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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-15 · 42 (15.10.1926) · p. Seite 548

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
42 (15.10.1926)
Date
1926-10-15
Page
Seite 548 (sequence 4)
Language
German
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der G£ n tmi c! I tt tt g des Judenhasses in Bayern Zu Beginn des Jahrhunderts und in der Gegenwart Ziehen. Schon damals schwebte die Boykotts rage über den jüdischen Kausleuten, schon damals lastete die N e ch L s not auf allen Juden. Man solle nicht sagen, daß die Verhältnisse zufriedenstellend seien, weil in München augenblicklich alles ruhig wäre. Die Ausschreitungen, die sich eben in P l a u e n abspielten, und die unerhörten von den Behörden in keiner Weise verhinderter Hetzereien in Nürnberg Zeigten nur, was an jedem Orte jeden Augenblick vor sich gehen könne. Wir müssen mit einer im U n te r b ew u ß t s e i n vieler Richter und Beamten und anderer Volksgenossen schlummernden A b n e i g u n g gege n das I u d e n 1 u m rechnen. Eine große U m st c II11 n $ in unserer geistigen Arbeit bahne sich an. Eine Art Neuromantik ergreife auch die Wissenschaft, und die rechtlichen und wissenschaftlichen Begriffe, aus denen wir unsere Stellung in unserem Vaterlande begründen, in a ch e n einer gewissen m y st i s ch e n B e t r a ch t n n g s w e i s e Platz. So seien wir gezwungen, immer von neuem den Kamps um unser Sein als deutsche Juden zu führen, wobei wir vor allem in unserer Jugend die Liebe zum Judentum in gleicher Weise wach halten müssen, wie ihr Bewußtsein als Deutsche. Rabbiner Dr. Grameschweigev (Oppeln) stellt den Kampf für das Deutschtum dar, den die oberschlesischen Juden 'unentwegt trotz aller Verhetzung in den Abstimmungstagen geführt hätten, So werde auch inuner der Wille zur Arbeit für das Vaterland unbeeinflußt durch das Treiben unverantwortlicher Kreise bleiben. Dr. Wassermann schloß mit an feuernden Worten die großartige Kundgebung. Der C. V. - G e d a n k e i n Vc ü n ch e n hat a m 11. Oktober neue, hoffentlich l o n ge fort lv i r k e n d e A n r e g u n g erhalten. Bugsburg. Tie Reihe der Kundgebungen in Bayern erösfnete die .Kundgebung der Ortsgruppe Augsburg am 9. Oktober vor einer überaus zahlreichen Zuhorerfchar. Nach kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzendem Sanitätsrat Dr. Fabiern, ergriff Rabbiner Dr. BranusÄMeigcr (Oppeln) das Wort. Mit einer Plastik ohnegleichen zeichnete er die deutsche Not in Oberschlesien, an der die dortigen Inden mit Gut und Blut Anteil nahmen; er schilderte die Bemühungen der einflußreichen jüdischen Kreise um die Erhaltung dieser deutschen Provinz für das deutsche Vaterland und die heimatliche Scholle, in der seit Generationen die Väter und Großväter schliefen, auf der seit Generationen deutsche Juden geboren wurden mit brennender Liebe zum Heimatboden. Er Zeichnete dann sachlich die Entstehung der Schutzorganisationen, die in mißverstehendem Haß gegen eben die Juden vorgingen, die Schulter an Schulter mit ihnen gegen fremde Unterdrückung kämpften. Zum Schluß wies er darauf hin, daß für den deutschen Juden der Kamps für das Deutschturn untrennbar sei mit dem Kampf für sein Judentum, einem Kampf, den der Centralverein als Leitgedanken für seine Mitglieder propagiere. Nach stürmischem Beifall der Versammlung und einem Dank des Vorsitzenden ergriff Staatsrat a. D. Dr. Cohn (Dessau) das Wort. Mit