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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-24 · 52 (24.12.1926) · p. Seite 685

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
52 (24.12.1926)
Date
1926-12-24
Page
Seite 685 (sequence 14)
Language
German
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besuch im Reiche. -lllerlci Betrachtungen von Artur Schweriner. Unfer llnterossizier hielt während meiner Allsbildung aus dem Schießstand unserer Garnison vor Beginn der Prüfung eine Rede, die mit den Worten schloß: „N ach jedem Schuh ins Gr ü n e sehen, Jungs, ins Grüne sehen! Wer das Ziel klar erkennen will, muß ab und zu eine Abwechslung für das Auge haben, sonst sieht er nicht mehr richtig!" Der Mann hat eine Lebensweisheit ausgesprochen, die sich auch auf die Arbeit im C. V. übertragen läßt. Gewiß ist eine starke Zentrale für jede große Organisation notwendig. Aber wer den Aufgaben des Centralvereins in vollem Umfange gerecht werden lvill, nruß sich im Lande ab und zu mnsehen, Land und Leute in ihrer Einstellung zum C. V. kennenlernen, neue Eindrücke, die das gewohnte Bild des Tages beleben, auf sich einwirken lassen. Hat er recht ins Grüne gesehen, dann kommt er sicherlich arbeitsfreudiger und damit arbeitsfähiger in die Reichshauptstadt zurück. „In die Provinz!" — Das muß ans Herz gehen! Wer es nicht fühlt, der erjagt es nicht. Er bringt unseren Freunden nichts mit, und er wird allch für die Auffrischung seiner Arbeitskraft nichts zurücknehmen. — — Drei Stunden Bahnfahrt von Frankfurt am Main entfernt liegt Schlüchtern, ein Stäotchen von 3000 Einwohnern. Kreisstadt mit einem großen Stab von Beamten. Auf klärungs gebiet für den C e n t r a l v e r e i n. Nur wenig Industrie. Eine Seifenfabrik beschäftigt mehrere hundert Arbeiter. Ihre Inhaber sind Juden, deren einer dem Vortrag des Centralveremsredners aus Berlin mit 22 5 Glaubensbrüdern des Ortes beiwohnt. Was müssen wir in Groß-Berlin Einladungen versenden, wenn wir 225 Freunde unserer Sache für einen Vortrag interessieren wollen! Wie kommt es, daß fast die ganze Gemeinde einschließlich der erwachsenen Jugend aus bte Beine gebracht werden konnte? Die Antwort i st e i n f a ch: Man weiß auf dem Lande die Arbeit des Central- Vereins mehr zu schätzen, weil man über die Notwendigkeit der Aufklärung! sich nicht erst durch die Schriften. des Philo-Berlages unterrichten lassen braucht. In Hessen ist der Antisemitismus Tradition, die Bevölkerung hat gesehen, wie dank auch der unermüdlichen Bemühungen des C. B. sich dieser erbliche Judenhaß gewandelt hat; wie man heute an Menschen, die einer Belehrung zugänglich sind, stolz und selbstbewußt mit der Frage herantritt: „Weshalb bist du Antisemit?" Und unsere Freunde im Lande erwarten von dem Berliner Redner, daß er sie mit neuem Rüstzeug ausstattet, dem neuesten des Tages, damit sie in den aktuellsten Fällen siegreich bestehen können. Fragt nicht überheblich, Freunde in der Großstadt, weshalb der C. B. heute noch notwendig sei. Schlüchtern wird euch eure Frage keineswegs schüchtern beantworten.- Bad E in s. Der berühmte Badeplatz hat durch die Besatzung sehr gelitten. Jetzt geht es wieder. Die Besatzung ist in Kasernen außerhalb der Stadt untergebracht, und das Bad kann seine Heilwirkende Kraft wieder der Menschheit schenken. Ein großes Auto steht vor dem Versammlungslokal, das bald über und über besetzt i st. Reichlich Freunde sind aus Nassau gekommen, wo der „Deutsche Tag" manchem Gleichgültigen gezeigt haben mag, wie wir vor völkischen Ueberraschungen heute noch nicht geschützt sind, wenn wir nicht gerade in den Zeiten der Ruhe arbeiten. Ein jugendlicher Ratio nalju de nimmt in der Aussprache das Wort. Er ist aus Frankfurt a. M. gekommen. Verlangte Zusicherungen für Endziele vom C. V., die ich ihm ebensowenig geben konnte wie dereinst — Verzeihung, ihr Leser! — vor säst dreißig Jahren hier Wilhelm I. dem Monsieur Benedetti. Nur daß die Frankfurter Kriegserklärung keinen Eindruck auf die e m s i g e n C. V. e r i n E m s m a ch t e.- Wer nicht alle Strophen des Chanukaliedes in flüssigem Hebräisch auswendig mitsingen kann, der soll während eines Chcmukafestes im C. V. in Marburg keinen Vortrag halten. Eine herzensfromme Gemeinde, die in Ehrfurcht zu ihrem Rabbiner, unserem treuen Vorstandsmitglied in der Marburger Ortsgruppe, aufblickt. Auch hier der geräumige Saal über und über gefüllt. Wer schon einmal einen künstlerisch schöneren neunarmigen Ehanukaleuchter, von Damen unserer Ortsgruppe daroeficQt, gesehen hat, möge sich in Berlin melden. Da wurde die einstüudige Rede nicht als unangenehme Unterbrechung des Tanzes an ^gefaßt. Man hörte andächtig zu, daß man fast das Tanzen vergaß. Denn es war weit nach Mitternacht, als man der tanzlustigen Jugend den Saal freigab. A u ch i n M a r bürg weiß man, was der Judenhaß bedeutet. Sind doch unter den zweitausend Studierenden heute noch ganze zwanzig jüdischen Glaubens. Marburg ist trotz bekannter vorurteilsfreier Hochschullehrer eine Säule der völkischen Hochschulen gebliebem -- Eine der besuchtesten Versammlungen,' die L i m b urg , die altehrwürdige Bischofsstadt, je gesehen hat. Da hier der Judenhaß sich nicht einbürgern kann, ist man in C. B.-Kreisen treulich besorgt, durch stille Ausklärungsarbeit denen rechtzeitig das Wasser abzugraben, die einige Hetzer zweiten und dritten Ranges nach Limburg rufen, um im Trüben fischen zu können. Deshalb wurde es von keiner Seite aus als unfreundlich empfunden, daß es eine kleine Frontbunddebatte gab, in der sich C. V.er und die prächtige Reihe junger Frontbundleute eigentlich yur durch das Temperament unterschieden. Im Endziel waren sich alle im Saale einig, und es hat sich wieder einmal der Wert solcher f r e u n d n a ch b a r l i ch e r Aussprachen gezeigt.- Ob in Wiesbaden oder H a n a u, ob in dem ausstrebenden Bad H o m b u x g oder, aus der Rückkehr von Hessen, in Nordhanfen — allüberall gutbesuchte Versammlungen und b e g e i st e r t e Stim - m u n g. Man kann da wirklich nicht mehr von Zufälligkeiten sprechen, sondern muß mit Stolz feststellen, daß kaum seit Bestehen des C. V. die Stimmung im Lande draußen eine so von Herzen kommende für unsere großen Ziele gewesen ist wie augenblicklich. Und was wir unseren Freunden im Lande geloben, das soll ein Wortsein. Nicht nur die Vorstände der Landesverbünde und ihre Syndici, sondern auch die Centrale werden Treue mit Treue Lohnen. Und für uns ist jene Treue doppelter Lohn, die, zumeist in der Not geboren, als Begleiterin und Förderin unseres Schaffens für Deutschtum und Judentum auch in ruhigeren Zeiten standhült. was tut unser <C. v l Ein kleiner' Auszug aus großem Material. Obwohl — welch abgegriffene Wahrheit! — der laute Judenhaß, nicht Zuletzt auch dank der Arbeit des C. V., stark zurückgegangen ist, weiß jeder von uns nur zu gut, wie stark sich die gewaltige völkische Arbeit der letzten Jahre in den verschiedensten' Einrichtungen des öffentlichen Lebens, vor allem aber in den Hirnen und Herzen der deutschen Menschen, auswirkt. Um die vor allem für das Vaterland und dann erst für dass Judentum gefährliche Auswirkung der völkischen Agitation nach Kräften einzudämmen, sind in den letzten Monaten auf den verschiedensten Gebieten umfassende Arbeiten des C. V. abgeschlossen oder eingeleitet worden, die hier, soweit es das Material zuläßt, kurz angedeutet werden mögen. Ueber die spezifisch jüdische R e ch t s n o t ist schon oft in dieser