Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 2 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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14 empfunden werden. So scheidet auch die Lstjndeufrage aus dem politischen Kampfe aus! Im Zionismus gibt es Menschen ostjüdischer und amerikanischer Kultur, aber weder schauen die ersteren zu den letzten als Idealbildern jüdischer Wirklichkeit auf, noch kommt es letzteren in den Sinn, daß sie gegen den Geist des Zionismus oder gar gegen den des Judentums verstoßen, wenn sie und ihre Kinder in ihrer Kultur zu absoluten Amerikanern werden. Typisch war es, daß auf dem liberalen Kongreß gerade der Zionist Stephen Wife der einzige war, der schmerzlich das Fehlen Liberaler ober reformierrer — Ostjuden beklagte, und er war ehrlich erregt, als ich — der heimatlichen Verhältnisse gedenkend — ein Lächeln nicht unterdrücken konnte. Der wesentlichste Unterschied aber zwischen den deutschen und amerikanischen Zionisten liegt darin, daß letzteren der ' National! s m u s d e u t s ch e r P r ä g u n g gänzlich unbe-; kannt ist. Assimilation in den äußeren Kulturbedingnngen ist ja an sich kein Willensakt, sondern ein Naturvoegang! Aber ' daß sich das Wesen des Teutsthen und des Amerikaners jo i sehr auch in der Eigenart der Zionisten abspiegelt, wird manchen überraschen. Nur im klassischen Lande der Rassentheorie, nur in Deutschland, wo manchepolitische Parteien j leider grundsätzlich ihren sachlichen Gegnern das Deutschtum absprechen und sie fortwährend des Verrats an der Gesamtheit bezichtigen, konnte jene Spielart des Zionismus entstehen, die einerseits andersdenkende Teile der Judenheit so wenig brüderlich behandelt, die anderseits in übertriebener scheinbarer Objektivität, die im letzten Grunde freilich Unterwerfung unter die Diktatur des rassenantisemitischcn Arguments bedeutet, sich selber die Unmöglichkeit bescheinigt, vollwertige, auch innerlich angepaßte Glieder der deutschen Knlturgemeinschast und des deutschen Volkes hervorzubringen. Nur in Deutschland, wo die großen politischen Parteien das böse Beispiel geben, ist es möglich, daß bewußt jüdische Gruppen in einem so scharfen Gegensätze stehen. Nur in Deutschland sind die seltsamen Angriffe von nationaljüdischer Seite aus den Patriotismus andersdenkender jüdischer Brüder, auf die Aufrichtigkeit ihrer Gefühle denkbar. Nur in Deutschland wird sich eine Partei erlauben, einer so bewußt jüdischen Organisation wie dem E. V. mehr oder minder verschleiert vorznwerfen, daß sie das Judentum auslose. Nur in Deutschland wird ein zionistischer Führer von einer Vereinigung jüdischer Brüder sagen können, was als charakteristisches Beispiel angeführt sei, daß sie, der Eentralverem nämlich, das banalste Instrument der deutschen Intellektuellen sei, sich vom jüdischen - Bewußtsein und der Tatsache des Judeseins zu distanzieren! Der amerikanische Zionist kennt alle diese Sorgen nicht! Er ist amerikanischer Staatsbürger jüdischen Glaubens und weiter nichts. Er ist Amerikaner seiner Staatsangehörigkeit, seiner Kultur, seiner Gesinnung und seinem Denken nach, und er will nichts anderes sein! Sein Zionismus ist in erster Reihe praktischer Natur, und im Vordergründe steht, die Besiedlung Palästinas, der Aufbau des Landes, die Heimstätten für die Juden des Ostens! Tie von ihm betonten ideellen Momente, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit allen Juden der Welt, die Anerkennung eines jüdischen Volkes, enthalten in ihrer spezifisch amerikanischen Prägung nichts, aber auch wirklich nichts, was die innerliche, seelische Einfügung in das amerikanische Volksbewußtsern, von der äußeren natürlich ganz zu schweigen, auch nur im geringsten stören könnte. Man kennt drüben die Lust an der Problematik nicht. Wenn man schon über die Natur des Jndeseins nachgrübelt, so betrachtet man das als ein reines Privatvergnügen und zieht für das öffentliche Leben keine Konsequenzen! Insbesondere ist die Assimilation, über die bei uns so unendlich viel geschrieben, geredet und geschmäht wird, die theoretisch geradezu ms das Merknral der Entscheidung gilt, kein Problem, sondern eine Tatsache! Ta es in Amerika, von wenigen Ausnahmen abgesehen, .die aber in der Oesfcntlichkeit. gar keine Rolle spielen, leinen ' nationalen Zionismus int Sinne des