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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-19 · 47 (19.11.1926) · p. Seite 607

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
47 (19.11.1926)
Date
1926-11-19
Page
Seite 607 (sequence 3)
Language
German
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Die neueste Entwicklung in den Wehrverbänden. „Ltm die Einheit der nationalen Verbände." — Ehrhardts Programm. — Deutsch« banner Schwarz-Weiß-Rot. — 10 Gtahlhelmgebote. — Was der „Arniinius" schreibt. — Staatsbürger erster und zweiter Klaffe. Mg. Es war im Frühling dieses Jahres, als der Korvettenkapitän a. D. Ehrhardt, kaum daß er, amnestiert, ungestört auch im a u ß e r b a y e r i s ch -e n Deutschland sich bewegen konnte, einen Aufruf erließ: Um die Einheit der nationalen Verbände. Dieses Manifest wies mit starker Energie auf den Mißstand der zahllosen Gruppen und Grüppchen im völkischen Lager und die Sucht, immer neue zu gründen, hin, stellte elf Gebote auf, nach denen ein -gemeinsames Arbeiten aller vaterländischen und völkischen Verbände möglich sei, und faßte m drei Forderungen alles zusammen, was ihm vaterländisches und völkisches Programm im höchsten Sinne des Wortes bedeutet. Ehrhardt brachte den Gedanken der Mitarbeit am Staate auch in seiner sonst so angegrifsenen Form mit aller Achärse vor, freilich mit dem ausgesprochenen Vorsatz, ihn von innen heraus im Sinne seiner An s cha u u n ge n it m - 3119c ft alten. Die Verbände sollten sich, ohne selbst Kandidaten bei den politischen Wahlen aufzustellen, mit allen Mitteln am politischen Geschehen beteiligen unb an die bestehenden politischen Parteien Forderungen stellen. Für den Fall, daß diese Forderungen nicht erfüllt würden, lautete Ehrhardts Programm: „Daun sollen diese Parteien, die so, w r e sie jetzt sind, der nationalen Einigung nur im Wege st e h e n , zerschlage n werden u n d d a n n m u ß d e r A u f st i e g erst ü b e r e i n e n parteipolitischen T r ü m m erha u f e n gehen." Schlagw-ortartig faßt Ehrhardt seine Gedanken also zusammen: „Einigkeit, W e h r g e d a n t e , M a ch t ll n d S t a a t durch die Wahl!" Seit dieser programmatischen Erklärung ist die Diskussion im völkischen Lager über Nutzen oder Unzweckmäßigkeit eines allgemeinen Zusammenschlusses nicht abgebrochen. Alfred Roth, der frühere Geschäftsführer des D e n t s ch v ö l k i s ch e n Sch u tz - u n b Trutzbundes, war unter den ersten, die Ehrhardts Gedankengänge unterstrichen, freilich mit der deutlichen Absicht, die V. V. V. D. als Sammelorganisation zu präsentieren. Bei Roth ist natürlich auch der Grundsatz: Durchsetzung einer völkischen Staatspolitik, eine Selbstverständlichkeit, die er an die erste Stelle seines Einigungsprogramms stellt. Ernst Jünger gab in der jetzt noch immer unter Verbot stehenden völkischen Zeitschrift „Die Standarte" die Parole aus: Schließt e u ch z u s a m men, und Hans v. Soden st e r n fing den Ball, den Alfred Roth den V. V. V. D. Zugeworfen hatte, aus, indem er die Gründung eines neuen Frontsoldatenbundes propagierte, in dem sich alle vorhandenen Bünde sammeln könnten und für den er den Namen vorschlug „ Deutschba n n e x Schwarz-Weiß-Rot". Durch einen Ausruf des Führers der V. V. V. D., Graf v. d. Goltz, ist tatsächlich eine solche Gründung erfolgt, die, wie Sodenstern sich ausdrückte, ihr Ziel im „v ö l - kisch-nationalen O b r i g k e i t s st a a fc des d e n tsche n Volkes" erblickt. In der Zwischenzeit sind die Einigungsbestrebungen Ehrhardts und der anderen über die rein taktischen Erwägungen hinausgelangt. Ehrhardt selbst hat seinen Wiking in den S t ah l h e l m übergeleitet, und in einer sehr umstrittenen Rede, die er selbst vor dem Stahlhelm in Calbe bei Magdeburg hielt, hat er Gedankeugänge vorgetragen, die in diesem Bunde besonders merkwürdig berühren und eine im übelsten Sinne des Wortes macchiavellistische Weltanschauung erkennen lassen. Ehrhardt bezeichnet die deutsche Verständigungspolitik als die einzig mögliche Außenpolitik, ist aber gleichzeitig so politisch „klug", aller Welt zu verkünden, daß er diese Verständigungspolitik nur befürworte, weil er die Ruhepause für die K r ä s t e k o n z e n - kration des deutschen Volkes brauche. Jnnerpolitisch ist sein Programm noch einen Schritt weitergegangen und heißt jetzt kurz: „Hinein in den S ta a t", ein Bekenntnis, das der Leitartikel der gleichen Nummer des „Stahlhelms", die die Ehrhardt-Rede wiedergibt, unterstreicht und durch eine breite Ueberschrift: „Bekenntnis zum Staat, nicht Bürgerkrieg, sondern Verfassungsresorm" zum offiziellen Programm des Stahlhelms macht. Sehr bemerkenswert ist übrigens auch Ehrhardts Stellungnahme zur Für stens rage. Er sagt: „Die jungen nationalen Kräfte werden sich niemals dazu hergeben, Männer aus ihren Thron zurückzurusen, die in der Stunde der Gefahr die Fronr führerlos gelassen haben." Inzwischen hatte auch ein ungenannter Stahlhelmkamerad aus Salle im „Alten Dessauer", dem Organ des Stählhelmführers berst a. D. Düsterberg, 10 Gebote der vaterländischen-völkischen Bewegung ausgestellt. Das erste, zweite und siebente Gebot soll hier im Wortlaut wiedergegeben werden: 1. Deutschland den Deutschen. Jeder fremd völkische oder fremdrassige Einfluß auf innerdeutsche Belange ist austzuschglten. Deutschland, wich von Land- und Berussständen regiert, die geleitet werden von Nationalstolz. Würde imb Verantwortlichkeit jedem Volksgenossen gegenüber. 