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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-12 · 46 (12.11.1926) · p. Seite 597

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
46 (12.11.1926)
Date
1926-11-12
Page
Seite 597 (sequence 5)
Language
German
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S-7 „Unsere" hoWnlilschrWen. Nur „arrschr" Hochschullehrer! Unter der Parole für die „R eine r h a l t u n g der b e u t - s ch e n Hoch schn len" scheint ein Frontangrifs besonders aktivistischer Kreise der völkischen Akademikerschaft gegen das deutsche Judentnm, soweit es mit dem akademischen Leben verbunden ist, bei vorzustehen. Tie Diskussion über die Frage des mvmerus clausus für jüdische Studierende lebt in verschiedenen studentischen Kreisen wieder ans, vor altem aber will man die akademische Welt von ben „Hochschuljnden" befreien, lvie das führende Blatt dieser Richtling, „Die Deutsche Akademikerzeiinng", die deutschen Hochschullehrer jüdischen Glaubens zu nennen beliebt. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit norden jüdische Dozenten angegriffen und ihre Entfernung von den Hochschulen gefordert. Am bekanntesten ist der „Fall L es sing" geworden: daneben ereigneten sich aber auch eine Reihe anderer, zwar meist erheblich anders gelagerter, doch ans der gleichen Basis beruhender Fälle. Erinnert sei nur an die schweren Angriffe, die seit Monaten von der gesamten völkischen Presse gegen den Wiener Cherechtler Brasil off gerichtet werden, mxi er angeblich seine deutsch-arische Hörerschaft durch Obszönitäten schlimmster Art im Kolleg beleidigt habe, und an die vielen Schwierigkeiten, die aus den gleichen Kreisen der Berufung Professor Gold st e i n s auf den Tarmstädter Lehrstuhl in den Weg gelegt wurden. In diesen Tagen lvird nunmehr ans W i e n gemeldet, dasi die sogenannte deutsch-arische Studentenschaft auf der Freitreppe der Wiener Universität eine PK'otestversannnlnng gegen die Wahl be* bekannten Professors H n p k a Zlnn Dekan der juristischen Fakultät veranstaltet habe, in der unter anderein wieder die Einführung des numerus clausus für jüdische Studierende gefordert wurde. Die Vorgeschichte dieser Kundgebung ist recht interessant. Im Mai 1925 hielt eine neue, im akademischen Leben nicht unbedeutende Organisation, die „Arbeitsgemeinschaft der völtischen Akadenrikerverbände der deutschen Sprachgebiete", die säst sämtliche größeren studentischen Verbände um saßt, ihre zweite Tagung in Elberfeld ab. Einige Atonale später stellte sich der „O österreichische Hochschllttag", die offizielle Vertretung der österreichischen Hochschullehrer, in einer öffentlichen Erklärung ans den Boden der in Elberfeld gefaßten Beschlüsse, die durch ihren Politischen Radikalismus und ihren unakademischen Ton Aufsehen erregten. Ein großer Teil dieser Beschlüsse ist der Judenfrage gewidmet, und ein besonderer Passus wendet sich gegen die ll e b e r s r e m d n n g der de u ische n H o ch s eh u len d n r ch j ü disch e L e h r k r ä s t e n n d S t n d e n t c n und fordert neben der Einführung des n u m e r u s clausus s ü x j ü dische S t ll d e n t e ll die E ll t f e r ll n n g der jüdischen Hochschullehrer. Unter Berufung ans die ausdrückliche Anerkennung der Elbersetder Beschlüsse durch ben österreichischen Hochschnltag loendet sich nunmehr die völkische Stndentenschast der