deutschen Beispiels gibt, sind die Gegensätze im jüdisch-politischen Leben weit, weit schwächer als bei uns. Alle, ob Zionisten oder nicht, eint das Bewußtsein, daß sie Juden und Amerikaner zugleich sind, und lemrc bestreitet solckzes, weder sich selber noch seinem jüdischen Brnorv. Und darum kamen auch ausgesprochene Zionisten, die m der Bewegung eine sehr große Rolle spielen, als Vertreter der amerikanischen Liberalen nach London. Daß sie ihrem staunen Ausdruck gaben, bei der Beratung von rein religröM, jeder Politik fernen morgen und Hoffnungen keinem Gesinmrngsgenosien aus Deutschland zu begegnen, war begrersirch. Aber als sie in die Natur der Differenzen Einblick gewannen, war es doch wohl mehr als Höflichkeit, wenn sie für die Stellungnahme der Deutschen ihr volles Verständnis bewiesen. Auch sie haben wohl mit uns allen bedauert, daß die eigentümlichen, spezifisch deutschen Anschauungen über den Nationalismus und über das Reckst, im politischen Kampfe fortwährend mit dem Vorwurf der Zerstörung des Judentums zu arbeiten, dem Ideal der jüdischen Einheit, dem ja auch der Zionismus ehrlich dienen möchte, ernsthaften Schaden zufügen. Ter allgemeine Wert des Londoner Kongreßes liegt in zwei Erfolgen. Friedlich sind so kurze Zeit nach dem Kriege Amerikaner, Engländer und Tentsche als Inden zusammengekommen, haben miteinander gearbeitet und haben so auch ihr Scherftein zur Bötkerversöhnnng beigetraaen. Zum zweiten sind aber auch die liberalen Inden, unter entschiedener Betonung ihrer nationalen und kulturellen Verschiedenheiten, dem Beispiel der anderen Richtungen im Judentum gefolgt und haben die geistige und seelische Einheit anerkannt. die auf dem Boden des jüdischen Glaubens und der jüdischen Ethik erwächst. Und die Tatsache, daß Menschen verschiedener Herkunft, verschiedener Anschauung. verschiedener Richtung zusammengekommen sind, daß sie sich kennenzuleruen versuchten, daß sie den Witten habeil. miteinander zu arbeiten, bedeutet eine Gewähr dafür, daß das Einheitsstreben nicht ein bloßer Traum bleibt. Ich weiß, daß es lmmodern ist, von der Einheit der Juden in Deutschland zu reden. Man setzt sich sofort —- und lver hat das gern — dem überlegenen Lächeln der Unentwegten aller Richtungen aus. Wer aber tagtäglich, insbesondere in der Sphäre der sozialen Arbeit, die Wunden verspürt, die der innere Kampf uns an Kraft und Ansehen schlägt, lver tagtäglich trauernd den Mangel an Mitteln — geistigen und körperlichen wie finanziellen — feststellt, die eben der Brnderkamps verschlungen hat, der setzt sich trotzdem gern dem spotte der Klugen aus. Fern sei es von mir, etwa eine einzige Richtung des deutschen Judentums alb in für alle schaden verantwortlich zu machen. Gesündigt wird allenthalben. Daß aber der deutsche Zionismus unendlich viel zum inneren Frieden beitragen könnte, wenn er sich um das Deutschtum und die nationale Gesinmmg der großen Mehrheit der deutschen Inden nicht mehr kümmerte, die Aufrichtigkeit ihrer deutschen Gefühle und ihren Willen zum Judentum nicht mehr bezweifelte und die nationalen Gesichtspunkte nicht mehr zum Gegenstände der täglichen Kämpfe machen wollte, ist ganz gewiß, llnd der deutsche Zionismus würde die beruhigende Gewißheit haben, daß er damit, keineswegs etwas von seinem eigenen Wesen aufgäbe! Er würde sich nur aus den Krallen der Assimilation an die schlimmsten Traditionen deutscher Politik befreien und den inneren Anschluß an die stärkere und erfolgreichere zionistische Bewegung in den Kulturländern des Westens, insbesondere in Nordamerika. gewinnen. C.V.-Woc he im linksrheinischen Landesverband. „Für Heimat und Recht'1 =E Donnerstag, 20. Januar, 8 Uhr, km grossen Saal ü des „Gürzenich". ü §j PROGRAMM. | Er 1. Allegro maestoso aus dem Orgelkonzert, F-dur, von 2 Er G. F. Händel. Herr Organist Aloys Kreuz. 2. Gesang: Biblische Lieder von Dvorak, gelungen von 5 Er Lilli Amerikaner. Am Flügel: Elia Konradl 3. Begrünung. g =E 4. Deutschtum und Juden tum. Rabbiner Dr. Felix Goldmann (Leipzig). «s 5. Die C. Y.-Arbeit als Gegenwartsarbeit. .=> Dr. Ludwig Holländer (Berlin), Direktor des C. V. Er Er 6. Toccata und Fuge, D-moll, von J. 8. Bach. Organist Aloys Kreuz. g Sll!t!lll!i!i!i!!!lliiIllilllHiiIiiiiUlII]ll!!ll!IHlüniliillüitl!l[lUUIUttHiillS!HlUiiii!(ll!Hil(lllil{tl§ Weitere Veranstaltungen. S. 17