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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-01 · 40 (1.10.1926) · p. Seite 525

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
40 (1.10.1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 525 (sequence 5)
Language
German
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SL5 Münchener Tagungen des C. V. Die Verwaltungskommisston des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens tagt am Sonntag, 10. Oktober d. I., in München. Am Montag, 1t. Oktober, findet eine Sitzung des SatznngSausschusses statt. Die Anwesenheit so Zahlreicher Hauptvorstandsmitgtieder gibt uns die Möglichkeit, am 11. und 12. Oktober in München, Augsburg, Nürnberg, Würzburg, Regensburg und anderen Orten grotze Kundgebungen mit dem Thema: „Nord und Süd, Ost und West — im Kampfe für Deutschtum und Judentum" abZuhalten. Näheres in der nächsten Nummer. D e u t s ch l a n d vor e i n e in halben I a h r h u n d e r t oder w re in Frankreich nach dem Pan ama- S kaubal zu -- stande kam, im Gange ist? Das ist kaum anzunehmen, obwohl es schwer ist, sich über die Bedeutung und den Umfang dieser, sogenannten Johannesbnrgischon Geheimorganisation ein richtiges Urteil zn bilden. Es ist nicht zu leugnen, das; viele Leute mit Sorge die überwiegende Einwanderung jüdischer Elemente aus Ländern wie Rußland, Polen, Oesterreich, Rumänien ustv. irr den letzten Jahrzehnten beobachtet haben. Jedoch ist das viel mehr als eine Sache der EinwanderungZbeho.de, als die einer Art Kn-klux-klan zu betrachten. Jedenfalls ist man in Südafrika nicht grundsätzlich gegen eine Einwanderung von Jrrden, aber man farm es keinem Lande übelnehmen, wenn aus dieser Einwanderung nur die besten Kräfte herausgeschält werden. Ebenso wie für Amerika ist es ein Gebot der Stunde, für Südafrika eine jährliche Quote festzusetzen. Die Südafrikaner leugnen es gar nicht, daß der Jude viel zu der industriellen Entwicklung ihres Baterlades beigesteuert hat. Namen wie A l b u, Beit, K r a m b a ch, D u n k e l b e u l e r , Eckstein, Friedlander usw. haben im Laufe der Zeit nicht nur einen guten Klang erhalten, fordern man spricht sogar jetzt von einem Sir Georg. Sir Alfred, Sir Juli u s oder Sir Gottfried, und fast alle find durch ihre eigene Regierung ausgezeichnet und in höhere Stellungen befördert worden. Es wäre unfair, den Inden ihre teilweise Monopolisierung von Industrien in Südafrika zu mißgönnen, dernr sie haben auf den Gebieten z. B. von Mohär, Baum- und Schafwolle, Schuh- und Seifensabrikation, Eisen, Stahl u. a. m. wertvolle Industrien dort ins Leben gerufen, die der ganzen Bevölkerung zugute gekommen sind, und das in Zeiten, wo kein anderer es getan hat oder -tun tonnte. Was man dem Juden vorwirst, ist sein „kosmopolitischer" Charakter. Daraus wird lnchauptet, daß er kein guter südafrikanischer Bürger werden kann. Man kann meines Erachtens erst vernünftig darüber urteilen, wenn spätere Generationen, wie auch die der anderen Völker, die sich dort niedergelassen, Südafrika endgültig zu ihrem Vaterland gemacht haben. Eine Beobachtung, die man angestellt hat und von den Afrikanern, hauptsächlich den afrikanischholländischen Elementen, sehr günstig beurteilt wurde, ist die, daß die bessere Schicht der Juden selten oder nicht mehr nach seinem Hertunstslande zurückkehrt, obwohl es gerade für Südafrika eine allgemeine Erscheinung ist, daß die Leute, die dort einmal vermögend geworden sind, in irgendeiner der großen Avenuen New Ports oder in einer der beperen Vorstädte Londons sich ein großes Haus kaufen und die Geldsummen ihres Vermögens dort lassem ohne weiter an das Wohl oder Wehe des fernen afrikanischen Landes, dein sie ihren Wohlstand doch verdanken, noch zu denken. Wenn man wissen will, wie Südafrika über die Juden urteilt, so möge folgender Bericht eines Afrikaners in „Ons Vaderl a n b" davon zeugen. „Der Jude kommt in neun bis zehn Fällen aus einem Laude, wo er Generationen hindurch einem unterdrückten und mißhandelten Menschenschlag angehört hat. In der Union kann er in wenigen Jahren die Einbürgerung erlangen, und teilt somit alle Rechte und Vorrechte dieses freien Landes. In dem demokratischen' Zusammenleben des südafrikanischen Volkes erreicht er und seine Familie bald einen Status, den er nie und niemals im Lande seiner Herkunft hätte erreichen können. Er kommt durch seine angeborene geschästlliche Tüchtigkeit ziemlich leicht zu Golde, bleibt im Lande, und somit das verdiente Geld auch. Seine Kinder sind dabei Zweifellos ein Gewinn für die weiße Bevölkerung, was in Südafrika angesichts des EingeborenenProblems eine nicht unbeträchtliche Nolle spielt. Mit seinem jüdischen Glauben haben die Südafrikaner nichts auszufechten, denn Rassenfanatismus und Engherzigkeit, die der jüdische Glauben mit sich bringt, legen seine Kinder im Lause der Zeit unter dem Einfluß des südafrikanischen freien Lebens und der breiten Natur von selbst ab." Sir Herbert Samuel über Palästina. Von Dr. Paul Nathan. Herr Landrat Hermann Kranold-Stenchaus (Sprottau) hat auf - meine Ausführungen, die sich gegen ihn