Universität Wien gegen die Wahl des jüdischen Professors Hilpka zum Dekan der juristischen Fakultät, bezeichnet die Wahl als rechtswidrig und fordert die Fakllltät auf, die Wahl Hllpkas denlgemäsi für ungültig zli erklären. In einer Denkschrift ‘merben in langatmiger Begründung dieser Forderling sämtliche jenlats gegen das Judentum im allgemeinen und gegen das d e ll t s ch e Jndentnm im besonderen erhobenen Anklagen wieder anfgewärmt, nur den Nachweis 31t erbringen, d n si c § c i u c m deutschenSt n b enten n i ch t z u g e m u t e t lv erben k ö n n e, eine n j ü d i s ch e n Dekan z ll dulden. Dabei müssen ideelle Erwägungen gegen die Sorge um ben Brotkorb znrücktreken. Letzten Endes scheint die ganze Aktion von der Angst um das Grauten diktiert 31t sein. Rur ein Satz ans dieser studentischen Tellkschrift sei hier wiedergegeben, weil er am besten diese Art akademischer Geistigkeit charakterisiert. Er heißt: „ . . . daß die gesamte deutsche Bevölkerllng Deutsch-Oesterreichs diese Wahl als eine schwere Verletzung des Selbstbestilninungsrechts der delltschen Bevölkerung betrachte, sollen doch künftighin Tausende von Gesuchen nnb Bitten der Söhne unserer deutschen Heimat von der Gnade und dem freien Ermessen eines Juden abhängig sein, sollen die deutschen 3tubenten Prüfungen unter dem Vorsitz eines Juden machen, soll dieser die wichtige, oft ausschlaggebende Stimme bei dem endgültigen Ergebnis der Prüfungen abgeben, sollen deutsche Studenten in ihrem deutschen Heimatlande von einem Inden die Doktorwürde empfangen!" £ Die Bekanntgabe wichtiger Landesverbandstagungen und grosser Versammlungen befindet sidi auf Seite 601. Die österreichischen Dozenten befinden sich in der wenig beneidend werten Lage des Zauberlehrlings, der die Geister, die er rief, nicht mehr los werden kann, haben sie doch dllrch ihre kritiklose Anerkennung der „Elberfelder Beschlüsse" die Studentenschaft zu ihrem Borgeheil gewissermaßen provoziert. Man darf deshalb auf die Antwort der Fakllltät gespanllt sein. Werner Rvsenberg. Zußball a la Hitler, han-ball ä la Runze. Alls studentischen Kreisen wird uns geschrieben: Es war einlnal, — so fängt jedes Märchen all. Es war auch einmal eine Zeit, da war die Alma maicr Heidelbe r g der Schauplatz frohen und friedlichen studentischen Lebens. Die alte liberale Tradition, mit der auch noch heute die Dozenten der „Ruperto Carola" sich verbunden fühlen, vereint mit der Gemütlichkeit und Lieblichkeit des Milieus, lvaren eine gute Gebühr für ein reibungsloses Znsaminenlebeu der jnllgell Akademiker. Konfessionshaß und Korporationshaß gab es nur vereinzelt. Mit Recht tollilte man von Heidelberg singen: „Wo du von Knillnwr lunßt genesen, so tief er and) im Herzen brennt, da bin auch ich eiilst jung gewesen, — ich lv nt z n Heide l b e r g S t ll d e n t." Wie sehr hat doch die Nachkriegszeit mit ihren alltisemitischen Strömungen alls der ,.Knmnlerheilstätte" für nlailcheil Stlidenten jüdischen Gtallöells eitlen antisemitischen Irrgarten gemacht. Zuerst versuchten sich die in dem H o ch s ch n l r i ll g d e ll t s ch e r A r t zusamiliellgeschlossenell Korporakionsstudenten in der üblen Form des Radanantiselllitismils. Das ist allmählich airders geworden. Ihr Antisenlitismns hat zlvar nach außen hin eine beruhigtere Form angenommen, aber nur die Taktik wurde geändert. Hub lvie .chonorig" diese ist, davon