seinem Humor löste er die ernsten Worte von Dr. Braun schweig er ah, einem Humor, der an das Innere seiner Zuhörer ging und sie für so manches Körnchen Wahrheit doppelt empfänglich machte. Er zeigte die Nollvendigkelt der Mitarbeit eines jeden mit allen Mitteln des Geistes imb des Geldes, um den deutschen Juden die ihnen Ankommende Stellung als deutsche Staatsbürger zurückzuerobern. Er ermahnte die Versammlung, sich nicht in dumpfer Resignation von dem deutschen Volksgenossen zurückzuziehen, sondern bereit zu sein, dessen Hand zur Versöhnung und Verständigung zu ergreifen, wann und wo sie geboten würde. Für das Judentum nicht weniger und nicht mehr als für das deutsche Vaterland zu leben, zu kämpfen und zu sterben, das müsse trotz Undank, Anfeindung und Verkennung die Parole sein. Mit den Worten: „Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein", schlossen die Ausführungen, die begeistert unter minutenlangem Beifall ausgenommen wurden. Bayreuth.1 Rabbiner Dr. Jacob sprach in Bayreuth am Sonntagabend in einer öffentlichen Versammlung in der überfüllten Synagoge. Viele mussten stehen. Etwa zwei Drittel der Besucher waren Christen ans allen Schichten der Bevölkerung. In Andacht lauschten alle den Worten des Redners, der „die zehn Gebote" zum Thema seines Vortrags gewählt hatte. Ausgehend von der Kritik, die den Wert der zehn Gebote herabfetzt, und von dem modernen, deutschvölkischen Antisemitismus, der das „Alte Testament" überhaupt als orientalisch ablehnt, zeigte er Wert und Bedeutung dieses „Herzstückes der Bibel". Die zehr; Gebote beginnen mit „Ich bin der Herr, dein Gott" und schließen mit „deinem Nächsten". Gott und Mensch gehören zusammen, die Pflichten gegen den Nächsten, den Menschen, ergeben sich aus dem Verhältnis zu Gott. Die Gebote gegen Gott wie gegen die Menschen, Religion und Moral, sind voneinander nicht zu trennen. Das Neue, das. Grundlegende ist das erste Gebot, in dem auch die Verpflichtung liegt, „ich sei dein Gott". Nur den ersten fünf Geboten, die das Verhalten gegen Gott sowie gegen die Eltern behandeln, ist eine Begründung beigefügt. Die letzten fünf, die der Moral, bedürfen ihrer nicht, denn sie ergeben sich aus dem Gegenseitigkeitsverhältnis. Der Vortrag stellte eine Feierstunde dar, Regensburg; Die Kundgebung am Montag wies außergewöhnlich starken Besuch auf. Die Hörer folgten den Vortrügen mit gespannter Aufmerksamkeit. Rabbiner Dr. Goldmann (Leipzig) legte, sichtlich durchdrungen von der Wahrheit seiner Worte, ein begeistertes Bekenntnis zu Deutschtum und Judentum ab, stellte den Gegensatz zu Nationald-eutschen und Zionisten dar und verlangte von jedem Mitgliede des Centralvereins bewußte Mitarbeit. Aus der Masse der Mitglieder müsse eine von den gesamten Mitgliedern getragene Bewegung werden. Landgerichtsrat Stern (Berlin) zeigte an Beispielen das Fortbestehen des Antisemitismus und gab Aufklärung über die Abwehrtntigkeit. Staatsrat a. D. Dr. Cohn (Dessau) wußte die Zuhörer zu packen. Er verlangte, daß die Aufklärung in die loeitesten Kreise getragen würde und daß die deutschen Inden keinen schritt breit von ihrer errungenen, aus Recht und Sittlichkeit beruhenden Stellung wichen. Die Versammlung, die unter Vorsitz des Rechtsanwalts Dr. Lehmann in glänzender Weise verlief, zollte den Rednern begeisterten Beifall. Bamberg. Tie Kundgebung des Centralvereins am 12. Oktober fand im ü b e r s ü l l t e n S a n l e der R e s s o u r c e einen glänzenden Verlauf. Rechtsanwalt Dr. Oster leitete die Versammlung und wies darauf hin, daß sich trotz einzelner scheinbarer Besserungen die allgemeine Lage n n ch wie vor als gefahrvoll erweise. Staatsrat a. D. Dr. Cohn (Dessau) schilderte in der ihm eigenen lebendigen Weise die gegenwärtige Lage der deutschen Juden und sprach über Abwehrmöglichkeiten. Direktor Dr. Holländer, m i t B e i s a l l begrüß t, gab über die interne C. B.