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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-01 · 40 (1.10.1926) · p. Seite 523

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
40 (1.10.1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 523 (sequence 3)
Language
German
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523 Bedrängnis schlägt Dempseh wild um sich. Tunneh setzt mit einem Schauer von Schlägen aus die Kinnlade Dernpsehs ein. Die vierte Runde gehört wieder Tunneh. Schon fragt ein Leser: Warum steht das in der „C. V. -Zeitung "? Warum? Wir meinen nämlich, in vaterländischer Hinsicht bedeutet es kaum Erziehung am Volke, um die sich die Presse doch schon oft verdient gemacht hat, wenn gerade dieses Tagesereignis so breit und blutrünstig dem Leser vorgesetzt wird. Und was uns nun besonders betrifft: Es wäre nicht gerecht, zu behaupten, die maßgebende deutsche Presse gehe an unserer Bewegung vorüber oder verwerte nicht unser Material. Aber wie wär's? Etwas weniger Knockouts und Kinnhaken und beschädigte Augen und dafür m e h r A r t i k e l ü b e r i n n e r e n F r i e d e n u n d Z u s a m m e nschluß aller Gutwilligen, über den Ausgleich zwischen den Konfessionen, hier und da auch e i n m a l Aufklärung über das Judentum und seine Schriften, nicht zuletzt über den Talmud, den S ch u l ch an A r u ch. Etwas mehr sich der PH i l o -Sch r i s t e n publizistisch annehmen. Bei aller Hochachtung vor dem Körper — der alte Meister in Israel hat doch recht: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern d u r ch d e i n e n G e i st." — RiiirtttnUieröifriic MW Wm. Von Oberstleutnant a. D. Max Brnnzlow. Unter dem Titel „Jüdische Frontsoldaten aus Württemberg und H o h e n z o l l e r n" ist neuerdings eine Schrift von dem Vorsitzenden des württembergischen Landesa u r s ch u s s e s des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. med. Gustav Feldmann, herausgegeben worden. Diese stellt eine wertvolle Ergänzung eigener Art zu der im Jahre 1922 veröffentlichten Statistik „Die deutschen Juden als S o l d a t e n im Kriege 1914—1918" von Dr. Jakob S e g a l l dar. Die Schrift widerlegt zahlenmäßig das antisemitische Märchen, daß die Juden in erheblich geringerem Grade ihre Knochen den feindlichen Geschossen dargeboten haben als Angehörige anderer Konfessionen. Packend sind die kurzen Einführungsworte der Schrift. Sie verraten — mit Recht — einen tiefen Schmerz über die Ungerechtigkeit, die sinnloser Haß deutschen Männern nur deswegen zugesügt hat, weil es Juden sind, um die es sich handelt. Die knappen Erklärungen zu den namentlichen Listen der Kriegsteilnehmer sind besonders deshalb von Wert, weil sie daraus Hinweisen, daß in den Listen nur diejenigen aufgesührt sind, die in der F r o n t gestanden haben. Die gerade hierdurch beredten Zahlen führen einen schlagenden Beweis gegen die Behauptung, alle von jüdischer Seite ausgestellten Nachweise über die militärische Betätigung der Juden im Kriege seien stets deshalb irreführend, weil ein unverhältnismäßig hoher Prozentsatz jüdischer Soldaten sich kn gesicherter Stellung, d. h. in der Heimat, in der Etappe, auf Schreibstuben usw., befunden hätte. Wenn, wie aus Seite 7 der Schrift zusammenstellend angegeben, von nicht einmal 11000 jüdischen Einwohnern 1674 Männer tatsächlich in der Front gestanden haben, wenn von