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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-26 · 48 (26.11.1926) · p. Seite 625

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
48 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
Seite 625 (sequence 9)
Language
German
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wig H o! l ä n d e r, vorgetragen wurde, nach Vorlage der Stenogramme Zn würdigen sein. Zu Grundfragen des Etats brachte Rechtsanwalt Dr. Baerw a l d (Frankfurt a. M.) den Standpunkt der liberalen Fraktion zum Ausdruck, während Rechtsanwalt Dr. Horwitz (Frankfurt a. M.) für die Konservativen und Rabbiner Dr. W e i sze für die Religiöse Mittelpartei sprachen. Das Ergebnis der Beratungen war jedenfalls, daß man durch die Bewilligung der im Etat vorgesehenen Mittel eine Stärkung Leistungsschwacher Gerneinden, eine Sorge für notleidende Institutionen, die Schaffung eines guten jüdischen Beamtenrechtes und hoffentlich auch eine würdige Sorge für Rabbiner und Lehrer erwarten kanrr. Ein Entwurf für einen R c i ch s v e r b a rr d gelangte rricht zur Annahme, da alle Fraktionen der Auffassung gewesen find, daß der bisherige Entwurf noch weitgehender Verbesserung bedürfe, mix die an sich wünschenswerte Gründung dieses Reichsverbandes in die Wege zu leiten. Alle Teilnehmer der Versammlung hegten aber die Hoffnung, daß die Organisation nach Behebung der jetzigen Mängel des Entwurfes baldigst Zustandekommen wird. In diesem Sinne wurde auch ein liberaler Antrag, der von dem Vorsitzenden des Centralvereins, Justizrat Brodnitz, ausging, einstimmig angenommen, dahingehend, daß die Idee des Reichsverbandes nach wie vor als unbedingt notwendiges Ziel anerkannt und die Erwartung ausgesprochen wird, daß der Landesverband baldigst in die Lage kommt, eilten den Bedenken der Parteien Rechnung tragenden Entwtlrf zu genehmigen. Auch die endgültige Beratung über das außerordentlich wichtige, schwierige' und verantwortüngsreiche Werk des I u d enges etz es konnte'natürlich in dieser kurzen dreitägigen Sitzung nicht erfolgen, und man mußte sich ans die Aeußeruug grundsätzlicher Wünsche beschränken. Aber auch dieses Werk geht seiner baldigelt Beendigung' entgegen, wobei matt niemals vergesset: darf, daß matt nach jahrzehntelangen: Warten lieber nod) ein Jahr verstreichen lassen solh als Gesetze und Einrichtungen unter Dach ilnd Fach ztt bringen, deren Grundsätze tticht mit der größten Ruhe geklärt sind. Hätte nicht die jüdisch-nationale Partei das zweifelsohne einen: agitatorischen Bedürfnis entspringende Vorkommnis, den Brief von Justizrat Sonnenfeld an den Minist-er betreffend, zu Beginn der Tagung zu einer mehr als peinlichen Sensation ausgebauscht, so hätte der übrige Verlauf des Verbandstages einen jeden befriedigen könne!:, der unter grundsätzlicher Aufrechterhaltuug aller prinzipiellen Auffassungen wertvolle und nützliche Arbeit für die jüdischen Beamten und Gemeinden Preußens und somit für die inneren Verhältnisse der preußischen Juden leisten will. Paul Graetz. Poriräistudie aus einem demnächst bei Oesterseld xu Co. erscheinenden Buche*) „Schauspieler und Schauspielkunst". Von Julius Bab. In der neuen Schauspielergeneration ist es Paul Graetz, der das jüngste Berlin, in einer stark jüdischen Variation allerdings, ganz ausgezeichnet repräsentiert. Wenige Schauspieler, die ich im Lause von ungefähr dreißig Theaterjahren beobachten konnte, haben eine so bemerkenswerte Entwicklung gehabt lvie dieser Paul Graetz. Denn seine Anfänge zeigten den allerunaugenehmstcn Typ der Theatcrbegabung, den es überhaupt gibt: diese ansdringliche unb anreißerische Verstellerei, an der etwas von den: schlechten Geschrnack des Tnlnenimitators und vor: der üblen Luft sogenannter Herrenabende haftet. Das war in einem Berliner Sommer 1910 oder 1911. Sechs oder sieben Jahre später sah ich ihn in Frankfurt a. M. Er spielte Schnitzlers „Fink und Fliederbusch'/ Und da war ans dem unappetitlichen Singspielhallenkomiker bereits ein Schauspieler geworden, der noch mancherlei grobe Angewohnheiten hatte und namentlich seinen maßlos prononcierten jüdischen Akzent noch keineswegs immer freiwillig und als Kunstmittel zu benutzen schien, der aber doch schon Töne und Gebärden eines wirklichen Menschendarstellers hatte. Ja: diesem maßlos häßlichen Gesicht konnten zuweilen zwei große Angen so bitter hilflos dreinschauen, daß man ganz ergriffen war/ und eine aussteigende Wut konllte dies Gesicht bleich und den 'ganzen Körper beängstigend gespannt machen. Die rau krächzende Stimme hatte zuweilen ein schnwrzhastes Erlöschen, ein kindlich schamhaftes Zögern — hier war ein Mensch erwacht. Dann kam Graetz wieder nach Berlin, lind hier lvllrde er nun bald eine große Rümmer. Bor allem in den Kabaretts, weit er die Tonart der Berliner Revolverschnauze, die unverwüstliche Schlagsertigkeit und das schwindelerregende Tempo mit einen:. Elan zu handhaben wußte wie kein zweiter. Aber dieser höchst kesse Junge hatte offenbar überhaupt nun den Punkt menschlicher Reife erreicht, bei den: mimische Talente erst vielseitig fruchtbar werden können. Der gleiche innerliche Vorgang, der seine große äußere Beweglichkeit von der früher so peinlich-weibischen Weichheit zu dieser ergötzlich männlichen Energie umwandelte, derselbe Vorgang führte offenbar Paul Graetz auch nach innen, dort, wo es ganz still, fast lautlos zugeht, und machte ihr: zu einem merklvürdigeu Cbarakterspieler bedeutenden Ranges. Das wurde Zuerst allen deutlich, als er den *) 8u beziehen durch Philo-Verlag und Buchhandlung, Berlin SW 68, Lindenstraße 13. Elegante Lack« Spangenschuhe mit schwarzem Samtkalb-Ein« OeMpraküsdi, Schenkt Sekuhe! 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