Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 43 (22.10.1926)
- Date
- 1926-10-22
- Page
- Seite 564 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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564 reich nennt Zu irgendeinem Haß gegen sie war kein Grund, -ihr Leben war meist ethisch so einwandsfrei, wie es eben das Dasein eines anständigen Menschen ist, und sie fielen nicht unangenehm aus. Die jüdischen Methoden, eine Lungenentzündung 31t behandeln, unterschieden sich nicht nennenswert, wenigstens im Prinzip, von den arischen. Die Juden in Deutschland nördlich des Mains und östlich der Rheinlinie, — also im Kokonialland 0 h n e alte Römerkultur! — waren wohl nicht ganz so alt eingesessen, aber immerhin saßen sie auch schon seit langen Jahrhunderten, dort und waren in hohem Maße Träger der Intelligenz. Fast alle alten Schilderungen aus dein Berlin um 1800 hebeil gegenüber anderen deutschen Städten hervor ihre Bildung nnc ihre Kultur, ihre völlige Ununterscheidbarkeit von den Christen, ihre saubere und vornehme Kleidung und besonders ihre guten Uingangssormru. Ihre Salons, ihre klugen Frauen sind der erste Nährboden für die deutsche Literatur, und sogar der Weltruf eines Goethe wurde hier geschaffen. Der Jude der östlichen deutschen Provinzen, des vordem polnischen Posens und des österreichischen Schlesiens, war im allgemeinen rationalistischen sehr tatkräftig, unverbrauchter, weniger ästhetisch orientiert, von nüchternem, vorzüglichem Verstand. Er stellte vor allem neben Kausleuten Juristen (S t a u b) und Aerzte, der schlesische Jude wiederum hat durchaus die Physiognomie seiner Provinz, er ist etwas weicher und künstlerischer veranlagt als der Posener Jude und in guten Typen von hoher Kultur . . " Also, wo wir in Deutschland Hinsehen, waren die Juden alteingesessen und durchaus und seit langen: schon, von Königsberg bis zum Bodensee, anfs engste mit ihrer speziellen Heimat verwurzelt. Typisch ist ja, daß gerade sie oft die besten Kenner und die feinsten Schilderer und Deuter ihrer Heimat sind. Wenigstens ist sowohl Arthur Schnitzler für Wien wie Georg H e r m a n n für Berlin das oft nachgefagt worden. Wenn wir also den" deutschen Juden als Ganzes betrachten, so war er zuerst Deutscher, zu zweit ein Kind seiner engeren Heimat. Er hatte in einigen Zehntausend von Großstadtjuden geistig und seelisch eine stärkere Beweglichkeit als die Menschen seiner Umgebung, ganz gleich, ob er die eine als Kaufmann oder Organisator, die andere als Buchleser, Kunstfreund oder Theaterbesucher äußerte. Politisch war er gut preußisch oder gut bayerisch, aber dabei liberal aus Menschlichkeit, er schwor auf Kultur, wenn er nicht gar aus einem uralten Konservativismus nach rechts neigte. Der Gründer des englischen Imperialismus (Disraeli) wie der der deutschen Konservativen Partei (S t a h l) waren Juden. Nicht allzuviel Juden in Deutschland gehörten der Sozialdemokratie cm, aber stets aus menschlichen Erwägungen, wie der sehr reiche Leo Arons oder Singer, auch der junge Walther R a t h e n a u zeigte als Schriftsteller sozialistische Züge. Echte Revolutionäre fand man mehr unter eingewauderten Ostjuden, die nicht, wie die deutschen Juden, aus bürgerlichem, sondern stets aus proletarischem Milieu kamen. Einige Anarchisten, wie L a n d a u e r, M ü h s a m , galten als entgleiste Muttersöhnchen und verstiegene Schwärmer: sie "trieben nebenbei das Handwerk des Anarchismus rein philosophisch und theoretisch, und es ging ihnen wie Landauer der nicht unberechtigte Ruf besonders seiner ästhetischer imb literarhistorischer Durchibldung voran; stammt doch eines der besten Werke über Shakespeare von ihm. Der Jude war also vor 1914 weder ein Engel noch ein Teufel, er neigte zwar weder zur Trunksucht noch zur übertriebenen Kriminalität, und die Deutschen konnten mit ihm so zufrieden sein wie er es im Durchschnitt mit seinen deutschen Landsleuten war. Jedes Volk hat die Juden, die -es verdient. Und so war auch -der deutsche Jude ein braver Staatsbürger wie andere auch. In manchen guten Exemplaren war er wertvoller als der Durchschnittsdeutsche, in anderen geringer als der Durchschnittsdeutsche; zum mindesten war er „dito passabel". Er tat seine staatsbürgerlichen Pflichten genau so pünktlich und unpünktlich wie die anderen auch... I n d e u t ] dj e K u n st u n d d e u t s ch e K u l t u r war er ohne Zweifel verliebter als die anderen Deutschen und setzte sie durch Anteilnahme reichlicher in Nahrung; oder es war im Verhältnis zum mindesten ein größerer Prozentsatz Juden, der das tat, als ber den Nichtjuden der gleichen sozialen Stufe. All das sind Dinge, deren der deutsche Jude sich, weder zu rühmen hat, noch zu schämen braucht. In den Gerichtsstatistiken kam er besser fort als der Nichtjude, doch vielleicht nur scheinbar, denn man könnte ja immer nur ihn mit" solchen seiner Lebensführung vergleichen und nicht Zahl gegen Zahl stellen. Wenn er scheinbar bei kaufmännischen Delikten vielleicht (?) schlechter abschnitt, so war auf anderer Seite die Statistik hierüber ebensowenig beweiskräftig, weil sie numerisch von Juden aus Christen schloß und nicht jüdische Kaufleute und christliche Kauflente gleicher Leistungsfähigkeit gegenüberstellte. Aber da der jüdische Kaufmann genau denselben Gesetzen unterstand wie seine! übrigen deutschen Mitbürger, und wenn er gegen sie verstieß, ebenso! sich ihnen zu stellen hatte wie diese, so hatten solche Untersuchungen, die der deutsche Jude nicht zu scheuen brauchte, nur ein akademisches j Interesse. (Weitere Aufsätze folgen.) Sie an Husten, Heiserkeit, Verschleimung? 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