-Arbeit interessante Mitteilungen und packte das Publikum w.it tiefgehenden Ausführungen über die neue soziologische Struktur des Antisemitismus. Stürmischer Beifall dankte den Rednern, deren Anregungen sich bei der Winterarbeit der Ortsgruppe in die Tat umsetzen werden. ]Nürnberg=furtb: „N o x b unb Süd, O st und W e st i m Kampf für Deutschtum und Judentum." C. V.-Mitglieder und Mitglieder der Kultusgemeinde waren so zahlreich zu der Kundgebung vom Dienstag abend erschienen, daß der letzte Winkel des großen Saales besetzt war. Die Versammlung wurde von dem ersten Vorsitzenden der Ortsgruppe Nürnberg, Dr. Walter Berlin, eröffnet, der zunächst unter tiefer Ergriffenheit aller Anwesenden des toten Führers, Geheimrats H e l d, gedachte. Als erster sprach Rabbiner Dr. Goldr'rrann (Leipzig). Er forderte die Teilnahme aller deutschen Juden im Kamps um das Recht, die Arbeit aller Mitglieder des C. V., damit dieser immer mehr aus einem Verein zu einer Bewegung werde. Hauptvorstandsmitglied Sntzrnann (Chemnitz) wies darauf hin, daß wir deutschen Juden in den letzten schweren Jahren niemals den Glauben an das Gute verloren haben. Der Kamps gegen den Antisemitismus sei nicht allein ein Kamps für uns, sondern für die Reinheit des Deutschtums. Der Vorsitzende des Vereins, Justizrat Brodnitz (Berlin), gab mit seinen tiefen Ausführungen dem Abend die Weihe. Wir deutschen Juden seien Träger einer sittlichen Idee. Der Antisemitismus lasse sich daraus erklären, daß man uns nicht kenne; um diese Kenntnis zu verbreiten, müßten wir aber erst selbst eine tiefere Kenntnis unserer deutschen Vergangenheit und der jüdischen Lehre haben. Unser Geheimnis fei die sittliche Idee, ihre Forderung Gleichheit aller vor dem Recht. Wir können sie nicht mit Worten durchsetzen, sondern nur durch die Tat; denn Leben allein gibt Leben. Reicher Beifall dankte allen Rednern und zeigte, daß der C. V.- Gedanke in Nürnberg eine altbewährte Tradition hat. Rlürzburg.- F ü r De u t s ch t n m u n d I u dent it m war die Parole des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, mit welche er^die Würzburger jüdische Gemeinde zum 12. Oktober in den großen Saal des Reichshofes einlud. Schon vor Beginn der Versammlung war der weite Raum überfüllt. Justizrat Dr. Haas erösfnete die Versammlung, indem er die Referenten des Abends aus Ost und West und Nord herzlich willkommen hieß. Rabbiner Dr. VraxtnfHweiger (Oppeln), ein Würzburger Kind, schilderte in bewegten Worten die selbstverständliche Treue, mit der die Juden im Osten, und besonders in Oberschlesien, in der vordersten Reihe bei den Abstimmungskämpsen um das Schicksal der Heimat gestanden hätten. Ruch bei den Wirren des Polenübersalls aus deutsche Erde seien jüdische junge Leute gefallen und hätten, wie ihre 12 009 Kameraden jüdischen Glaubens im Weltkriege, ihr Blut für das Vaterland vergossen, eine Tatsache, die auch von dem damaligen Chef des oberschlesifchen Grenzschutzes, General Höfer, anerkannt worden sei.

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