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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-03 · 49 (3.12.1926) · p. Seite 638

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
49 (3.12.1926)
Date
1926-12-03
Page
Seite 638 (sequence 6)
Language
German
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m bon einer uns bis dahin unfoefcmuteii Ausdehnung. Haben wir doch au eine ui e i n z i g e u T a g i ne I a n u n r 20 000 F l u g - b l iitter verteilt. Daneben wurden Broschüren an Geistliehe intb Lehrer versandt und Zeitungen verbreitet. Bon dem Umfang der Arbeit in jenem Jahre kann man sich heute feinen Begriff mehr machen. Auch die G r ü n d u n g der Bibliot h e t geht auf dieses Jahr zurück. Das Jahr 1921 brachte dem Landesausfchust eine neue Satzung und damit eine straffere Organisation, die sieh seither sowohl für das Land selbst als auch für die Abwicklung der GGchäsw mit der Zentrale gut bewahrt hat. Die antisemitische Broschüre eitles angeblichen Geistlichen führte zur Herausgabe einer Gegenschrift, die an beinahe 1800 Geistliche im Lande versandt wurde, st mir Die sonstige Aufklärungsarbeit umstte in bisher nicht geahntem Diane vervielfältigt werden. Das Ende des Jahres brachte dic erste Versammlung vor geladenen Gästen, in welcher einer unserer bewährtesten Redner über j „Das -Heimatrecht der deutschen Inden" sprach. Im Jahre 1922 sorgten wir durch Versendung einer kleinen Sonderschrist ans dem Philo-Verlag für allgemeine Aufklärung über das Kol uülro-Gebet. Gegen Ende des Jahres brachten wir eine öffentliche Gegenerklärung in den Zeitungen gegen die von den Nariouatsozialisten geforderte Entrechtung der deutschen Juden, (sine weitere öffentliche 'Erklärung gegen die' Taimndbeschnldignngen erliefen wir im Alärz 1923. Das unglückselige Juslatiousjahr bedrohte auch die Existenz des Lalldesverbandes aufs schlverste. Die Mittel wurden schließlich so kncvpp, daß der Verein sogar sein Telephon ausgeben mußte und die Weiterführung des Bureaus nicht mehr möglich erschien.. Hilfe brachten zwei unserer Mitglieder, die im Dezember 1923 in hochherziger Weise die notwendigen Mittel bereitstellten. Ein Beschluß, den der Laudesausschuß im April 1921 erneut gefaßt hatte, und der dahin ging, ein Verzeichnis der württenDergischou Femttsoldateu zu veröffentlichen, hatte wegen Mangels au Mitteln nicht durchgeführt werden können. Aber im Jahre 1924 hatte der Landesverband ' die schlimmsten geldlichen Schwierigkeiten überwunden, und nun wurden wieder, lvie schon im März 1919, an alle Gemeinden im Lande neue Zählkarten versandt, um ein vollkommen einwandfreies Verzeichnis aller jüdischen Frontsoldaten aus Württemberg und Hohenzoltern zustandezubringen. Auch jetzt waren noch uueudliehe Hindermisse 31t überwinden. Es sind immer nur wenige, rvelche die Wichtigkeit solcher Arbeiten eirrseheu, und das Gesetz der Trägheit beherrscht die Menschen jeder Gemeinschaft in solchen Maße, daß Verbände, welche nicht über behördliche Befugnisse gebieten, bei derartigen Unternehmungen immer neuen Schwierigkeiten gegenüberstehen. Die Ausstellung der Frontsoldateuftatistik konnte schließlich nur so bewerkstelligt werden, daß wir besondere Beauftragte in die einzelnen Gemeinden -entsandten, wo sie die Zühlgeschüfte von Haus zu Haus besorgten. Aus Dem Jahre 1925 möge eine Veranstaltung der Ortsgruppe Stuttgart ermähnt sein, die durch einen Künstler „Dichtungen deutscher Juden unserer Zeit" vortragen ließ. Wir halten diesen Abend für einen besonders nachahmenswerten, weil künstlerische Darbietungen dieser Art viel leichter als die buchmäßige Veröffentlichung einem "großen Kreis nette Erkenntnisse zu vermitteln geeignet sind. Im Jahre 1926 haben wir die kleine Ausgabe der vom Verband der deutschen Juden herausgegebenen „Lehren des Judentums" in einer größeren Zahl von Stücken unentgeltlich verbreitet und die neue „Monatsausgabe der C. V.