Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 42 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- Seite 547 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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C.V.43age in Bayern. Hnkunft in München. — Die Verwaltungskommission. — Tagung des Q.V.-Verfasiungsaus-- schusies. — Vie Kundgebungen in München, Augsburg, Bayreutk, Kegensburg, Samberg, j^ürnberg-fürtb, Mürrburg. — dcbcrfulltc Säle. — begeistertes Bekenntnis zw unserem C.V. Sehr. München, 11. Oktober. Bald wird München wieder München sein: die Auge und Herz bezwingende Kunst- und Fremdenstadt. Aus dem Straßenbild ist mit Vorbedacht alles entfernt, was einem Besucher den Appetit auf München verderben könnte. Aber auch nur aus dem Straßenbild .... Als Auftakt zu u n s e r e r B a y e r n t a g u n g im Bürgerbräu eine Strasser-Versammlung. Natürlich nur ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen. Ueber 1000 Personen sind zusammentzeftrömt. Als Ludendorff und Hitler im Bürgerbräu „Rütli schwuren", waren es 5000 Menschen und mehr. Aber Hitler selber hat noch einen großen Kreis treuer Anhänger. Wenn er in Versammlungen erscheint — das Redeverbot Zwingt ihn, seine Ansprache verlesen, zu lassen —, wird er noch heute wie in seinen besten Lagen bei der Ankunft im neuesten Automobil bestaunt und von begeisterten Frauen mit Blumen bewillkommt. Eine st arke Wandlung der Dinge ist trotzdem im politischen Leben Münchens unverkennbar. Hakenkreuz und Schwarz-Rot-Gold wechseln im Bürgerbräu schon fast gleichmäßig ab, und die Ver" sammlungen der Hitler-Gegner weisenzahlenmäßig oft einen größeren Besuch auf als die der Hitler-Leute. Trotzdem es sich dieses Mal nur um eine eintägige Sitzung der Verwaltungskommission handelte, waren deren Mitglieder aus Königsberg, Stettin, Breslau, Hamburg, Hannover, Herford und anderswo ebenso zahlreich vertreten wie die C. V.er aus Berlin und südlich der Neichshauptstadk. Der C. V.-Gedanke bleibt stark und mächtig. * Am Sonntag vormittag wurde die Münchener Sitzung der Berkmltungskommisston von ihrem Vorsitzenden Oskar Hermann (Berlin) eröffnet. Es waren erschienen: 1 Vom Vereinspräsidium: Justizrat Dr. Julius Vrodnitz, Direktor Dr. Ludwig Holländer, Ernst Wallach, Rechtsanwalt Dr. Geiger (Frankfurt a. M.). Für die Landesverbände erschienen: Anhalt: Staatsrat Dr. Cohn (Dessau); Baden: Dr. Paul Homburger (Karlsruhe); Bayern: Karl Adler (München), Frau Else Dormitzer (Nürnberg), Siegmund Mainzer (Nürnberg); Brandenburg: Dr. Salomonski (Berlin); Groß-Berlin: Dr. Bruno Glaserseld (Berlin), Gustav Zarnory (Berlin); Hannover: Rudolf Herzberg (Hannover), Rechtsanwalt Lichtenberg (Hannover); Hessen und Hessen- Nassau: Henry Rothschild (Frankfurt a. M.); Linksrhein: Eugen Jacob: (Köln); Niederschlesien: John Levi (Breslau); Norddeutscher: Paul Mark (Hamburg); O b e r s ch l e s i e n : Rabbiner Dr. Braunschweiger (Oppeln); Ost -- W ests alen: Direktor Baruch (Herford); O st Preußen: Geheimrat Faltenheim (Königsberg); Pommern: Max Eisenstein (Stettin); Rheinland- Westfalen: Rechtsanwalt Dr. Herzfeld (Essen); Provinz Sachsen: Rechtsanwalt Dr. Merzbach (Magdeburg); Thüringen: Bruno Heinemann (Meiningen); Württemberg: Dr. Gustav Feldmann (Stuttgart). Als Gäste waren anwesend: Sanitätsrat Dr. Baron, Eugen Neustaetter, Rechtsanwalt Levinger, Dr. Ludwig Wassermann, sämtlich aus München, Justizrat Dr. Gallinger (Nürnberg), Rechtsanwalt Dr. Lehmann (Regensburg), Sanitätsrat Dr. Fabian (Augsburg). Nach kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Ortsgruppe München, Dr. Ludwig Wassermann, erstattete Oskar Heimann den Bericht über die finanzielle Lage des C.V. Die große geistige Arbeit des C. V. kann nur erfolgreich wie bisher geleistet werden, wenn die Glieder des C. V., oie Landesverbände, mit dem Kops, der Berliner Zentrale, in engster Harmonie Zusammenwirken. In einem großangelegten, durch statistisches Material reich illustrierten Referat gibt Dr. Gustav Feldmann (Stuttgart) ein Bild der finanziellen Leistungen und Notwendigkeiten. Dr. Herzkeld (Essen) redet besonderen Frauen- und Angestelltenbeitrügen das Wort. Wirksam spricht Dr. Martin Marx (Frankfurt a. M.),.der Syndikus unseres Landesverbandes Hessen-Nassau, über Aufbringung der Beiträge und Ablieferungsquote. Der wesentlichste Beschluß ist, daßesbeidernMitgliedsbeitragvon18Markjährlich bleibt. Geringere Beiträge sind für Angestellte, Jugendliche und Frauen in Aussicht genommen. Die Frage: „Wie sollen die nichtzahlenden Mitglieder in bezug auf Belieferung mit der C. B.