Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 45 (5.11.1926)
- Date
- 1926-11-05
- Page
- Seite 586 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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$aiser-'Bcrax ims JdealmitLel für eine natürliche Hautpflege! Eine erfolgreiche Schönheitspflege bedingt weiches Waschwasser, welches rasch und sicher erzielt wird durch den Zusatz von Kaiser-Borax. Regele mäßige Boraxwaschungen bewirken eine unmerkliche Hauterneuerung, alle Unregelmäßigkeiten wie Mitesser, Pickel, Sommer-, sprossen, gelbe Flecken, werden beseitigt und der Teint erscheint jn natürlicher Schönheit, frisch und gesund, rein und klar. Kaiser-Borax wird niemals lose, sondern nur in der bekannten roten Original-Packung geliefert, welche für die Reinheit der Ware garantiert. Ausführliche Gebrauchsanweisung liegt jedem Karton bei. — Heinrich Maü Nachs., Ulm a.D. Jahrelang während des Krieg es hat man die Menschen gezwungen, täglich und stündlich die wichtigsten Gebote der Religion zu übertreten. Von Staats wegen hat man Privateigentum von Angehörigen gegnerischer Staaten konfisziert. Alle öffentliche und private Moral ist brüchig geworden. Und nun soll der Jude für diese Zersetzung als Sündenbock herhalten? Welcher Jude mit auch nur einigem sittlichen Neinlichkeitsgefühl muß sich nicht abgestoßen fühlen, «von solcher Scheinheiligkeit und Ungerechtigkeit? Begreift man nicht, daß dem Juden, der gegen rechtlose Gewalt keine andere Waffe führen durste als seinen Verstand, daß in ihm diese eine Seite seines Wesens hier und da überwuchern mußte? Fühlt man nicht, daß man sich selbst anklagt, wenn man dem Juden einseitige Ausbildung der Verstandes v o r w i r s t? „Man lähmt uns und schilt uns, daß wir hinken." Wir Juden bringen jeder aufrichtigen Ueberzeugung dieselbe Achtung entgegen, die wir von anderen für uns in Anspruch nehmen. Wir kennen unsere Fehler und bekennen sie rückhaltlos, können aber nicht stillschweigend dulden, daß man, gewohnt, immer nur die Sünden der anderen, nie die eigenen zu beichten, uns mit unverdienten Anklagen belastet. Wenn die Kirche darangeht, den Frieden u n t e r d e n K o n s> e s s i o n e n herzustellen, dann wird sie in diesem Beginnen alle an ihrer Seite finden, die daraus Wert legen, Juden zu heißen, und sich ihrer Pflichten als solche bewußt sind. Wertvolle Aufklärungsarbeit. Der größte Feind des Judentums ist die Unkenntnis jüdischer Ethik und Weltanschauung. Und bosonders wirksam zur Bekämpfung des Hasses und zur Versöhnung aller Konfessionen ist die Verbreitung des Wissens über die den einzelnen Religionen Zugrunde liegenden Ideen. Der „ Christliche V e r e i n Junger Männer" in Essen hat aus dieser Erkenntnis heraus Vortragsabende über die verschiedenen Weltreligionen veranstaltet und berichtete in seinem Vereinsorgan über diese Abende. Jn dem „Was bei uns los war" betitelten Bericht lesen wir: „Die Vorträge über die verschiedenen Weltreligionen ließen erkennen, wie stark das Bedürsnis nach Verständnis anderer Religionsrichtungen ist, war doch der Besuch oft so groß, daß unser Saal die Besucher kaum fassen konnte. Begrüßenswert war besonders die tresstiche Auswahl von Referenten, die in seiner Art andere Anschauungen zum Vortrag brachten. Herr Rabbiner Dr. Hahn (Essen) erösfnete die Vortragsreihe mit dem Thema: „Die Religion des Judentums". Wohl niemand konnte sich dem starken Eindruck seiner eingehenden Ausführungen entziehen, als er den jüdischen Frömmigkeitstypus in seiner Tiefe zeichnete . . Das Vereinsorgan zieht aus dem Vortrage Folgerungen entsprechend seiner christlichen Einstellung: unseres Erachtens wird dadurch der Wert dieser Aufklärungsarbeit nicht berührt. Im Anschluß an Diesen Vortrag fand einige Tage später eine Besichtigung der Synagoge durch die Mtglüder des „Christlichen Vereins Junger Männer" unter Führung .von Rabbiner Dr. Hahn statt. L, Schokolade VI €IN flOCHGSNUJ“/ PREM IER-\v/ERKE,/CHWARZEeßÖDEß, LEIPZIG Palästina oüer...! K Von Dr. Paul Nathan. Professor Franz Oppenheimer ist ein Mann von hohem wissen-, schastlichem Ansehen als Sozialpolitiker; er ist überdies eine weitläufige, praktische Natur, die im Leben verwurzelt ist; jene moderne Mischung von ernster Gelehrtenanlage mit großem Kenntnisreichtum einerseits und realen Fähigkeiten dem modernen Leben gegenüber anderseits. Professor Franz Oppenheimer mit feiner Geistesstruktur und mit seiner Kenntnis Palästinas hat neuerdings zur jüdischen Palästinasrage zweimal das Wort genommen; in diesen Blättern ist aus seine Ausführungen bereits hingewiesen worden. Was er sagt, verdient ernste Beachtung; gerade darum, weil er, als Zionist, doch zugleich ein unabhängiger Denker und