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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-12 · 46 (12.11.1926) · p. Seite 595

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
46 (12.11.1926)
Date
1926-11-12
Page
Seite 595 (sequence 3)
Language
German
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Vom „Skandal der Skandalblätter Ein merkwürdiger Vorkämpfer — Skandal und Portemonnaie — Hauptsache: "Die aufreizende Ueberschrift — Ecke Leipziger und Friedrich-Strasse — Wird es besser? V o r b e nt c r f u n g der Schrif tleitu ng. In der letzten Nummer ldies-er Zeitung wies Chefredakteur Fritz G oetz die völkische Behauptung von dem Bestehen und dem unheimlichen Einflüsse der „Ju den-pre s se" mit schlagenden Ziffern als unwahr und abwegig zurück. Eine gute Ergänzung dazu bilden die folgenden Ausführungen über den Charakter "und die „vaterländische Bedeutung" eines sehr großen Teils der völkischen Pres s e. Vor kurzem las ich in einem Zeitungsartikel, der sich der „Skandal der Skandalblütter" nannte, folgende Sätze: „Der Durchschnittsleser ist schon an und für sich geneigt, zu glauben, was er schwarz ans weiß gedruckt sieht. Wenn er vollends merkt, daß die tollsten Lügen und Entstellungen solcher Winkelblätter in die Welt hinausgehen, ohne daß irgendwo in der Oeffentlichkeit laut dagegen Einspruch erhoben wird, wird dieser Glaube für ihn zur Gewißheit, und es ist dann nur noch ein kleiner Schritt bis zu dem Gedanken, die Tagespresse unterdrücke absichtlich gewisse Vorkommnisse, sobald sie für die Angehörigen der „besseren Stände" peinlich seien. Diesen Verdacht müssen die ernsthaften Tagesblätter schon im Keim ersticken und überall eine überparteiliche „Front der Anständigkeit" bilden, die nicht rastet noch ruht, bis das letzte Schandblatt der allgemeinen Verachtung verfällt und an dem Boykott der innerlich sauberen Menschen zugrunde geht. Die verantwortlichen Stellen des Staates, und namentlich die Volksvertreter, sollten sich aber einmal ernstlich überlegen, ob im Kampf gegen die unlautere Skandalprefle nicht doch neue gesetzgeberische Wege beschritten werden können, die dem Ziele der Sauberhaltung des öffentlichen Lebens dienen, ohne das kostbare Gut einer wohlverstandenen Pressefreiheit zu gefährden." Das las ich und war erfreut über die verständigen Vorschläge. Als ich nach dem Kopf der Zeitung sah, da hieß dieser: „Das Deutsche Tageblatt". Das „Deutsche Tageblatt" ist das offizielle Organ der Berliner Völkischen. Es erscheint täglich und ist überall in den Straßen käuflich zu erwerben. Es gibt aber in Deutschland kaum ein Blatt, das unter der Maske einer strengen Sachlichkeit: — die den naiven Leser am meisten besticht — mehr und wirksameres Gift verspritzt, als dieses Organ der Deutschvölkischeu. Welche Ironie also, daß gerade dieses Blatt einen Artikel über den Skandal der S k a n d a l b l ä t t e r schreibt! Natürlich gibt es einen Skandal der Skandalblätter. Aber die Leute aus dem rechtsradikalen und antisemitischen Lager haben am allerwenigsten das moralische Recht, sich gegen diesen unwürdigen Zustand aufzulehnen, den sie ja ntii geschaffen haben, um besser im trüben fischen zu können. Im allgenteinen sind sie auch viel zu klug, gegen ihr eigenes Treiben sich aufzulehnen: sie würden