruck heute die EhrLstlich-Sozialen in Lesterreich ihren Antisemitismus zu betonen wünschen. C’cst le ton qui fait la musique. Es handelt sich darum, ob die antisemitische Musik geeignet ist, das Lhr der Bevölkerung, mindestens gewiper Schichten, für jede vornehmere Melodie unempfindlich zu machen, oder ob von dieser barbarisierendcn Volkserziehung abgesehen iverden soll. Herr Dr. Seipel laßt keinen Zweifel darüber, zu welcher Pädagogik er sich bekennt. Er läßt erklären: „Diese Partei (die Christlich-Soziale) bekämpft, wie sie selbst sagt, nicht die Juden und auch nicht d c n Einfluß, den die I u d e n a u f geistige in u n d Wirtschaftl i ch e m Gebiet aus ü b e n, sondern nur die ,U e b e r in a ch t d e s zersetzenden jüdischen E i n s l u s s c s'. Daß cs in manchen Teilen der Welt einen gewiß nicht im Eharakter der jüdischen Nationalität oder gar im Wesen der jüdischen Religion, vielleicht aber in der Geschichte der Inden begründeten übermächtigen zersetzenden jüdischen Einstuß gibt, fühlen die Völker des europäischen Ostens, denen Leslerreich sehr nahe benachbart ist. Daß die Führer und Propagandisten des russischen Bolschewimus, des mit ihm zusammenhängenden Kommunismus in Deutschland und Oesterresch und auch des sehr radikalen, die materialistische Geschichtsauffassung vertretenden und. vom Standpunkt der konservativen christlichen Bevölkerung gesehen, kultnrkämpferisch eingestellten österreichischen Sozialismus zum Großteil Juden sind, erklärt den autisemitischen Einschlag in der Volksstiinmung wohl zn Genüge/ Es ist die vorsichtige Abwägung hervorzuhebcn, wie hier von einer religiös verankerten Partei, der das Alte Testament, die Bibel

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