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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-24 · 52 (24.12.1926) · p. Seite 678

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
52 (24.12.1926)
Date
1926-12-24
Page
Seite 678 (sequence 2)
Language
German
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V-M &mt.m FVjsdK-K. / tmreezunächst die Darstellung der ganzen Wahrheit verlangt werden. Wir haben oft in der Agitation des Keren H a j e f f o b, soweit sie den C. V. berührte, feststellen müssen, wie sehr die Dinge entstellt wurden, wie oft man versucht hat, Männer, wie Baeck und Gold mann, die in dieser Frage anders dachten als die Mehrheit des Vorstandes des E. B., gegen die Gesamtheit auszuspielen. Und wie hat man insbesondere die Bedenken des C. V. gegen das Werk des Keren Hajessod entweder gar nicht oder falsch wiedergegeben! Sie sind in diesen Blättern deutlich genug dargestellt worden. t Gewiß gilt auch für uns alle die Frage: „Was ist Wahrheit?" Sie wird nicht immer leicht sestzustellen sein. Wir sind wegen unserer Berichterstattung über den Erfurter Z i o n i st e n t a g angegriffen worden. Es wurde behauptet, unsere Darstellung sei nicht richtig gewesen, Kurt Blumenfeld habe das nicht gesagt, was berichtet wurde. Unsere Berichterstatter beharren aus ihrer Darstellung. Man kann sich nur auf die Erklärung beschränken, daß die M ö g - I i ch k e i t e i n e s M i ß v e r st ä n d n i s s e s in allen solchen Dingen gegeben ist. Möge der Gedanke der Schaffung einer ausgleichsuchenden Körperschaft von vornherein dem Fanatismus derartiger Auseinandersetzungen Grund und Boden nehmen und eine nachhaltige Befriedung bewirken. II. Ein B e r s u ch m a t e r i e l l e r A r t, zu einer solcher^ Befriedung zil gelangen, hat bereits in der Erörterung eingesetzt, welche mit idem Aufsatze über unsere „lügenverstrickte Existenz" in der „E. V.-Zeitung" begann mrd deren Erwiderung durch Robert Weltsch sicherlich Anregung zum Nachdenken gab. Später hat -dann Dr. Rudolf Samum l (Breslau) einen „offenen Brief" an den Versager dieses Aussatzes gerichtet^). Andere Erörterungen folgten nach. Die „Jüdische Rundschau" brachte einige grundlegende Aussätze, und Professor Franz Oppenheimer hat, wie wohl anerkannt werden wird, in der „E. V.-Zeitung" in monumentaler Weise die bestehenden Streitpunkte ausaewiesen. Herr Dr. Samuel hat sich besonders mit den materiellen Unterschieden in der Auffassung des C. V. und des Zionismus besaßt, und die Feststellung getrosfen, daß beide Richtung e n z u g e l e r nt ha b e n. Das ist für die führenden Schichten sicherlich richtig. Es ist aber nicht richtig, wenn man die Masse der in beiden Bewegungen vereinigten M e n s ch e lt b e t r a ch t e t, und es ist sicherlich ein wesentlicher Mißstand in dieser, wie in allen politischen und sozialen Bewegungen, daß durch den Unverstand der Masse und derjenigen Persönlichkeiten, die die Massenseele zu finden und zu beeinflussen versuchen, der Wille der Führer sich immer wieder nur zmn Teil durchsetzen kann, — selbst unter der Voraussetzung, daß ein solcher Einheitswille überhaupt vorhanden ist. Wir bitten Tr. Samuel, von den Preffeerscheinungen der letzten Wochen beispielsweise die „Jüdische Rundschau" und die „Wiener Morgenzeitung" .und vielleicht einige amerikanische Blätter zu lesen. Wir bitten ihn, in zionistischen Kreisen einmal die Frage, die auch wiederum durch die Angelegenheit Sonnenscld—Badt ins Rollen gebracht worden ist, nach der Möglichkeit der Urb er nähme von staat- II cf) cn B eamt enposten in Deutschla n& durch radikale Nationaljuden zu erörtern, ja nur einmal sich die Aeußerungen der „Jüdischen Rundschau" zu diesem Problem anzusehen, und er wird finden, daß in allen diesen Fragen, die doch teilweise Lebensfragen einer großen Bewegung sind, auch nicht im entferntesten von einer auch.nur annähernd einheitlichen Auffassung gesprochen werden kann. Selbst mit P a l ä st tun, dem zentralen Problem der zionistischen Bewegung, liegt es nicht viel anders. Die Zionisten sollten gerade aus der Erwägung heraus, daß ihrem eigentlichen Werke ihre Hauptkraft zu gehören habe —- und dieses Werk beansprucht auch den vollen Menschen —, die Zeit und die Energie ihrer Führer nicht in Diaspora- oder Landespolitik, wie sie es nennen, -verzetteln. Sie mögen bedenken, daß sie dadurch in die Kreise ihrer Anhänger Unsicherheit hineintragen, weil diesen unklar werden muß, worin denn nun wirklich der Hauptinhalt der Arbeit ihrer Führer besteht. *) Die späteren — sagen wir sehr milde — Unfreundlichkeiten seines Blattes gegen C. V. und „C. B.