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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-01 · 40 (1.10.1926) · p. Seite 522

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
40 (1.10.1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 522 (sequence 2)
Language
German
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522 die Juden bei jeder gebvtnren oder herboigeführten Gelegenheit, das Anrempeln jübischer 3chüler auf dem Schulhofe und der 3 t r a ß e, A n s s p u ck e n vor jüdischen Klassenkameraden, wenn man ihnen begegnet, ttnö ähnliche „Achtungsbezeilgungen" sind hier durchaus an der Tagesordnung. Erst kürzlich wieder wurden in einer dieser hinterpoinmerschen Domänen „arischer Kultur" jüdische Schüler bei der Rückkehr von einer Schülerw a n d e r u n g von ihren Klassen- und Wunderk a m e r a d e n mit Kot b e w o r s e n. Daß auch „echte deutsche Wandergesänge" in Ponimern nicht unbekannt sind, wie etwa „Warte, warte nur ein Weilchen! Hitler stürzt die Republik, Die Inden müssen raus aus Deutschland! Wilhelm kehrt ans Doorn zurück", dieses kurz, aber kräftige Programm der völkischen Volksretter lvird unseren jüdischen Schülern tagtäglich zahlreiche Male belviesen. Das Ankleben antisemitischer Zettel aus den Rücken jüdischer Schüler, das Beschmieren der Toiletten mit antisemitischen Sprüchen und Hakenkreuzen wird man gegenüber solchen „Heldentaten" fast als harmlose Dummcjuugcnstreiche hinstellen können. Alle diese Vorfälle brauchte mau gar nicht so furchtbar tragisch zu nehmen, wenn sie nicht in ihrer ständige» Wiederholung den jüdischen Schülern ihr junges Leben verbittern würden, so daß begabte junge Menschen vorzeitig die Schule verlassen, nur um dieser Plänkeleien ledig zu sein, und anständige nichtjübische Mitschüler d a d n r ch derartig verängstigt werden, daß sie es schließlich aufgeben, auch weiterhin mit jüdischen Klasse ngenofsen zusammenzukommen, weil sie sonst selbst als „Judengenossen" den größten Unverschämtheiten preisgegeb,en sind. „Ja, aber billigen denn die Lehrer solche Zustände?" höre ich fragen. Gebilligt werden sie von ihnen offiziell freilich nie, übersehen aber schon öfter. Gewiß ist Verallg euie i ner u n g auch hier nicht am Platze und doppelte Anerkennung gebührt solchen Lehrern, die selb st in dieser Umgebung ohne Vorurteil und Ungerechtigkeit ihr schweres Amt a u s ü b e n. Es gibt aber auch andere, und unsere in letzter Zeit sowieso stark erschütterte Hochachtung vor der Autorität des Verantwortliche!: Beamten muß eine weitere nicht zu leugnende Belastung erfahren, wenn wir das Treiben gewisser hinterpvmmerscher Gymnasiallehrer beobachten, die mit ihren Schülern in „völkisch-vaterländischen" Vereinen zusainmenkommen. Es braucht ja nicht gerade immer so zu sein, daß, wie in einem berüchtigten ostdeutschen Beispiel, der Jngendsührer in Gegenwart der Schüler demonstrativ vor dem jüdischen Friedhofe ausspuckt. Was aber soll man dazu sagem wenn im Geschichtsunterricht als „w i ssenschastliche Tatsache" mit unverkennbarer Spitze zur Gegen wart die Semite nein fülle i n H e l l a s u n d d e r Z ir st r o m d e r I u d e n n a ch R o m als Ursache deS Zusammenbruchs dieser Weltreiche dargestellt werden, Schlageter, der völkische Held, als der Schill unserer Zeit bezeichnet und der „Dolchstoß von hinten" — alich ohne Nennung der Juden deutlich genilg — zur Ursache alles Elends der Gegenwart gestempelt wird. Dabei verfährt man taktisch recht geschickt: abgesehen von solchen „kleinen Mißgriffen", wie sie soeben geschildert wurden, benutzt man besonders den Religion sunterricht in einer Weise, die selbst in einsichtigen christlichen Kreisen als widerlich bezeichnet wird, zur Jndenhetze, während der Geschichtsunterricht, nicht ohne daß sich der Unterrichtende zuvor (oh, wie taktvoll!) erkundigt hat, ob etwa katholische Schüler in der Klasse sind, besonders bei der Belehrung über die Entstehung der Reformation und die Reforinationskämpfe willkvnunene Gelegenheit zu wüster Katholikenhetze, zu Betrachtungen über Ultramontanismus und die Gefahren des Jesuitismus gibt. Wir sind die letzten, die einem Lehrer das Recht zur Verbreitung wissenschasckicher Erkenntnis bestreiten. Meist haben aber diese Betrachtungen mit Wissenschaft gar nichts zu tun, und schließlich ist es eben auch hier der Ton, der die Musik macht — und der selbst von jungen „Gesinnungsgenossen" recht gut verstanden wird. Wie sollen sich demgegenüber j ü d i s ch e Schüler und ihre