soll folgendes Beispiel Kenntnis geben. In Heidelberg besteht seit 25 Jahren die Verbindung im K. E. „B a v a r i a ", die B e r ein t g n n g d e r auf Centralv e r e i ll s b o d e n st e h e il ben i ü d i s ch c ll Stndente n. Gegen diese Berbindling richtete sich der Zorn der antifemittfd)cu Heißsporne. Große und kleine Steine legte man der Korporation ans ihren nllltigen Weg. Eine vollkommene Allsschließmlg der jüdischeil Berbindnllg von akademischen Veranstaltungen ist aber dem Hochschlilring il i ch t getlingell. Run versucht mau es, nachdem die Behördeil derartigen Versuchen sich immer entgegellgesetzt haben, mit anderen Aeittetn. So geschah das Unglaubliche. Bei den Eilde des Sommersemcsters vor sich gehenden alndemischen Sportwejtkänlpseu loeigerte sich die Mehrzahl der im Hochschnlrmg vereinigterl Korporationen, sich mit der „Bavaria" zu messen. Die jüdischen Studenten ließen sich aber in ihrem guten Recht, an einem ossiziellell aUafabemtfcRen Sportfest tellznnehmen, llicht beirren. Sie nahmen am Wettbelverb auch ohne Gegner teil und trugen dadurch leichte Punktsiege davon. Die zuständige Ilniversitätsbehörde, das A nl t s n r L e i b e tz ii b u n g e n , stellte sich zlvar alls die Seite der „Bavaria" und hielt tu der Tat llicht baniit zurück, ein derart! g e s B e r halten de r v ö t k i s ch e n K o r p o r a t i o n e n e r ll st t i ch zu rügen. Ihre Erledigung hat aber die trallrige Angelegenheit noch nicht gesunden. Man war bis jetzt gewohnt, von einer gelvissen sportlicher! „Raiiness" zu sprechen. Darlmter verstand man, daß beim S Port na ch G e s i n n ll ll g s - u n d r e (i g i ö s e r Z n g e h ö r i g k e i t nicht gefragt lvird. Der Hoclstchulring lvill anscheinend von jetzt ab nlrr „r ein arisch e " S t a f e t t e n l a n s e ii, F il ß b a l l „ü la Hitler " und H a n d b a l l ,.a la K li n z e" s P i e l e ll. Ob er damit denl den!tscheu Sport dient, ist eine andere Frage. Das haberl allch einige Korporatioilell des Hochschnlringes eingesehen, die an denl Unfug dieser neuesten Boykottbervegung n i ch t leilgenormnen haben. Das lvaren die Corps (smvohl die im Kos euer S. E. vereinigten, als auch die zum Miltenberger Ring gehörigen sogenannten „schwarzen tzorps"), die katholischen Verbindungen, sowie die meifteu nicht schlagenden Verbindungen. Zu versichern, daß wir deutsch-jüdische Studenten keinen besonderen Wert darauf legen, gerade nnt völkischen Stndenkeuverbindnngen uns zu nlessen, ist unnötig. Wir hielten aber den Sport bisher für eine neutrale Angelegenheit, und mir wenden uns mit aller Schärfe dagegen, daß akademische allgenteineE Sportfeste, von einenl staatlichen Amt veranstaltet, der völkischen Boykottpropaganda dienen. Die zn-- stündigen Behörden müssen dafür Sorge tragen, daß solchen antisportlichen Bestrebnngen unb ihren Trägern keinerlei Unterstützung von irgendeinent sportlichen Hochschntamte zuteil lvird. Es würde die Oeffentlichkeit interessieren, wie sich die Heidelberg e r D o zente u s et) a f t dazu stellt. Und lvas sagen die Akadenliker, die in dern Reckarstädtchon einnial studiert haben? Dllrch ein solches Treiben Versüridigt mall sich au dein Geist der lieben „Ruperto Carola". Das sollten sich doch alle, denelt sie Mld unser Heidelberg ans Herz geloachsen sind, nicht gefallen lassen. W .... l.

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