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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-15 · 42 (15.10.1926) · p. Seite 552

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
42 (15.10.1926)
Date
1926-10-15
Page
Seite 552 (sequence 8)
Language
German
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553 hange menschlicher Kultur und zwischen Antike, Renaiffanee und moderner Kultur tun sich dem erstaunten Auge kund. * Auch die Frage der Sinaischrift sollte von dem Orien-- talistentage besprochen werden. Der Leser dieser Zeitung weiß, daß dieses eigenartige und noch sehr dunkle Problem durch einen Vortrag Professor Grimmes (Münster) im Hause Dr. Bruno Werls (Berlin) vor den HauPtvorstandsMitgliedern des C. B. die deutsche und ausländische Oefsentlichkert eine Zeitlang lebhaft beschäftigt hat. Inzwischen war es zu heftigen Gegensätzlichkeiten unter den Gelehrten über die Entzifferung der Sinaifch-rift gekommen. Wer eine Klärung dieser Gegensätzlichkeiten und einen Fortschritt in Hamburg erwartete, ist enttäuscht worden. Es kam überhaupt nicht zu einer nennenswerten Aussprache. * Unter den wissenschaftlichen Gaben zur Tagung befindet sich auch die Festnummer der „O r i e n ta I i st i sch e n Li t e r a tu rz e itung". In ihr macht ein Aufsatz von Professor I. Elbogen (Berlin) aus die „H e b r äi s ch e n H a n d s ch r i f te n i n Deuts chland" aufmerksam. In Deutschland seien weit häufiger hebräische Handschristen anzutreffen, als man vermutet. Dringend erhebt der Gelehrte die Forderung nach einem G esam tka ta log der in Deutschland vorhandenen hebräischen Handschriften. Steinschneiders Arbeit auf diesem Gebiete soll nicht verkleinert werden. Seitdem aber haben sich die -Forderungen an die Katalogisierung der Handschriften verändert, neue Handschriften seien hinzugekommen, und für die Forschung sei ein umfassender, aus den besten Stand der Tatsachen gebrachter Handschristenkatalog unbedingte Grundlage aller Arbeit. Die Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek ließ mit ihrer prächtigen Ausstellun g, über die ein drucktechnisch meisterhafter Katalog „Orientalia Hamburgensia" unterrichtete, aller Augen leuchten. Welche Schätze! Katalognummer 61: B a b y l o n i s ch e r Talmud, Sektion Nezikin. Hebräischer Text, geschrieben zu Gerona in Spanien, 1184, auf Pergament. Nr. 77: Fünf B ü ch e r Mofis. Vollendet zu Brüssel und übergeben am 17. Marcheschwan 1310 von Isaak Hassoser dem Rabbi Chajim. Pergament. Gehörte früher der Familie Ullmann in Pfersee bei Augsburg, später in Frankfurt a. M., ferner Moses Mendelssohn. Nr. 83: D i e B üch e r Samuelis und Könige in jüdisch-deutscher poetischer Bearbeitung. Mantua 1562 bis 1564. Was erzählen allein fchon diese Titel von großer Vergangenheit, Liebs zur alten Religion, Heimatverbundenheit! * Mögen die Hamburger Tage befruchtend auf Wissenschaft und Bildung gewirkt haben, und nröge diese Befruchtung sich zum Segen der Bildung, der G eist es wissen sch aft en und des Ansehens des deutschen Vaterlandes auswirken. „Mensch und tlebermenjch." Shaws Komödie im LeMrrg-Theater. „Epater I? bourgeois! So haben Sie es von mir gewollt*, schrieb Shaw 1903 in einem Brief an Walkley über dieses Stück. Es ist seither ein wenig aus den Fugen geraten und man blickt in die Maschinerie. Und da erweist es sich, daß Shaws liebenswerte Bosheit in diesem Vierteljahrhundert sehr