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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-17 · 51 (17.12.1926) · p. Seite 663

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
51 (17.12.1926)
Date
1926-12-17
Page
Seite 663 (sequence 3)
Language
German
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663 Kommt sin Schächtverbot m Nayem? Wie wir in Nr. 29 der „C. V. - Zeitung" vom 16. Juli d. I. berichteten, hatte der bayerische Landtag am & Juli mit den Stimmen der Deutsckmationalen, der Nationalsozialisten, des Bauernbundes, der Sozialdemokraten und Kommunisten eine Resolution angenommen, in der die Negierung ersucht wird, ein Gesetz vorzulegen, das das betäübungslose Schlachten verbietet. In Durchführung dieses Landtagsbeschlusses hat nun die bayerische Staatsregierung einen solchen Gesetzesentwurs fertigstellt. Sie gibt darüber laut „Münchener Neuesten Nachrichten" vom 3. Dezember folgende Erklärung ab: ,,Der Entwurf eines Gesekes über Das Schlachten von Tieren ist vom Ministerium Des Innern fertig gestellt. Der Ministerrat bat Den Entwurf noch zur üSgestellt, um Das Ergebnis Der iw Gange befindlichen, Den rituellen Schächtvorfchriftcn genügenden BcLünbungsversnche abzuwarten." Damit ist die Möglichkeit eines Schächtverbots in Bayern in die Nähe gerückt. Es wird der größten Anstrengungen bedürfen, um diesen das gesamte d e lt t f d) e Iudentu in treffenden Schlag abzuwenden. Alle deutschen Juden mögen den Ernst der Sachlage erkennen. Wenn es not tun wird, rechnen wir zuversichtlich auf die Mitwirkung aller in den Kampfe, den wir seit langein ans diesem Gebiete führen. Dieser Tage fand auch die Jahresversammlung im Münchener Tierschutzverein. statt, bei der die Lchächtfrage eingehend behandelt wurde. Der bekannte Vorkämpfer des Schächtverbots, Syndikus Tr. E i n h a lt s e r, trat in der bekannten Weise' gegen das Schachten aus. Regiernngsrat Dr. Scheinpflug, Vorstandsmitglied des Vereins zur Bekämpfung der Vivisektion, setzte sich besonders eingehend mit der Schrift des Dr. Lieben (Prag) auseinander. Demgegenüber vertrat Rechtsanwalt Dr. Strauß (München) in aller Ruhe und unter Vermeidung aller Spitzen den jüdischen Standpunkt. Er wies nach, wie gerade dem Judentum Tierquälerei fern liege, und daß auch die Betäubung vor dem Schächten eine Tierquälerei nicht ausschließe. Ein Versammlungsbesucher erging sich iu besonders unqualisizicrbaren Beschimpfungen der anwesenden jüdischen Mitglieder. Er wurde von dem Vorsitzenden auf das schärfste zurückgewiesen. * Wilhelm Liebknecht zur Schächtsrage. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat soeben ein Flugblatt herallsgegeben, das die bekannte Rede Wilhelm L i e b - k n echts z u r S ch ä ch t s r a g e , die er im Jahre 1899 im Reichstag hielt, wiedergibt. Die Rede ist in wesentlichen Teilen so grundlegend, daß sie auch heute noch die Bestrebungen der Schächtgegner treffend widerlegt. Wenn er den Völkischen von damals unter Führung von " L i e b ermann v. Sonnender g zürnst: .n i ch t bloß aus Liebe 5 u den Tieren, nicht bloß, u m das Quälen von Tieren zu v er h in d e r n, s0n - d e r n weit mehr, um die Juden, unsere Mitmenschen, zu quälen . . so hat der bekannte Vorkämpfer der So.äaldemokratie damit den Nagel aus den Kopf getroffen. Das Flugblatt steht unseren Mitgliedern gern gratis zur Verfügung. Eine Anzahl weiterer Schritte, die in der Abwehr eines Schächtverbotes vorn Centralverein unternommen worden sind, können im Augenblick noch nicht mitgeteilt werden. Was sagt -re Parteileitung -azu? Eine merkwürdige Liftenverbinvnng in Chemnitz. Bei den letzten Stadtverordnetenwahlen in Chemnitz sind, nachdem elne Listenverbindung zwischen sämtlichen bürgerlichen Parteien von den Nationalsozialisten bis zu den Demokraten nicht zustande gekommen war, die Deutsche B 0 l k s p a r t e i, die Wirtschafts- Partei, die D e u t s ch n a t i 0 n a l e Partei lind die Ration a l s 0 z i a l i st i s ch e Partei eine L i st e n v e r b i n d u n g eingegangen. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß durch derartige Vahlb'üudnisse diejenigen unserer Mitglieder, die der Deutschen Volkspartei nahestehen, in einen ernsten Gewissenskonflikt kommen müssen, weil sie vor die Frage gestellt werden, ob sie durch Stimmabgabe für ihre eigene Partei derjenigen Partei indirekte Dienste leisten wollen, die den Juden das Deuts ch t u m abspricht und in verbrecherischster Weise den Kampf gegen den jüdischen Teil des deutschen Volkes führt. Nachdem unsere Chemnitzer Ortsgruppe, ohne die parteipolitische Neutralität zu verletzen, auf die durch das Wahlbündnis gegebene Situation in einem Rundschreiben hingewiesen hatte, erschien in mehreren Chemnitzer Zeitungen die Anzeige eines jüdischen Herrn, de/nicht unserem C. B. an gehört. In ihr wird davor gewarnt, den Richtlinien des C. V. Folge zu leisten. Diese Vorgänge bildeten auch Gegenstand der Aussprache in