-Zeitu ng" in 3500 Exemplaren ein Vierteljahr lang an die ges a uc l e Lehrerschaft versau d t; etwas später haben wer das vorzügliche Büchlein des Protestantischen Theologen Strack „Jüdische Geheimgesetze?" beinahe 1000 Geistlichen zugeschickt, nachdem uns durch besondere Zuwendungen die Mittel für diese Aufwendungen 3ur Verfügung gestellt worden waren. Die größte und wie wir glaubenbedeutendste Leistung des W-ürktembergischeu Landesverbandes brachten uns die Ilosch Hasehonoli- Tage dieses Jahres. Als Frucht einer mehrjährigen, unendlich mühevollen Arbeit erschien als eine Festgabe für unsere Mitglieder unser , Frontsoldatenbüchlein mit dem Titel „Jüdische Frontsoldaten aus Württemberg und Hohenzottern" in einer Auslage von mehr als 6000 Stück, die beinahe alle zur Versendung gelangt sind. Außer sämtlichen Mitgliedern des Landesverbandes erhielten alle höheren und Volksschulen, eine große Anzahl von Bibliotheken, alle Richter in Württemberg, die Abgeordneten, zahlreiche Ossiziere und alle größeren Zeitungen das Büchlein ükoersandt. Für kein anderes der deutschen Länder ist eine solche Zusammenstellung erschienen, die 'Umnen und Truppenteile aller Frontsoldaten anführt und eine lückenlose Liste der Gefallenen austvoist. Das Reichslvehruünisterium und einige der höchsten Offiziere haben den Wert dieser Veröffentlichung in warmen Worten anerkannt. Während die große Segatlsche Reichs statistik für Württemberg 1501 Frontsoldaten und 210 Gefallene aufzählt, haben wir in Württemberg 1610 Frontsoldaten und 263 Gefallene namentlich nachgewi-esen, dazu noch die ho-henzollerischeu Frontsoldaten, so daß unser Büchlein im ganzen 1 6 7 4 F r 0 n t s 0 I D a t c n, 2 7 0 Gefallene, 533 Verwundete, 5 8 1 B e f ö r d e r t e und 1071 A ils g e z e i ch n e t e im einzelnen ausweist. Dabei können wir jetzt schon feststellen, daß auch bei dieser Zählung einzelne Frontsoldaten vveggebliel^n sind, weil es auch beim besten Willen nicht gelingt, sie alte'restlos zu erfassen. Möge das heiße Bemühen, welches wir auf die Herstellung dieses Büchleins verwendet haben, allen Mitgliedern msteres Landesverbandes beweisen, lvie sehr uns darum zu tun ist, im Sinne unserer Väter die Ehre des j ü d i s ch e n 9t a m en§ hochznhalten. * Dem Führer des Württembergischen Landesverbandes Dr. Gustav Feldmann lvarmen Dank zu sagen und herzlich Glück zu wkmschem gibt das zlvanzigjährige Bestehen dieses Verbandes erwünschten Alklaß. Wie es j"einem ganz ans das Sachliche gerichteten Wesen entspricht, hat er in vorstehenden Erinnerungen fein eigenes Werl fmim hervortreten lassen, und doch ist bis heute Eentralvereinsaröcit in Württemberg ohne Dr. Feldmann nicht derltbar. Es lvar wohl das erste offenkliche Anftretell des jungen Arztes, als er im Jahre 1899 die Stuttgarter Einzelmitglieder des Eentralvercins znsamrnenfaßte mld die Stuttgarter Ortsgruppe begründete, und seither ist die ganze Entwicklung des Centralverems ans schwäbischem Boden von seiner Persönlichkeit bestimmt worden. Dazu befähigte ihn die innige Verbindung eines starken Rechtsgefühls, das von den beiden Grnndkräften des