richteten, erwidert. Eine unmittelbare Antwort halte ich nicht für angebracht, und zwar um so weniger, da die „Jüdische Zeitung" (Breslau), die er für seine Ausführungen benutzt, gleichzeitig Aeußerungen von Sir Herbert Samuel, -dem langjährigen englischen Gouverneur von Palästina, enthält, die meinem "Standpunkt.'bis'ans eine einzige Einzelheit vollkommen entsprechen. Sir H e r b e r t S a m n e l hat bei seiner Durchreise durch Nürnberg sich in bezug auf einige entscheidende Fragen, die Palästina . betreffen, folgendermaßen geäußert: Das Verhältnis der Araber zu den Juden -ist natürlich von höchster Bedeutung. Jeder Kenner des Landes wußte. daß diese Frage mit großer politischer Klugheit zu behandeln ist, und daß leider eine Anzahl Zionisten diese Klugheit zunächst vollständig haben verimssen lassen. Sir Herbert weist daher was für einen englischen Staatsmann selbstverständlich sein muß — den ursprünglich zionistischen Ausspruch — „Palästina so jüdisch wie England englisch" — durchaus zurück. Es kann sich also nicht um ein „jüdis ch e s" Palästina nach seiner Ansicht handeln, sondern um ein Palästina, in dein Juden und mohammedanische Araber, aber natürlich auch Christen, friedlich nebeneinander wohnen; also kein „Nationalstaat", sondern ein Staat, in dem neben anderen Bevölterungselementen auch Inden wohnen: sie alle unter dem Schlitz des Bereinigten Königreichs: natürlich! Diese Auffassung haben meine Freunde, habe ich stets gehegt in jener Vergangenheit, als der Hilfsverein der deutschen Inden Schulen in Palästina errichtete, und als wir dort das Technikum gründeten, unter Berücksichtignng zugleich der arabischen Interessen'. Von der Möglichkeit eines „Charters", wie ihn die Zionisten erträumten, tilgt Sir Herbert Samuel die letzte Spur; daher ist es denn auch begreiflich, daß die Zionisten oder doch sehr viele Zionisten mit der englischen Verwaltung in Palästina immer unzufriedener werden. Sir Herbert Samuel sieht eine völlige innere Beruhigung des Landes mm voraus, „w enn d i e angestrebte Teil u ach m e d e r A r a b e r a n der B erwatt n n g des Landes erreicht s e i n werdeEin englischer Staatsmann konnte nicht anders sprechen. Freilich, das Ideal des j ü bischen „N atro n a t st a a t e s" ist damit in den Bereich der Träume verwiesen. Ich sage: glücklicherweise, weil nichts unheilvoller als politische Träume sind, die so oft erst durch ' vergossenes Blut in ihrer Unrealisierbarkeit erwiesen werden mußten. Sir Herbert zerstört eine zweite Illusion. Es gibt keine freien, brauchbaren Staatslündereien. auf denen Juden durch die englische Regierung angesiedelt werden könnten. Ich muß gestehen, daß diese Eröffnung auch mich überrascht hat. Ich war der Ansicht, daß solche Ländereien vorhanden: da sie fehlen, ist die Kolonisatiousarbeit auf das äußerste erschwert und wird in steigendem Maße große und immer wachsende Summen erfordern. Je mehr Palästina wirtschaftlich vorauschreitet — und solche Entwicklung ist doch durchaus zu wünschen —, um so schwieriger, weil kostspieliger, wird es werden, Juden in Palästina zu einer selbständigen Bauernwirtschaft zu bringen. Das aufzubringende Kapital wird immer weiter in die Höhe schnellen: eine Aussicht, die für die Zionisten höchst unerfreulich ist, und die jeden in seinen Hoffnungen herabstimmen' muß. der zwar niemals von einem „Charter" geträumt hat, der aber in Palästina ein Land sah. das neben anderen Ländern für die jüdische Auswanderung, in Betracht kommen konnte; bei der Kleinheit Palästinas zwar immer nur in geringerem Umfang, aber doch im Notfall als unterstützende Hilfe für die Linderung der östlichen Judennot. Und schließlich macht Sir Herbert eine Ausführung, deren Stichhaltigkeit mir außerordentlich zwei s e l h a s t erscheint. Er sagt: „Die meifteU Inden würden außerhalb' des Landes wohnen, und es sollte deshalb auch keine Anstrengung unterlassen werden, die materielle Lage der Jude n'a ußerhal b Palü st inas zu verbesser n. Aber den geistigen und sittlichen Mittelpunkt der Judenheit werde Palästina bilden, und deshalb müßten alle Inden aller Länder milhelfen, das jüdische Aufbauwerk in Palästina zum Erfolg zu führen." Ganz einverstanden bin ich natürlich mit der Feststellung, daß and) in Zukunft die meisten Juden außerhalb Palästinas werden leben müssen. Die Kleinheit des Landes, die geringen wirtschaftlichen Möglichkeiten bedingen diese Feststellung, vor der nur grüne Enthusiasten die Augen verschließen tonnen. Aber wenn dem so ist, auch nach der Ansicht von Sir Herbert Samuel, wie sollte dann zu erhoffen fein, daß Palästina je der geistige und sittliche Mittelpunkt der Judenheit wird werden tonnen. Soweit die Weltgeschichte überblickt werden kann, haben Mittelpunkte für h o h e g e i st i g e u n d sittliche Kultur zur Voraussetzung ein nationales Leben, dem st a r k e materielle Grundlagen nicht fehlen dürfen. Auch als «die große Tat der Schöpfung des Alten Testaments in Palästina sich vollzog, waren in jenen Zeiten Voraussetzungen vorhanden, die solchem Werk wohl als Vorbedingung nützlich waren.

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