Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 45 (5.11.1926)
- Date
- 1926-11-05
- Page
- Seite 584 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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SS4 Kel-enburg uni „ttel-enburger Zeitung". Wir haben, bereits wiederholt über völkische Ausschreitungen in dem Städtchen Neidenburg, das hart an der Polnischen Grenze liegt, berichtet. Nachdem die völkische Arbeit eine Zeitlang weniger in Erscheinung getreten war, haben die Völkischen ihre Tätigkeit jetzt wieder ausgenommen. So sprachen in letzter Zeit die völkischen Führer Oberleutnant Roßbach und Jürgen v. N a m i n. Außerdem brachte die „Neidenburger Zeitung",. die dort als einziges Blatt erscheint und gleichzeitig a m t l i che s K r e i s - platt ist, judenfeindliche Artikel. U. a. stand in ihr ein Ausruf an die Bauernschaft, in dem es heißt: „Der Unterschied ist nur der, daß es sich in der heutigen „deutschen" Republik nicht um jüdischen Privatwucher handelt, der schließlich der Bestrafung anheimsällt, sondern um den Staat selbst. Aber was ist nun wieder „dieser Staat"? Wir brauchen nur als Antwort zurück- Zugreifen aus die Tatsache, daß dieser deutsche Staat sich seit dem 29. August 1924 in Gestalt der Dawes-Gesetze ausdrücklich und vollständig unter das jüdisch geleitete Weltkapital gestellt hat. Dieses jüdisch geleitete Weltkapital bedient sich der durchjudeten Weimarer Republik als eines erfreulich willigen Werkzeuges, um den deutschen Besitz in Stadt und Land Zu liquidieren? Unser Landesverband Ostpreußen wurde wegen der judenfeindlichen Haltung bei dem Oberpräsidenten vorstellig. Das Kreisblatt ist jetzt auf Grund des Gesetzes zum Schutz der Republik auf die Darier von 14 Tagen verboten worden. Die sächsische LanZLagswcchl. Zwei Nationalsozialisten gewählt; F. V. Bei völlig ruhigem Verlaus fand am Sonntag, 81. Oktober, die Wahl zum sächsischen Landtag statt. Gaben bei der letzten Wahl ungefähr 83 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmzettel ab, so litt diesmal die Wahlbeteiligung unter einer großen Wahlmüdigkeit und unter der Tatsache, daß sich 12 Listen zur Wahl stellten. Daher kam es, daß sich diesmal nur etwa 68 Prozent der Wähler an die Wahlurne begaben. Im allgemeinen wurde der Kampf von den Parteien sehr ruhig ^sührt, und man beschränkte sich auf ein Flugblatt, einbiszwei Versammlungen und aus e i n Plakat. Am stärksten war wohl die Anstrengung der antisemitischen Parteien. Mit zwei Listen zogen sie in den Kampf. Groß prangten ihre Plakate, „Liste 8 bricht I u d e n m a ch t" der „V ö l k r s ch s o z i a l en Arbeitsgerneinschas t" und die der „Nationalsozialistischen Arbeiterpartei", an den Säulen. In der letzten Woche hielten die Nationalsozialisten fast täglich, mindestens aber alle zwei Tage, eine Versammlung ab. Trotz allergrößter Anstrengungen gelang es aber den Völkischen, die wieder mit ihren alten abgenutzten Parolen in den Wahlkampf zogen, nur zwei Abgeordnete in das Parlament zu entsenden. Die Völkische Arbeitsgemeinschaft erhielt kein Mandat, und nur die Nationalsozialisten konnten den „Erfolg" von zweien verbuchen. Gewählt wurden im Wahlkreis Chemnitz-Zwickau der Schlosser E r n st Ti t tm a n n und durch Sammelstimmen der Kapitänleutnant a. D. H e l rn u t v. M ü ck e. Vergleicht man die Zahlen der Land tags wähl 1922 und der Reichstags wähl von 1924 mit den jetzt erzielten Stimmen der völkischen Parteien, so ist klar zu ersehen, wie diese an Stärke immer mehr zurückgehen. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitler - Bewegung). Landtag 1922 Reichstag 1924 Landtag 1926 Dresden-Bautzen * - — 15153 7 587 Chemnitz - Zwickau - — 39 338 24 394 Leipzig ^_— 13212 5 755 Zusammen — 67 703 37 736 Völkisch - Soziale Arbeitsgemeinschaft. Landtag 1922 Reichstag 1924 Landtag 1926 Dresden - Bautzen - -. 10 202 10137 5 575 Chemnitz-Zwickau; . 617 2126 1 712 Leipzig .. — 3121 3 095 Zusammen 10 819 15 384 10 382 Falsch wäre es, wenn man glauben würde, nach der Wahl die Hände in den Schoß legen zu können. Die Völkischen werden weiter, unter Ausnutzung der Nöte der Zeit, um die Gunst des Volkes zu werben sortsahren. Unsere sächsischen Freunde mögen erkennen, daß der Abschluß eines Wahlkampses in unserer Tätigkeit keine Pause rechtfertigt, sondern wir müssen sofort in die Arbeit fite die nächste Wahl eintreten, die bei der jetzigen Konstellation des Parlamentes unter Umständen nicht lange auf sich warten läßt. r * Am letzten Mittwoch vor den Wahlen fand in Leipzig eine große öffentliche V e r s a m m l u n g der Ortsgruppe des Centralvereins unter Leitung des ersten Vorsitzenden, Julius Krause, statt. Die Versammlung, die in einem der größten Säle Leipzigs vor sich ging, war von mehr als 100 0 Personen besucht. Dr. Bruno Weil (Berlin) sprach über die ..JüdischeJnternational e". Die Ruhe seiner Ausführungen und die Trefflichkeit seiner Argumente verfehlten den Eindruck nicht. In der lange dauernden Diskussion hielt es ein zionistischer Redner für notwendig, den Mitgliedern des C. V., insbesondere aber den am Versammlungstisch sitzenden Vorstandsmitgliedern, den Vorwurf zu machen, sie seien keine Juden mehr und wären mit jüdischen Dingen nur durch ein dünnes Bändchen verknüpft. Der am Vorstandstisch sitzende Rabbiner Dr. Gold mann (Leipzig) wies die propagandistischen Störungsversuche des Redners, für die nicht der geringste Anlaß vorlag, scharf zurück, und ebenso auch den Versuch, ehrenwerten Juden ihr Judentum abzusprechen. Abgesehen von diesem peinlichen Zwischenfall verlief die Diskussion, an der Redner verschiedener Parteien teilnahmen. befriedigend. Dr. Weil faßte die Ausführungen in einem Schlußwort zusammen und kennzeichnete, gerade gegenüber dem zionistischen Angriffe, unsere Einstellung zu Volk und Vaterland lebenswahr. Reta Schutz mehr vor Gotteslästerern? Ein unverständliches polnisches Urteil. I u st i z r a t W. I m m e r w a h r (Beuthen, O.-S.) schreibt uns: Kürzlich wurde in Krakau gegen den verantwortlichen Redakteur des „Haslo Narodowy“ („Völkische Parole") I a n Kozicki vor dem Schwurgericht wegen Beleidigung der jüdischen Religion verhandelt. Der Angeklagte hatte in Nr. 25 des Blattes einen Artikel „Zwei Fragen" veröffentlicht, in dem er untersucht, ob die Juden an Gott glauben, und war zu dem Schlüsse gelangt, daß sie an Gott weder glauben noch je geglaubt haben, da das Wesen, das sie als Gott verehren, ein — Siatan sei. Der durch die Advokaten R o s m a r y n o w i c z und A nton i e w i c z verteidigte Angeklagte berief sich aus die heiligen Bücher der Juden, stellte den Gott der Juden als rachsüchtiges Wesen dar, das den Juden Meineid und Betrug gebiete und Kuppelei und Menschenhandel, Verrat, Bestechung und Wucher segne. Es sei auch nicht ein Teusel höherer Art, sondern einer der minderen Höllengeister, ein eklig-assenhafter und unflätiger Beelzebub. Ein Teil dieser in der