Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 41 (8.10.1926)
- Date
- 1926-10-08
- Page
- Seite 540 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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540 Dr. Paul Nathan •beginnt am Montag, den 11. Oktober, in der Synagoge Fasanenstrasse (8 Uhr) eine Vortragsreihe über Humanitäre Weif Organisationen des Judentums im Rahmen der „Freien «Jüdischen Volkshochschule“, Berlin SW 61, Yorckstr. 88. Karten auch durch Landesverband Gross-Berlin des C. V. (Dönhoff 3593) zu haben. dadurch — ich rede von dem Kleinstadt- und Landjuden — nicht. Selbst nicht einmal Zwischen den ausgesprochenen intellektuellen Juden und zwischen der. germanischen Umgebung. Auch die rituellen süddeutschen Juden waren so völlig eingedeutscht, daß ihnen gar nicht die Frage kam, daß sie keine Deutsche oder andere Deutsche oder etwa keine Kinder ihres Heimatbodens fein könnten. Man kann mit dem deutschen Juden das gleiche Experiment machen, das man (nach L u s ch a n) in Rußland mit dem russischen Juden machte. Man lege dem ärgsten germanischen Rassenfex hundert Photos süddeutscher Juden vor, er möchte die Arier heraussuchen, und das Experiment wird nicht anders aussallen, als es analog in Rußland ausfiel, nämlich: daß der Rassenfex 50 Prozent als arische Typen aussortiert. Und der Jude, dem man sie dann vorlegt, wird vielleicht (wie es in Rußland geschah!) nur 40 Prozent aussortieren. Ein Zeichen, daß der Jude Zwar einen schärferen Blick für die Eigentümlichkeiten des jüdischen Typs hatte, aber daß dieser Typus doch mehr oder minder nur eine Fiktion ist. Im Süden, in Italien oder Spanien, findet selbst der deutsche Jude den Juden oder Jndenabtömmling, den Marannen, überhaupt nicht aus der Bevölkerung heraus. Wir begegnen aber z. B. dafür in Sizilien einer Unzahl von Typen, die wir von deutschen Juden her zu kennen glauben, in ausfallend ähnlichen Doppelgängern. Diese ureingesessenen deutschen Juden sind also fast in nichts und keineswegs, wie man glaubt, im Habitus von den Menschen ihrer Umgebung zu unterscheiden, weder visuell noch in ihrer ganzen Mentalität. Seit Urzeiten sind sie im Lande. Im römischen Köln stellten sie schon Aedileu und hohe patrizische Beamte, und die Regensburger Juden wandten sich an einen deutschen Kaiser anläßlich von Judenverfolgungen, daß jedenfalls sie an der Kreuzigung Christi unbeteiligt seien, da sie mit Papieren Nachweisen könnten, daß sie zu dieser Zeit schon in Regensburg ansässig gewesen sind. In der Main- Tauber-Gegend ist es typisch, daß Judendörfer und kleine Judenstädte — es gibt solche mit weit über 50 Prozent der Einwohner — in der Nähe der alten Limeslinie liegen, und daß dagegen fünf Meilen jenseits davon fast völlig judenfreie Gemeinden sind. Das heißt, wo Römersiedlungen, waren Juden. Vielfach sind sie wohl auch die Nachkommen römischer Legionäre, die jüdische Frauen heirateten und zum Judentum übertraten. Ebenso wie Juden auch als Legionäre Dienste genommen haben, wenn sie nicht sonst als Händler mit Legionen mitgegangen waren. Das Gros dieser süd- und westdeutschen Land- und Kleinstadtjuden ist Händler, Handwerker, auch Bauern dabei, und lebt das bescheidene Leben des kleinen Mittelstandes. Sie stellen und stellten einen ständigen Nachwuchs für die Juden der größeren süd- oder westdeutschen Städte, trotzdem es da schon, wie in Frankfurt, Köln, Worms, große und alte Judengemeinden gibt, deren Mitglieder als Besitzer von Bankhäusern usw. es zu höherer Kultur und zu höherem Wohlstand und oft zu internationalen Beziehungen bringen, nach Paris, London, New Dort gehen, ohne die Heimat ganz auszugeben, und die als Großtaufleute so völlig weltmännisch werden. Es ist z. B. typisch für die Todesanzeigen der Frankfurter Kaufmannswelt, daß sie stets eine bunte Kette von Orten unter sich tragen. Sagen wir, es stirbt eine der Großmütter von 87 Jahren in Heppenheim, so steht ein ganzes Stück Familiengeschichte in Städtenamen darunter: Hockenheim, Auerbach, Bingen, Frankfurt, Paris, London, New Hork und Buenos Aires. Wenn Sie hinter Bingen einen Strich ziehen, hinter London einen zweiten, so haben Sie die drei Generationen des. Handels- und Bankhauses. (Weitere A ufsätze folgen.) Der „Völkerversöhnungsbund" gibt neuerdings ein Heft heraus „Höre, Israel". Der aus Seite 9/10 veröffentlichte Brief versucht den Anschein Zu erwecken, als ob Beziehungen Zwischen dem Centralverein und -dem Bersöhnungsbund beständen. Dies ist in keiner Weise zutreffend. Die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" Nr. 38 enthält einen Leitartikel „Befriedung des deutschen Judentums?" in Form eines offenen Briefes des Chefredakteurs dieses Blattes, Dr. Rudolf Samuel, an Herrn Direktor Dr. Holländer. Wir werden hierauf nach Rückkehr des Herrn Dr. Holländer von seinem Kuraufenthalt zurückkommen. m Wolsenbüttel Staatlich anerkannte Realschule mit Lchülerheirn (gegründet 1786) I Kleine Klassen. — Rituelle Verpflegung. | I Das Winterhalbjahr beginnt am > Dienstaa, Den 12. Oktober 1926* | Bei Nieren-, Biasen- und: Frauenleiden, Harnsäure, Eiwciss, Zucker. 1925: 16000 Besucher. Wlksm Schriften u. Nachweis billigster Bezugsquellen durch die Kurverwaltung Bad Wildungen. mit Bühlau Der Kurort der Erholungsbedürftigen und Naturfreunde. Meilen weite "Waldungen — Herrliche Umgehung Kureinrichtungen. Bewährte 3$ Rheinstr. 19-21 G. I’ätzolfis Tmmsss - Hotel. Bestrenonimieites, allseits empfohlenes Haus mit im.-dernstem Koratcrt bei massigen. 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