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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-26 · 48 (26.11.1926) · p. Seite 624

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
48 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
Seite 624 (sequence 8)
Language
German
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m C h r i st e n t u in s üb er das Iu.bcntiim öllzuseh r betont. Es sei zugegeben, daß solches diesen nnd' jenen seltsam anmuten wird. Ter katholische Theologe, um den es sich handelt, ist aber ein Mann, von dem einerseits keiner verlangen wird, daß er um der Inden willen seine Meinung verleugnet, der aber anderseits durch sein freimütiges Bekenntnis zur Wahrheit nnd zum Rechte in Ansehung der Stellung der Inden nnd ihrer Würdigung unendlich wuchtige utib segensreiche Arbeit leistet. Soll man um weniger Bemerkungen will ein die vielleicht im Sinne der Mission gedeutet werden tonnen, und die doch völlig wirkungslos bleiben, das Große nnd Schöne zurückstoßen, das ein Mann wie Engelbert Krebs bietet? Es ließe sich noch darüber streiten, wenn inan auf nationaljüdischer Seite in dieser Beziehung keine Angrisssslächen böte. Aber Simon möge einmal das Sonderheft des „Inden" über „Antisemitismus nnd jüdisches Volkstum" lesen. Ich empfehle ihm den Artikel von Otto fy l a t e über „A ntisemitis in n 8 n n d Z u - tunst" nnd insbesondere den von Oskar A. H. Schmitz über „W ü n f ch e n s w c r t e n n d nicht w ü n s ch e n s w e r t e I nde n". Biele von uns haben solche, Veröffentlichungen in jüdischen Zeitschristein die. geradezu beschimpfend sind, als den Gipfel des Peinlichen empfunden. Freilich haben wir darüber nicht geschrieben! Vielleicht niinmt sieh ^imon wenigstens ein Beispiel an nns. XInb wenn er nwglicherweise einwendet, durch den Philo- V er la g sei nicht der dentschjüdischa Mensch beschimpft, sondern es sei indirekt, was schlimmer ist, das Christentum empsohleu worden, so witt ich ihm gern, sofern er es wünscht, aus zionistischen Schriften die gleichen „Vergehen" in mindestens doppelter Menge Nachweisen. Wozu also ein solcher Vorwurf? Wozu eine solche Waffe, die doch so leicht aus der Hand zu schlagen ist? S i m o n wirst dein Centralverein auch vor, daß seine Schriften in inkonsequenter Weise das eiuemal die Tausjuden erwähnen, das anderemal wieder nicht, nnd gegen das erstero glaubt er des Judentums Ehre verteidigeu! zu müssen. Ich will ans Gründen» des Geschmacks als Erwiderung nicht ans sehr naheliogende Tatsachen Hinweisen! Aber gerade Simon, der die nationale Grundlage des Judentums betont, hätte doch wissen müssen, daß es etwas anderes ist, wenn die Leistungen der jüdischen Gemeinschaft ihrem kulturellen nnd sittlichen Werte nach gerühmt werden sollen und wenn, man sich gegen den Vorwurf wendet, dev jüdische -rrtamm habe keine Bedeutung nnd habe nichts Bleibendes hervorgebracht. In letzterem Falle ist es doch selbstverständlich, daß auch der Täufling genannt werden muß. Denn wenn, auch seiner Kultnrleistung für unsere Begriffe die sittliche Krönung fehlt, so bleibt doch der technische Wert. Wenn demjüdischen Stamme z. B. nachgesagt wird, erg sei unfähig, Staatsmänner hervorgubringen, und man nennv Disx a e I x oder Stah l, so kann das höchstens dort als ein Verbrechen gelten, wo man unter allen Umständen dein Centralverein und dem Philo-Verlag eins auswifchen will. Wenn S i m o n es der Schrift von Stern („Warum sind wir Deutsche?") stark ankreidet, daß sie den Begriff des- Volkes nach unserer nnd nicht nach zionistischer Gedankenrichtung deutet, so ist das an sich nur komisch und belanglos. Charakteristisch ist cs aber insoweit, als es beweist, daß wir zunächst nur über das Prinzip, daß Aufklärung notwendig ist, nicht aber über den