Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 1 (7.1.1927)
- Date
- 1927-01-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Mehr örüöerlichkeit! > Aus Karvirrat Faulhabers JubilärrrnsreDe. Wir ^richteten in der „C. V.-Zeitung", daß bei dem Jubiläum der Universität München die jüdischen Verbindungen ihrer Ehre wegen den Feierlichkeiten ferubleiben mussten. Bei diesem Jubiläum hat Kardinal F a u l h a b e r eine Fcstpredigt über „Paulus auf den: Areopag" gehalten. Ter „Bayerische kurier" veröffentlicht in seinem Veiblaj: „Aus Welt nnb Kiräe" eine ausführliche Wiedergabe dieser Predigt. .Wir veröffentlichen hier eine Stelle daraus, aus der aufmerksame und mit den Borgängenevertraute Zuhörer wohl nicht mit Unrecht eine in religiöser Form feinsinnig gekleidete Mißbilligung völkischer Neberheblichkeit heraushörten. Kardinal F a u l h a b e r führte etwa aus: „...Paulus bringt auf dem Areopaa Botschaft vom Menschen: .Gotr hat aus einem Menschen. das ganze Menschgeschlecht hervorgehen lassen? Wieder eine Offenbarung. Wieder ein Licht, das gerade dort leuchtet, wo die Fackel der griechischen Philosophie erloschen war. Ten Hellenen war Hellas die Urheimat alter Bildung. Ten Hellenen waren die anderen Völker Barbaren. Und nun kommt dieser Barbar aus Tarsus und stellt die These auf: Alles, was Mensch ist, hat den einen gleichen Stammvater. Also find die anderen Völker keine Barbaren. Also ist .vor Gott kein U n t e r s ch i e d zwischen einem Juden und einem Griechen' (Rom. 10, 12). Also sind wir in gleicher Weise .Schuldner den Hellenen nnd Nichthellenen' (Nom. 1, 14,<• Also sind die Dölkerkriege Bruderkriege und der Lvlkersriede ein göttliches Gebot. Tie Universitäten waren in ihren ersten Jahrhunderten Brückenköpfe der Verständigung der Völker. In der Einheitssprache des Mittelalters konnte Albertus Magnus in diesem Semester in Regensburg auf dem Lehrstuhl stehen, im nächsten Semester in Köln und ein paar Jahr später in Paris. .Gott hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht hervorgehen lassen? Also sind alle Menschen in Adam Brüder nnd noch mehr Christus. ... Also darf e s kein Kastenwesen geben, keinen Standesdünkel bevorzugter Volksschichten, keine Kluft pruschen dem Geistesarbeiter und Handarbeiter. .Schuldner bin ich Gelehrten und Ungelehrten' (Röm. 1, 14). In den sogenannten Hochschullursen sind die Mademiker zu den Handarbeitern gegangen, nicht irm selber zur Weisbeit der Gaste und Schenke hinunterzusteigen, sondern um die erwerbstätigen Brüder auf eine hol>cre Linie des Geistesleben heraufzuheben . . / bk „öeutschen" Iuöen in Englanö «ähren- -es Krieges. T-er Verlag von I. F. Lehmann in München zeichnet sich nicht allein dadurch aus, daß er antisemitische Literatur herausgiöt. Das hat er gemein mit einer Reihe anderer Verleger. Aber seine Besonderheit besteht darin, daß er so ziemlich das abgeschmackteste Zeug unter seiner Firma gehen läßt, das in Deutschlands Grenzen scheint, und das will viel sagen. Er hat sich von einem österrerchischen Katholiken ein Licht über die neueste Entwicklung der europäischen Politik aufstecken lassen, und es ist schwer zu entscheiden, welchen Anteil an dieser Geschichtsbetrachtung möglicherweise Bosheit oder dllbernheit hat. Vernunft steckt jedenfalls in der Thesis nicht, daß das protestantische Kaiserreich Deutschland sich und Oesterreich in das Unglück des letzten Krieges gestürzt hat und gemeinsam mit den