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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-26 · 48 (26.11.1926) · p. Seite 622

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
48 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
Seite 622 (sequence 6)
Language
German
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Bres l a u. Unsere Ortsgruppe hatte am 18. November zu einer großen Anfklär u n gsve rsa mmlun g eingeladen. Bereits lange vor Beginn wurde der große Laal des Konzerthauses U) e g e n U eber - s ü l l u n g p o l i z e i l i ch geschlossen. Es waren weit it b e r 2 0 00 Personen anwesend, und etwa ebensoviel füllten die umliegenden Straßen, ohne Einlaß zu erhalten. Z w e i Drittel der H ö r e r w a r e n ch r i st l i ch e M i t b ü r g e r , unter ihnen eine große Zahl Hitler-Leute, die^ geschlossen ausmarschierten. Nach einleitenden Morten des Borsitzenden der Ortsgruppe Breslau, Rechtsanwalt Dr. T a r w o lv ski, über Begriff und Bedeutung einer Ausklärungsversammlnug ergriff als Vertreter des K a t h o l i z i s m u s P r o f e s s o r H o f f m a u n (Breslau) das Wort; seine Ausführungen richteten sich gegen den Antisemitismus, der den deutschen Namen, die deutsche Kultur und die christliche Lehre schände, ^ciiti' Worte, eindringlich und in vornehmster Form vorgetragen, machten tiefen Eindruck ans die Versammlung. Pastor Lic. M o e r i n g setzte sich in seiner bekannten temperamentvollen Weise mit den Antisemiten auseinander und fmtb den stürmischen Bei satt der Hörer, ebenso wie der dritte Redner, Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r (Düsseldorf), der vom Standpunkt des Eentralvereins aus sprach. In der Diskussion, die teilweise einen sehr stürmischen Verlaus nahm, famcit auch Nationalsozialisten zu Work, denen andere Redner in wirksamster Weise eutgegentraten. Der Erfolg der Versammlung, die man als ein Ereignis für Breslau bezeichnen kann, war ein ganz außerordentlicher. Tie Breslauer Presse aller Richtungen berichtete eingehend über die Veranstaltung, die als die A n t w o r t des E e n t r a l Vereins it n b d e r B resl a u c r Bevö l k c r u n g ans di e R i t il a l m o r d - l ü g e b e z e i ch it e t w c r d e n k a n n! Bor überfüllten Sälen sprachen Tr. Alfred Wien e r (Berlin) in Bremen und Wesermünde am 6., 7. und <8. November über: „Breslau uub Magdeburg, zwei Lehren für das deutsche Judentum", und Tr. Bruno W e i l (Berlin) in H a n n o v e r am 16. November über „Borklnn lind Bayreuth". Die Frauengruppe des Centrälvereins Dresden lud am 17. d .Bc. zu eineni Nachmittagstee ein, auf dem Life Leibholz (Berlin) über „Mode, Gesellschaft und Antisemitismus" sprach. Die Ortsgruppe G örli tz des Centralvereins hatte am 18. d. M. die Gemeinde und ihre Nstitglieder zu einem Vortrag von Life Leib holz (Berlin) über „Unsere geschichtliche und kulturelle Verbundenheit mit dem deutschen Volke" eingeladen. Hememüewahlen in Sachsen. In Plauen die meisten völkischen Stadtverordneten. C* g. Vierzehn Tage nach der Wahl zum sächsischen Landtag fanden am 14. November 1926 die Gemeindewahlen in Sachsen statt, deren Ergebnis ein ausfälliger Ruck nach links ist, wenigstens in den größeren Gemeinden. In diesen hatten auch die Nationalsozialisten besondere Listen eingereicht. In Wettbewerb trat mit ihnen in einigen der größeren Städte, z. B. Leipzig und Plauen, die besonders von alldeutschen Kreisen unterstützte „Volksgemeinschaft Schwarz-Weiß-Not". Ihr Wahlaufruf richtete sich gegen alle Parteien