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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-29 · 44 (29.10.1926) · p. Seite 577

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
44 (29.10.1926)
Date
1926-10-29
Page
Seite 577 (sequence 14)
Language
German
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577 Eines Sechzigjährigen Bekenntnis. n ♦ ♦ ♦ grunvsätzlich ablehnend." In diesen Tagen feiert der bekannte Berliner Pfarrer Walter Nithack-Stahn seinen 60. Geburtstag. Wir haben Gelegenheit genommen, den als religiöse Persönlichkeit und Dichter weit über die Reichshauptstadt hinaus geschätzten Geistlichen über seine Erfahrungen mit Juden und Judentum zu befragen. Der frische Sechziger, dem noch lange Jahre gesegneten Schaffens und Wirkens vergönnt sein mögen, führte das Folgende aus: „Ich wurde als junger Student in das Haus Adolf Stöckers eingeführt und war eine Zeitlang fein begeisterter Anhänger. Dann aber führten mich Lebenserfahrung und Studium ganz andere Wege, sowohl religiös als politisch. Dazu gehört auch, daß ich gerade mit Juden persönliche Freundschaft schloß, und zwar schon an meiner früheren schlesischen Wirkungsstätte; dann trat ich später auch hier m meinem Berliner Verkehrskreise persönlich mit jüdischen Familien in Beziehung. Mit jüdischen Geistlichen führte mich gemeinsame pazifistische Denkungslveife zusamnren. Wir sprachen auch kurz vor Kriegsausbruch in einer öffentlichen Versammlung über das Thema des Völkerfriedens vom Standpunkt der verschiedenen Konfessionen. Einmal hatte ich die Ehre und die Freude, mit Professor Hermann Cohen (Marburg) vor einer studentischen Versammlung gemeinsam über das Thema „Was einigt die Konfessionen?" zu sprechen. Ich stehe dem Antisemitismus aus religiösen und ethischen Gründen grundsätzlich ablehnend gegenüber, wenn ich auch glaube, daß in dem Verhältnis zwischen Judentum und Deutschtum viele Probleme zu lösen sind, die sich zum Teil aus der verschiedenen Einstellung der Juden den innerjüoischen und damit zusammenhängend den deutschen nationalen Fragen gegenüber ergeben. Meines Erachtens ist der so wünschenswerte Friede zwischen Juden und Christen auf deutschem Boden nur dann möglich, wenn beide Teile einer gemeinsamen Kulturidee dienen und beide diejenigen seelischen Güter achten, die dem einen wie dem anderen heilig sind." Zu S. Kschers vierzigjährigem bestehen. Von Julius Bab. Zu jenen großartigen Sätzen, mit denen antisemitische Agitation den Nachweis für die erdrückende Uebermacht der Juden in Deutschland zu bestreiten pflegt, gehört auch die Behauptung, daß „bekanntlich" der Verlagsbuchhandel in Deutschland, speziell der Verlag für schöne Literatur, für Dichtung, gänzlich „verjudet" sei. Der Satz ist so gegenstandslos, so fröhlich unbekümmert um alle Tatsachen wie die meisten Sätze dieser Agitation. Wenn man die Verlagsanstalten mustert, die im letzten Menschenalter für die Entwicklung dichterischen Lebens in Deutschland von Wichtigkeit gewesen sind, so kann man schnell feststellen, daß weder Eugen Diederichs, noch Albert Langen, noch die Deutsche Verlagsanstalt, .noch Kurt Wolfs, Kiepenheuer, Rowohlt von Juden gegründet oder von Juden geleitet sind. Und von den großen belletristischen Verlagen dieser Epoche in Deutschland bleibt eigentlich nur ein einziger übrig, der wirklich die Schöpfung eines jüdischen Mannes ist: der Verlag von S. Fischer. Einer, aber ein Löwe! Der Verlag S. Fischer, der eben jetzt sein vierzigjähriges Jubiläum feiert, ist aus dem geistigen Leben Deutschlands in den letzten vier Jahrzehnten wirklich nicht wegzudenken. Der Verlag, den der junge, aus Ungarn gebürtige Buchhändler Sami Fischer im Jahre 1886 in Berlin mit sehr bescheidenen Mitteln gründete, trat alsbald in die fruchtbarste Beziehung zu der eben LauStorhter. 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