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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-29 · 44 (29.10.1926) · p. Seite 578

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
44 (29.10.1926)
Date
1926-10-29
Page
Seite 578 (sequence 15)
Language
German
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57$ beginnenden Revolution des geistigen Lebens. Er wurde der Verlag für die „Freie Bühne", das Kampforgan der jungen Naturalisten, und der Verleger Fischer war der Schatzmeister dieses Vereins, der nicht nur das Theater, sondern das ganze öffentliche Leben zu reformieren dachte. All die großen Geister, die damals den Schlaf des europäischen Philistertums unsanft aufrüttelten, die Kunst, Wissenschaft, Philosophie aus einem Spielzeug wieder zu dem furchtbaren Werkzeug lebendiger Entwicklung machen wollten, alle fanden sie im Fischerschen Verlag Aufnahme. Zola, Dostojewski und Tolstoi veröffentlicht S. Fischers Verlag schon in seinen ersten Jahren, und vor allem bleibt er der deutsche Verlag Henrik Ibsens. Entscheidend aber wird, daß er sich von Anbeginn mit dem wichtigsten deutschen Autor der Generation verbindet, mit G e r h a r t Hauptmann. Der entscheidende literarische Berater Fischers ist in langen Jahren Moritz H e i m a n n gewesen, ein Geist von ungewöhnlicher Kraft und Weite, der selber schließlich zu den wesentlichen Autoren des Verlages gehörte. Auch Moritz Heimann war Jude. Aber die Welt der Dichtung und des Geistes, die S. -Fischer unter seiner Mitwirkung ausgebaut hat, ist wahrhaftig in keinem irgendwie einengendem Sinne des Wortes eine jüdische, man müßte denn die bequeme Manier völkischer Spießbürger teilen und alles Neue, beunruhigend Große lmd Starke im geistigen Leben — eine wirklich übertriebene Ehrung? — jüdisch nennen. Der Fischersche Verlag ist auf dem Wege erfolgreich fortgeschritten, die repräsentativen Geister der neuen deutschen und europäischen Dichtung bei sich heimisch zu machen. So ist er auch der Verlag von Richard Dehrn el itub von Thomas M a n n geworden, von Walt Whitman und von Bernard Shaw. Er hat das Werk Theodor Fontanes übernommen. wie bas B j ö r n s o n s, und so tiefdeutsche Fein- und Kleinkünstler wie Keyserling oder Emil S t r a u ß hat er gepflegt. Wenn seinem Verlag auch deutsche Dichter jüdischer Herkunft angehören, wie Arthur Schnitzler, Wassermann, B e e r - H o f - mann, so stehen sie eben nur mit im Zuge der großen geistigen Entwicklung, die durch jene nichtjüdischen Dichter schon bezeichnet ist. Sie sind mit ihrem Schassen ganz und gar als Mitarbeiter deutschen Lebens zu werten. Ganz in dein Sinne, wie das Walter Rat hem au stets von seiner Arbeit betont hat, deren Ergebnisse gleichfalls der Fischersche Verlag herausgebracht hat. Die Lebenskraft des Fischerschen Unternehmens ist noch nicht erschöpft; sie ist auch nicht auf den Ausbau und die Pflege der bereits gewonnenen Autoren und ihrer Werke beschränkt. In dem Versuch, das Lebendige und Zukunftsvolle aus der jüngsten Produktion auszufinden und zu verbreiten, wetteifert der Verlag mit jüngeren Unternehmungen. Er hat gerade im letzten Jahr wieder ein erstaunlich reiches Programm abgearbeitet. Ich denke, es ist weder ein undeutsches noch ein geringes Werk, das dieser Verleger Hauptmanns und Dehmels, Thomas Manns und Hermann Hesses geleistet hat. Wir dürfen als Juden und Deutsche stolz und dankbar auf dieses Werk des Verlegers S. Fischer blicken. Kunze contra Bamberg. Am letzten Sonnabend wurde vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte eine Privatklage ldes bekannten völkischen Stadtverordneten Richard Kunze (Knüppelkunze) gegen den Alterspräsidenten der Berliner Stadtverordnetenversammlung und Ehrenbürger der Stadt Berlin. KommerZienrat Bamberg, ausgetragen. Kunze batte in der Stadtverordnetenvers-ammlung eine seiner berühmten, das Judentum und dessen „erbärmliche deutsche Helfershelfer" an greifende und verketzernde Rode gehalten. Was Wunder, wenn ein Mann wie Kommerzienrat Bamberg, der in Ehren schon den Krieg 1870/71 mitinachte und schwer verwundet wurde, und der seitdem in städtischen und staatlichen ChrenÄntern zum Wöhle seiner Mitbürger Zeit und Kraft zur Verfügung gestellt hatte, sich darüber mit Recht empörte. Der Richter hat die erregten Worte des Kommerzienrats Bamberg als Beleidigung angesehen und ihn zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Einen Vergleich, der angestrebt wurde, lohnte Kommerzienrat Bamberg aus naheliegenden Gründen ad. Es wurde Berufung seitens des Beklagten eingälegt. Einladung. Wir machen unsere Ortsgruppen nnd Vertrauensmänner schon jetzt darauf aufmerksam, -atz die ordentliche Äandesverbandsversammlnng 1926 Sonntag, den 14. November, in Darmstadt stattfindet. Der Direktor -es Centralvereins, Dr. Ludwig Holländer, wiran ihr teilnehmen und Donnerstag, -en 11. November, in einer groben Mitgliederversammlung in Darmstadt sprechen. — Das WsAAsr Tageblatt mit jeinen politischen, wirtschaftlichen ».literarischen Artikeln von Wettruf ist von unerreichter Schnelligkeit und Zuverläjflgkeit jemer Berichterstattung. Neue Romane von Tristan Äernard, Maxim Gorki, Georg Hirschfeld, Zerome K. Ferome, Heinrich Mann, Franz Molnar und Annemarie von Aathusius,- im Welt-Spiegel ein Äoman von Paul Reboux „Der £eud)ifurm" (autorisierte Ueberiragung aus dem Französischen von Hans Jacob). Mit seinen sieben reich illustrierten Gratis-Wochenschristen in Kupfertiefdruck: Der Weli-Spi'egel - Moden-Spiegel mit Kunst- Spiegel - Technische Rundschau - Spori-Spiegel Witz, blatr Alk - Haus Hof Garten und Jede Woche Musik: ist es Das Deutsche Wettblatt Aus Wunsch »uv vvobe eine Woche svatksl Qufe kremier ZWIEIJ ÄCK HtzDWWkkFWMiclPvOirl. WMti Für Kinder, Magenleidende und Genesende! ärztlich empfohlen 1 138jähpiger Erfolg! 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