Eltern verhalten? Daß ihr eigenes Benehmen in keiner Weise berechtigten Anstoß erregen darf, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Dazu gehört alich, daß sie sich nicht mit faulen Ausreden oder auf Grund noch faulerer Atteste vor irgendwelchen Fächern „drückeil". Noch immer kommt es vor, daß jüdische Schüler sich mit Duldung ihrer Eltern ohne allsreichenden Gruild vom Turnunterricht befreien lassen. Das ist überaus bedauerlich und muß anders werden: imponiert doch bei der heutigen Bedeutung des Sports nichts so wie gute Leistung im Turnen, und schließlich erweisen solche Schüler mit derartigen Befreiungen sich selbst ja meist den schlechtesten Dienst. Wird man angepöbelt, dann setze man sich zur Wehr, ohne Unflätigkeit, aber auch ohne Furcht. Selbst wenn man bei solchen „Abwehrmaßnahlneii" einmal unterlegen ist, wird inan sich dadurch doch bald so viel Respekt oder aber doch so viel aufrichtige Freunde verschafft haben, daß man ungeschoren gelassen wird. Beschwerden über Mitschüler vermeide inan, wenn irgend möglich. Ist der Weg der Beschwerde aber einmal beschritten worden, dann lasse man sich auch nicht mit Redensarten abspeisen. Bor allem a b e r v e m ü h e sich d e r j ü d i s ch e S ch ü l e r, ohne Klaisengenossen gegen Klassengenossen zu Hetzen, sich durch seine vorbildliche (keineswegs e tw a duckmäuserische!) Haltungund sein o s s en e s, g erad e s W e s en wa h r e Fr e u nd e u n ter s e i n e n Mi t s ch ü l e r n z u erwerben; sind doch solche Schulsreundschasten schon mehr als einmal gerade für den nichtjüdischen Mitschüler ausgezeichnete Lehren nicht nur für die Schule, sondern flir das ganze Leben gewesen. Uebergrifsen von Lehrern aber sollten jüdische Eltern grundsätzlich in entschiedenster Weise begegnen, wenn auch zwischen Vergehen und Uebcrempsindlichkeit hier eine scharfe Grenze gezogen werden muß. Wir verallgeuieinern nicht. Wir wissen, daß die hier geschilderten bedauerlichen Vorfälle nur Einzelerscheinungen darstellen, die dem guten Ruse des deutschen Lehrers zwar Abbruch tun, ihn aber nicht vernichten können. Wir verzweifeln auch nicht an Hinterpominern, trotz- und alledem. Wir wissen, daß auch in Hintevpommern tüchtige und v o r u r t e i l s t o s e M e ii s ch e n zu finden sind. Gerade weil wir aber nicht verallgemeinern, halten wir es für unsere Pflicht, gegen offenbare Mißstände unsere Stimme zu erheben. Cs geht ja doch um unsere Jugend! Der wettboxmeister. Wirklich das erschütterndste Ereignis? Nein, wahrlich kein böses Wort gegen einen vernünftigen Sport! Das Auge jedes guten Deutschen leuchtet auf, wenn frohe Jugend den Fußball durch die Lüfte schlägt, sich im Wettlaufe mißt, das Wasser durch kräftige Nuderschläge teilt, den Boxhandschuh führt. Wir jüdischen Deutsche n sind stolz, daß unsere jüdische Jugend dabei nicht nachsteht und sich schon in vorzüglichen Leistungen, die in diesen Blättern oftmals angeführt wurden, bewährt hat. Und mm hat der T lt n u c y den- D e m p s e y blutig k. o. geschlagen. Eine Tatsache, der der Boxfreund seine hohe Aufmerksamkeit zuwenden wird und die der „unzeitgemäße^ Mitmensch mit einem ausführlichen Fuukspruch aus Amerika abgetan wähnte. Großer, größter Irrtum! Es geschah etwas, was in der deutschen Presse bisher nicht zu ver zeichnen war. Eine Reihe großer und angesehener Tageszeitungen berichteten über den Wettkampf seitenlang und tagelang. Leitartikel (im politischen Teil!) wurden darüber geschrieben. Der heftige Kampf in den kleinsten Einzelheiten dargestellt. Ein geachtetes rechtsst e h e n d e s Leipziger B I a 11 widmet dem Weltmeisterschastskampf eine volle Seite. In einer ganzen Spalte wird jede der zehn Kampfrunden noch einmal dem Leser lebendig gemacht. Jeder Schlag wird mit unheimlicher anatomischer Gründlichkeit beschrieben, jeder Schritt der Gegner photographisch getreu vorgeführt. Ein Beispiel genüge: 4. Runde. Wieder stürmt Tempseh mit furchtbarer Geschwindigkeit aus seiner Ecke bcrvor und w i r f t T u n neybei m Anprall beinahe a u § b e ni Nina, trifftdann Tunnel) mit harten Körperschlägen. Tunnel) sieht etwas überrascht drein, erholt sich aber rasch und landet eine Serie von Rechten und Linken auf Dempsehs Kinnlade. Tempseh schlägt vorbei. Die Menge lacht darüber laut ans. Tiefen Augenblick benutzt Tunnel), um einen schweren Linken g e g en Dempsehs Kops Zu landen. Dempseh blutet stark unter den furchtbaren Schlägen Tunnehs. In seiner

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