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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-08 · 41 (8.10.1926) · p. Seite 534

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
41 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
Seite 534 (sequence 2)
Language
German
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534 hinterlistig überfielen und ihn dermaßen zurichteten, daß er s i ch sofort in ärztliche Be h a n b L u n g b e g e b e n mußte. Mit Hilfe von hinzugeeilten und über den Vorfall empörten Passanten gelang es, den Haupttüter mitten aus der nach erfolgter Tat unter Hurrarufen abziehenden Truppe festzustellen. Das Polizeiamt hat auf die Erklärung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, unter keinen» Umstanden noch länger mitansehen zu wollen, daß ihre Mitglieder an Leben und Gesundheit durch die völkische Hetzpropaganda gefährdet werden, und auf die Ankündigung, sich an die Reichs- und die Staatsregierung Zu wenden, geantwortet, daß es die Verordnung des Ministeriums des Innern über Belästigungen politisch Andersdenkender rücksichtslos anwenden werde, hat aber dieser Mitteilung einen Satz hinzugefügt, der in der Tat das Entfcheidende enthält: nämlich den« Hinweis daraus, daß die hiesigen Gerichte wiederholt antisemitische Ausschreitung e n m ilde beurteilt u n d die v o m Poli ze iamt in Strafbefehlen au s geln o rj eu en Strafen herabgesetzt haben. Ganz besonders h e r v o r z u h e b e n ist endlich, daß sich die geschilderten Vorgänge in einer Stadt abspielrn, die als H a u p t s i tz der deutschen Stickerei- und Spitzeni n d u st r i e in der ganzen Welt Geltung hat und deren Abnehmer zu einem ganz großen Teile jüdische Firmen des Jnnnd Auslandes sind. Die industriellen Beziehungen des Plauener und vogtländischen Wirtschaftsgebietes werden durch die pogromartigen Vorfälle ganz gewiß nicht gefördert. In einer Stadt wie Plauen sollte es gar nicht dem jüdischeil Bevolkerungsteil überlassen bleiben, sich gegen den geschilderten antisemitischen Unfug zu wenden. Es hätten von sich aus und ohne jede Anregung, industrielle Organisationen, insbesondere die Handelskammer, die ihren Sitz in Plauen hat,, in Gemeinschaft mit der Stadtverwaltung sich energisch gegen die antisemitischen Ausschreitungen wehren sollen. KL A. Nun j a, Plauen! mag mancher Leser sagen. Verdienen an und für sich recht bedauerliche Vorkommnisse in irgendeiner Mittelstadt in so ausgedehnter Form wiedergegeben und wichtig genommen zu werden? Die so fragen sind -die Lauen, rasch Zufriedengestellten, für die das Ziel des Abwehrkampfes erreicht ist, wenn sie sich, ohne beschimpft und belästigt zu werden, auf der Straße bewegen können, inr Cafe und an Erholungsstätten ihrem Behagen leben dürfen, nichteine völkische Versammlung die andere jagt, von den Anschlagsäulen der Stadt keine aufreizende und beleidigende Aufrufe und Bilder herabschreien. Das sind die, denen das Gefühl dafür a b g e h t, daß die stille Agitationsarbeit der völkischen Bewegung, die die Mittel des wirtschaftlichen Boykotts und der gesellschaftlichen Isolierung ebenso geschickt verwertet, wie die ungemein starke Einwirkungsmöglichkeit einer planmäßigen und zielbewußten literarischen Propaganda, im gegebenen Augenblick, wenn die politische oder wirtschaftliche Lage stärkere Erregungsmomente in sich trägt, überraschende Explosiv n e n e r geben kann. Wir meinen, der Ausruf müßte lauten: Warum gerade Plauen? Warum nicht auch --F.--Z.