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Central-Verein-Zeitung · 1927-01-07 · 1 (7.1.1927) · p. Seite 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
1 (7.1.1927)
Date
1927-01-07
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 (ose Anerkennung, tnifs unserer Richtung Inhalt, Geist und innerer Reichtum in solchem Maße eigen ist. Ich meine aber, daß im Zionismus die Selbstsicherhcit und i^elbstgerechtigkeit die Selbstkritik, die Schroffheit die brüderliche Liebe und die Lust au der Verkleinerung des Gegners um jeden Preis bcti Sinn für die Erkenntnis eigener Fehler überwuchert. Sorgen Sie dafür, das; das anders wird, und die Verständigung wird erleichtert sein! „Mögen meine Worte, die wahrlich nicht von Gehässigkeit eingegeüen waren, dazu beitragen, daß dies bester werde und da^ die lebendige Lust jüdischerBrüderlichkeit und der H o ch a ch t u n g vor dem jüdischen Standpunkt des anderen (was wesentlicher ist als „ösfentliche Meinung") auch in den Kreis des Zionismus eindringe." Rainer Maria Rilke. Dorr Arthur LrtberglciL. Bon jener unaufdringlichen, (eisen Art wie sein Leben und Tod und wie seineim tiefsten Wesensgrunde priesterliche Natur waren auch seine Beziehungen znm Judentum. Tiefer mimosenhaft zarte Dichter voll seelischer Verspounenheiten, Gefühlsdänunerungen, Llhnungen und Träume ließ auch seine Zu- und Abneigungen eher erraten, als daß er sie selbst ohne inneren Zwang verraten hätte. Mit einer seraphischen Haltung des Gemütes beantwortete er in seinen Strophen alle Fragen seines Gewistens und vermied in Gesellschaft Fremder jede seelische Selbstenihüllung. Innig Vertrauten jedoch erschloß er sich ganz. So erzählte mir seine Freundin Karin Michaelis jüngst, wie sorgsam er stets menschliche Abstände in Gesellschaft zu wahren wußte und wie behutsam er als Gefühlsaristokrat auf die Pflege guter Formen bedacht war, ja aus Berlegenheit oft steif, schüchtern und unbeholfen erschien. In Rilke lebte ein zu innerlicher, verschämter und gepflegter Mensch, als daß er sein Ich grundlos ohne weiteres öffentlich preisgegeben hätte; denn was er je zu sagen hatte, offenbarte er in seinen Lichtungen. Seine tiefste Aussage hieß immer: Gesang. Mit unseren Elaubensgenosten und -genosstnnen sowie mit dem Judentum fühlte er sich seelisch verbunden, denn er bekannte sich zu allein, was ihm durch Alter geadelt und geheiligt erschien. Tie gemeinsame Tausend» jührigkeit einer, wenn auch ganz anderen Kultur war das starke Brückenband von User zu Ufer, vom Judentum zum Adel, die sich zwar politisch bekämpfen, aber heimlich lieben. Vielleicht jedoch erhebt mancher unserer Glaubensgenossen und zugleich Kenner Nilkescher Dichtungen den Einwand, daß in keiner Zeile seiner Bücher das Judentum erwähnt wird, obwohl gerade feine Heimatstadt Prag gesühlstiefe Erinnerungen an Israel, wie den alten Judenfriedhof, in ihren Bezirken hegt, ja, daß der im katholischen Mystizismus schwelgende Tichter keine Beziehungen zum Judentum gefunden hatte. Eine solche Folgerung wäre falsch. Tenn leer sich tiefer in seine Werke hinein liest, entdeckt den monotheistischen Grundzug Rilkes, der trotz seiner Ausdrucks- und Formenmann igfaltigkeit Gott als Sammlung und Einheit aller zerstreuten und scheinbar innerlich getrennten Tinge begreift. Sein Gefühl für den Weltenvater ist stärker als alle seine anderen Empfindungen, und so ermüdet er nicht in .Lobgesängen auf den Herrn und in seiner Sehnsucht nach einer Zusammenfassung aller seiner Herrlichkeiten. Mau lese nur das folgende Gedicht aus dem „Stunden-Buch": „Wer seines Lebens viele Widersinne versöhnt und dankbar in sein Sinnbild faßt, der drängt die Lärmenden aus dem Palast, wird anders festlich, und du bist der East, den er an sanften Abenden empfängt. Du bist der zweite seiner Einsamkeit, die ruhige Mitte seinen Monologen; und jeder Kreis, um dich gezogen, spannt ihm den Zirkel aus der Zeit." Sein künstlerisches Empfinden wurde zweifellos von den romantischen, färben- und prunkvollen Symbolen des Katholizismus magisch gelockt, sein Grundgefühl aber blieb die Einheit Gottes, der sein Ich Besuchtes Roclmnnenh Enünnus u. Pnssanisn-Botgl N Cr Herbstird V r'n [ kuren bestens geeignet, * 260 Betten, grosse Gesell- * schaJftsränme, Konferenzzimmer, messendes Wasser in allen Zimmern, Staatstelepbon. Zimmer mit Frühst iiek: \ von 5 M., Pension ein- [ »eliIlessIIcli Thermalbad «md aller Xebenausg^tben von 10 ML ab. Garage. Th.SehS.fer. Brima ausgelassenes, garantiert reines -ffiD in Tosen mitNcttolnhalt -»w «v> A nn i 5 Pmnd..pro PfD. jSJu 1,90 la Gänseliescn.. „ „ „ %— la Gällfe-Lautfekt „ „ „ 1,50 Ia gesiegelte MastaSrrse \ la urrgarisweSLvvigänse / u u Prirna CualitöiSroare Versender gegen Nachnahme Wilhelm Papelbaum Berlin N54. 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