Weg einig sind. Aufklärung dient nur dem einen Zwecke: Wahrheit über das Judentum und die Juden zu verbreite n. Sie ist aber keime Gelegenheit, um in der Oesfentlichkeit innerjüdische Kämpfe auszutragen. Wenn nun unter den von S i m o n so stark nnd so voreingenommen kritisierten Schriften sich auch einige befinden, die selbst Simons fast uneingeschränkten Beifall finden (R o s i n, „Tie Juden in der Medizin", Julius B a b, „Goethe und die Juden", und mit einem Vorbehalt Paul Nathan, „Das Problem der Ostjuden"), so beweist es, daß der Philo-Verlag wirklich seine Aufgabe großzügig und taktvoll zu lösen vermöchte, w e n n die erforderliche n s i na n> zielte n M 111 e I z it r Vers ii g u n g st ir n den! Doch davon ein anderes Mal rnehr nnd genauerer! S i mj) n s Bekenntnis zur Notwendigkeit der Aufklärungsarbeit ist als '^hni'ptom' erfreulich. Seine Kritik unserer Leistungen ist ungerecht, oft auch kleinlich. Der wichtigste Schritt ist aber gemacht, und auch diese Auseinandersetzung muß in uns die Hoffnung stärken, daß Wert und Sinn der Aufklärung vom ganzen deutschen Judentum immer mehr erkannt unb daß innere, größere moralische, geistige und materielle Kräfte in den Dienst dieser ^eite der Abwehrarbeit gestellt werden. „Wer vom Juden frißt, ftirvt daran!" Tie „Schlesische Volksstimme" batte vor einiger Zeit einen Artikel gebracht, in dem gegen Brauereidirektor M a n d v w f k i der Vorwurf erhoben wurde, er mißbrauche die wirtschaftliche Uebcrlegenheit seines Konzerns dazu, um die Existenz christlicher Gastwirte rücksichtslos zu vernichten. Gegen den Schriftleiter der „Schlesischen VvNsstnmnc", Röhricht, fand nun vor den: Schöffengericht in Breslau-die Verhandlung wegen übler Nachrede nnd Beleidigung durch die Presse statt. Die Verhandlung ergab nicht nur die völlige Haltlosigkeit der Verleumdungen, sondern cs zeigte sich, daß Vrauereidirettvr Mandowski sogar dein Gastwirt ein Darlehen dem mehreren tausend Mark ohne jede Sicherheit gegeben hatte. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die frühere Unbescholtenheit und die wirtfchastlich schlechte Lage des Angeklagten auf iOö Mark Geldstrafe. Herrn Mandowski und Rechtsanwalt Schindler wurde außerdem die Publlkationsbesugnis auf Kosten des- Angeklagten in einer Breslauer nnd einer oberschlesischeu Zeitung Zuerkannt. Vom zweiten Verbandstag des preußischen Landesverbandes Mischer Gemeinden. Am Sonntag, dem 21. November, wurde der vou vielen mit Spannung erwartete Preußische Landesverbandstag in Berlin eröffnet. Rabbiner Tr. Horovih begrüßte die Versammelten mit Worten heiliger Weihe, indem er den Wunsch aussprach, der Geist des Weiheöls und Jber Geist des herannahenden Chanukafestes: Festigkeit für die ^ache, Einigkeit int Kampfe und Treue der Gesinnung möge von allen Anwesenden beherzigt werden. Der Vorsitzende des Rates, Kammorgerichtsrat Wolf, erösfnete die Sitzung, erklärte die überaus großen Schwierigkeiten, welche die neu" entstandene Großorganisation zu überwinden hatte, setzte auseinander, mie die u n g ehe: l r en Au sgaben, wie das Juden ge setz, der zu beg r ü n dende R e ichsverband Schwierigkeiten über Schwierigkeiten gemacht hätten, und daß mau sehr wohl hoffen könne, daß nach Ueberwindung aller dieser Schwierigkeiten nunmehr das Resultat der geleisteten positiven Arbeit sieh bald zeigen werde. Kammer gerichtsrat Wolf erklärte darauf die Tagung für erössnet nnd bat den Präsidenten des Verbandstages, 'Justizrat Sonnenseld, den Vorsitz zu übernehmen. Kaum hatte Justizrat Sonnenseld den Platz des Präsisidenten eingenommen, als sich ein peinlicher Zwischenfall, der zu den warmen Worten des Rabbiners Dr. H orovitz in schroffstem Widerspruch stand, ereignete. Die Jüdische Volkspartei, der sich die Mittelpartei und die