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Central-Verein-Zeitung · 1927-01-21 · 3 (21.1.1927) · p. Seite 28

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
3 (21.1.1927)
Date
1927-01-21
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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LS .Fyfshäuser' führt aus, der Centralverein wolle „in einem Völlig haltlosen Artikel „Nachkriegsverbünde" Mißtrauen auch gegen den Kyfshäuser-Verband ausstreuen", und er führt weiter in dew. Artikel aus, „man must ans dem Artikel berauslesen, daß der Kyffhauser-Bund eine erst nach dem Weltkriege geschaffene antisemitische Vereinigung sei". Wir stellen fest, daß nach der Auffassung, die wir von dem Inhalt des Menzelschen Aufsatzes haben, vier ein bedauerlicher Irrtum vorliegt. Dr. Menzel hat lediglich den Kyfshäuser-Buud als Zusammenfassung der gesamten Kriegervereine angeführt, hat aber — in Abweichung dessen, was er sonst stets in dem Aussatz tat — mit keinem Wort dein Kysshüuser-Buud eine judenseindliche Gesinnung zugcschrieben. Indern wir dies seststellen, behalten wir uns vor, aus die anderen Ausführungen des , Kyfshäuser" noch eingehend zurückzukommen. Aull) der „Schild", das Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, hat in seiner letzten Nummer (Nr. 2 vom 17. Januar) zu den Auslassungen des „Kyfshäuser" wie zu dem Artikel des Polizeipräsidenten Dr. Menzel Stellung genommen. Tie Richtung des „Kyfshäuser" gegenüber dem deutschen Judentum isi naturgemäß für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten als anerkannte Vereinignng aller jüdischen Frontsoldaten von besonderer Wichtigkeit. Zum Schluffe noch die selbstverständliche, schon oft hier niedergelegte Bemerkung: Wie üblich trägt für den Inhalt eines mit vollem Namen gezeichneten Aufsatzes der Verfasser selbst die Verantwortung. Nur Aufsätze, die vom Vorsitzenden des (5. V., vom Direktor oder Syndikus unterzeichnet sind, sind offizielle Neußerungen des Vereins. Die Münchener UnwersiLätsvorgänge. Energisches Vorgehen Des Rektors. Am 15. Januar feierte die Universitär München wie alljährlich die Gründung des Deutschen Reiches. Leider haben die in München besonders nationalistischen Korporationen cs sich nicht nehmen lasten, einen argen Mißklang in die Feier hineinzu tragen. Die Ursache dieses Konfliktes geht aus die Wich hier ausführlich besprochenen Vorgänge bei der Jubiläumsfeier in München zurück. Damals hatte der für die Organisation der 'Ladentischen Teilnahme cm den Feiern zuständige K o r p o r a t i o n s a u s s ch u ß die jüdischen und paritätischen Verbindungen zur Feier nichteingeladen. Ter Rektor der Universität München, Gehe im rat V o ß l e r, hatte damals die Haltung des Korporationsausschuffes aufs schärfste mißbilligt, war aber nicht in der Lage, eine Teilnahme der ausgeschloffenen Korporationen von sich aus anzuordnen, da er hierdurch in die durch die Nniversitätsversaffung begründete Zuständigkeit des Korporationsausschupes eingegriffen hätte. Rektor Boßler verlangte nun mit Naclchruck, daß bei der Reichsgründun gsfei er eine Wiederholung dieser skandalösen Vorgänge vermieden würde. Nach leb- " Halter Debatte wurde die Forderung des Rektorats von der Mehrhen des Korporationsausschnffes, zu der neben den Korporationen des Wafsenrings leider auch die farbentraaenden katholischen Verbindungen im C. B. gehörten, nur gegen die Stimmen der nichtfarbentragenden Verbindungen im K. V. abaelehnt. Als der Rekwr trotzdem auf seinem Verlangen bestand, erklärten die genannten Verbände, sie würden weder bei dieser Feier noch überhaupt bei festlichen ' Anläffen in Zukunft korporativ erscheinen. .Die Feier mußte daher in Abwesenheit der Korporationen abgehalten werden. '^Die ^Korporationen haben sich durch die Teilnahme an der Reichsgründungsfeier der vaterländischen Verbände in München entschädigt. Dian versteht bei dieser Sachlage die Besorgnis, der Geheimrat Voßler in ferner Rede Ausdruck verlieh, als er sagte, er sehe der Zukunft des Reichs mit Besorgnis entgegen, weil seit einigen Jahren die akademische Jugend Gefahr lause, sich an politischen Phrasen und Mythen geistig zu betrinken. Wenn Voßler als die einzig mögliche und gute Politik der Universität die Erziehung zum selbständigen, kritischen und wahrhaftigen Denken bezeichnet, so können wir dem nur zustimmen, wird doch eine in solchem Geiste ausgewachsene Srudentensägft auch der völkischen Agitation gegenüber die erforderliche Distanz und Objektivität finden. * ' Don anderer Seite erfahren wir zu den Münchener Vorgängen ' noch das Folgende: Geheimrat Voßler forderte den Korporationsausschuß auf. die Teilnahme sämtlicher Korporationen bei der bevorncheudcn 3leichsgründungsseicr der Universität — also auch der jüdischen und paritätischen Korporationen — sichcrzustellen. Im anderen Falle war angcdroht, fcoB dem Korporationsausschuß das durch Gewohnheit überantwortete Recht der Veranstaltung der akademischen Festlichkeiten, soweit sie die Teilnahme der Studenten betrifft, entzogen würde. Ilm der unangenehmen tuage der Auslösung durch den Rektor zu entgehen, hat der Korporationsvusschuß es vorgezogen, sich selbst aufzulv'en. Den Anzeichen nach scheint damit der offene Konflikt zwischen Rektor und völkisch gesinnter Studentenschaft ausg'.brochen zu sein. Ter Gentralverein wird wie bisher in enger Gemeinschaft mit der jüdischen Studentenschaft und der Gemeinde die Vorgänge verfolgen. Der Gustav-§reptag-Lärm. Von Julius Bab. Ter Lärm, der sich in einigen judeuseindlichen Blättern wegen der Kürzungen in einer Neuausgabe von F r e y t a g s Roman „Soll und Haben" erhoben hat, ist eine so lächerliche Angelegenheit, daß man von der Sache gar keine Notiz zu nehmen brauchte, wenn sie nicht Anlaß zu ein paar weitergehenden Betrachtungen werden könnte. Ter Herausgeber nämlich, den man beschuldigte, d u rch Besciti - g n n g j u d e n s o i n d l i ch e r Stellen Gustav F r e v t a g s Werk semitisch k o r r u in p : ert z u habe n , ist Herr Fritz Skowrouneck. Ihm muß sogar die darin gewiß sehr m.aßgebliche „Deutsche Zeitung" attestieren, daß er keineswegs in de.n Verdacht jndeusreundlicher Gesinnung steht. Er hat vielmehr, wie er erklärt, nur unter dem Zwang, überhaupt sehr wesentlich zu kürzen, gehandelt, und diesen Zwang hat ihm der Verlag auserlegt, der aber im übrigen weder jüdistch ist, noch ihm irgendwelche bestimmten Tendenzen für seine Kürzungen gegeben hat. Mit der ..jüdischen Korruption" in es also wieder einmal gar nichts, und die Leichtfertigkeit, mit der solch ein gehässiges Geschrei erhoben wird, ist nur durch ein neues Beispiel beleuchtet. Insoweit ist dir ganze Affäre nur lächerlich. Aber lohnend ist es vielleicht, bei diesem Anlaß zu. sagen, einen wie außerordentlich schlechten Dienst tatsächlich jeder dem Judentum lensten würde, der aus diestm Roman oder irgendeinem anderen Werk der europäischen Dichtung Gestalten. Szenen, Reden herausrndigieren wollte, die er als judeustiudlich empfindet. Tie Praktische Felge, daß die antisemitische Presse das selbstverständlich sofort merken und einen Heidenlärm schlagen würde, der den Inden zehnmal mehr schaden muß als die Verbreitung irgendeiner unfreundlichen Tichtcrstelle — diese Folge scheint mir noch nicht einmal das Wichtigste. Aber es ist