Zeitung gesprochen worden. Vor kurzem fand, vom C. B. aus einberufen, in Berlin eine Au ssp r ache h er v or rag e nder Juristen über unsere weitere Arbeit auf diesem Gebiete statt. ES sollen im Februar unter Anwesenheit hoffentlich recht vieler juristischer Freunde aus dem Reiche eingehende Verhandlungen über die Lage und ihre Besserungsmöglichkeiten gepflogen werden Auch für eine andere wichtige Maßnahme zur Aufklärung der besonnenen deutschen Mitbürger und der öffentlichen Meinung überhaupt sind die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen. Ueber den Abschluß der Arbeiten unserer Kommission, die sich mit dein neue n Strafgesetzen wurf beschäftigte, ist in der letzten. Nummer schon berichtet worden. Die immer noch tief bedauerlichen Zustände an den deutschen Universitäten gaben dem C. V. Veranlassung, mehrere n a m hafte j ü d t f cffe Hochschullehrer zu einer Ä n s s P r a ch e wiederum zu vereinen. Die Anssprache wird sich in verschiedenen Maßnahmen demnächst auswirken. Auch über die Lage an den höheren S ch u te n fand erneut, von uns ausgehend, eine Besprechung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Lehrern und Lehrerinnen statt.- Ueber unsere Arbeit in der Schach tsra ge berichtete diese Zeitung wiederholt. Sie erfordert nach wie vor angespannteste Tätigkeit, die wir Hand in Hand mit dem Bure a u s ü r S ch ü ch tschutz, unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Munk, verrichten. Unsere Würde, geht auch das Verhalten jüdischer Darsteller bei den Kabaretts, nicht minder das Verhalten des Publikums au. Unsere große Aktion auf diesem Gebiete wird fortgesetzt. Wir werden demnächst darüber eingehender und deutlicher berichten können. Ein besonderes wichtiges Gebiet ist das der Aufk lär u n g. Die trefflichen Neuerscheinungen nuferes. P h l lo - Verlages sind unseren Freunden bekannt. Wie sie fortgesetzt werden, erweist jedes Inserat des Verlages in diesen Blättern. Große Preisermäßigungen-, die dein Vertag durch den C.V. ermöglicht worden sind, haben unsere Freunde in den letzten Wochen in den- Stand gesetzt, im besonderen Ausmaße Aufklürungsliteratur in nichtjüdische Kreise hiueinzubrrugeu. So konnten wertvolle und gelehrte Aufklärungsschriften in Ta n f'e ud e n 1) 0 n E x e m p l a r e n verbreitet werden. Tie Wirkung wird nicht ansbleiben. Sie wird dauernd verstärkt durch die Mona Ls - a u s g a b e der „C. V. - Z e i t u n g", die allmonatlich in etwa 3 0 0 0 0 Exemplaren die nichtjüdischen Häuser aufsucht. Wir werden hoffentlich noch in diesem Winter die Auflagezisser um mehrere Zehntauseude steigern können. Mittel und Wege dafür sind vorbereitet. Gewissen bedeutsamen völkisch-politischen Strömungen, die sich in der Reichswehr bemerkbar machten, hakten auch wir unsere Aufmerksamkeit zuzuweuden und entsprechende Schritte einzuleiten. Die bedauerliche Tatsache der großen A r b e r L s l o s i g f e i t und die alten Versuche der Völkischen, auf den verschiedensten Wegen in die A r b e i t e r schast ei uzu dringen, ließen uns unsere erprobte Arbeit verstärken. Wo uns Gelegenheit dazu geboten war, trugen wir Arbeitervertretern zum Teil in umfangreichen Kursen die Gedankenwelt der Völkischen und die Mittel zur Abwehr vor. Falsche Hanse, Rumänien, Friedhvssschänduug, völkische Radaublätter, NiLualmordmärchen, Ausschließung der Juden vom Amte der Schöffen und Geschworenen und Tausende von kleinen Fällen veranlagten unser mehr oder weniger uunangreiches Einschreiten. Sie bewiesen dem C. V. ober, welches Vertrauen ihm von der gewaltigen Mehrzahl der deutschen Juden entgegengebracht wird und als wie unersetzlich und notwendig seine Arbeit eingeschäht wird.

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