liebenswert und leider wenig boshaft .geworden ist. Seine Pfeile ritzen, sie kitzeln — es fließt kein Mut. Was dann noch bleibt, ist eine höchst bourgeoise Handlung, die kaum mehr epatieren kann. Er wollte —- so steht es in jenem Brief — einen Don Juan schreiben, und schrieb doch nur eines Widerspenstigen Zähmung. Auch die beiden auderen „kriegen sich" im letzten Akt, und das Gewölk einer Doppelhochzeit taucht bedrohlich am Horizont auf. Dieses Nebeneinander zahmer Handlung und kühner Rede trägt Shaws Dauererfolg. Er ist ein Salon, anarchist der Moral. Trotzdem: er ist uns lieb, auch wo er ein wenig alt geworden ist. Er mutz gerade uns lieb fein durch die Art seines Witzes. Und er hat schließlich nicht nur „Mensch und lieber men sch" geschrieben, sondern auch die „Heilige Johanna". Mendoza, emeritierter Kellner und Räuberhauptmann in Dienst, Kommandant eines humoristischen Trupps von Anarchisten, Sozialdemokraten und Kirchengängern, sentimental und geschäftstüchtig, sagt mit Worten und zeigt in Gebärden, daß er ein I u. d e sei. Zeigt es in Gebärden da und dort an der Grenze des guten Geschmacks. Wer wir sind nicht engherzig. Was den R eiz einer Shaw scheu Komödie ausmacht!, ist ja eben, daß hundert Pfeile schwirren. Treffen siebenuudneunzig davon deinen Nachbarn, so wäre es mehr als huimorl-os, wolltest du von den dreien viel Aufhebens machen, die dir in der Weste stecken geblieben sind. Und dieser Mendoza ist nicht der Dümmste und nicht der Schlechteste in Shaws Menschenmenagerie. So bleibt nur die freundschaftliche Bitte an Carl E t l i u g e r, den wir feit zehn Jahren als geschmackvollen Menschen und ausgezeichneten Schauspieler kennen, daß er die Art feiner Darstellung ein wenig revidiere — erwägend, daß auch Dümmere im Theater sttzen könnten, als er und wir. Robert Reumann. Heijermaus „Ghetto".. Von verschiedenen Seiten sind uns Beschwerden über Heijermaus Stück „Ghetto" zugegaugen. Man hat mit Recht darauf hingewiefen, wie verzerrt und vollkommen. unwahr dort jüdische Charaktere dargestellt werden. Die „Bossische Zeitung" hat das «stück unwahrscheinlich, geschmacklos nnd primitiv verlogen genannt. Wir haben selbstverständlich ebenfalls die Ausführung besucht. Die Entrüstung ist gerechtfertigt, doch scheint es uns das Richtige, von einem Kampfe gegen -das bedauerliche Stück durchaus adzusehen. Es wird, zumal auch das Spiel stark zuwünschen übrig läßt, bald in die verdiente Versenkung verschwinden: sich damit groß und breit auseina-nderzicfetzen, hieße nichts anderes, als Reklame dafür machen und dadurch die Agonie verlängern. SMLgogeugrmeinäe Hannover. Die Stelle eine» zweiten Ortsraddiners ist sofort zu besetzen. Neben der Tätigkeit eines Religion8lehrrrs und Bibliothekars soll ihm insbesondere die Führung unterer rer seren Jugend anvertraut werden. — Wir suchen euren Führer unserer Jugend, welcher dieselbe in energischer und zielbewußter Weise für das Judenmmbegeistern kann. Bewerber—möglichst nicht über 35 Jahre alt —, die über entsprechendes Wrssenund eine hervorragende Rednergabe verfügen, wollen sich unter Beifügung eines Lrcht« ■% Wildes wenden an den Ersten Borsteher der Syrragogenaemeinde, Kommnzieurat Jos. Berliner. Hannover. Brühlstrabe 7. Gvotz-AkattZMettve bei grossem Einkommen für Gvotz-Leben gesucht. Höchste Provisionen oder höchste monatliche feste Bezüge. 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