2. Deutscher Staatsbürger kann nur sein, wer deutschen Blutes ist. Ausländer können nach 20 Jahren einwandfreien Lebens in Deutschland Staatsbürger werden, sofern sie arischer Herkunft sind. I r e nt d r affige können nicht Staatsbürger werde n. 7. Fremdrassige und Ausländer unterliegen Gesetzen, welche den kulturellen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten des deutschen Volkes angepaßt sind, sowohl hinsichtlich der Zulassung ihres Aufenthaltes im Gebiete des Reiches als ihrer Betätigung im Leben des Volkes. H ä m ischo Krit i k, die aber, )iml sie von überall© eingeweihte r, s a chver st ü ndig e r Seit e kommt, als Kennzeichnung der Situation im völkischen Lager von großem Wert ist, übt eine in dieser Gestalt erstmalig vorliegende Zeitschrift, früher Wochenschrift, „A r m t n i it s", die sich als „K a m p f ] chrift f ü r deutsche Nationalisten bezeichnet und die, wenn wir richtig vermuten, das Blatt des Generals Ludendorff ist. Daß an dieser Stelle der Reichspräsident v. Hindenburg angegriffen u u d m i t eine m b e l e i d i g ende n M i t l e i d bedacht wird, sei nur nebenbei erwähnt. Wichtiger sind Aufsätze über „Die L i q n i d i e r n n g der nationalen Be w e g u n g", das Dreigestirn „S e l d t e , H itler. d)i a h r a u n" und als letzter „Die Z u s a m ui enschl it ß -- Ptei te" von einem großen Unbekanntem Diese Aussätze enthalten eine Menge von liebenswürdigen Indiskretionen, die aus beleidigten Männerherzen mit echter deutscher Treue gegenüber den früheren Freunden emporquellen. So stellt Helmuth Franke, der früher die dem Stahlhelm nahestehende tandart e" herausgab, folgende, höchst interessante Frage: »»Warum hat der Stahlhelm sich nach dem verunglückten Hitler-Putsch nicht aus die zwischen Herrn Seldte und seinem damaligen Generalsekretär mündlich und schriftlich verabredete Basis gestellt: Der Stahlhelm falle nationalistisch werden, ohne» wie der Hitlcrsche Nationalsozialismus, den Antisemitismus, den AntikathoZizismus und das Antifreimaurertum in dieser Weise auf die Fahne zu schreiben, aber von gleicher Prägnanz wie die Hitler-Bewegung, vom Arbeiter ausgehend, von bürgerlichen Parteien abrückend, prägnant in der Idee, scharf inr Tageskamps, besonnen in der Führung, weit ausholend, in letzter Minute die nationalen Sozialisten erfassend, bevor das Fronterlebnis ganz versunken war? Waren damals rächt die Sozialisten um Höltermann, die heute im Reichsbanner sind, bereit, für eine gemeinsame Frontsoldatenrdee und eine Erneuerung des Staates in diesem Sinne mit dem Stahlhelm zu kämpfen? Mutzte der Stahlhelm so geführt werden, das; das Reichsbanner gegründet wurde, womit die nationale Bewegung ihren Todesstotz empfing?" (Von nns fett gesetzt. Die Schristl.) Als einzige gemeinsame Plattform für den Zusammenschluß und als die einzig Erfolg versprechende neue Methode des politischen Kampfes wird die g e i st i g e Methode bezeichnet. In den vielen Bestrebungen auf Zusammenschluß findet der „Arminius" ebenso hämisch wie vielleicht treffend nur die Wünsche der einzelnen Bünde, selbst die F ü h r e r organisation zu werden. Jedenfalls kann angenommen werden, daß der Stellungswechsel der großen völkischen Verbände nahezu vollzogen ist. Er läßt sich kurz folgendermaßen kennzeichnen: Die ans den Zeiten der rüden und lauten völkischen Propaganda in den Köpfen allgemein zurückgebliebene judenfeinbliche Grundeinstellung soll auf dem Wege einer Verfassungsreform und einer parlamentarischen Durchsetzung der völkische n Grundsätze ohne Gewaltsamkeiten die Schaffung von Staatsbürgern erster und Zweiter Klasse in die Tat überleiten. Die Gefahr, die fo viele als klein oder gar beseitigt ansehen, ist nach unserer Auffassung tatsächlich größer denn je. Die völkische Bewegung hat ans ihren äußeren Mißerfolgen gelernt und bemühk sich deshalb, neue und — was zugestanden werden mutz —, wenn sie konsequent verfolgt werden, Leider gewisse Erfolge versprechende Wege zu gehen. Arbeit von uns mutz, mehr denn je, immer hierauf die Antwort fein! Der Morgen ^*2 Il!l[ll!llliI!!i!!IEI!ll!I[IIll!l!Ii!ii[l!l!!!!ll!llinil!ll!l!!!III!liliIlllllilllllllli]l!l!l[lj!illlil!I!llil!!!!IIfl 7. Dezember. Zu beziehen durch Philo-Verlag, Berlin SW68, Lindenstr. 13

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