diesen 270 (46 Prozent) gefallen, 563 (fast 32 Prozent) verwundet sind, dann sollten rechtlich denkende Menschen nicht anstehen, wenigstens den im Weltkriege im Felde gestandenen jüdischen Soldaten gerade so wie denen anderer Konfessionen dieselbe Würdigung und Dankbarkeit für ihr Wirken um das Vaterland Zuzuerkennen. Dr. Segalls Statistik aus dem Jahre 1922 hat damals im Lager der Antisemiten viel Unruhe hervorgerusen, zumal da sie der Nachprüfung einer so namhaften Persönlichkeit wie des Direktors des Statistischen Amtes der Stadt Berlin unterlegen hatte. Die Schrift ist für die Ehrenrettung der jüdischen Soldaten m. E. n o ch w e r t v o l l e r , weil sie in der Lage ist, durch Namensnennung jeden Zweifel und somit jeden Angriffspunkt zu beseitigen. Welch enorme Arbeit der Herausgeber durch Beschaffung und Zusammenstellung der Unterlagen geleistet hat, das beweisen die Namenslisten nebst ihren erklärenden Angaben an sich schon. Ihre scheinbar trockenen und doch so vielsagenden Aufzählungen müßten für die Folge jedenAngrisf g e g e n d i e deutschen Juden a l s S o l d a t e n i m W e l t k r i e g e v e r st u m m e n m a ch e n. Es ist nicht meine Aufgabe und noch weniger meine Absicht, den jüdischen Kriegsteilnehmern vor denen anderer Glaubensbekenntnisse besondere Hochachtung entgegenzubringen. Weil aber nur so wenige Offiziere den Mut ausgebracht haben, ihre jüdischen ehemaligen Untergebenen gegen ungerechte Verunglimpfungen in schütz zu nehmen, wollte ich es mir nicht versagen, auf die Bedeutung der vorliegenden Schrift hinzuweisen, eine Bedeutung, die weniger an die Juden, als an ihre Gegner gerichtet ist. Mag jemand noch so antisemitisch eingestellt sein, der Wahrheit muß er d i e E h r e geben! Um dieser Wahrheit willen wünsche ich der Schrift weiteste Verbreitung und glaube der Hoffnung Ausdruck geben zu können, daß ihr Inhalt auch im feindlichen Lager Erkenntnis zeitigen wird. Wir Mitkämpfer im Weltkriege haben, ob Christ oder Jude, alle in vollem Maße unsere Pflicht getan, und niemand kann es uns anrechnen, daß unsere Hingabe nicht den gewünschten Erfolg hat bringen können, Das Geschäft! „Es fehlt der jüdische Kopf." Der Herausgeber des „Friderieus" schreibt >in seinem Blatte allwöchentlich einen sogenannten Leitartikel, den er für ein politisches Feuilleton hält. Eine gewisse Mischung von Zuckerbrot und Peitsche. In der letzten Nummer sind nun unter dem Motto „Selbsthilfe gegen Wucher" Ausführungen erschienen, die aus dem Dunkel dieses Blattes in das helle Licht der großen Oeffentlichkeit herausgehoben werden sollen. Herr F. C. Holtz meint: „Wir sind düstere Antisemiten. Mit was für schönen Reden unb knuffigen Leitartikeln haben wir seit Jahren die Juden ausgerottet. Säe sind allerdings noch immer vorhanden. Aber wir haben doch wenigstens die Bevölkerung aufgeklärt. Mit Rassentheorie und Abstammungslehre und so. Und haben dadurch erreicht, daß sich Leute, die dieses sicherlich schwierige Thema in den verkehrten Hals bekommen haben, damit in der Oeffentlichkeit blamierten und dem gewandteren Juden Gelegenheit gaben, rednerische oder schriftstellerische oder wissenschaftliche Lorbeeren einzuheimsen. Wir haben unseren Antisemitismus sehr laut betrieben. Fast zu laut. So daß Leute von gutem Geschmack leise weinend aus der Arena hinausgegangen sind, zumal der Champion der Bewegung A und der