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Central-Verein-Zeitung · 1927-01-14 · 2 (14.1.1927) · p. Seite 18

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
2 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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1$ Don B. W. Tcgel. Ter am 2. Januar zu Tel Awiv im 71. Lebensjahre verstorbene A ch a d H a a m (A sch e r Ginzber g) war eine der merkwürdigsten Persönlichkeiten des modernen Judentums. Er lvar, was Wissen und Kultur anbelangt, der vollendete „gute Europäer", wie ihn Jakob Burckhardt und Friedrich Nietzsche wünschten, im Gewände des ostjüdischen Hebraisten. Tie feinsten und besten Gedanken abendländischer Philosophie trug er in einem erlesenen Hebräisch vor, und Gedanken und sprachliche Hülle war wie aus einem Guß. Ausgerüstet mit der ganzen modernen Bildung seiner Zeit, beherrschte er ebenso vollendet das ganze Gebiet der jüdischen Traditionsliteratur. Aber besde Gedänkensystcme hatten sich in seinem Geiste zu einer höheren Synthese vereint.- Alle Probleme, die das Judentum betrasen, durchdachte er nach den Methoden der modernen Soziologie mit den Tenkmittetn jetziger Gefchichtsphilosophie, und vieles erschien in neuem, ungeahntem Lichte. So manche Frage der Vergangenheit und des Lebens der Juden erwies sich als Spezialmll der Prozesse, die sich innerhalb der allgemeinen Geschichte abspieten und nur von der Einheit des Weltgeschehens Zeugnis oblegen. Tie vier Bände seiner Schriften, die unter dem bezeichnenden Titel .,A in Scheideweg e" erschienen, zum Teil auch ins Deutsche und Englische übersetzt wurden, behandeln die meisten Fragen, die das Judcntmn der letzten Paar Jahrzehnte bewegt haben, und" in einer jeden dieser Abhandlungen findet der Leser merkwürdig tiefe und lichtvolle Gedanken, die er dankbar ausnimmt, auch wo er die ganzen Jdeengänge als widerspruchsvoll ablehnen muß. Und am stärksten ablehnen wird man die Ideen des Verfassers über den jüdischen N a t i o n a l i s m u s. Nichtiger gesagt: eine Analyse dieser Ideen wird den ganzen ticken Unterschied zeigen zwischen der Stellung der russischen Juden zu ihrer nichtjüdischen Umwelt und der der abendländischen, besonders deutschen, zu der ihrigen. Ter Jude der osteuropäischen Länder wurde von dem kulturellen und dem geistigen Leben seine nichtjüdischen Umwelt bis aus den heutigen Tag, auch nach der Emanzipation, nur äußerlich berührt, aber nie ganz durchdrungen, schon darum, weil er, als Maske, gar keine oder nur eine sehrgeringe Sprachgemeinschaft mir dieser Umwelt batte. Ter deutsche Jude "sprach seit unvordenklichen Zeiten deutsch. Seine Sprache bewahrte, auch nach der Isolierung, in dem verachteten Gewände des ..Mauscheln" kostbare Elemente des Alt- und Mittelhochdeulfthen, eie in dem sonstigen deutschen Sprachgebiete ausaestorben sind. <rchon vor Mendelssohn waren die geistig regsamsten Schichten der Juden von der deutschen Kultur tief durchtränkt. Unter den Temschen entstanden ihnen in den finstersten Zeiten Sachwalter und Freunde vom Range eines Reuchlin und eines Lessing: in den slawischen Ländern ist noch heute von solchen Erscheinungen nicht zu träumen. Als der Zeitpunkt kam, da der Jude aus dem Ghetto hinaustrat in die eurömische Kultur, verkörperte sich diese europäische Kultur für ihn eben in der deutschen. Er konnte in ihr keine Bedrohung seines Judentums erblicken, da