Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 51 (17.12.1926)
- Date
- 1926-12-17
- Page
- Seite 666 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gegeben hat. Mag Jetzner im einzelnen iercu. er macht unserem Deutschland Ehre und darf und wird nicht denjenigen zum Opfer fallen, die sich auch hier wieder in Haß und Unverstand als die besonderen Verteidiger des Vaterlandes spreizen. C. v. und fichöuth. Ein Aussatz vön Moritz A. Loeb. Seit geraumer Zeit finden wir im „I ü d i s ch e n Wochenb l a t t", dem Organ der Gemeinde-Orthodoxie (Achduth), scharfe Angriffe gegen die Arbeit des Centralvereins und des Philo-Berlages. Wir sind die letzten, die das Recht der freien Kritik irgendwie einengen wollen. Kritik ans gerechter Grundlage ist förderlich; .Kritik aber, die aus Abneigung und Ablehnung geboren ist und mit* diese zum Ausdruck bringt, ist unsachlich und deshalb unerfreulich. So aber war die Kritik aus der Feder Dr. Ernst Simons, des zionistischen Schriftleiters des „Indischen Wochenblattes". Diese Haltung der Zeitung war um so ausfälliger,, als ein großer Teil der Achdnth-Nritglioder a u ch n u s e r e M i t g l i e d e r sind und mit der Haltung ihres Blattes schon deshalb nicht einverstanden sein konnten. In einer dev letzten Nummern richtete Dr. Ernst S i m o n selbst die Aufforderung an die der Achduth angehörenden Mitglieder unseres .Hauptvorstandes, sich zu diesen Fragen zu äußern. Kein Geringerer als der stellvertretende Vorsitzende der Achduth, Moritz A. Loeb, der gleichzeitig Hauptvorstandsmitglied des Centralvereins ist, hat dieser Aufforderung entsprochen und gibt in einem Leitartikel im „Jüdischen Wochenblatt" u. a. auch seinem Widerspruch gegenüber der Kritik des Tr. Ernst S i m o n an dem C. V. Ausdruck. Moritz A. L o e b schreibt: „. . . Im „Jüdischen Wochenblatt" sind vielfach, in der letzten Zeit in steigendem Maße, Angriffe auf den CbV. und seine Zeitung erfolgt. Diese Angriffe überschreiten m. E. in Form und Art den Umfang berechtigter Kritik um ein Erhebliches. Sie gründen sich zu einem guten Teil auf Schriften des P h i l o - V e r l a g e s. Tie Tatsache stimmt, daß C V. und Philo-Verlag in einem engen Zusanunenhang stehen; das bedeutet aber nicht, daß sie identisch sind, noch weniger, daß die Leitung des C. V. für jede Einzelheit des Inhaltes der lLchristen des Philo-Verlages verantwortlich gemacht werden kann . . . Will man über jene Schriften urteilen, so muß man sich zunächst den Zweck klarmachen, dem sie dienen. Jeder Sachkenner weiß, daß schon seit längerer Zeit antisemitische Literatur in Form von Broschüren, Zeitschriften, Kalendern', Flugblättern ustv. in ungeheuren Mengen, vielfach unentgeltlich, verbreitet wird. Der Schaden, den diese Hetzartikel unter den Massen des NUttelstandes, Kleinbürgertums und anderer kritisch nicht geschulter Schichten anrichten, ist ungeheuer. Wie kann man dem entgegentreten? Doch wieder nur durch die Verbreitung gesunder, aufklärender Lektüre, die diese Verfälschungen aufdeckt und richtigstellt. Wer sich jemals mit Schaffung apologetischer Flugschriften beschäftigt hat, weiß, daß die Forderungen, die hier gestellt werden müssen: Gemeinverständlichkeit, Kürze, Schlagkraft, nur von den wenigsten Autoren erfüllt werden können. Hat man zu dem gestellten Thema glücklich einen Autor gefunden und eine, brauchbare Arbeit erhalten, so kann man diese doch nicht wie einen Sekundaneraussatz behandeln und mit dem 'Notstift hineinkorrigieren. Nehmen nur