delltschen Inden w e d e r das D c u t f ch t u m n 0 ch das I u d e n t n m vertünunern lassen loottte, mit einer ausgeprägten organisatorischen Begabung, die mich im Hanptvorstand und in der Verwaltnngskommission, zuletzt noch bei der Münchener Tagung, sich glüixzeud bewährt hat. Ten Beratungen in feinerem und größerem Kreise, die unter seiner Leitung oder Mitwirkung stattzufinden haben, kommt besonders seine Fähigkeit und Bereitwilligkeit zugute, neue Gedankell zu würdigen und geguerische Meinungen zu verstehen. Der Aussatz von Dr. Feld mann in dieser Nummer läßt deutlich die verschiedenen Schwierigkeiten erkennen, mit denen vor 1914 gerade in Württemberg und nach 1918 hier lvie überall zu kämpfen war. Feld mann hat sich nie von ihnen nutertriegen lassen; seine Kräfte schienen an ihnen nur zu wachsen. Dies gilt in besonderem Maße von der Herausgabe des württembergischen Frontsoldatenbüchleins, das in altem Wesentlichen sein Werk ist. Wir können nur hoffen, daß Dr. Feld m a tt it s Arbeitskraft, sein kluger Rat und seine ans das Beste des deutschen Judentums gerichtete Energie unserem E. V. noch lange erhalten bleibe, und daß unseren Landesverbänden überall Führeruaturen gleich der teiuigen beschieden sein mögen. Dies ist der herzliche Wunsch des Hauptv 0 r st a n d e s und des württembergischen Laubes a 11 s s ch u s s e s unseres Centralvereins. Rechtsfthutzarbeit. „Sturmer", „Hammer" und „Bölkrsü-er Beobachter". Wir hatten die traurige Ehrvllistenpflicht, zahlreiche Fälle an dieser Stelle mitzuteilen, in denen eine sich in Gehässigkeiten überschlagende völkische Presse sich austobte, ohne daß die Staatsanwaltschaft von s i ch a u § oder auch u u r auf u n f e r e Bl i t - teilnng hin ein schritt. Uni so angenehmer ist es, heute von bent verschiedcntlichen Erfolg unseres Eingreifens zu berichten. Jene Nummer des „S tü r me r" mit Der scheußlichen b it d l i ch e n D a r st e l l u n g e i n e s er s u n bene n „B l u t m 0 r d e s" an einem nackten Mädchen, die zu beschlagnahmell die Nürnberger Behörden keinen Anlaß sahen, wurde, als dic betreffende Nnnuuer mul) in Dresden verbreitet wurde, vom Dr e § d e n e r R i ch t e r ö e s chl a g n a h m t, der in der Abbildung eine lmzüchtige, einen sadistischeli Vorgang tächdernde Darstellung erblickte, die daneben auch verschiedene Klassen der Bevölkerung gegeneinander aufzureizen geeignet schien. So entging der „Stürnrer" nicht seinem, verdienten- Geschick, das hoffentlich auch dem in der Pfalz erscheinenden „Ei senh am mef beschieden sein lvird. Er Vervssentlichte die gleiche Abbildung lvie der „Stürlner". Seine Beschlagnahme wurde deshalb von uns beautragt. Ferner verfiel die „H am me r "-Nummer mit dem Alks rufe Dr. Dinters, der die schwersten Beschimpfullgen der jüdischen ReligionZaesellschaft enthielt (siehe „C. V.-Zeitnng" Nr. 41) auf unsere Anzeige hin der Beschlagnahme. Das gleiche Schicksal wird hosfentlich die betresfeuden Nummern des „Völkischen Beobachter" und des „Hakenkreuzler" treffen, gegeli die wir, da sie den gleichen Aufruf abdruckten, gleichfalls Strafanzeige erstattet haben. Zu dem Aussche der „C. B.-Zeitung" „Was in Deiltschl a n d 1 9 2 6 m öglichi st" muß nachgetragen loorden, daß die Herren Rabbiner Ksinski (Burgpreppach), Direktor Dr. Holländer und Dr. Wiener gegen den „Völkischen Beobachter" S t r a f a n t r a g wegen Beschimpfung der jüdifthelr Religiorrsges-ellschtrst bzw. lveaen Beleidigung gestellt haben.

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