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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-24 · 52 (24.12.1926) · p. Seite 684

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
52 (24.12.1926)
Date
1926-12-24
Page
Seite 684 (sequence 8)
Language
German
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684 W NM Mjdje „Pro Palästina“Mtee. Jnr Jahre 1918 wurde, nachdem die bekannte Balfonr- Deklaration in der Welt ihre Wirkung nicht verfehlt hatte, in Deutschland ein „Pro Pal ä Ena "-Komi tee gebildet, dem namhafte Politiker aller Parteien, Gelehrte und sonstige bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens-angehörten. Als Zweck dieses Komitees wurde angegeben, das Aufblühen Palästinas zu fördern, das „in gleichem Maße dem Interesse der mit Deutschland verbündeten Türkei wie der Ausbreitung deutscher Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen im vorderen Orient" diene, und erläuternd war bemerkt, daß „das im Zionismus verkörperte Streben nach unbehinderter ititb organischer Entfaltung nationaljüdischer Kultur und Wirtschaft in der alten Heimat des jüdischen Volkes geeignet sei, aus dem . . . verarmten Palästina ein blühendes Wirtschaftsgebiet zu machen" ‘). Diese A nteilnah rn e Deutschlands an der Arbeit in Vorderasien war politisch verständlich und berechtigt. Wie iunuer stand im Vordergründe dieser schon damals von der'Neichsregierung unterstützten „Pro Palästina"*$eiueQun{j das Bestreben des Reichs, die Verbindung mit einer auch jüdisch-kolonisatorischen Arbeit im Heiligen Lande nicht zu verlieren. Der Palüstinakundige weiß, welches Interesse ebenso die deutsche Negierung stets dem großartigen Schul- und Erziehungswerk des „H ilfsvereins der deutschen Juden" in Palästina, das Dr. Paul Nathan und Dr. Jarnos S i m o n ins Leben gerufen haben, entgegengebracht hat. Der Verlust des großen Krieges hat leider die wichtige Arbeit des Hilfsvereins der deutschen Juden in Palästina beendigt. Die Reichsregierung kann daher nicht mehr ihre Unterstützung, wenn auch nur ideeller Natur, diesem Werke zuwenden. Daaber m i t R e ch t D cut jd)l a nb in der A u f sch ließu ngs a rbei t Asiens n i ch t b e i s e i t e st e h e n w i l l, so hat sich nunmehr das „P r o Palästina "»Komitee in diesen Tagen in Berlin neu gebildet. Die Reichsregierung sowie namhafte Persönlichkeiten der preußischen Staatsregierung haben ihre große Teilnahme an dem neuen Komitee durch Beitritt oder durch Erklärungen kundgetan. So sind n. n. beigetreten: der preußische Kultusminister Dr. Becker, der preußische Ministerpräsident Otto Braun, der Staatssekretär der Reichskanzlei, Dr. Pünder, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Dr. v. Schubert, sowie eine Reihe Politiker aller politischen Parteien, auch der Deutschnationalen Volkspartei, sowie Gelehrte und sonstige im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten. Von jüdischer Seite u. a.: Dr. Baeck, Kurt Blumenfeld, Georg Bernhard, Dr. Martin Buber, Justizrat Cahen in Köln, Karl Glaser, Professor Dr. Franz Oppenheimer und andere. Die Gründung, die der Arbeit Kurt B l u m e n f e l d s, des Präsidenten der Zionistischen Vereinigung Deutschlands in erster Linie entspringt, wünscht, („Jüd. Rundsch." Nr. 99, 17. XII. 26), indem sie ihre Sympathie für die im Palästinamandat vorgesehene Heimstätte für das jüdische Volk bekundet, die deutsche Oeffentlichkeit über das jüdische Kolonisationswerk in Palästina aufzuklären und die Erkenntnis zu verbreiten, daß „das jüdische Aufbauwerk in Palästina ein hervorragendes Mittel für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Orients, für