- Stadt? Plauen — weil dort mit besonderer Deutlichkeit erkennbar wird, wie die Schärfe der völkischen Agitationsmethode tatsächlich zu bewerten ist. In den Verhandlungen der Abrüstungskonferenz hat ein neuer Begriff eine große Nolle gespielt: potent! atz de guerre, d. h., die militärischen Machtmittel eines Staates, die im Kriegsfälle tatsächlich verwendbar werden. Wir müssen diesen Begriff des potentiel de guerre für unsere Arbeit übernehmen: nicht s 0 stark ist der Gegner, wie er in ruhigen Zeiten in die Erscheinung tritt, sondern mit der Stärke müssen wir rechnen, die er im Ernstfälle in den politischen Kampf zu werfen vermag. Dann werden wir Enttäuschungen und zu späte Selbstvorwürfe uns ersparen. Daß wir Hand in Hand mit unfern treuen Freuden in Plauen gegen den völkischen Terror dort auch weiter energisch ankämpfen werden, ist Pflicht und Selbstverständlichkeit. E.V.-Tage in Bayer«. Willkommen in München! Mit grotzer Frenve haben wir es begrützt, datz die bedeutsamen Sitzungen der Berwaltuugs- und Satzungskommisston in unserem schönen München stattfinden. Ach weis; mich eins mit der erdrückenden Neberzahl der bayerischen Inden, wenn ich unseren bewährten Führern ein herzliches Willkommen znrufe. Wir Sanken ihnen für die Selbstlostgkeit, die fie kein Opfer im Dienste nnserer Sache scheuen lässt, und wollen Vas Nnserige dazu beitragen, vast die geplanten Knndgebnngcn würdig und wirkungsvoll verlausen und den vielversprechenden Auftakt bilden für unsere Winterarbeit. Wir wünschen der Tagung einen vollen Erfolg! Landesverband Vayernim C. V. Sarrrtätsrat De. Büro n, 1. Vorsitzender. Treugrus; utrseren Freunden in Bayern! Mit grotzer Freude treten eine groste Zahl Vorstandsmitglieder ans den» ganzen Deutschen Reiche die Re-.se nach Bayern au, um mit unseren Freunde»» unsere gemeinsa»ne Not in eingchenden Verhandlungen zu erörtern. Für uns deutsche Juden gibt es k e i rr e»» falscher» Par 1 rtularismns. Gewitz fühlen wir deutsche Juden uns nicht »rnr »nit »ruserem ganzen Sein u»»d Wesen mit den» deutscher; Vaterlands verbunden; wir lieber; arrch unserer» engeren heimatlichen Bode»; rrnd sind deshalb neben jüdischen Deutschen auch jüdische Prensten, jüdische Sachsen, jüdische Bayern. Aber wir aste reichen uns Die Hand, um unserem gemeinsamen Deutschen Vaterlande als treue Deutsche und treue Jrrden zu dienen. In diesem Sinne gibt es auch irr» jüdischen Leben nur in sehr beschränktem Umfange territoriale Sondersragen. Die Rot des bayerischen Jrrden ist auch die Rot des sächstscherr und des preußischen Inder;. Wir grüßen nnserebayerischenFreundeund wünsche» den genreinsame« Verhandlungen einen gesegneten Verlauf. Der Vorstand des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. B. Jnstizrat B r o v n i tz , 1. Vorsitzender. Kundgebungen in Bayern. Sonnabend, den 9. Oktober: Augsburg Redner: Rabbiner Dr. 03 t a u n f d) tu c 1 g e x (Oppeln), Vorsitzender des Landesverbandes Oberschlesien. Lraarsrat a. D. Jnstizrat Dr. Lohn (Dessau), Vorsitzender des Landesverbandes Anhalt. Sonntag, den 10. Oktober: Bayreuth Redner: Rabbiner Dr. 3 a c 0 b (Dortmund), Haup(Vorstandsmitglied des C. 0). OKontag, den 11. Oktober: München Redner: Jnstizrat Dr. 03 r 0 d n i tz (Berlin), 1. Vorsitzender des C. 0). Dr. L u d m i g Holländer (Berlin), Direktor des 0. V. Rudolf H e r 3 b e r g (Hannover), Hanpcvorstandsmitglied des C. Q\ Rechtsanwalt Dr. Darn 0 wski (Breslau), Vorsitzender des Landesverbandes Mttel- und Riederschlesien. Regensburg Redner: Ztaatsrat a. D. Jnstizrat Dr. 0 0 h n (Dessau), Vorsitzender des Landesverbandes Inhalt. Rabbiner Dr. ©oldmann (Leipzig), Vorsitzender des Landesverbandes Lachsen. Landgerichtsrat Dr. Stern (Berlin), H au p (Vorstandsmitglied des C 0). (Fortsetzung Seite 537»)

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