Champion der Bewegung B sich gerade mit 8-Unzen-Boxh andschuhen darüber .aussprachen, wer wirklich 100 Prozent völkisch ist und wer bloß 99Z4 Prozent. Zurzeit sind wir dabei beschäftigt, die für die Sicherheit der deutschen Eisenbahnen, die Zukunft des deutschen Volkes und die Hebung der Volkswohlfahrt gleicherweise wichtige Feststellung zu treffen, ob der Eisenbahnverbrecher Schlesinger Jude ist oder nicht." Man staunt: Woher so plötzlich diese Selbstkritik — und bedauert, daß Holtz mit dichterischer Freiheit und nicht den Tatsachen entsprechend seine Philippika hält. Denn noch ist unvergessen, wie blutige Ausschreitungen gegen jüdische Bürger vorkamen, ihr Leben und Eigentum gefährdet wurde, Gräber undTemPel geschändet und besudelt wurden - — alles auf Grund der „harmlose n" Agitation der Herren Antisemiten. Aber dann liest man weiter: „Jawohl, wir sind zielbewußte Antisemiten, und wenn wir nun bloß einen Juden hätten, der die Bewegung richtig aufzieht, dann würden wir vielleicht Erfolge haben. Denn dieser Jude — glaubt es mir — würde den Stier, an dessen Schwanz wir bisher mit heißem Bewühen zupften, an den Hörnern anpacken und vom Geschäft reden. Denn das ist die Stelle, wo der Antisemitismus äußerst sterblich ist. Das Geschäft. Man kann sich doch nicht wirtschaftlich selbst das Grab schaufeln, man kann doch den jüdischen Geschäftsfreund nicht ausschalten, man muß doch leben. Deshalb handelt man mit dem Juden, deshalb geht man ins Warenhaus, deshalb verkehrt man — auch der Fridericus-Verlag macht's nicht besser — mit jüdischen oder von Juden kontrollierten Großbanken. Herrschaften, nehmt es mir bitte nicht übel, wenn auch ich einmal sehr laut und sehr deutlich werde: euer Antisemitismus ist so lange für die Katz, solange er sich nicht mit seinem Hauptgewicht gegen die jüdische Diktatur und Vorherrschaft auf wirtschaftlichem Gebiet wendet." Und nun folgt eine Kampfansage bis aufs Messer mit Boykottaufforderungew gegen jüdische Geschäfte. Man ändert also nur die Melodie, der Text bleibt derselbe! Weil die Bevölkerung der ewigen Hetzereien müde geworden ist, und die Möglichkeit, sie zu Gewalttätigkeiten zu bringen, gering scheint, beschreitet man den bequemeren Weg des trockenen Pogroms. Denn Holtz gibt genaue Anweisungen, wie es zu machen sei. Man darf trotz allem Zunächst wohl beruhigt sein, auch aus diesem Holtz schnitzt man keine Führer! Einen wohlverdienten Reinfall erlebten die Deutschnationalen im sächsischen Landtage. Mit allen parlamentarischen Finessen hatte man eine Ansrage an die Regierung angekündigt, die f u r ch t b a r e V e rsehlungen Zweier tschechischer Juden an der Leipziger Universitäts-Augenklinik ausdecken sollte. Der Ausgang der Interpellation verlies aber nicht ganz den Erwartungen der Herren Abgeordneten entsprechend. Die beiden Professoren, um die es sich handelt, sind nämlich Deut s ch - B ö h men, die an deutschen Universitäten ihre Ausbildung genossen und in dem österreichischen Heere als Offiziere gedient hatten. Der der Volkspartei angehörende sächsische Volksbildungsminisier betonte unter Beifall, daß wir als Reichsdeutsche ja gerade die Pf licht hätten, die kulturelle Verbindung mit allen Ausländsdeutschen und insbesondere mit den Sudetendeutschen aufrecht zu erhalten. Nebenbei gesagt: Juden waren die veiden auch nicht.

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