Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 53 (31.12.1926)
- Date
- 1926-12-31
- Page
- Seite 699 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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er voller Entrüstung das verhetzende Treiben des Hofpredigers Stöcker brandmarkte. Es ist eine alte Erfahrung, daß der Judenhaß vielfach ber Leuten nistet, die sich niemals die Mühe nahmen, Juden und Judentum kennenzulernen. Die wohlwollende Haltung des Herzogs und seiner Gernahlin den Juden gegenüber entstammt hauptsächlich der Freundschaft, die diese feingebüdeten Menschen mit Juden verband. Bekanntlich widmete der Herzog seinem Hoftheater eine besondere Fürsorge. Die von ihm und seiner Gemahlin, einer ehemaligen Bühnenkünstlerin (Ellen Franz), geschulte Truppe trug siebzehn Jahre hirrdurch, als sie an Hunderten von Orten gastierte, den Ruhm des kunstsinnigen Herzogs durch das In- und Ausland. Ein Teil ihres großen Erfolges geht allerdings auf die Arbeit des Intendanten, Hofrat Ludwig C h r o n e g k, Zurück, mit dessen Hinscheiden auch die Gastspiele der „Meininger" ihr Ende erreichten. Wiederholt war Chronegk Gast des fürstlichen Paares auf dessen Sommerresidenz am Corner See. Frau von Heldburg schreibt einmal: „Wir haben den Kardinal Hohenlohe und Chronegk au Besuch, und Christ und Jude vertragen sich sehr gut, wie sich's bei Menschen von nobler Gesinnung von selber versteht." Bei Chronegks Beisetzung ließ sich der Herzog die Niederschrift der Trauerrede des Landrabbiners ins Schloß kommen, um sie während der Feier still für sich zu lesen. In dankbarem Gedenken lieh das herzogliche Paar ihrem Freunde einen mächtigen Sarkophag aus Tiroler Marmor errichten, dessen Längsseite die Inschrift zeigt: Diesen Gedenkstein setzten ihren: Freunde Georg II. und Helene vor: Heldburg. Geheimer Staatsrat Trinks schreibt dem Verfasser dieses Aufsatzes: „Eine Judenfrage gab es im Herzogtum nicht. Ich habe während meiner 32jährigen r'.chteramtlichen Tätigkeit nie Ursache gehabt, das Judentum gering zu bewerten, und habe diese Anschauung in meiner Regierungstätigkeit übernommen und beibehalten. Ein einziges Mal. als mein Justizreferent vorstellte, es falle auf, daß so viel jüdische Rechtsanwälte zu Notaren ernannt worden seien, stellte ich zwei Herren zurück, korrigierte dies aber sofort, als diese persönlich mir dies als „entsetzlich" und sogar als — „Pogrom" bezeichneten! Dem Herzog machte ich von der Korrektur Mitteilung/ Ehre dem Andenken dieses Gerechten und Gütigen! Professor Dr. Eugen Wölbe. Zu unserem Aufsatz in Nr. 51 der „C. V.-Ztg.": „Die Deutsche Studentenschaft — völkisch?" wird uns aus Bonn u. a. folgendes mitgeteilt: „Die Bonner Studentenschaft, die bisher eine der Hauptstützen der nichtvölkischen Minderheiten war, hat ihre Stellung in keiner Weise geändert. Sie bewies dies erst in der letzten Woche dadurch daß sie einen verfassungsändernden Antrag, der unter Ablehnung des arisch-völkischen Rassenprinzips die Zugehörigkeit zur Bonner Studentenschaft lediglich von der staatsbürgerlillzen Zugehörigkeit abhängig macht, in erster Lesung mit Zweidrittelmehrheit a u n a h m. Eine derartige Regelung der Zugehörigkeit besteht bisher nur in der Heidelberger Studentenschaft, die infolgedessen voraussichtlich am 1. Januar 1927 aus dem Verband der Deutschen Studentenschaft ausscheiden muß. Ich bitte, Ihren Artikel im obigen Sinne zu berichtigen, und füge hinzu, daß die Bonner Studentenschaft in ihrer augenblicklichen Zusammenstellung nach wie vor auf dem Boden der Verfassung steht, und daß ihr Organ, die Kammer, jeder völkischen oder antisemitischen Bewegung wenigstens mit Mehrheit ablehnend gegenübersteht." Zum Gedächtnis Emil Ruhs. (Gestorben am 30. Dezember 1876.) Von Ernst Liflauer. Zahlreiche Gebildete kennen heute den Rainen Emil K u