sein Judentum seit jeher mit der deutschen. Kultur mehr oder weniger vermählt war. Anders in den slawischen Ländern, ww das Suchen nach europäischer Kultur dem Juden gleich wie dem Slawen gebot, über das konkrete slawische Element hinauszuschreiten: da mußte das Europäische dem Inden als das ferne, abstrakte Neutrale erscheinen, innerhalb dessen das Judentum ungefährdet sich entwickeln kounie, während das nahe, konkrete Slawische ihn: mit Zersetzung und Verflüchtigung drohte. Tie Zeit- und Lnndesgenossen von Ach ad Haa:n konnten aus der russischen Kultur nur jene Elemente in sich nmnehmen, die Teile der europäischen waren. In russische Sprache m,d Kultur aber sich einzubürgern, hieß für sie, in eine öde Fremde sich verlieren, wo ihr Judentum dahinschmetzen und sich in Nichts mulöscn mußte. Ter Panzer, der cs vor dieser Gefahr schützen soll, war der jüdische Nationalismus, der, sich des Hebräischen als Nationalsprache bedienend, den Juden alle europäisch-menschlichen Kulturgüter vermittelt, über den Kops des russischen Elements hinweg. Tiefe ganze Gefühls- und Denkweise ist in den hohen geistigen Regionen des^Tstens, namentlich der russischen, so tief eingewurzelt, daß selbst ein so hervorragender Geist wie Achad Haanr auch das Verhältnis sämtlicher Westjuden zu ihrer nichtjüdischen Umwelt iu demselben Lichte sah, als unmittelbar zum -Untergang des Judentums führend betrachtete, und nicht merkte, daß die natürliche Entwicklung in der ganzen Welt zu diesem westeuropäischen Zustand führt und demgemäß zwecks Erhaltung des Judentums ganz andere Vorkehrungen geirossen werden müssen. Achad Haam war ein Geistesaristokrat pur exeellenea, das Besuchtestes Rocliljrunnsn- Bflühüüsii.PassflnMols] für Herbst- und Winterkuren bestens geeignet. 260 Betten, grosse Ciesellschaftsräumc, Konferenzzimmer, fliessendes Wasser in allen Zimmern. Staats telephon. Zimmer mit Frühstück von 5 H., Pension ein* schliesslich Thermalbad uml aller Xebenansgnben von 10 H. ab. Garage. Th. Schäfer. ( Besuchen Sie in Dresden das Tanzpalais Barberina 1 Ter unter bem I I. März 1926 ohne meine Kenntnis lut „Deutschen Tagebratt" und in der..Meckhntmrflec Warle-' erschienene Artikel: ..Ern unglaubliche? Urteileincs jüdischen Richter?. Bctrugsversuche der Firma B. Feder-Federleicht enthält in bezug aus die der Firma D. Feder iu Berlin in diesem Artikel gemachlen Vorwürfe in jeder Beziehung unwahre Tatsuchen. Zch habe mich davon überzeugt» daß die der Firma B. Feder und ihren Inhabern gemachten Vorwürfe jedes Grunde» entdehretr. Ich bedaure deshalb, daß der gekcnnzeichnete Artikel in den genanntenZeitungen erschienen ist. und erkläre ausdrücklich, daß ich keinen Anlaß habe, an der soliden Geschäftsführung der Firma L. Feder in Berlin irgendwelchen Zweifel zu hegen. Znsolgedeffcn kann ich auch die Warnung, bei dcr Firma B.Fedcr zu kaufen, nicht ausrechterhalten. Berlin, L.Famtar 1527. verantwortlicher Redakteur des .Deutschen Tageblatts" und der «Mecklenburger Warte". Sunt i. März d. 9. suchen wir tüchtige für die Abteilung Gebe. Loewenftein k Esjen-Dorbeck. [ mit erstklassiger Kollektion, sucht für Schlesien, möglichst mit Sitz Breslau, einen gutelngeführten, durchaus branchekundigen, rührigen Vertreter. Ausführliche Angebote mit Referenzen und Lichtbild unter L. P. 8 an Rudolf Mosse, Plauen i. V., erbeten. 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