-Zeitung" übergehen wir lieber mit Stillschweigen. Wir verfolgen mit größtem Interesse die Prager „Selbstwehr", das Schwesterorgan der „Jüdischen Rundschau" für die Tschechoslowakei. Man kann dort sehr vieles zur Erkenntnis des hier behandelten Problems lernen. Bedeutsam war vor kurzem ein Aussatz, in dem auseinandergesetzt wurde, daß die ganze Erörterung über die Frage, ob in Palästina ein I u d e n staat geschaffen werden soll,' insofern zwecklos ist, als man unter Judenstaat so viel und so verschiedene Dinge verstehen kann, daß man sich erst über den Inhalt des Begriffes einigen muß, um zu einer wirklich fruchtbaren Disknssion zu kommen"). Die Dinge liegen bei dem C. V. wesentlich einfacher"; aber -selbstverständlich sind auch hier Probleme genug vorhanden, die noch einer endgültigen Klärung harrNn Kurt Blumenseld hat in der Landesversammlung der preußischen jüdischen Gemeinden eine Erklärung über den Begriff der V o l k s g e m e i n d e gegeben. Wir hörten früher schon andere Erklärungen. Die Praxis beweist, daß dieser Begriff innerhalb der Jüdischen Volkspartei in außerordentlichem Maße schwankt. So muß unter allen Umständen zunächst in der Führerschicht eine Klärung dieser Grund- De-griffe versucht, dann aber auch nach Möglichkeit dafür ^>orge getragen werden, daß die Geführten" in ihr auch wirklich ihre Autorität erblicken. Dazu wird es allerdings im wesentlichen erst dann kommen können, wenn jener Grundsatz „Ter Zweck -heiligt die Mittel" in der Agitation anfgegoben wird. Verlangen wir von anderen politische Moral, so müssen wir sie selbst üben können. Wer in Palästina ein neues Kulturzentrum schassen -will, daß seine Ausstrahlungen über die ganze jüdische Welt erstrecken soll, darf nicht, um für den Keren Hajessod zu werben, die Behauptung aufstellen, man wolle in Palästina nur kolonisieren. Wer die Gegensätze Zwischen Deutschen und Inden so empfindet, wie sie offenbar, um ein Beispiel zu nennen, in der „Jüdischen Rundschau" von Weltsch empfunden werden, der dort schreibt: „Die Aussprachen, die von zionistischer Seite über das Verhältnis von Juden und Nichtjuden — in u n f e r e w F a l I e a l s o D e u t s ch e n lr n d I u b c n — veranstaltet werden", darf nicht von sich behaupten, daß er als Zionist ein vollkommener und wirklich guter D e u t s ch e r sein kann, ein so prächtiger Mensch er auch sein möge. Die Beispiele lassen sich häufen. Man wird zu einer Klärung der Begriffe auch dann kommen müssen, wenn diese Klärung in dem einen oder anderen Falle der politischen Taktik Unbequemlichkeiten bereitet. Berührt es nicht beinahe komisch, wenn die „Jüdische Rundschau" im Brieikasten ihrer letzten Nummer eine Beurteilung von B ubers Bibelübersetzung durch Hermann Hesse, die dahin ging, daß es sich „um eine der edelsten Bemühungen deutschen Geistes in unserer Zeit" dabei handele, dahin berichtigen zu müssen meint, daß „Hesse gerade in der Tatsache der jüdisch-schöpferischen Eigenart Bubers eine Bereicherung deutschen Kulturgutes erblickt"? Man ist versucht, mit L e s s i n g s Nathan zu sagen: Was i h r j ü d i s ch nennt, das nennen wir deutsch. Wir sprachen von der Entstellung der Wahrheit. Wir haben uns im E. V. darüber zu beklagen, daß in weiten Kreisen unserer jüdischen Mitbrüder, soweit sie jüdischnational eingestellt sind, der Glaube verbreitet ist, in den großen und, wie wir wissen, erfolgreichen Ausklärungsveranstaltungen des C. V., bildeten, um die Worte der „Jüdischen Rundschau" zu gebrauchen, „Jdentitätsbehauptungen und Loyalitätsbeteuerungen" den Gegenstand der Betrachtungen. Niemand, der je einem solchen Abend beigewohnt hast der insbesondere den von Tausenden besuchten Versammlungen unseres Freundes Weil mit dem Thema „Die jüdische Internationale" beigewohnt hat, wird von einer so zu kennzeichnenden Würdelosigkeit unsererseits sprechen können. Und wenn immer wieder daraus angefpielt wird, daß die Forschungen Riegers über das Heimatsrecht der deutschen Juden in diesen Versammlungen vorgetragen werden, wenn damit gemeint wird, man suche eine Zugehörigkeit zum Deutschtum zu begründen, die gar nicht besteht, so muß doch dringend gefordert werden, daß die Entscheidungen über derartige Fragen endlich einmal nicht, wie 2) Wir fragen: Was hätte die jüdisch-nationale Oesfentlichkeit über uns gesagt, wenn wir nur einen kleinen Teil der Ausführungen gemacht hätten, welche der Führer der österreichischen Zionisten, Robert Stricker, über Weizmann. unter dem Titel „Mit eingerollter Fahne" am 6. November d. I. schrieb?

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