z. B. die Broschüre „Auge um Auge" von Rabbiner Dr. Norden, die bei Herrn Dr. Simon so starken Anstoß erregt hat. Lie bietet auf knappem Räume — 24 Seiten — eine Widerlegung des in christlichen Kreisen, auch nichtantisemitischen, noch immer vielfach vorhandenen Vorurteils, als sei der jüdische.Gott ein Gott der Rache und erst das Christentum habe den Gott der Liebe gelehrt. An Hand der Bergpredigt wird diese Aufgabe in ganz vorzüglicher Weist gelöst. Gauzmm Schlüsse findet sich nun die im ganzen fünf Zeilen umfassende stelle, die zur Kritik Veranlassung gab. — Sie lautet: „Die Forderungen Jesu in seiner Bergpredigt, die er mit den Worten einleitet: „Ich aber sage euch" enthalten keine Aenderung und Aushebung jüdischer Bestimmungen. Wohl aber enthalten sie eine Fortbildung, eine Verinnerlichung, eine Vertiefung des Thorawortes, die uns tiefste Ehrerbietung einflößen muß, "und die uns auch in zahlreichen Aussprüchen des jüdischen Schrifttums begegnet." Alan kann ohne weiteres zugeben, daß diese Fassung keine glück- - liche ist, ja, daß sie für jüdische Leser einen unangenehmen Beigeschmack hat. Wenn man sich aber klarmacht, daß die Schrift für christliche Leser bestimmt ist, daß sie zu diesem Zwecke sich in. die geistige Einstellung dieser Leser hineinversetzt, so kann man verstehen, wie der Autor zu diesen Sätzen kam. Daß keine Miuderbewertnng der jüdischen Lehre beabsichtigt war, geht aus dem Schlußsätze des inkriminierten Passus' deutlich hervor. Es ist daher eine n n g e h e u e r l i ch e 11 c b e r - treibunp, wenn Dr. Simon aus der angeführten Stelle schließt, die Methode des C V. zur Bekämpfung des Antisemitismus sei: „ihm sein Objekt zu nehmen, indem mau das Judentum auslöse, fortdiskutiere und zerbröckte" ... Unter den 7 9 0 0 0 Mitglieder n des C V. befinden sich Anhänger aller religiösen und politischen. Richtungen. Die Leitung der Abwehrarbeit selbst, gegen die in der gegenwärtigen Periode mehr als je zuvor gesteigerten Angriffe des Antisemitismus, liegt fast ausschließlich in den Händen von Männern, die der religiösliberale n Richtung angehören. Aber diese Einseitigkeit ist lediglich dem Umstande geschuldet, daß sich. Zionisten für den Hauptvorstand überhaupt nicht — in der Leitung von Ortsgruppen und Provinzialverbäuden sind sie vertreten —, Konservative nur sehr spärlich zur Verfügung stellen. Unbeschadet dieser Zusammensetzung ist aber der Hauptvorstand und mit ihm die ihm unterstellten Landes- und Provinzialverbände aus das gewissenhafteste bemüht, in religiösen' Fragen volle U n p a r t e i l i ch k e i t zu wahren. Wenn es trotzdem hier und da einmal zu einer Entgleisung kommt, so trägt sicher kein böser Wille die Schuld. Hat doch anläßlich der im Mai stattgehabten Wahlen zur Berliner Repräsen- Lanteuversauunlung das „Jüdische Wochenblatt" die musterhafte Unparteilichkeit des C. B. anerkennen müssen, während gleichzeitig die „Jüdisch-Liberale Zeitung" entrüstet fragte: „Wo bleibt der C- V.?" Ich kann nur wünschen, daß man im gesetzestreuen Lager die Notwendigkeit einer aktiven Betätigung an dem uns aufgedrungenen A luv ehr kämpfe mehr als bisher empfinde. Dann werden auch die Unebenheiten, die sich noch manchmal geltend machen, verschwinden. Diese Unebenheiten aber durch die Parteibrille zu tausendfacher Vergrößerung zu bringen und sie dann voller Entrüstung als gemeingefährlich anzuklagen, ist ein schlechter Dank für die Männer, die hier in aufregender und aufreibender Klalarbeit ihre besten Kräfte einsetzen, und ein Beginnen, dem mit mir alle adjektiv Denkenden die Gefolgschaft versagen werden. Moritz A. Loeb. Die Bemerkungen des Herrn Dr. E. S i m o n dazu vermögen nicht den starken Eindruck dieser Ausführungen irgendwie abzuschwächen. . . C. B.