und Wirtschaftsgrnppen. In Anlehnung an die zehn Gebote der mosaischen Gesetzgebung stellten sie zehn Gebote f it r den b c it t f ch e n M e n s ch e n , u> i c s i e i h n aufs a s s e n, ans, und kamen damit int Wahlkampfe in argen Konflikt mit ihren nationalsozialistischen Volksgenossen. So artete nach Berichten in der Tagespresse eine in Plauen von der 7,Volksgemeinschaft Schwarz-Weiß-Rot" einbernfene Wählerversammlung infolge der lebhaften Zwiesprache zwischen den feindlichen völkischen Brüdern in eine Radauversammlung aus. Das Endergebnis der Wahlen war allerdings für beide^ völkischen Gruppen niederschmetternd. In Chemnitz ging die ^timmenzahl der nationalsozialistischen Wähler innerhalb der 14 Tage seit der Landtagsmahl von 3740 auf 3081 zurück. Tie Nationalsozialisten errangen dort nur einen Sitz. Ebenso ist in L e i P z i g an stelle der bisher sieben Mann starken völkischen Gruppe nur noch e i n Nationalsozialist den Wahlurnen entstiegen. Das D r e s d e u e r Stadtverordnetenkolleginm, welchem bisher fünf Antisemiten angehörten, wird in Zukunft völlig frei von „Völkischen" sein. Auch in Z wicka n waren alle Anstrengungen der Nationalsozialisten erfolglos. Sogar in der antisemitischen Hochburg Planen erlitten die Nationalsozialisten eine schwere Niederlage. Bisher waren sie mit zwölf Sitzeil im Stadtverordnetenkolleginm vertreten, jetzt gelang es ihnen,"nur noch v i e r ans eigener Kraft und einen j ü n s t e n Sitz mit Hilfe der Listenverbindnng aller reaktionären Gruppen zu erlangen. Ueberdies aber ging bei stärkerer Wahlbeteiligung als bei der Landtagswahl ihre Stimmenzahl noch um weitere 1500 Stimmen zurück, nachdem sie bereits bei der Landtagswahl gegenüber der letzten Reichstagswahl 1924 mehr als 3000 Stimmen eiilgebüßt hatten. Die „V o l k s g e m c t n s ch a f t S ch m arz - W eiß - R o t!" erlangte in P l a u e n zivci Sitze, während sie in Leipzig überhaupt kein Stadtverordnetenmandat erreichte. So verfügen tut Plauen er Stadtparlament immer noch die antisemitischen Gimppen über mehr Litze, als sie im ganzen übrigen Sachsen zusammeirgebrachk haben. Deshalb muß weiter unermüdliche Aufklärungsarbeit von dem Centralverein und seinen Freunden in Planen lote allerorts geleistet werden. Völkische Totensonntagsbetrachtung. Ein M. d. R. als Verantwortlicher Redakteur. Die große Liste Völkischer Zeitschriften und Zeitungen Verlängert um ein Beträchtliches der K a rn p f V e r l a g Gregor straffer in Berlin. In ihm erscheinen, stets mit gleichem Inhalt, nur mit verschiedenem Kopfe, rund ein halbes Dutzend Wochenschriften, die sich einmal „Berliner Arbeiterzeitung", daun wieder „Der Nationalsozialist für die Ostmark" und „Der Nationalsozialist an Rhein und Ruhr" nennen. In der Letzten Nummer dieser Zeitungen, die zu in Toten» s o n n t a g erschienen, finbett wir folgende Notiz: Wenn Sie als ertappter Landesverräter nur die Wahl hätten, entweder von einer „Femebestie" oder von einem „deutschen" Richter jüdischen Glaubens gerichtet zu werden, was würden Sie vorziehen? — Den „deutschen" Richter jüdischen Glaubens?! Na, schön! Aber weiter! Wir sehen mm einen anderen Fall: Sie sind in einem streng rituellen Tschekakeller eines exterritorialen Gebäudes gefangen, an die Mauer gefesselt und eine perverse Nabbinerstochter belustigt sich damit, Ihnen, bevor Sie vorn Vater Rabbi ans die humanste Weise geschachtet werden, mit einer brennenden Zigarette die Augen auszubrennen ... Da — in diesem Humanitären Augenblick also würden Sie vor die Wahl