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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-17 · 51 (17.12.1926) · p. Seite 664

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
51 (17.12.1926)
Date
1926-12-17
Page
Seite 664 (sequence 4)
Language
German
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664 „Was ist eine Nation«♦ ♦ V4 Der durch feine außerordentlich stark besuchten Vorträge über „Das Glück" jüngst auch in weiteren Kreisen bekanntgewordene Herausgeber der „Grünen Blätter, Zeitschrift für persönliche und völkische Lebensfragen", Johannes Müller, erörtert in seinen „Fragen und Antworten" zu kulturpolitischen Problemen die Frage: Hat es heute noch Sinn, von Nationen 31t sprechen, nachdem die neuen blassen forsch er feststellen, das; alle Nationen ein wenn auch verschiedenartiges Gemisch derselben Völkerrassen darstellen? Welches sind überhaupt die Voraussetzungen dafür, daß inan vor; einer selbständigen Nation sprechen kann? Sicherlich nicht die politischen Grenzen eines Staates, aber auch nicht die Abstammung von Eltern, die der betreffenden Nation angehört haben; denn die Siedlungsdeutschen in. Siebenbürgen, an der Wolga und in Brasilien wird man nicht zur deutschen Nation rechnen können. Ich. rechne demgegenüber die Deutschen in der ganzen Welt zur deutschen Nation, wie es die Engländer, Italiener, Franzosen usw. auch tun. „Soweit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt", reicht die deutsche Nation. Für mich fällt also der Begriff Nation nicht mit Volk und ^taat zusammen, wir Deutschen haben ja immer das^Schicksal gehabt, zu beträchtlichem Teil außerhalb des deutschen Staats und Volks zu wohnen. Nation i st aber a u ch e t w a s a n b e r e s a l s R a s s e. D i e Rasse u m - f 0 n t b t e v e r s ch i e d e n st c n Nati 0 ne n. Die europäischen Völker gehören zum größten Teil Zur arischen Rasse, während z. B. Finnen und Ungarn zur mongolischen gehören. Was Stämme zu einer Nation vereinigt, ist ein Vielfältiges. Zweifellos gehört dazu das gemeinsame Blut. Aber das ist nicht das einzige, ja nicht einmal das Entscheidende. Es gehört vor allem dazu die gemeinsame Seele, lind da die Seele wesentlich zur Entfaltung kommt durch die Sprache und von ihr das empfängt, was die Vorfahren seit Urzeiten empfunden, gesehen, gefühlt und gewollt haben, so ist sie das zweite und meines Erachtens das Wichtigste, worauf die Nation ruht, woraus sie lebt und worin, wodurch sie sich entwickelt. Die Sprache ist das Organ des Geistes der Nation. Durch die Muttersprache empfängt jeder ihr geistiges Wesen und den Reichtum ihrer Geistesschätze. Die Sprache ist deshalb entscheidender als das Blut. Aber zu diesen beiden Elementen gehört noch die gemeinsame Geschichte, oder anders ausgedrückt: die gemeinsame Ver« Die Abzeichen der Nachkriegsverbände. (Zu dem Aufsatz s C. V.-Zeitung* Nr. go.) I. Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei. 2. DeutschvoIkisclie Freiheitsfartez. y. Stahlhelm. 4. Jungstahlhelm. 5. Wehnvolf. 6. Jungdeuiseher Orden, J. IVicking, 8. Olympia. Q. Fr0n ihriegerbun d. 10. Deutscher Offiziersbund, u. Nationalverband deutscher Offiziere. 12. Reichsoffiziersbund. jj. Kyffhäuserbund. 14. Freussenbund. lg. Vaterländischer Arbeiterverein, 16. Deutschnationaler Handlungsgehilfen- Verband, ij. Reichsbund 4er Kriegsbeschädigten, 18. Roter Frontkämpferbund, ig, Reichsbanner, 20, Deutscher republikanischer Reichsbund, Wurzelu n g in der Vergangenheit. Und endlich das gemeinsame g e g e n w ä r t i g e und z u k ü n s t i g e Schicksal, die Not und das Suchen der Zeit, das gemeinschaftliche Leiden und der vereinigende Drang, die Aufgabe und Bestimmung der Gegenwart zu erfüllen, wie sie sich aus der inneren und äußeren Lage des Volkes ergeben. _ Also die innere Zugehörigkeit zur Nation gründet sich auf Blut, &cele, Sprache und Geist, Geschichte und Schicksal. Infolgedessen fallt die lebendige Wirklichkeit der Nation nicht mit den staatlichen Grenzen eines Volks zusannnen. Man kann eher sagen, Nation und Sprache decken, sich. Ter Staat im idealen Sinne ist eine Vereinigung und Verfassung des gesinnten Volkes, er ist die Oekonomie dieses Volkes; aber in den meisten Fällen wird er niemals das ganze Volk umfassen, sondern dieses Volk erstreckt sich über die staatlichen Grenzen hinaus. Unsere moderne Rassensorschnng sagt in dieser Beziehung nichts. Sie zeigt höchstens, daß das Blut eine geringe Rolle spielt. Um so entscheidender erscheinen uns dann als^ begründende Elemente der Nation die Volksseele, die gemeinsame Sprache, Kultur und Geschichte. . Das Testament öes Primaners. Wie die „C. V.