Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-12-24 · 52 (24.12.1926) · p. Seite 686

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
52 (24.12.1926)
Date
1926-12-24
Page
Seite 686 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2277379-2277622-2277674--03369-2283883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

6$6 Die Ulkten über Fuü Süß. Der grosze Finanzier und galante Abenteurer -es 19. Jahrhunderts. Erste Darstellung auf Grund sämtlicher Akten, Dokumente, Ueberlieferungeu von Dr. Curt Elwenspoek. Stuttgart 1926. Süddeutsches Verlagshaus G. m. b. H. Dichtung und Historie,, von jeher in lebendiger Wechselwirkung, haben in der Gestalt des württembergischen Finauzmannes Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß, ein überaus dankbares Objekt gefunden. Aber der Vorhang hatte sich schon geraume Zeit über der grotesken Tragödie seiner Hinrichtung gesenkt, ehe die Geschichtswissenschaft, losgelöst von unkontrollierbarem Anekdotenkram und übelster Tendenzschriftstellerei, den Mut und den Willen zur Objektivität ausbrachte, und auch die dichterische Phantasie vermochte, ohne der Neberlieferung völlig Gewalt anzutun, das Bild dieser ebenso kühnen wie genial-skrupellosen Persönlichkeit erst nachzuzeichnen, als die Schmutzwellen zeitgenössischer Pamphlete längst verrauscht waren. So sind die beiden Marksteine der historischen und poetischen Jud- Süß-Literatur bis in unser Jahrhundert, ja sogar bis in die unmittelbare Gegenwart vorgeschoben: im Jahre 1903 gab, nachdem Manfred Zimmermann 1874 mit seinem noch allzu subjektivverwässerndeu biographischen Werk „I. S. Oppenheimer, ein Finanzmann des 18. Jahrhunderts" das Fundament gelegt hatte, der Stuttgarter Kirchenrat Dr. fronet im 1. Heft von Jahrgang IX der Zeitschrift des Centralvereins „Im Deutschen Reich" zum ersten Male einen geschichtlich getreuen, kurzen Lebensabriß, ein Muster Zusammenfassender, leidenschaftsloser, aktenmäßiger Darstellung; und erst im vorigen Jahre, also fast ein volles Jahrhundert nach Wilhelm Hauffs sentimentalisierender, noch ganz in traditionell-düsteren Vorstellungen befangener Novelle, schuf Lion Feuchtwanger in seinem Roman „Jud Süß" ein großartiges Barockbild voll äußerer und innerer Bewegung, blitzartig wechselnd, unheimlich int Helldunkel seines Kolorits, stark im Visionären, ungemein lebendig im Menschlichen, aus dessen Bereich die alles beherrschende Mittelpunktsfigur weit ins Symbolische hinaufgeführt wurde. Hatte Feucht tu anger mit dem Recht des Dichters auf Retuschierung geschichtlicher Vorgänge und Persönlichkeiten zu dem Porträt des Jud Süß manchen legendären, ja wohl auch manchen frei erfundenen Zug beigesteuert, so stützt sich Dr. Curt Elwenspoek in seinem soeben erschienenen, mit zahlreichen Bildern und Faksimiles geschmackvoll ausgestatteten Jud-Süß-Büchlein im wesentlichen aus T a t s a ch e n m n t c r i a I: auf die Jnquisitionsakten, auf die Verteidigungsschrift und auf den handschriftlichen Nachlaß Oppenheimers. Aus diesem Material formt er, äußerlich Lückenhaftes und innerlich Unausgeglichenes durch eine gefällige, kombinatorische Phantasie verbindend, das Lebens- und Weseusbild des ungewöhnlichen Mannes, der 2% Jahre lang das ganze Schwabenland in Unruhe und Em- ST. MORITZ K"; SE Hotel du Lac Das gute Haus bei ermäßigten Preisen Winter- und Sommersaison bmm pörung versetzte, dem prunkliebenden, verschwenderischen Herzog Karl Alexander durch eine raffiniert ausgeklügelte, gewiß nicht immer uneigennützige Finanz- und Steuerpolitik andauernd neue Geldquellen erschloß, schönen «supplikantinnen als galanter Amoroso ein allzu geneigtes Ohr lieh, und der dann, auf dem