überhaupt ein durcha u s u n g es u «der und u n w ü r d i $ c r Gedanke, Tatsache n der Weltliteratur korrigieren zu wollen. Ter Jude muß Selbstgefühl genug haben, um auch der Tatsache ins Auge zusehen, daß zuweilen in bedeutende!! Schöpfungen der Weltliteratur unsympachische Eindrücke vom Judentum gespiegelt sind. Werl zuweilen auch geistig oder wenigstens dichterisch bedeutende Menschen unter dem Einrluß der Zeit oder aus persönlicher Veranlagung sich feindlich zum Juden stellen. Solche Tatsachen macht man nicht durch Verschweigen oder gar durch Verleugnen unschädlich. Eher durch Verstehen und Erklären und durch die freimütige Betonung der Tatsache, daß auch große Männer keineswegs vor schwerwiegenden Jrrtümern geschützt stnd. Was nun aber Gustav Frey tag und seinen berühmten Roman betrifft — ist er denn ein Dokument des A n t i s e m i t i s - m us? Man braucht gar nicht aus Gustav F r e y t a g s anderweitig vielfach dichterisch und Literarisch bezeugte Gefamthattung einzugel)en, um zu bestreiten, daß er ein tauglicher Gewährsmann für die Leute vom Schlage der „Deutschen Zeitung" ist. Man kann ruhig diesen Roman „Soll und Haben" selbst sprechen lagen, so nämlich, wie ein Kunstwerk überhaupt einzig betrachtet werden sollte, in seiner Gesamtheit. Gewiß gibt es dort einige moralisch sehr minderwertige Figuren jüdischer Händler. Bestreiten wir, daß es die in der Wirklichkeit überhaupt gibt?' Daß das jähe Herausschleudern unvorbereiteter Ghettoexistenzen in den modernen Existenskampf vielfach unerfreuliche Typen solcher Art geschaffen hat? Don „Antisemitismus" wäre doch erst dann zu sprecl)eu. wenn Freytag es so darftellte. als ob alle minderwertigen, Menschen der Kaustuannewclt Juden oder alle Juden minderwertige Menschen ivären. Beides ist nicht der Fall. Die üblen jüdischen Handelsleute dieses Buches haben christliche Komplizen, und unter den Juden ist eine so geistig reine, ergreifend selbstlose Gestalt wie Bernhard Ehrenthal. Sie ist mit bewußter Kontrastwirkung gegen den schlimmen Beitel Jtzig gestellt, und die beiden in ihrem Gegeneinander machen offenbar erst für F r e y t a g das richtige Bild des jüdischen Menschen aus. Diese Ausprägung des Juden in dichterischen Kontrastgestalten ist aber ein sehr merkwürdiger und beachtenswerter Zug in der ganzen neueren europäischen Dichtung. Seit den Tagen der Romantik bis zu Meyerinks „Golem" haben europäische Dichter den Juden gesehen und dargestellt in solchem Doppeltür eines ganz geistig erl>abenen und eines ganz wucherisch gemeinen Menschen. Die großartigste Ausbildung findet sich vielleicht in Z ol as Roman „Geld", wo die beiden Brüder sind: der Makler Busch, die furchtbare Hyäne des Börsenschlachtfeldes, der nur ein Wesen auf der Welt liebt: den Bruder, der lungenkrank hinsiecht und sich in Träumen von einem menschhcitsbeglückenden Sozialismus verklärt. Dies Aneinandergebnndeusein erlzabenster und schlimmster Möglichkeiten ist aber etwas, lvas auch Juden selber schon als charakteristisch für ihre Art erkannt haben. Die in Jahrtausenden religiös genährte Leidenschaft und Geistesstärke wird auf alle Fälle mit erschütternder Gewalt ausgreisen. — sei es nach dem Bösen, sei es nach dem Guten. Je nachdem, ob ein tieferes Gewissen den Menschen noch leitet oder nicht. Tie Darstellung solchen Phänomens zu bedauern oder gar zu vertusäzen, wäre in hohem Maße schivächlich und töricht. Wir sollten die Wahrheit anerkennen, die in ihm liegt — und dann jeder für sein Teil daran arbeiten, daß der ideale Jude innerljalb unserer doppelten Möglichkeit immer mehr die Wirtlichkeit werde.

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