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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-19 · 47 (19.11.1926) · p. Seite 612

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
47 (19.11.1926)
Date
1926-11-19
Page
Seite 612 (sequence 8)
Language
German
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Joseph Schwarz. Von Hugo Leichtentritt. In der Blüte seiner Jahre, seiner Kunst starb Joseph Schwarz, der weltberühmte Sänger, für die zahllosen Scharen seiner Bewunderer in aller Welt ganz unerwartet am 10. November in Berlin. Wohl wußten-diejenigen, die ihm persönlich nahestanden, daß seit langer Zeit ein schleichendes Leiden seine Lebenskraft untergrub. Mit so erstaunlicher Willenskraft jedoch kämpfte er gegen dieses Leiden an, daß er bis zum letzten seinen künstlerischen Verpflichtungen nachkam. Noch am 1. November sang er in der Philharmonie in Bruno Walters Konzert, äußerlich merkwürdig gealtert für seine 45 Jahre, aber in seiner Kunst kaum merklich schwächer als früher. Es schien sogar, als hätte man ihn kaum jemals nobler, ergreifender, beseelter singen hören, als bei diesem von wenigen nur geahnten Abschied für immer. Nun hat ein grausames Geschick in wenigen Tagen ihn dahingerafft, und eine Lücke hat er hinterlassen, die sich nicht so leicht schließen wird. Nicht sei hier so sehr die Rede von seiner liebenswerten Persönlichkeit, von der Güte und H i l s s b e r e i t s ch a s t, mit der er ungezählten Armen und Hilfebediirftigen so zartsinnig von seinem Uebersluß 31t spenden wußte, von feinem Familiensinn, seiner Freundestreue und dankbaren Gesinnung. Aber die geläuterte und wahrhaft adlige Menschlichkeit, die in allen diesen Zügen sich auslebte, war es auch, die seinem Gesang jenes edle, von jeglicher Roheit freie, harmonisch ausgeglichene, beglückende und befreiende Wesen gab, das ihn ganz besonders auszeichnete vor vielen anderen, von der Natur mir schönen Stimmen begabten Sängern. Sein Aufstieg aus der Tiese zu den Höhen der Menschheit war rasch und glänzend. Er entstanunt den einfachsten Verhältnissen. In Riga ausgewachsen, fand er seine erste mnsikalische Betätigung im Chor der heimischen Synagoge, der Pslanzstütte so vieler aus den dunklen Tiefen des Ostens auftanchenden Gesangstalente. Kaum zwanzigjährig, wagte es der mittellose Jüngling, in Berlin den anspruchsvollsten Opernleitern und Theateragenten vor die Augen zu treten. Direktor Loewe aus Breslau erkannte sofort im Klange der wundervollen Baritonstinnue die seltensten Möglichkeiten. Er ließ den jungen Künstler in Wien gesanglich ausbilden, und nach wenigen Jahren begann Schwarz seine wahrhaft glänzende Laufbahn als Opernsänger, die ihn rasch an die ersten Bühnen brachte. Gustav Mahler in Wien förderte ihn persönlich und künstlerisch, und im Umgang mit diesem genialen Musiker mag der innge Schwarz die höheren Weihen erlauchter Künstlerschaft empfangen haben. Jahrelang war er eine Zierde der Berliner Oper, und von hier ans besonders verbreitete sich sein Ruhm über ganz Europa und Amerika bitrtf) seine zahlreichen Gastspiele. Man bewunderte in ihm die vollendete Kunst des italienischen bei canto, den herrlichen Wohllaut der Stimme, den beseelten Ausdruck und nicht minder die darstellerische Fähigkeit, die ihn 311 einem dramatischen Künstler ersten Ranges machte. In dem vollendeten Ausgleich seinerreichem Gaben machte sich seit der Zeit seiner Reife eine künstlerische Persönlichkeit geltend, die einzigartig war und kaum ersetzlich ist. Was das Leben an Erfolgen, Ehreil, Glanz und Reichtmn gewahren kann, war I 0 s e p h S ch w a r z beschieden, aber auch der Schatten jenes tragischen Geschicks, das den Liebling des Glückes von den Höhen des Daseins jäh herunterriß in die geheimnisvolle, dunkle Tiese. Ein Joseph Schwarz würde es als Beleidigung empfunden haben, wenn man ihm seine Treue zum Judentum als besonderen Ruhmestitel hätte anrechnen wollen. Aber erwähnen darf man es gleichwohl, daß dieser begnadete Künstler und edle Mensch ungleich so vielen begabten und berühmten jüdischen Kunstgenossen es niemals als Hindernis seines Aufstiegs anerkannt hat, sich zu der Religion und zu dem Stamm seiner Väter rückhaltlos 311 bekennen. Man wird seiner in Verehrung und Dankbarkeit gedenken, solange Menschen leben, die in seiner Kunst Beglückung und Verklärung des Alltags gefunden haben. Besucnigsies Kociitminnen- Badhaas il Passanten-Hotel fv\wAü>^ Herbst und wmter kuren bestens geeignet. 260 Betten, grosse Gesell seliaftsräume, Konfe renzziunner, messendes Wasser in allen Zimmern Staatsteleplion Zimmer mit Frühstück von 5 BI., Pension einschliesslich Thermalbad und aller Nebenansgaben von 10 ab Garage. Th. Schäfer C£5ß Abi Botel u. Restaurant! Continental! Hamburg Haus ersten Ranges, direkt beim Hauptbahnhof. Zn z'edern Zimmer Neichstelephon und fließendes Wasser. ff.Küche. Echte Biere u.gutgepflegte Weine. | Künstrerkonzert. 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