Freimaurern den europäischen Weltbrand entzündete, um dem Katholizismus in Wien einen schweren Schlag zu versetzen. Ein Verleger dieses Schlages war.besonders geeignet, um auch die Schrift*) „Die .deutschen' Juden irr England während des Weltkrieges" herauszugeben. In diesem Flugblatt ,.A u s Deutschlands E r n c it e t u u g" wird mitgeteilt, daß eine kleine Anzahl von Juden in England, die deutscher Abstamnrung sind, sich angeblich würdelos während des Weltkrieges benommen haben, und daraus schließt der Verfasser, der „A. Rheinländer" zeichnet, das Folgende: Das Mitgeteilte „zeigt uns. daß der Jude in Deutschland ebenso ein Fremder ist wie der Neger oder der Japaner, und ebenso ein Fremder bleibr. Es ist ein Unding, ihn als Landsmann zu betrachten und ihm dieselben bürgerlichen Rechte zu geben wie dem Deutscher/ usw. usw. Es sind im Weltkrieg rund 12 OM Juden gefallen; cs sind im Weltkrieg Juden, entsprechend dem Prozentsatz der Christen, verwundet worden, und das ist ein vollgültiger Beweis einem antisemitischen Hirn dafür, daß die Juden aus den Untergang Deutschlands hinarbeiten, und daß die deutschen Juden in ihrer Empfindung dem Deutschen Reiche gegenüberstehcn wie etwa ein — afrikanischer „Neger". Eines ist verwunderlich, daß diese deutschen Juden mit Neger- «mvfinden gegen Deutschland es nicht vorzieheu. sich in Staaten ruederzulasten, die sie nicht der Gefahr ausfetzen, zu Zehntausenden bei der Verteidigung des Landes, das sie dummerweise bewohnen, getötet, verstümmelt, durch Krankheiten im Felde hiugemäht zu werden. Diese Juden Rheinländ'erscher Vaterschaft sind doch viel dümmer, als man bisher annehmen konnte. —n. *) Von B. Rheinländer. I. F. Lehmann (München). Die Jahresbilanz. Graf v. v. Gsltz gegen verr (?♦ V. In der „Deutschen Zeitung" vom 31. Deister 1926 macht der Leiter der Vereinigung Vaterländischer Verbände V.V.V.), Graf v. d. Goltz, die Jahresbilanz der vaterländststen Bewegung auf. Er klagt über das schlechte Jahr 1926, sacht aber den Grund nicht in sich nnd in seiner Sache, sondern, wie dies von jener Seite stets geschieht, im jüdischen Geld, und nun schüttet er die Schale seines Zornes selbst über nationale Kreist ans, die durch jene Geldgeber in gcjcnlcfrer Weise um ihre nationale Gcsinnung gebracht werden. Selbst Führer der nationalen Jcwcgung unterlägen so der Lügenpropaganda, welche angeblich zum eisernen Bestand der „Judenpresse" gehört, und ein Führer der nationalen Bewegung wird sogar bezichtigt, daß er alle anderen vaterländischen Verbände beschimpfe, mit dem Reichsbanner kokettiere und stanzosenfreundliche, pazifistische Politik treibe. Gemeint in natürlich Mahraun, der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens, lind eine weitere Klage richtet sich gegen den Nobelpreisträger S t r c f c * mann, dessen Nobelpreisbelohnung zu hoch sei für die moralische Abrüstung der Freiheit liebenden völkischen Jugend. Aber plötzlich sieht Gras v. d. Goltz vor sich einen grimmigen Feind, nämlich den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ter hat nämlich in der „C. B.