-Arbert zrrr Strafgesetzrefsrm. Im Jahre 1925 erfolgte die Veröffentlichung eines amtlichen Entwurfes für. ein Allgemeines deutsches Strafgesetzbuch, der Ansang November 1926 zur ersten Beratung kam. Zn diesem Zeitpunkt hat auch der C. V. eine in langer Arbeit entstandene, sorgfältig begründete Eingabe an das Reichsjustizministerium gerichtet. Die Frage der Kotlektivbeleidig u n g, der G o t 4 e s l ä st e r u n g, der A u frei z u n g zum Kla s s e n k a m p f, die S ch ä ch t ß r a g e und alle übrigen den selbstbewußten deutschen Juden angehenden Delikte haben in diesem Entwurf eine Formulierung gesunden, bte.,. weit entfernt,, nur auf unsere eigenen Bedürfnisse zugeschnitten zn sein, ganz allgemein eine Entgiftung des politischen Lebens und eine Verhütung von heute alltäglichen Roheiten in sich birgt. Der Reichsjustizminister hat den Empfang unserer Eingabe bestätigt und uns mitgeteilt,, daß er gegebenenfalls von unserem Anerbietem weitere mündliche Erläuterungen zu unseren Anträgen zu geben, Gebrauch machen würde. Unparteilichkeit. Wochenbetrachtung. Schweres Unrecht hat das Volk der Aegypter Israel zugesügt. Es hat die freien Hirten zu Sklaven herabgewürdigt,, die im Schweiße ihres Angesichtes arbeiten und ihre Lebenskraft bis zum letzten Rest für ihre strengen, unerbittlichen Herren hergeben mußten. "Es wäre verzeihlich gewesen, wenn die harte Behandlung bitteren Haß in der Seele des gedrückten Volkes geweckt hätte, wenn es, rückblickend auf die frühere Geschichte, nur durch die Brille des Haffes geschaut, die an dein Gegner keine gute Seite zu entdecken vermag. Aber wie vornehm und gerecht erweist sich die israelitische Geschichtsschreibung bei der Darstellung der ersten Berührung der Jakobsfamilie mit den Anwohnern des Nils. Wie shmpathisch wird die Persönlichkeit jenes Pharao geschildert, der zu Joseph in Beziehung tritt. Alles spätere Leid wird vergessen und außen acht gelassen. Dankbar erinnert man sich der empfangenen Wohltaten. Der greise Stammvater Israels, der getreue Bekenner des einzigen Gottes segnet den heidnischen König, der so tief im Wahnglauben seiner Zeit versunken ist. Die göttliche Vorsehung wacht gnädig und barmherzig über den Geschicken des armen, vom Hunger bedrohten Heidenvolkes. Ach, wollte man doch ein klein wenig von solch unparteiischer Gerechtigkeit auch uns Juden der Gegenwart zuteil werden lassen. Wan weckt Haßgefühle gegen uns an fremder und eigener Seele. Aber da steht etwas im Wege, das ist dieses Volk Israel, von dem diese bösen Juden abstammen, mit seiner heiligen Geschichte und seinem heiligen Buche, dessen ehrwürdige Urgestalten man jung und als als Vorbilder gepriesen. Nun sieht man auf einmal alles anders. Nun vergißt man schnell die großen und erhabenen Anregungen, die von dort für die Kultur der ganzen Menschheit ausgegangen sind. Nun entwirft man ein Zerrbild Israels und seiner Großen. Nun ist aus einmal alles eine „große Täuschung" gewesen. Ach, ihr Völker des Abendlandes, nur fordern gar nicht von euch, daß ihr, wie eure Lehre es gebietet, den, welchen ihr euch als Feind vorstellt, lieben sollt. Nur ein wenig Gerechtigkeit, ein wenig Unparteilichkeit könnt ihr aus seinen so arg verleumdeten Büchern lernen. Hoffmans