h s nicht mehr, und selbst die Freunde der Literatur wissen nur, daß er ein Schüler und Jünger Friedrich Hebbels gewesen ist, seine Biographie geschrieben, seine Werke und seinen Nachlaß herausgegeben hat. Aber auch Kuhs Werk über Hebbel, das keine große Bibliothek entbehren, jeder Literaturhistoriker von Fach besitzen muß, ist selsamerweise wenig verbreitet; es hat Jahrzehnte gedauert, ehe es zum Zweiten Male aufgelegt wurde. Aber die B e d e u t u n g K u f) § i ft d u r ch dieses Buch bei weite m nicht erschöpft, und auch sein Wert beruht nicht ausschließttch in der Darstellung Hebbels, sondern allenthalben sind Blicke in die großen Zusammenhänge der Geschichte oder auf die damalige Gegenwart eröffnet, und allenthalben finden sich, mit Selbstverständlichkeit in Fülle ailsgestreut, Charakteristiken anderer Dichter und grundsätzliche Bemerkungen über das Wesen der Dichtkunst. Und so ist das gesamte kritische Werk Kn h §*) überströmend reich, aber es liegt ungenützt und unbekannt. Tie Schrift über „Zwei Dichter Oesterreichs", Stifter und Grillparzer, ist nicht mehr im Buchhandel erhältlich, sein überaus reicher Briefwechsel mit Storni, mit Keller, mit Mörike steht unvollständig und verstreut in Zeitschriften oder Biographieen jener Dichter, seine Aussätze sind, unvollständig, flüchtig, unsorgfältig hernusgegeben, erschienen in den Schriften'des Wiener literarischen Vereins, und auch von ihnen nur der erste Band. Während Friedrich Theodor Bische rs kritisches Lebenswerk in acht riesigen Bänden monumentalen Formates vor wenigen Jahren gesammelt wurde, ist die Leistung Kuhs fast verschollen. Und dennoch kommt ihr eine außerordentliche Bedeutung zu. Es ist kein Zufall, daß Kuh mit den hohen Dichtern, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wirkten, in freundschaftlichem Verkehr und reichem gedanklichen Austausch gelebt hat. Er hat ihre Bedeutung völlig wesenhast erschaut, als die übrigen Zeitgenossen, von seltenen Ausnahmen abgesehen, sie noch nicht erkannten, und vor allem, er hat ihr Wesen in entscheidenden, oft unüberbietbar meisterlichen Prägungen formuliert. 'Niemals ist ein tieferes Wort über Keller gesagt worden als dieser Satz Kuhs über den „Grünen Heinrich": „Das Unerhörte liegt in dem Zauber des tausend- und abertausendmal Dagewesenen, in der Heiligung, ja Heiligsprechung des Alltäglichen." Von Uhland heißt es: „Wie Brot und Wein, die er in erquickenden Versen besungen hat, mutet uns seine Dichtung an. Sie verbirgt den Luxus der Kunst und täuscht uns den Zweck bloßer Nahrung vor." Bon den Märchen der Dithma-rsen sagt er: „Auch haben sie nichts Reisefertiges, wie die übrigen deutschen Märchen; sie sind an die Scholle gebannt und schweifen niemals über die Marschen hinaus in fremde Gegenden und Verhältnisse. Ihr Traumleben ist gleichsam ein unverschleiertes und seht den Zustand des Wachens in einem Bauern rausche oder, wenn man will, mit Matrosenlogik fort." Fast allenthalben dringt der Blick Kuhs in di« Mitte einer Erscheinung vor, und immer weiß er die Einsicht in dichterischen: Gleichnis zu gestalten. *) Ich darf zur Ergänzung verweisen auf meinen Aufsatz „Der KritÄßtz Emi! Kuh" (Von der Sendung des Dichters, Seite 91 ff., Deutsche Verlags« anstatt Stuttgart 1922),. Rach langjähriger JndustrieprariZ habe ich ' mich als Niedergelassen. Mein Bureau befindet sich in Berlin, Ludwigkirchstraße 10a. Fernsprecher: Oliva 2067. Dr.iteiffs KaaselAybnik). K.ni.riiri-[-.i.in -- - . , ** Krerttbvanche. In Brivaikreifen guteingeführter Vevtveiev gegen provisionsweise Vergütung gesucht. Bei entsprechenden Erfolgen feste Anstellung. s. Mohrenwitz Söhne Königlich Bayerische Hoflieferanten Schweinfurt a. M. Für unser Fabrikat Regen- und Nebeltruh „Hivagon" suchen wir tüchtige Vertreter. 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