Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 1 (7.1.1927)
- Date
- 1927-01-07
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 «i Gestalten und Dinge verschwenderisch verstreut, um es m der Folge starker zu sammeln. Rilkes Sprachschatz entlehnt freilich weder in seinen Novellen „Dom lieben Gott" iioch in seinem „Stundenbuch" ein Wort oder eine Wendung dem Alten Testament. Doch selbst die zahlreichen Brechungen seines monotheistischen Grundsefühls verleugnen dieses niemals, auch wenn er manchem infolge nicht selten allzu spielerischer WortvirtuositäL als verweltlichter Musikant Gottes gilt. In seinen Dichtungen tönt ein leiser Anklang 'an die neuplatonischen Ideen des reformierten alerandri nischen Judentums auf, versinnlicht sich Spinozas Begriff: „Amor dei“ (die Liebe aller Dinge zu Gott, die von ih:n wiedergeliebt werden), lebt auch wieder mittelalterliche Scholastik, erweist sich eine Gefühls» Verwandtschaft mit Angelus Silesins, dessen Cherubinischer „Wandersmann" freilich noch mystischer und inbrunstvoller als der schwellende Orgelton seines „Stnudenbuches" wirkt, erwecken die mannigfaltigen Sprachreigen und ^Verzückungen zuweilen . Erinnerungen an chassi bische Tänzer. Müssen nicht deshalb auch wir Juden den Heimgang Rainer Maria Rilkes beklagen, selbst wenn er sich nicht aufdringlich laut, sondern nur heimlich zu unserer Gefühlswelt bekannte und gleich uns eine mitleidvolle Seele sein Gotteslehen nannte? Laßt uns dal)er leise, wie er lebte und starb, au seiner Bahre trauern! Aus Gottes Himmel fiel eine Schneeflocke hernieder und kehrte als leiser Lufthauch wieder zu ihrem Vater heim. Sie venvandelte sich oft im Reichtum ihrer Formenspiele und blieb sich dennoch in ihrer Stille immer gleich -treu. Sie segnete uns durch ihre leise, überirdische Musik und war wie jene ütherzart. Gewiß. Rilke Pries uns nicht laut, doch er liebte unsere Gefühls- und Gedankenwelten heimlich. Aber ist nicht wahrhaft tiefe Liebe oft wortlos und verschämt? € Achad Saam gestorben. Wie die „Jüdische Telegraphen-Agentur (I. T. A.) milteilt, ist am 2. Januar Achad Haam (Ascher Ginsburg), der Begründer des sogenannten Kulturzionismus und Erneuerer des hebräischen wissenschaftlichen Stils, in Tel-Avw gestorben. Wir werden die Persönlichkeit des Toten, der von starkem Einfluß auf das nationaljüdische Denken der letzten Generationen geivesen ist, noch näher würdigen. Die „Berliner Botts-Zeitung" feiert in diesen Tagen ihr 75jährlges Bestehen. Das Blatt hat unter seinem gegenwärtigen Leiter, dem demokratischen Landtagsabgeordneten Chefredakteur Otto Nuschke, großen Aufschwung genommen. Wir benutzen gern den Tag, um den Verlag und die Redaktion, sowie besonders Ghesrcdakteur Nuschke, der stets mit Wort und Schrift für die Gerechtigkeit und wahres Menschentum einzutreten bereit ist, cruss herzlichste zu beglückwünschen. Jakob Wolfs, der Senior der deutschen Jagdftiegcrei, ist, wie der „Schild" meldet, verschieden. Jakob Wolfs stellte sich während des Krieges mit 46 Jahren freiwillig als Flieger. Als Führer eines Beobachtungsflugzeuges und später als Führer eines Jagdflugzeuges, errang er viele Erfolge und wurde mit dem E. K. I rnrd anderen hohen Orden geschmückt. In dem Nachrichtenblatt des Fliegerrings widmen seine Jagdstaffel und der Fliegerring ihm Worte wie: „In ihm verliert staatlich anerkannte Realschule mit Schllterheirn (gegründet 1786) Kleine Klaffen. — Rituelle Verpflegung, j Anmeldungen an SiuMenrirefioc I)r. 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