Konservativen, wenn auch in vornehmer Form, anschlossen, beantragten eine Resolution, in der der Verbandstag es für unverantwortlich erklären sollte, daß Inden im Verkehr mit Behörden aus der innerjüdischen Einstellung eines jüdischen Beamten Zweifel gegen dessen Objektivität herleikeu. Demgemäß mißbillige der Verbandstag den Brief des Justizrats Sonnenseld an den Minister des Innern und entziehe ihm als Präsidenten des Verbandstages deshalb das Vertrauen. Anlaß war ein Brief des Justizrat Sonuenfeld au den Minister, in dem er die Bitte ausgesprochen hatte, mit dem Minister über die Ansechtungsgründe der Berliner Repräsentantenwahl sprechen zu dürfen, und zwar ohne Anwesenheit des Ministerialdirektors Badt. Ter Grund für diese Bitte lag in der ausgesprochenen Parteistellung des Ministerialdirektors Badt, da die Proteste sich im wesentlichen gegen Maßnahmen der Jüdischen Voltspartei richten. Die liberale Fraktion des Preußischen Landesverbandes, die Justizrat S o n n e n f e l d in der vorigen Session zum Präsidenten des Verbandstages gewählt hatte, hatte vorher ohne jeden Fraktionszwang einstimmig beschlossen, daß der Brief keinerlei Grund für Justizrat sonnenseld darstelle, auf die Leitung der Geschäfte zu verzichten, und hatte ihn gebeten, ungeachtet der gegen ihn gerichteten Angriffe sein Amt fortzuführen. Justizrat Sonnenseld unterzog sich hiernach der nicht beneidenswerten Ausgabe, die aufgeregte Verhandlung zu leiten. Er hat sich, wie allseits anerkannt wurde und auch von seinen Bekämpfern nicht bezweifelt toerbeu kann, wie immer als gerechter und kluger Berhandlungsleiter bewährt. Seiner Leitung ist es zu danken, wenn die Verhandlungen sich nach der anfänglichen Störung ruhig abwickelten Leicht wurde es ihm nicht gemacht. Er hat es auch bis zum Schluß der Verhandlung in so tadelloser und objektiver Weise dnrchgeführt, daß daran selbst der schärfste Gegner keinen Anstoß nehmen konnte. Dr. Jsmar Freund erstattete eilten ausführlichen Tätigkeitsbericht, aus dem hervorging, daß der Verband sich nicht nur vergrößert, sondern in sehr wichtiger und weittragender Beziehung positive Arbeiten erledigt, für Gemeinden und Lehrer, seiner Hauptaufgabe folgend, sehr vieles getan und ferner in außerordentlichem Maße "Vorarbeiten für die künftige Tätigkeit geleistet hat. Getviß hatten viele nochmehr vom Landesverband erwartet. Der leidenschaftslos Urteilende muß aber anerkennen, daß schon wirklich Hervorragendes erreicht wurde, unb daß die Preußischen Getneiuden dem Verbände schon jetzt vieles zu danken haben. Darum herrschte auch allgemeines Bedauern, als bekannt wurde, daß Dr. Jsmar Freund die von ihm geleistete, vorzügliche Arbeit in dem bisherigen Umfange nicht mehr fortzusetzen gewillt sei, fonbcrit seine Hanpttätigkeit wiederum der Jüdischen Gemeinde Berlin zuwenden wird. Die Generaldebatte wurde von Ministerialdirektor Badt eröffnet, der den Standpunkt der jiidischnationalen Vertreter im Verbandstage zur Geltung brachte, nicht ohne die Tätigkeit des C. V. abwertend zu beurteilen und insbesondere 'hervorzuheben, daß die Zerrissenheit der deutschen Juden die Hauptschuld daran sei, wenn es uns an so Viele nt fehle. Er selbst konnte allerdings nicht hindern, daß am nächsten Abend in einer in Berlin stattfindenden Volksversammlung die Instinkte der Massen in einer geradezn unverantwortlichen Weise gegendie überwiegende Mehrheit" der Berliner Inden ansgewühlt wurden. Was er im übrigen sagte, wird, ebenso wie das Grundsätzliche, was in ausführlichen Darlegungen im wetterett Verlauf der Debatte vott dem Präsidenten der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland", Kurt B l u m e n s e l d, nnd dem Direktor des Centralverein, Dr. Lud-

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