die Ausbreitung deutscher Wirtschaftsbeziehungen und für die Versöhnung der Völker sei". Bei dem Festbankett wurde ein Brief Thomas Manns verlesen, aus dem die „Jüdische Rundschau" die folgende Stelle wiedergibt: „Ich kann nur sagen, man braucht weder Zionist noch überhaupt Jude zu sein, um den Gedanken, das Land aus seiner Oede zu wecken, in dem sich seit dem Tage des getriebenen Menschen, der aus der babylonischen Mondstadt dort einwanderte, bis zum Kreuzestod des Nazareners eine so gewaltige, menschheitsgeschichtlich-' geistige Entwicklung abgespielt hat, ich sage, um diesen Plan groß und schön und rührend und fördernswert zu finden. Um so weniger, sollte ich denken, brauchten deutsche Juden, in deren Blut die Erinnerung an dieses Urheimatland lebendig ist, zu fürchten, in ihrem Deutschtum bezweifelt zu werden, wenn sie den Plan unterstützen..." Es ist ersichtlich, daß Thomas Mann hier von der all gern eine n Kolonisation Palästinas, nicht von einer zu politischen Zwecken, spricht; und welcher jüdische Deutsche, der sich weit von natioualjüdischen Gedankengäugen entfernt weiß, würde die sprachschöncn Ausführungen dieses hervorragenden Schriftstellers in Zweifel Ziehen? Daß es leider' nach außen den Anschein hat, als ob die Unterstützung des Komitees nur der nationaljüdischen Palästina-Arbeit dient, lag keineswegs in der Absicht der Männer und Frauen, die in das Komitee eingetreteu sind. Daß keiner der nichtjüdischen Unterzeichner mit diesem Eintreten für jüdische Siedlungsarbeit in Palästina damit irgendwie eine Stellungnahme zugunsten des Natioualsudentums als solchen bekundet, ist selbstverständlich. Anderseits ist durch die Beteiligung so vieler Nichtjuden eine Garantie gegen Ausnutzung des Komitees zugunsten uationaljüdischer Bestrebungen gegeben. Das glauben wir bestimmt zu wissen. _ * U „Pro Palästina/7 Schriften des deutschen Komitees zur Förderung der jüdischen Palästiuasiedlung. I. Heft: „Die politische Bedeutung des Zionismus" von Cohen (Reich), M. d. R. > Interessant ist der Kommentar, den die „F r a it ksurter Zei tun g" zu der Gründung gibt, und dem auch wir beipslichten: „In den Kreisen des Zionismus scheint sich eine Wendung anzubahnen. Die wirtschaftliche Krise, in der sich der Zionismus in Palästina befindet, hängt in letzter Linie damit zusammen, daß bei der Organisation der jüdischen Einwanderung und des Aufbaues die politischen Gesichtspunkte vorangestellt und die w irisch aftl i ch e n Möglichkeiten nicht genügend berücksichtigt worden sind. Infolge dieser Einstellung war die Einwanderung zu groß und zu rasch, so das; ein erheblicher Teil der Eingewanderten wieder zurückwandern muß, und die gegründeten Wirtschaften konnteu nicht hinreichend ausgestattet werden. Diese Forcierung der Einwanderung geschah unter dein an sich richtigen Gesichtspunkte, daß die politische Konsolidierung des Zionismus rn Palästina, die ein mächtiges Anwachsen der jüdischen Bevölkerung erfordern würde, entweder in einer verhältnismäßig kurzen Frist oder überhaupt nicht eintreten werde. Die Erfahrungen, die man gemacht hat, haben nun doch einen beträchtlichen Teil der Zionisten zu der Einsicht gebracht, daß es so nicht weitergchen wird. Aus den Erörterungen in ihrer Presse ersieht man, daß sich die wirtschaftlichen Probleme im den Vordergrund schieben. Es fehlt auch nicht an Leuten, die bereits Zugeben, daß es unmöglich sei, in Palästina eine jüdische Mehrheit zu erzielen, ja, daß auch mit einer arabischen Minorität ein jüdischer Staat nicht durchführbar wäre. Es ist klar, daß mit einem Siege dieser Einsichten