-Zeitung" vom 10. Dezember 1926 einen durchaus stchlichen Artikel des Herrn Polizeipräsidenten Dr. Menzel (Magdeburg) unter der Ileberschrijt „Nachkriegsverbände" ohne jeden Kommentar abgedruckt, der einen Bericht über diese Verbände bringt rr.d darin allerdings bemerkt, daß die Vereinigung vaterländischer Verbände in voller Auflösung begriffen sei. Gras v. d. Goltz aber richtet nun seinen Angriff nicht etwa gegen den Polizeipräsidenten Tr. Menzel; das könnte seine Leser vielleicht stutzig machen, sondern er reitet eine Attacke gegen die Juden. Das ist bequemer, klingt besser und findet leichter Gläubige. Doch er freut sich wie ein zu früh Totgesagter über diese Unterschätzung seiner Verbände und führt gegenüber deu obigen Passiven jenter Bilanz die Aktiven auf, als da sind die organisatorische Ausgestaltung, die Zahl Ortsgruppen, der Sieben und Persönlichkeiten, die Fühlung suchen. Aber er sagt nichts von der Zahl der Anhänger, er spricht von der geistigen Vertiefung der Bewegung und sieht nicht den oft geistigen Tiefstand. Stolz hebt er hervor, welches Ziel seine Bewegung habe, nämlich die Befreiung vom „inneren und äußeren Feind". Das letzte Aktlvmn in seiner Bilanz ist die Hoffnung: „Hindcnvurg für die Reichswehr, gegen die Landesverräter!" Das wird an dem Tage ausgesprochen, nach welchem Hindenburg jene wunderbaren Worte Lei dem Neujahrsempfang 1927 gesprochen hat. Jeder ernste Mensch, welcher Religion und Abstammung auch immer, wird wahrhaft vaterländische Betätigung nun Besten von Gemeinde, Staat und Volk fördernd wenn sie nkfjt Lippenbekenntnis ift. Wir sind überzeugt, daß auch in den „Vaterländischen Verbänden" solche Persönlichkeiten sich finden. Gegen solche Persönlichkeiten aber, die ihre vaterländische Arbeit vor allem in dcr Herabsetzung Andersdenkender, in Verdächtigungen und Bcschiw.osungen sehen, wird jeder wahre Deutsche sich energisch wenden mü^stn, aus Liebe gerade zum Vaterlande, ^ustizrat Max Chod;i-4«cr. Das neue Nießer-Such. Professor Valterrtins Besprechung im „B. Einen überaus starken Anklang hat das Werk von Fritz Friedlaender, „Das Leben Gabriel Rießers, zugleich ein Beitrag Zur inneren Geschichte D-eutWands", gesunden, das kürzlich in rmserm Philo-Verlag erschienen ist. Professor Dr. Veit Balleutiu, der bekannte Historiker, würdigt es in einer ausführlichen Besprechung, die im „B. TV vom 29. Dezember 1926 erschienen ist, au deren Beginn es heißt: „Wir Deutschen sind kein rhetorisches Volk — und doch ist es geschehen, rin Deutscher durch eine Rede zu ge.sch ich sicher Größe wuchs. Am 21. März 134g hielt Gabriel Riester in der P a u l s kr r ch e seine Kaiserrede, tu der schon die Zeitgenwen das Gewaltigste bewunderten, was in der ersten deutschen Nativnalversinnmlung gesprochen worden ist. Sogar die englischen Zeitungen, die doch die deutsche Revolution von 1816 und 1.849 meist steptisch beurteilten. horchten ans und stellten diesen Redner ihren ersten Staatsmännern gleich. Trcitschke hasi bereits Gabriel Richer ol? vorbildlichen Patrioten geschildert; v-eschichtsschreiber alstr Richtungen beugten sich vor der Lauterkeit, der Würde, dem vriesrerlicheu Ernste des deutschen Juden; so wird die erste wisscn'st-afüiche, ans ihre Art treffliche Biographie, die ihm gewidmet ist. lüden Freude und Gewinn bringen: Fritz F r i e d l a e n d e r. „Da? Leben Gabriel Rießers" (Berlin 1926, Philo-Berstg). Der deutsche Judo -Uief>er: er wollte im höchsten Sinne beides sein und hat für seine Person und seine Zeit* das Problematische seines Lebenssalles in Harmonie uub produktive Bürgerlicisteit aufgelöst/ Vallentin schließt reine gedankenreiche Analyse des Fricd.stcnderschen Buches mit folgenden Sätzen: ..Für den P r ä s i D e n t c r. st u h l iu der Paulskirchei-versamnlltntg rvar dieser Mann nicht streng nnd