Beobachter ist; wert er weit emporragt über jene Zahl im besten Falle enthusiastischer Schwätzer, die Palästina preisen, ohne es zu kennen, und die jeden verdammen, der ihre gefährliche Kritiklosigkeit aus fachlichen Gewissensbedenken und in realer Kenntnis palästinensischer Verhältnisse bekämpft. Ich selbst bin vor dem Weltkriege rund ein halbes Dutzend Mal in Palästina gewesen, nicht als flüchtiger Tourist, sondern mit der ausgesprochenen Absicht, Land und Leute und ihre Entwicklung^ möglichkeiten eingehend zu studieren; auf einer dieser Reisen sah ich dann auch am nämlichen Hoteltisch Franz Oppenheimer in Jerusalem tagtäglich gegenüber, und wir hatten Gelegenheit, unsere Beobachtungen auszutauschen, die oft genug recht erheblich voneinander «fr*: wichen; das war nicht verwunderlich bei einem Problem, so kompliziert, wie die Frage der Besiedlung Palästinas. Jetzt nach dem Kriege ist Professor Oppenheimer erneut in Palästina gewesen, und dieser Mann, der mit großen Sympathien der zionistischen Bewegung gegeinüberstand, freilich nie kritiklos, —* was bei einem Mann seiner Qualität selbstverständlich ist, — kommt zu einem sehr ernüchterten Urteil. Sollen wir, die wir keine Zionisten sind, hierüber jubeln? Daß wäre die Genugtuung beschränkter Narren. Es kann sich für den einzelnen nicht darum handeln, recht zu behalten, sondern darum, über ein Problem zutreffend zu urteilen, das eine hohe Bedeutung für das Wohl und Wehe, für Gegenwart und Zukunft von Zehntausenden und Zehntausenden jüdischer Menschen hat. Uebereinstimmung herrscht heute über einen Punkt. Tel-Awiv, die emporgeschossene Schwesterstadt von Jaffa, ist überwiegend eine traurige koloniale Blüte, wie es deren auf der Grenze von Okzident und Orient eine ganze Reihe gibt. Diese Erscheinung nehme ich meinerseits, so unerfreulich sie isfl durchaus nicht schwer. Wo die Hoffnung auf kolonialen Aufschwung sich zeigt, stellt sich stets auch jene unerwünschte Kategorie von Menschen ein; hier Christen, dort Juden, die weder echte Christen noch echte Juden sind, sondern Spreu menschlicher Kulturentwicklung, die immer dorthin geweht wird und dort sich ansetzt, wo Verhältnisse, denen noch die feste Verwurzelung fehlt, wo Verhältnisse, die noch in Gärung sind, ihrer beweglichen Findigkeit schnelle Bereicherung versprechen. Tel-Awiv; — sein Geist, er muß gewiß bekämpft werden, aber er entscheidet in keinem Falle über die Zukunft Palästinas; über seine jüdische Zukunft. Jedenfalls ist es ein großes Verdienst von Franz Oppenheimer, daß er in seinen Reden schonungslos auf diese Wunde hingewiesen hat. Entscheidend für die palästinensische Zukunft ist die landwirtschaftliche Besiedlung des Bodens. Und da zeigt sich die zweite, wie mir scheint, weit größere Gefahr; die Gefahr besteht in den sozialistischen, sozialisierenden Experimenten einer jüdischen Generation, die durch den Sturm des russischen Umsturzes hindurchgegangen ist, und nun unbesonnen, osteuropäisch leichtherzig, wenngleich'mit idealistischer Hingabe, Theoreme auch in Rußland überholter Sowjetliteratur aus dem harten kolonialen Boden Palästinas zu verwirklichen sucht. Das Ergebnis ist — nicht das Emporwachsen einer beharrlichen, nüchternen Bauernwirtschaft, sondern oft ein sich Berauschen in Phantasien von Menschen- und Weltbeglückung. Je nüchterner der Kolonisator ist, um so besser für ihn und seine Zukunft, und wenn er in der Ferne das idealistffche Licht edler, menschenwürdigerer Zukunft erblickt, dann kann er zu jenen Pfadfindern gehören, die für neue, freie Staatswesen die Grundlagen legen. Man macht ein schadhaftes Schiff nicht seetüchtiger, indem man die vermorschten Flanken fein säuberlich verdeckt und überstreicht. Professor Oppenheimer hat das getan, was ein kluger und ehrlicher Mann tun muß; er hat die Krankheit festgestellt; nicht damit einige Dummköpfe breitspurig sich hinstellen können und uns zurufen:. das haben wir ja immer gesagt; diesen ewigen Siegesgesang abgestandener, fader Mittelmäßigkeit; sondern damit ausgeschaut werde nach den Möglichkeiten, um zu einer gesünderen Entwicklung zu gegelangen. Hierfür ist nach meiner Ansicht folgendes notwendig, das in diesem Augenblick an dieser Stelle nur in knappster Andeutung Umrissen werden kann. Der Zionismus sollte die leichtherzige Form agitatorischer Anpreisung seines Tuns und seiner Erfolge ausgeben. Dieser seiner bisherigen Methode sind große Erfolge bestimmter Art beschieden gewesen; das ist durchaus nicht zu leugnen; es konnte freilich auch nicht anders kommen, als daß diese blühende Fata Morgana von Erfolgen, die nicht erreicht sind und die nie erreicht werden können, zu einem inneren Verfall führte, wie ihn jetzt Franz Oppenheimer zu-«