Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 42 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- Seite 553 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Carl Sternheims „Lutetia". Von Heinz Stroh. Mit Heines graziös geschriebener und von starker Verantwortung getragener „Luteü-cv" hat dieses Buch nichts zu tun, das persönliche Verärgerungen und Vorwürfe mehr gehässig als sachlich vorzutragen sich als Aufgabe gestellt hat. Wenn Sternheim jedoch, dessen bürgerliche Komödien und gute dichterische Prosa zum Vesten der neueren deutschen Literatur gehören, Ansichten äußert und Thesen aufstellt, die falsch und tendenziös sind, ist es Pflicht, aufs entschiedenste gegen den wenig vornehmen Publizisten Stellung Zu nehmen. Es geht nicht, daß jemand wie Sternheim, der sein Judentum immer ängstlich und sehr bedacht solange verborgen gehalten hatte, bis er einmal, aus sehr persönlichen Gründen, es zu bekennen für nötig, für vorteilhaft hielt, vom hohen Podest seines Judeseins anzugreifen sich für prädestiniert hält. Um päpstlicher als der Papst zu sein, hält S t e r n h e i m „für eine zerstörende Kraft, die erneu geistigen Wiederaufbau verhindert, und für eine zunehmende Verwilderung des geistigen Lebens den fortschreitenden Einslutz des Assimilationsjudentums". Will S t e r n h e i m nicht wissen, das; „der geistige Aufbau" von Juden durch positive Mitarbeit gestützt und gefördert wurde? Ist Herrn Stern heim nichts davon bekannt, daß Albert E i n st e i n, als erster Deutscher n.ach dem Kriege, im Ausland offiziell gefeiert und geehrt wurde, daß dieser Gelehrte von Weltruhm, Jude und Deutscher, ftrr die Entgiftung unter den Völkern durch seine Arbeit beigetragen hat? Allerdings weiß Sternheim von Einstein, der in seiner „Lutetia" mit den Worten „Freud, Adler, Einstein, Coue und Konsorten bleiben mit ihren raffinierten Vergiftungsversuchen ohne Wirkung in der Schweiz" bedacht wird. So (und kein Satz weiter spricht von Werk und Bedeutung dieses Namens) nimmt ein Publizist zu den wichtigen Fragen und Dingen des Heute Stellung. Wie Sternheim, der wohlverstanden kein völkischer Schreier, sondern ungetanster Jude ist, seine Zeit steht und begreift, kann man daraus erkennen, daß er „den bequemen Alltags-Talmudismus" bekämpft, der „Berlin heute das geistige Gesicht einer kleinen jüdischen Stadt des 18. Jahrhunderts gibt". Würde Sternheim in Berlin leben, dann hätte Berlin bestimmt ein geistiges Gesicht und Männer wie Liebermann und L e s s e r U r y , D ö b l t n> und Arnold Zweig, Jeßner und Reinhardt, Kerr und Julius Ellas, Leo Blech und Bruno Walter, O s b o r n und B a b usw. brauchten dort nicht zu schaffen. Rat Henau, der große Deutsche, und Moritz H einig nn, „der Lektor aller Deutschen", konnten, nach Karl Sternhenn, Berlin fein geistiges Gepräge geben. Dieses nicht kluge Buch wird den Gegnern des neuen Staates und des Judentunis" willkommene Propaganda sein, ^o hat bereits die „Neue Preußische (Kreuz-) Zeitung" mit entsprechender Kopfnote wollüstig „Urteile" eines „Dichters der Linken" abgedruckt. Selbstverständlich stehen in „Lutetia" auch ausgesprochen deutliche antisemitische Bemerkungen, von denen nur Sternhcims Zitieren des von ihm mißverstandenen Graetz erwähnt sein soll: . die Sprache der deutschen Inden artete in'ein widriges Lallen und Stamntdn, ihr Denken in eine aller Vernunft und Logik spottende Rechthaberei aus." Wenn dieser Fall Sternheim nicht allen Humors so bar wäre, könnte hier ein befreiendes Gelächter einsetzen; denn scheinen diese Worte nicht die Kritik über Karl Sternheim 31t geben? ,,Rm Dev Gerechtigkeit willen." In der „Täglichen Rundschau" vom 3. Oktober (Nr. 461) bespricht Helene H örschel m a n n den Auswahlband aus Ernst Lissauers Werken, der soeben im Kunstwartverlag erschienen ist. Tabei schreibt sie: „Ich habe es schon früher einmal in den Spalten 'dieses Blattes gesagt, der Jude Ernst Lissauer ist bis ins tiefste deutschliebend, doutschsühlend. Das kann um der Gerechtigkeit Witten nicht ernst genug betont werden. <L>eine künstlerischen Vorzüge aber sind eine schier unglaubliche Vielstitigkeit und eine reine Stilwahrung von Tichtgattnug, Zeittolorit, Landschaft. So still und innerlich ist dieser brausende Strom «>m Dichter geworden in seiner Lyrik, so schlicht in Form und Inhalt, wo es sein muß, und dann wieder so reich, blühend und nach allen Seiten wogend . . ." Tie Verfasserin beleuchtet dann Lissauers „Stift Melk" und sagt: „.Kein anderer Norddeutscher hat je das Land an der Donau so rhhthnnsch-rnustkalisch verstanden." Sie schliefst: „ Es Nnrd Zeit, daß Deutschland diesen | seinen Lichter, weit ure'hr, als bisher geschehen, als solchen anerkennst" Vettaufskarrone zurzeit Detallreisender in ABC-Geschäst, 25 Jahre alt, sucht entsprechenden Posten. 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