einer Chemnitzer Mitgliederversammlung, in der vorher Justizrat Tr. Brodnitz und Rechtsanwalt Dr. G o l d b e r g (Plauen) gesprochen hatten. Wir haben allen Anlaß, die S t e H u ngna h me de r O rtsgruppe als berechtigt a n z u s e h e n , da sie, ohne eine parteipolitische Festlegung zu bedeuten, den Standpunkt zum Ausdruck brachte, den unsere Mitglieder als jüdische Deutsche der eigentümlichen Chemnitzer Parteigruppierung gegenüber einnehmeu mußten. An die Leitung der Volkspartei müssen wir die Frage richten, wie sie sich dazu stellt, daß sie durch ein B ü ndni 8 m i t einer Partei, die sich aus erklürten Feinden der Volksparteil: chen Politik Z u s a m m e n s e tz t, vu eite Kreise g u t e r deutscher Staats b ü r g e r vor den Kopf st ö ß t. Die „Deutsche Studentenschaft" — völkisch? Die „De u t s ch e S tudentschaf t" ist bekanntlich die organisatorische Zusammenfassung der an den Hochschulen bestehenden Einzelstudentenschaften. Den Studentenschaften an den preußischen Hochschulen ist nach dein bestehenden Studentenrecht die Möglichkeit gegeben, sich mit den entsprechenden Organisationen an den Hochschulen Oesterreichs zusainmenzuschließen. Dort herrscht das A r i e r p r i n z i P , das heißt die Bestimmung, wonach die nicht arischen Elemente von dem Mitbestiinmungs- und Mitgestaltungsrecht -in der studentischen Selbstverwaltung arrsgeschlossen sind. Innerhalb der deutschen Studentenschaft kämpft, wie wir schon mehrfach 'berichtet haben, die freiheitlich eingestellte Minderheit nunmehr schon jahrelang gegen diesen Zustand. Nachdem neuerdings sogar die Bonner Studentenschaft, — bisher eine der Hauptstützen der nichtvölkischen Minderheiten — ihre Stellung geändert hat, ist die Frage der Regelung des deutschen Studentenrechtes wieder akut geworden. Der K u l t u r a n s s ch u ß des Preußischen Landtags beschäftigte sich mit der Frage, ob die deutsche Studentenschaft an dem völkischen Prinzip in der Koalitionsfrage festhalten wolle oder ob sie freiwillig diesen Terror gegen eine große Minderheit, die sich keineswegs nur aus den jüdischen Verbänden zufammensetzt, sondern zu der alle freiheitlich gesinnten Studenten aller Konfessionen gehören, aufgeben wolle. Auf Grund dieser Verhandlungen \m preußischen Landtag wird der Nt i n i st e r e i n e n Brief an die „D e u t s ch e S t u deuten- . schaf t" und an alle einzelnen Verbände der preußischen Hochschulen richten, in dem diese Frage klar undeindeutig gestellt wird und in dem kein Zweifel darüber gelassen wird, daß der preußische Staat die S t u d e n t e rr s ch a f t nicht mehr unter st ützen kann, w e n n s i e an d e in v ö l k i s ch e 11 Prinzip sesthält. Das Würde also bedeuten, daß die -ganze „Deutsche Studentenschaft" auffliegen würde; es kommt jetzt darauf -an, ob die besonnenen Elemente in der Studentenschaft die Oberhand gewinnen oder ob sie sich vor: den völkischen Elenrenten ihre ganze Vereinigung zerschlagen lassen. Neue beunruhigende Meldungen aus Rumänien. Wir berichteten in der vorigen Nu innrer unserer Zeitung über die Untaten, die letzthin gegen Juden in Rumänien verübt wurden. Jetzt meldet die Jüdische Telegraphen-Agentur (I. T. A.) neue schwere Ausschreitungen antisemitischer rumänischer Studenten gegen die jüdische Bevölkerung. Am 10. Dezember feierte die Bularester antisemitische Stndentmschast das fünfjährige Jubiläum ihres Kampfes nur die Eins ü h r u u g des Nu m e r 11 s c 1 a u sus f ü r j ü d i s ch e Studierende an den rumänischen Hochschulen. In den Abendstmrden dieses Tages kam es in mehreren Straßen zu sehr turbulenten Szenen, die in s ch w e r e A u s s ch r e i t u n g e n gegen d i e j ü d i s ch e Bevölkerung ausartete rr. Uur 6 Uhr abends hielten die Studenten in ihrem Heim eine Massenversammlung ab. Von dort zog ein Teil in die Belvederestraße, wo in allen Antiquitätenläden, die Juden gehören, die Auslagefenster zerschlagen und viel Schaden angerichtet wurde. In der Bacanstraße wurde die 'Werkstücke eines jüdischen Schneidermeisters zerstört, der Besitzer schwer mißhandelt und verletzt. Die gleiche Gruppezerstörte die Auslaaefeuster und Vitrinen j der jüdischen Geschäfte in der Spinzistraße sonne viele andere Werkstätten und Geschästsläden, deren Inhaber Juden sind. Gegen die Wohnungen zweier benachbarter jüdischer Brüder wurde ein heftiges Steinbombardement durchgeführt. In der Wohnung des einen lagen zwei erkrankte Kinder zu Bett; beide wurden von schweren Steinen getroffen und verletzt. In einigen Modeläden wurden die Auslagefenst-er zerstört und sämtliche Waren fortgefchleppt. Etwa 30 Studenten wurden von der Polizei und Gendarmerie festgenommen, aber nach Abnah ine der Legitimationen wieder aus freien Fuß gesehi. Bis 3 Uhr nachts dauerten die Manifestationen. Militär patrouillierte in den Straßen und trieb die Studenten, die sich immer wieder versammelten, auseinander.

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