die politische Idee des Zionismus sich selbst erledigen muß. Uebrig bleibt dann der Si edlun gsge danke, gegen den niemand etwas einzuwenden hat, der in diesem Falle vielleicht sogar von besonderem Interesse ist, da man in Palästina ans neue soziale Formen ausgeht. Aus dieser Lage heraus wird es zu beurteilen sein, daß sich ein »Deutsches Komitee Pro Palästina zur Förderung der jüdischen Pnkästinafiedlung* gebildet hat, dem Personen beigetreten sind, die zweifellos keine Zionisten sind," Zu den Vorgängen im preußischen Landesverband. In Berlin haben bekanntlich im Frühjahr d. I. Repräsentantenwahlen zur jüdischen Gemeinde stattgesunden. Als Spitzenkandidat der liberalen Partei ist Herr Justizrat Sonnenfeld gewählt worden. Der Wahlprotest stützt sich in erster Linie aus angebliche Verstöße der Jüdischen Volkspartei (Nationaljuden). Die Entscheidung über diesen Wahlprotest beschäftigte bis vor kurzer Zeit das preußische Ministerium des Innern. Justizrat Sonnenseld hat als liberaler Führer zur Erzielung einer Rücksprache ein Schreiben an den preußischen Minister des Innern gerichtet, welches zu Auseinandersetzungen geführt hat. Hierbei sind auch Angriffe nach der Richtung erhoben worden, ob das Verhalten Justizrats Sonnenseld bei der Unterstützung des Wahlprotestes m i t s e i n e r S t e l l u n g i n n e r h a l b d e s C e n t r a l - Vereins zu vereinbaren sei. Lediglich unter diesem Gesichtspunkt hatte sich Der H a up t v o r st a n d in seiner Sitzung vom 15. Dezember 1926 mit der Angelegenheit zu befassen und ist zu folgenden Entschließungen gekommen: I. Als Ergebnis der heutigen eingehenden Aussprache wird gegenüber mißverständlichen Auslegungen sestgestellt: 1. Justizrat Sonnenseld hat in seinem schreiben au den Herrn preußischen Minister des Innern lediglich zum Ausdruck gebracht, daß Herr Ministerialdirektor Badt im vorliegenden Falle als führende Persönlichkeit der Jüdischen Volkspartei nicht in die Lage kommen dürfe, bei der Erledigung eines Wahlprotestes maßgebendmitzuwirken, der sich vorwiegend gegen die Jüdische Volkspartei richtet. 2. Mag der einzelne diese Stellungnahme billigen oder nicht -- jedenfalls ist in ihr keine Verletzung der Grundsätze des C. V. zu erblicken. 3. Der C. V. hält an seiner stets befolgten Neutralität gegenüber Streitigkeiten unter den religiösen Parteien innerhalb der jüdischen Gemeinde fest. Der Vorstand des Eentralvereins hat von dem Vorgehen der Jüdischen Volkspartei gegenüber Justizrat Sonnenseld ^Kenntnis genommen. Er hat das ganze Material geprüft. Er stellt fest, daß die Stellungnahme Justizrat Sonnenselds keinen Anlaß bietet, ihm unser Vertrauen zu entziehen. Bon dem „Ort". Unter Vorsitz des Herrn Wilhelm Kleemann fand eine von der Z e n t r a l v e r w a l t u n g des Verbandes „Ort" und von der Gesellschaft „Ort", Abteilung Deutschland E. V„ einberusene gemeinsame Sitzung über das Aktionsprogramm des „Ort" in Deutsetzland statt. Ten Berichten der Herren- K l e e m a n n, Professor Fra n k f u r t, Wilhelm G r a e tz und Dr. Michael Traub schloß sich eine rege Diskussion an. Es wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, während der kommenden Monate eine intensive Propagandatätigkeit in Deutschland zu entfalten. Gemäß dem Wunsche sämtlicher Teilnehmer wird der „Ort", Abteilung Deutschland, im Rahmen der vorhandenen Mittel besondere Aufmerksamkeit auch der P r o d u t t i v i e r u n g des jüdischen Wirtschaftslebens in Deutschland selb st zuwenden. Zum Generalsekretär für Deutschland wurde Dr. Michael Traub bestellt.

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