-Zeitung behandelt werden", beantworte: Dr. Homburger (Karlsruhe) dahin: möglich st e Schonung derer, die nicht zahlen können; Einstellung der Belieferung bei denen, die nicht zahlen wollen. Der Vater der C. V.-Monatsausgabe, die unsere Aufklärung in christlichen Kreisen so umfassend und segensreich gestaltet hat, Justizrat Gallinger (Nürnberg), findet mit einem Antrag allgemeine Zustimmung, der den Landesverbänden und Ortsgruppen Bezugserleichterung gewährt, die in besonders großem Ausmaße die C. V.-Monatsausgabe bestellen. In die Verwaltungskommission werden I. Lewh (Breslau) und Dr. Ludwig Wassermann (München) zugewählt. Den festlichen Abschluß des sonntags bildete eine frohes Mahl, zu dem Herr Dr. Ludwig Wassermann und feine Gattin alle auswärtigen Gäste geladen hatten. Hg. München, 11. Oktober. Die Sitzung des von der Hauptversammlung des Central-Vereins im März d. I. eingesetzten Verfassrmgsausschusses zur Feststellung einer neuen Satzung des Gesamtvereins verlief unter starker Beteiligung der Ausschußmitglieder aus allen Teilen des Reiches m überaus zufriedenstellender, den schwierigen Beratungsstoff durchdringender Weise. Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden des C. V., Herrn Justizrat Vrodnitz, übernahm auf e i n st i m m i g e Wahl Herr Rechtsanwalt S a m o j e (Berlin) den Vorsitz. Ein Referat von Rechtsanwalt Dr. H e r z s e l d (Essen), dem die Korreferenten Direktor Dr. Holländer und Rechtsanwalt Dr. H a a s e (Berlin) in den Hauptpunkten Leistimmen konnten, schuf eine sichere und brauchbare Beratungsunterlage, aus der in sechsstündiger Arbeit die G r u n d z ü g e u n f c r e r neuen Satzung in all ihren Einzelheiten aufgerichtet werden konnten, so daß die Einsetzung eines RedaktLonsausschilsses möglich war. dem die Formulierung des Statuts übertasserr werden konnte. JVfündben. Die Kundgebung des Central-Vereins in Münch en am letzten Montag verlief in eindrucksvoller, die Zuhörer b e g e i st e r n d e r und mitreißender Form. Der festliche C h e r u b i m s a a l in den „Vier Jahreszeiten" ist überfüllt; auf der Bühne vor dem Vorhang sitzen am Rednertisch Rabbiner Dr. Braunschweiger (Oppeln), Direktor Dr. Holländer, Rudolf Her zb er g (Hannover), Justizrat Dr. Stob* nitz, Dr. Baron, der Vorsitzende des bayerischen Landesverbandes, und Dr. Ludwig Wassermann, Führer unserer Ortsgruppe München und Leiter der Veranstaltung. So bot sich schon äußerlich der Anblick eines das ganze Reich umspannend e n , einheitlichen F ü h r e r w i l l e n s dar. Dr. Wassermann wies in seinen Begrüßungs- und Eröfsnungsworten daraus hin, daß sich das deutsche Judentum vor 3 3 Jahren seine w i ch ti gst e In st i i u tio n im Centralverein gegeben habe, und daß der Centralverein noch heute mehr denn je diesen hervorragenden Platz einnehme. Er erinnert an die schweren Münchener Tage, und fordert die Versammlung auf, sich zu Ehren der erschienenen C. V.-Führer zu erheben. Justizrat Dr. Brodnitz erinnert, daß er das letztemal zu Rabbiner Cotzmann Werners Beerdigung in München zur jüdischen Öffentlichkeit gesprochen habe. Der Vorsitzende unseres C. V. stellt sodann dar, wie die Vertiefung und die nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten vorgenommene Durchdringung unserer Arbeitsmethoden parallel mit einer immer stärkeren Verinnerlichung unserer Auffassung vom Wesen des deutschen Juden und seiner Stellung und Ausgabe im deutschen Volke verlausen seien. Ungeheuer vielfältig seien noch heute Arbeit und Ausgaben des C.V., dessen Führer im Bewußtsein, das deutsche Judentum hinter sich zu haben, am Steuer stehen. Rudolf Herzberg (Hannover) lenkt die Erinnerung auf die Vorgänge im September-Oktober 1923 zurück, als die Zuspitzung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse den Ausbruch offener Unruhen und Gewalttätigkeiten gegen die Juden jeden Augenblick erwarten ließen. Damals seien in Hannover die Führer des Centralvereins aus dem ganzen Reiche zusammenberufen worden, und die Maßnahmen, die man dort besprach, hätten sich zum Wohle des ganzen deutschen Judentums ausgewirkt. So stehe im C.V. jeder Teil für das Ganze und das Ganze für jedes Glied. Stürmisch begrüßt nimmt daraus Direktor Dr. Holländer das Wort. Aus seiner fast drei Jahrzehnte überblickenden Erfahrung heraus kann er überraschende und erschütternde Parallelen zwischen