-Zeituug"*) mitteilie, hat ein Berliner Realgymnastast, der sein Ende herannahen fühlte, in seinem Testament verboten, daß ein Jude seinen; Leichenzug folge. Mit Recht bezeichnete sie diesen Fall als außerordentlich beklagenswert. Beklagenswert aber vor allem für die Schule, an der er geschehen ist. Im großen Publikum wird man vielleicht den Verdacht hegen, daß sie selber an der Verhetzung des christlichen Schülers schuld gewesen ist. Ich persönlich kann das nicht glauben. Aber auch, wenn im Unterricht nicht eine gegen völkische Propaganda konnivente Haltung eingenommen worden ist, bleibt doch der Vorwurf hafterst daß nicht im entgegengesetzten Sinne gewirkt wurde. Freilich darf mau nicht vergessen, daß die Schule an sich sicherlich nicht den Einfluß hach den Elternhaus und U in g e b u u g, na m e n t l t ch i m S t a d i u m d eje E n t - w i ck t u n g, -auf u 111 e x e S ch ü I e x b e s i tz e n. Die schule ist eben kein Mädchen für alles. Nur; nürd man gegenüber der Forderung, daß solche Frage!; im Unterricht erwähnt werden müssen, zweifellos erklären, diese Dinge hätten mit Politik etwas zu tun, und die Schule müsse entpolitisiert werden. Ganz abgesehen davon aber, daß gerade die völkischen Kreise erklären, diese Dinge gehörten nicht in das Gebiet der Politik, muß mau eben sestlegen, was eigentlich unter Entpolitisierung zu verstehen ist. Parteipolitik gehört s i ch e r l i ch nicht in die Schule. Dagegen hat die Schute die Pflicht, aus der Oberstufe über Politik i m a l l g e m ein c n , ja auch über politische Parteien, objektiv ihre Schüler zu unterrichten. Diese Dinge gehören in den staatsbürgerlichen Unterricht, der langst vor dein Kriege gefordert worden ist. Dann aber hat meiner Meinung nach die Schule , auch die Verpflichtung, einmal vom Standpunkt des Sittlichen aus zu dem Problem der Politik überhaupt Stellung zu nehmen. Dabei wird dann sestzustelleu sein: Parieipolitik darf niemals das Gefühl im Menschen auslöschen, daß der parteimäßige Gegner Mitmensch ist und daß die sittlichen Pflichten auch ihn; gegenüber bestehen bleiben. Was die spezielle Judenfrage betrifft, so dürste es niemandem schwer fallen, nachzuweisen, daß es sich hier überhaupt nicht um Feinde handelt, so n d e r n u m g l e i ch b e r e ch t i g t e Mitbürger, deren G e f i n n u n g a u ß er Fr a g e steht, und daß es ei n e Fei g heit i st, g e r a d e w e i l es s i ch n m eine Minder h e i t ha n d e l t, g e g e n 's i e F r 0 n t zw m a ch e n. Nützlich ist in diesem Falle der Hinweis aus die deutschen Minoritäten im Auslande, über deren Vergewaltigung wir, zum Beispiel in Italien, am meisten empört sind. Darüber hinaus wird man die Einstellung, die jener Primaner hatte, als eine Gefühlsroheit bezeichnen müssen. Man kann auch hier Verständnis bei den Schülern erreichen, wenn man sie darauf aufaufmerksam macht, daß die parteimäßige Zerrissenheit Deutschlands zu einem großen Teil ans dein Mangel an Vürgergesühl beruht: man darf in dem gesinnungsmäßig anders Eingestellten nicht den Feind oder gar den Lump erblicken. Gerade weil wir von den künftigen Generationen einen Wiederaufban Deutschlands erwarten, müssen wir ihnen immer wieder Vorhalten, daß sich dieser ohne Dersittlichung unseres politischen Getriebes niemals vollziehen kann. Stunden, in denen derartige Probleme erörtert werden, gehören zu den fruchtbarsten Erziehungsmitteln, die die Schule hat, und werden erfahrungsgemäß von den Schülern am wenigsten vergessen. Alles dies allerdings vermagnichts gegen die Atmosphäre des Elternhauses: fehlt es dort an einem wirklich christlichen und vaterländischen Sinn, der in allen Deutschen gleichberechtigte Mitbürger sieht, so wird auch die beste Schulzucht letzten Endes nichts ansrichten können. Es muß aber mit aller Entschledenheit verlangt werden, daß deshalb die Schule ihre Bemühungen auf gefühlsmäßige Einigung sämtlicher Teile des deutschen Volkes nicht unterläßt, um so mehr, als sehr oft die Schule auf dem Wege über die Schüler auch auf das Elternhaus entscheidenden Einfluß gewinnt. __ Prof« Dr. Paul Hildebrandt. *) Vgl. „<&. V.-Zeitung" Nr. 48«

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