Verhandlung gemachten Ausführungen war auch schon in dem Artikel enthalten, wegen dessen sich der Angeklagte wegen Religionsbeschimpsung nach § 122 des polnischen Strafgesetzbuchs zu verantworten hatte. Der Angeklagte erklärte, daß er nicht die von Moses und den Propheten offenbarte jüdische Religion beleidigt, sondern lediglich eine zutreffende Kritik der Entartung dieser Religion, die sie durch das Buch Schulchan Aruch erfahren, geliefert habe. Die Verteidiger stellten eine Reihe von Beweisanträgen aus Vorlegung der betreffenden Wochenschrift die in Warschau erscheint und denselben Artikel gebracht hatte, sowie der Broschüre Zwiercadlo Zydowskie („Judenspiegel") und auf Sachverstäudigenvernehmung über einige Auszüge aus dem Schulchan Aruch. Auch sollten Sachverständige, als. welche die Theologen Professor Dr. A r ch u t o w f k i, Professor Dr. Kruszinsti, Pfarrer U n - schlicht und Pfarrer M a ch a h benannt wurden, seststellen, daß die im „Judenspiegel", der eine uebersetzung des deutschen „Judenspiegels" von Dr. Justus sei. angeführten' Stellen aus dem Schulchan Aruch richtig wiedergegeben seien. Das Gericht verwarf diese Beweisanträge nach längerer Beratung, ohne Gründe des Beschlusses mitzuteilen. Staatsanwalt Hubel begründete die Anklage und beantragte die Verurteilung. Ob ein Strafmaß und in welcher Höhe beantragt wurde, ist aus den Berichten nicht zu ersehen. Der Wahrspruch der Geschworenen lautete wie folgt: Frage 1: Hat sich der Angeklagte der GotLeslästerrrngschuldig gemacht? — 3 Stimmen ja, 9 Stimmen nein. Frage 2: HatsichderAngeklagtederBeschimpfung derjüdischenReligionschuldigge macht? — 7 Stimmen ja, 5 Stimmen nein. Da in beiden Fragen nicht die gesetzliche Mehrheit für die Bejahung sich ergeben hatte, sprach das Gericht Kozicki srei- Znfammenschlutz der vaterländischen Verbände? Unter der Ueberschrist „Weiches ist das genaue Programm? teilten wir in Nr. 43 der „C. V.-Zeikung" die Nachricht der „Deutschen Zeitung" mit, der zufolge sich die Vertreter sämtlicher großer nationaler Jugendverbände in Berlin unter Führung des Jungdeut schlandb und es zusammen geschlossen hätten. Mit Rücksicht daraus, daß bei diesen Verbänden aus der einen Seite die Jugend der Deutschen Volkspartei, auf der anderen Seite ausgesprochen völkische Verbände, wie z. B. der „Wehrwolf", beteiligt sein sollten, stellten wir die Frage, wie das genaue Programm der Zusammenarbe.it laute. Jetzt lesen wir eine Notiz der „Kölnischen Zeitun g", in der mitgeteilt wird, daß es sich nicht um einen Zusammenschluß der vaterländischen Jugeirdverbänds, sondern -lediglich um eine Gemeinschaftsarbeit zur Vorbereitung einer Ausstellung handelt. Es wird dann die „N ati o na l l i b e r a le Korre s p o nd e n z" zitiert, in der gleichfalls seftgestellt wird, daß es sich um einen neuen Zusammenschluß überhaupt nicht handelt, daß vielmehr die Mehrzahl der genannten Verbände schon seit längerer Zeit im Jungd e uLschlandbu n d, vornehmlich zur Pflege der körperlichen Ertüchtigung der Jugend, vereinigt sind. Richtig ist allerdings, daß der Jungdeutschlandbund neuerdings eine Erweiterung seiner Tätigkeit in bezug auf die ihm angeschlossenen Verbände ins Auge gefaßt habe. Jedoch erstreckt sich auch diese Erweiterung keinesfalls auf politisches Gebiet. Auf jeden Fall hat sich der Reichsjugendausschntz der Deutschen Bolkspartei seine Entscheidung, inwieweit er bei dieser! Erweiterung rrritmachen Witt, Vorbehalten. ..."