sich ja dann den Ast, auf dem sie sitzen, selbst absägen. Die „Lieferen Gründe", warum es im Deutschland von heute eine so große Zahl von politischen Skandalblättern gibt, sind denn auch weiter nichts als geschäftliche Rücksichten. Es ist ein betrübendes Zeichen, vielleicht das betrüblichste Zeichen der Zeit, daß der vermeintliche Haß, die angebliche weißglühende Leidenschaftlichkeit vieler rechtsrardik-a-ler Dra'lstzieher nnb SBevttfsantisemiden in überwiegendem Maße weiter nichts als kalte ge schüst liche Be rech n u n g ist. Es ist viel würdiger, mit ben Gegnern zu kämpfen, die wirklich aus innerstem Herzen ihre Thesen verfechten. Aber leider ist es nicht so. Die zahlreichen rechtsradikalen Skandalblütter sind der sichtbarste Ausdruck für diese Zustände. Sehr wenige dieser Zeitungen halten sich längere Zeit. Dann hat es sich herumgesprochen, wie wenig von den „Nachrichten" dieser Zeitungen 31t halten ist. Das wissen die Herausgeber auch ganz genau: Sie arbeiten mit Massensuggestion. Die "Massensuggestion ist am Anfang zu erreichen, aber auch nur am Anfang. Deshalb greift man zu einem altbewährten Geschäftskniff: Man ändert ben Namen des Skandalblattes so oft als tnöglich. Dann denkt das Publikum: Aha! Hier ist etwas Neues, und kauft. Der Hauptkniff ist, wie gesagt, die sensationelle Ueber - s ch r ist, die immer wieder auch sehr verständige Leute verleitet, sich ein Exemplar zu taufen: „Vielleicht ist dcch etlvas daran", denkt man. Vor einem Vierteljahr stand an einer der belebtesten Berliner Straßenecken, nämlich an der Ecke der Leipziger und F? r i e d r i ch st r a ß e, ein junges Mädchen in Hitler-Nniforrn mit einem Pack Zeitungen unter dem Arm, deren Neberschriften es laut in die Menge schrie. Die Zeitung war eines der widerlichsten politischen Hetzblätter, die es jemals gegebett hat. Es veröffentlichte überhaupt keine Nachrichten, sondern lediglich judenseindliche Schmähartikel und Erfindungen bewußt böswilliger Art. Ich kam jeden Tag an dem Mädchen vorbei und konnte immer wieder dasselbe beobachten: eine ganze Reihe eilig hastender Menschen blieb stehen, hörte sich die Verkäuferin mit an, betrachtete die rot unterstrichenen Ueberschriften der Zeitungen, schüttelte zuerst den Kopf, zögerte eine Weile, griff aber dann doch in die Tasche, holte einen Nickel heraus und kaufte das Blatt. Das ist die Suggestion der Skandal ü b e r s ch r i f t. Und weit wir dieser Suggestion so sehr erlegen sind, deshalb hatten wir in Deutschland in den letzten Jahren die so häßliche Atmosphäre der innerpolitischen Verhetzung. (Fortsetzung Seite 596). öer Äat.-Äoz. deutschen (Sm -Hessen u. Hessen -Hassan -Hü- Lrranrgeker: Antor, Kssrlmaprr parier Ein indischer Kommerzienrat als Mädchenschänder Linzelprel« 20 Pfennige. Erscheint fefttn SOMUAMfc ZrttbllSer aus Neu-Seutschlan^ Prfofl: «Uri Katelf. BttH» 8wr, Itr. 3. s*i«l-> Eh«< (omt«) i?ta mm das Üicke Men-Ctrl und (hristenmä-els Erscheint monatlich dreimal Pnzrlpcar 20 Pfennig lintetftdnftf Uftes Kampfblatt für Wahrheit um! Gerechtigkeit vertag Dr fieilnuift?. fTIatfc {breit Zernrut ,0ft Schrlftlettung: Ludwig MSIlrr. Misburg, virchowstratze - Ausgabe 8 | 4rgr?yi£r* 1 Martttdretk. tm Mär, 1S26 | | I lohcgang IM Stern Hilft Mt WilMl! 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