Gipfelpunkt seines Wirkens, ein schmachvoll-grausiges Ende fand. Der Verfasser der vorliegenden Schrift ist keineswegs, wie so mancher Biograph,, verliebt in seinen Helden, aber man vernimmt doch überall die Stimme des warmherzigen Apologeten, der bemüht ist, der Wahrheit Gehör zu schassen und Recht zu sprechen in einem Prozeß, dessen Ausgang schon von vorurteilslosen Zeitgenossen als ungeheuerlich empfunden w u r d e. Indem er die Ergebnisse seines eingehenden Aktenstudiums vor lins ausbreitet, kommt er zu dem Schluß, daß in Jud Süß Oppenheimer nicht der Verbrecher, sondern der landfremde Jude gerichtet worden sei, den man den herrschenden Gewalten zum Opfer bringen mußte. Elwenspoeks kleines Werk über Jud Süß wird allen, die den viel Gelästerten aus der Perspektive unbefangener historischer Betrachtung keunenlernen wollen, willkommen sein. Dr. Hugo Kachmarrsti. Ueber die Entstehung des Wortes „Nebbich" lesen wir in der „Wahrheit", dem Organ der Union deutschösterreichischer Juden: Ebenso wie „meschugge" ist auch „nebbich" bei Inden und Christen sehr populär, obwohl letzterer Ausdruck meines Wissens nach nicht befriedigend erklärt wurde- „Nie bei euch", wie es meist gedeutet wird, ist doch sehr gezwungen und gibt nicht die Bedeutung des Bedauerns wieder, welcher in dem Ausdruck gelegen ist. Das Naheliegendste ist, es mit „Verwirrter", „Irrender" zu erklären, in Anlehnung an „Nebuchim" (II. V. M. 14,3) und das Werk von Maimonides: „More NÄiuchim." Sanatorium für Nerven-undinnere Kranke j Leitende Aerzfe: Dr.R. Fldschmann, DnFr.Poznigzn. Dr. Wi&er’s Kuriieim, PsrtenKMen LLLL SttMterlmf%f^Z7iih^bfäärmr / Wintersport a) Klinische Abteilung:: Mit Spezialabteilang für diätetische Behandlung, für alle irgendwie ernster Kranke, Magen-,Darm-, Nieren-,Herzleidende, Stoffwechselkranke u. dgl. — Leitender Arzt: Dr. Arno E. Lampg, langjähriger Oberarzt an der I. medizinischen Klinik, München (Geh. Bat v. Romberg). - Zwei Hausärzte. b) Kmlieixn-Abteilung: Für leichter Kranke und Erholungsbedürftige, kein Arztzwang. — Aerzte: Dr. Rieh. Meyer, früher langjähriger klinischer Assistent, seit 1912 an Dr. Wigger’s Kurheim; Dr. Hans Kirchner, früher langjähriger klinischer Assistent, Massigste Preis ei- Schönste, aussichtsreichste Sonnenlage, modernster Komfort Prospekt u. alles Nähere durch den Besitzer: Oeli. Hofrat I>r. Florenz Wigrger. J Neues vom Buchmarkt iupjifihfUUftpß Friedlaender, Das Leben Gabriel Riessers...Leinen 7,— M. Rosenzweig, Zweistromland. Kleinere Schriften zur Religion und Philosophie. 7,60 M. Coblenz, Predigten.Leinen 4,50 M. James, Unsterblichkeit. 1,10 M. Krebs, Urkirche and Judentum .... 0,90 AI. Freund, Die Rechtstellung der Synagogengemeinden in Preussen.... 3,— M, Stern, Der Universalgedanke im Recht... 1,50 M. Rosin, Die Juden in der Medizin 1,50 M. Rab, Goethe und die Juden .... 1,40 M. Stein, Die Juden in der Philosophie.0,50 M. Sdiäffer, Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn . 1,— M. Stern, Warum sind wir Deutsche? 1,40 M. Müller, Völkische Weltanschauung. 1,40 M. Nathan, Das Problem der Ostjuden . 1,40 M. Siubmann, Ballin, Leben und Werk eines deutschen Reeders......... 6,— M. Rathenau, Briefe, 2 Bände...14,— Af. Ebert, Schriften, Aufzeichnungen, Reden, 2 Bände...15,— M Wassermann, Der Aufruhr um den Junker Ernst...5,— M, Mann, Unordnung und frühes Leid 4,50 M. Zweig, Verwirrung der Gefühle,... 7,— AI«. Galsworthy, Der weisse Affe. 7,~ M, Werfel, Paulus unter den Juden.,. 5,50 M. Eulenberg, Sterblich Unsterbliche.. 7,— Af. Clndenstr. 13 liefert portofrei (Dönhoff 359* Philo Vertag u. Buchhandlung G.nt.b.H. / Berlin SW6S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.