gestellt:^Entweder Fortsetzung der Tfchekazeremonie oder „Bestückung" durch' die „Femebestie" Klapproth — was würden Sie da vorziehen? Selbstverständlich die jüdische Handlungsweise, nicht wahr?! In diesem Falle erübrigt sich sogar ein Hinweis auf die ans diesen Qcilcn erkennbare Gesinnung. Sie ist über jeden Zweifel und jede Verteidigung deutlich. Man sucht nach dem verantwortlichen Redakteur — und findet den völkischen Reichstagsa b g e o r d u c t c n Greg v r S t r a s f e r vermerkt. Und man ist versucht, die Methode des Herrn Straffer mit Frage- und Antwortspiel folgendermaßen fortzusetzen: Wenn du deutsches Volk die Wahl hast zwischen einem Volksvertreter, der solche Artikel zuläßt und dem armseligsten Landstreicher, der sich seine anständige Gesinmmg erhalten hat, — wert würdest du dann wählen? Zwei Hriefe aus unserer ReÜaktionsmappe. Wie Nichtjuden an Juden schreiben. I. Ein ch r i st l i ch e r Klei u h ändler schreibt an seinen langjährigen jüdischen Lieferanten: „Infolge des überaus schlechten Geschäftsganges zu Anfang dieses Jahres, besonders im Schuhverkauf, war ich stark in Verlegenheit gekommen, da für meine Verhältnisse zu viel Ware festlag. Durch persönliche Beziehungen war es mir gelungen, von völkischer Seite ans einen Kredit auf ein Jahr zinslos zu erhalten, so daß es mir möglich ist, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Dabei wurde auch Einsicht ins Geschäft genommen, so daß Sie sich es denken können, wenn ich zurzeit mit nichtchristlichen Lieferanten keine Geschäfte tätigen kann. Ich erkenne gern an, daß Sie mich bezüglich Zahlung niemals gedrängt haben." II. Ein christlicher Gutsbesitzer im Westen Deutschlands schreibt an einen jüdischen Fabrikdirektor, mit dem ihn langjährige Freundschaft verbindet, im Verlaufe eines langen Brieses: „I ch finde in der d e u t s ch ita t i o n et I e n Zeit n n g in H. eine Beilage einer rein jüdischen F irma dort. Was das bedeutet? Es heißt die Anerkennung des von uns allen gegen Sie vertretenen Standpunktes, daß der Jude nur den Z w e ck k e n n t u n d alles a n d e r e i h m gleichg nltig ist. Wie ist in der Zeitung der Jude bekämpft! Ich muß sagen, oftmals beschimpft, als verächtlich it n d degradiert h i n g e st e l l t, und Sie sehen, mit welcher kalten Ueberlegung eine jüdische Firma, nur weil sie sich G e l d v o r t e i l e davon verspricht, das alles vergißt und die Geschäftsverbindung damit ausnimmt. Ich habe das, mein lieber Freund, immer behauptet in unseren zahllosen Persönlichen Unterredungen." Wird die Mahnung dieser Zusammenstellung klar? Erkennt jeder den Unterschied Zwischen der völkischen Angriffstaktik, die das Mittel m i r t s ch a f t l i ch e r V e r n i ch t u n g unaufdringlich aber unerbittlich Zur Durchführung bringt und jenem oftmals nur aus Gedankenlosigkeit entspringenden Verhalten gewisser jüdischer Kreise, die der gegnerischen Presse die Möglichkeit geben, s i e v o r n i m B l a t t b e s ch i m p f e n zu k ö n n e n, lo e i l h inte n g it t beza h l t e Inserate jüdischer F i r m e n e n t h a l t e n sind? Mau lese unter diesem GesichtZpnnkte einmal die Anzeigenseiten ausgesprochen jndenfeindlicher Zeitungen! Tie bitteren irnd nicht ganz gerechten noch richtigen Folgernngen des christlichen Gutsbesitzers wollen wir uns nicht zu eigen machen. Sie schießen in ihrer Berallgemeinernng weit über das Ziel hinaus. Aber eins lehren sie: Denkt st e t s a n eure Würde, j üdisch e K an f Tente!

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