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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-17 · 51 (17.12.1926) · p. Seite 668

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
51 (17.12.1926)
Date
1926-12-17
Page
Seite 668 (sequence 8)
Language
German
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m «itmcr'büc'f glaubt man, daß er in verirrter Liebe zu seiner Tochter stürzen würde: glaubt es, gegen die Absicht des Dichters, verführt durch die geladene erotische Atmosphäre des Buches im Gegenteil: sie klären, sie losen sich, und sie lösen sich aus. Wiederum beginnt ein Amoklauf: er kümmert sich nicht mehr imt Frau und Tochter, vernachlässigt sich gänzlich, verabsäumt auch sein Geschäft, er verkommt: der llntergang des Herzens ist zugleich, auch der seines Berstaudes. Es ist kein Zufall, daß dieser Mnesch eben^Jnde ist und der Bourgeoisie augehört. In ihm wiederholt sich das 'Schicksal jenes „Seligmanu Hirsch", das ein älterer österreichischer Dichter, Ferdinand v. S a a r, dargestellt hat: der ans dem Osten eingewanderte Jude, der Vermögen erwirbt imb von der zweiten, nt Wohlstand und westlicher Bildung ausgewachsenen Generation verleugnet wird. Diese beideu^Männer werden aber so tief getroffen, weil sie, als Juden alten Schlages, durchaus und ausschließlich in der Familie wurzeln. Als dieser Boden zerfällt, muß jener Kommissionsrat untergehen. Er „versteht die Welt nicht mehr", eine Welt, in der ein Mädchen, seine Tochter, ein Urbild jener Sphäre von Holdheit und Lustigkeit, Müßiggang und Bausch werden konnte, die ihm selber unerreichbar fern, aber auch verhaßt und für immer fremd ist. Auch der Zug, daß die Entdeckung der Liebschaft den Vater in der Tiefe erschüttert, ist jüdisch eigentümlich, denn alte patriarchalische Vorstellungen streng gebundenen Familienlebens wirken in ihm nach: er vermag aber auch nicht zu strafen, zn verstoßen, zu enterben, wie alle die Väter des bürgerlichen Dramas oder Romans, sondern er selbst unterliegt: die väterliche Liebe — das Familiengefühl, wie der Ausdruck der Alltagssprache sagt — ist in ihm so stark, daß er, im konventionellen Sinne schwach, im tiefsten Grunde ein unrobuster, nervöser Spätling, vhn-, mächtig znsammenbricht, und, höchst charakteristisch, keinen Augenblick daran denkt, von seiner eigenen Macht Gebrauch zn machen, j Die Novellen sind mit gestaltender Energie und Vehemenz vorgetragen, im einzelner! voll überzeugender Szenen und Züge: wie der Vater die Gespräche von Iran und Tochter mit den Herren! beobachtet, die Hände des Polen, während er das Springen der Roulettekugel verfolgt; seine Trunkenheit, Ertrunkenheit im Rausch« des Gewinns; der Vortrag des Professors -vor den Studenten, das Diktat des Buches und die Darlegungen über das elisabethanische; Zeitalter. Ein aufmerksames Gehör wird vernehmen, daß das'Element des Willens, das in Zweigs Kunst von Anbeginn stärker war als das triebhafte und strömende, sich immer heftiger auswirkt, was besonders in der zweiten und dritten Novelle spürbar wird. Alan hat an mehreren Stellen den Eindruck, daß der Dichter sich jetzt mit besonderer Energie zusammenreißt, um eine besonders meisterliche Schilderung oder Entwicklung zn schreiben. Neberhanpt hat man weit mehr das Gefühl, daß Zweig schreibt als erzählt, im Gegensatz etwa zu Georg Hermann; indes Wilhelm Schäfer beides vereinigt. Alle mehr aus dem Willen als ans strömender Natur stammende Kunst ist Den Gefahr der Forcierung bedroht, lieber diesem vielfältig gekonnten Buche steigt sie herauf. Lesser-Urp. Zur SeparaL-AussteLLuttg im Kunstsalon Waffervogcl. Siofor Meiner, der in seinem jüdischen Empfinden und in feinem liefen deutschen Heimatsgefühl, in seiner Verwurzelung nur deutschem Boden imb deutschem Geiste uus so besonders nahe steht, stellt uns in seinem künstlerischen Schöpfungsdrang inuuer wieder vor neue Ueberraschungen. So sind wir von den Werten, die den letzten Monden ihr Dasein verdanken, aufs neue und in höchstem Maße gefesselt. Nicht nur, daß nur sehen, wie dieser Meister mit geradezu jugendlicher Frische heute noch am Werke ist, sondern auch, daß wir bewundernd erkennen, wie cs für ihn keinen Stillstand gibt und sein malerisches Auge immer neue Wege künstlerischen Schassens zu finden weiß. Wohl sind uns viele der Motive aus früheren Werken des Meisters bekannt, ja manche, wie Mm m unserer Freude erkennen, klingen an die ersten kleinen Schöpfungen seiner frühen Pariser Zeit an. Und doch stehen wir vor völlig Neuem! Denn das Motiv an sich spielt ja nur nebensächliche Nolle. Aber der Meister geht auch auf nette Entdeckungen aus. Eine neue Welt reizt ihn. Hat ihn Turner gelockt? Der Londoner Himmel, der Londoner Dunst und Nebel, und der Kampf der rotglühenden Sonne, die mit ihrer Stroh lenkrast dieses Tunstmeer 311 durchdringen sucht. Und noch ein Neuland! Tie Fülle des k ü n st l i ch e n Lichtes, die unserem nächtlichen Straßenbild einen völlig veränderten Charakter gegeben hat. Wie schmetternde Töne die Luft zerreißet!, so verjaget! die grellen, bunten Lichtschilder die Schatten der Nacht. Diese schrillen Töne, die gerade in ihrer Disharmonie Wirkung suchen, jeder den anderen beiseite schiebend, jeder vor den anderen sich vordrängend, müßten das eflii Dr. WZer'8 Kurfteim. PartenMen asass Sanatorium f%fJ^enZ7Es^Z^e%^gT- / Wintersport a) Klinische Abteilung: Mit Spezialabteilung für diätetische Behandlung, für alle irgendwie ernster Kianke, Magen-,Darm-, Nieren-, Herzleidende. Sioff wechselkranke u. dergl. — Leitender Arzt: Dr. Arno E. Lampd, langjähriger Oberarzt an der I. medizinischen Klinik, München (Geh. Rat v. Romberg). - Zwei Hausärzte, h) Kurheim-Abteilung: Für leichter Kranke und Erholungsbedürttige, kein Arztzwang. — Aerzte: Dr. Rieh. Meyer, frühe»- la.ngjähtiger klinischer Assistent, seit 1912 an Dr. ‘Wigger's Kurheim; Dr. Hans Kirchner, früher langjähriger klinischer Assistent. Massigste Preise! - Schönste, aussichtsreichste Sonnenlage, modernster Komfort Prospekt u. alles Nähere durch den Besitzer: C*eli. Hofrat I)r. Florenz Wigger« Qegeündet 1653 ■ilililllil Qegründet 1653 i F. W. Borchardt % jf Berlin W89 Französische Strasse 47/48 Z rfnruf; Zentrum 1% 15, ie, 17, 10, 221 Jjj§ H nXfeingtosshandhmg * <Delikatesswaren * Stadtküche W f§§ M Weinstuben auch Sonn- und Feiertage geöffnet M IP m Borto und Berparkunq frei. 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