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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-01 · 40 (1.10.1926) · p. Seite 521

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
40 (1.10.1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 521 (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 1. Oktober H0L0 V. Jahrgang ♦ Nr. 40 «kinzelnummei! IS Golöpfennig löntral MÖvOw «_ Blülter Wrt>eii1scdtm»WM0rVm -es fmtroIVerms -eutscder un-luventum, Staatsdüryer jü-ifcden MauvenSLU Allgemeine Z-eirun^ des Cudeniums MorraLsabonnement 40 Goldpfennig zuzüglich Bestellgeld Berlag u. SchriftleiLung: Berlin 8XV 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Linoenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM. für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 &S., die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 Nus pommersihen Schulen / v°» z,»n! z,°l Iuöenfeinöschaft -er Schulkameraöen Isolierung -es einzelnen jü-ischen Schülers Die Lehrer / Mißbrauch -es Geschichtsunö Religionsunterrichts zu juöenfeinölichen Zwecken / wie sollen sich unsere Schüler verhalten! Die alte, uns in der Schule immer wieder vorgehaltene Weisheit: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir" erhält eine recht eigentümliche Beleuchtung, wenn man die Zustände an gewissen höheren Schulen Hinterpommerns betrachtet. Diese preußische Provinz hat ja schon immer in dem Rufe gestanden, nicht gerade besonders ..liberal" zu sein. Was hier aber gegenwärtig an Verhetzung der Jugend gegen die jüdische und — auch das bleibe nicht unerwähnt — katholische Bevölkerung geleistet wird, stimmt zur Nachdenklichkeit, und die Oeffentlichkeit muß dringend einmal darauf hingewiesen werden. Es ist ja ohnehin nicht ganz einfach, in Schulverhältnisse hineinzu-- leuchten., weil fast regelmäßig aus nur allzu berechtigter Furcht vor Schikane gegenüber solchen Schülern, die sich nicht alles gefallen lassen, die Laterne vorzeitigausgeblasen oder doch daran verhindert wird, ihr Licht zst verbreiten. Und doch, was hier in der Schule jungen. Menschen inrmer wieder und wieder in rasfiniertester Weise eingeimpft wird, sitzt bei vielen von ihnen fürs ganze Leben, ist Hunderten und Tausenden Grundlage des Wissens, die wohl einseitig ergänzt, viel zu selten aber kritisch nachgeprüst wird. Nicht nur für die Schule, sondern für das ganze Leben wird hier Judenhetze gelehrt und gelernt. Das sollte -nicht übersehen werden! Die schlimmsten Blüten treibt der Baum des Judenhasses in denjenigen Gegenden, in denen jüdische Schüler zu den Seltenheiten zählen, wo man jahrelang überhaupt keine Juden in der Schule kannte, vielleicht in seinem jungen Leben Juden überhaupt noch nicht zu Gesicht bekam (so etwas gibt es immer noch, lieber Leser!), oder aber nur einzelne jüdische Mitschüler zu verzeichnen hat. Diese bilden dann in ihrer Vereinsamung nicht nur ein beliebtes Ziel des Spottes, sondern oft genug auch das willkommene Opfer der Macht- Ste einer brutalen Jugend, die zudem ja angesichts ihrer :n. zahlenmäßigen lleberlegenheit und der unverhohlenen Shmpathie vieler ihrer Lehrer durchaus nichts dabei riskiert. Doch nicht nur Feigheit, die sich ja gerade darin zeigt, daß man Schwächere „Piesackt", sondern auch ein gerüttelt Maß Dummheit zeichnet diese Jünglinge aus. Dabei sind zwei Kategorien von Judengegnern zu unterscheiden: Die einen beweisen ihre Unjugendlichkeit dadurch, daß sie ihre Gesinnung unter dem Deckmantel kameradschaftlichen Verhaltens verbergen. Das hindert natürlich auch sie nicht daran, ihre Kameraden aus der Straße nicht zu erkennen und ohne Gruß an ihnen vorbeizulaufen. Sie werden sich niemals so pöbelhaft gegen ihre jüdischen Mitschüler benehmen, daß man ihnen nachweisbar schlechtes Betragen in ihr Führungszeugnis schreiben könnte. „Ich sehe dich nicht, ich höre dich nicht, das ist alles, was ich kann", lautet ihre Devise. Daraus ergibt sich dann auch von selbst die Vermeidung jedes Privaten Zusammenseins mit jüdischen Mitschülern, die grundsätzliche Verweigerung der Aufnahme von Juden in die ..der Pflege wahrer Kameradschaft" dienenden Schülervereine, vornehmlich aber Rudervereine, die zudem ja satzungsmäßig meist keine Erklärung für die Ablehnung von Aufnahmeanträgen zu geben brauchen/ Mir ist ein Fall bekannt, in dem ein sympathischer, allgemein beliebter jüdischer Primaner mit Klassenkollegen die gemeinsame Fahrt zur Gymnasialstadt nicht im -gleichen Eisenbahnabteil zurücklegen kann, weil niemand mit ihm auch nur ein Wort spricht, und er allgemein „geschnitten" wird. Dabei führt ihre Altklugheit diese Jünger teutonischer Wissenschaft dauernd an der Nase herum. Als der gleiche jüdische -Schüler den Schulort wechseln mußte, versuchte man sehr bald mit diesem „unverkennbar arischen Mitschüler", dem zudem der Ruf voranging, daß er stets ein guter Schüler war. innige Freundschaft zu schließen. Wie erstaunt waren aber die kaum gewonnenen „Freunde", wie sehr wich plötzlich ihre freundschaftliche Zuvorkommenheit eisiger Zurückhaltung, als sich bei der Aufnahme des Nationals h era us stellt e, daß einsemitischer Eindringling die „R a s s e r e i n h e i t" der Klasse beschmutzte! Wie ost scheitert gerade bei in Pommern geborenen Juden alle Weisheit fanatischer Rassenapostel, wenn die Papiere sestgestellt werden! Aber was schadet das der „Pommerntreu". die unverbrüchlich an der einmal gewonnenen Weisheit festhält, auch wenn sie hier oder da nicht gerade allzu tiefgründig -erscheint. Die -anderen treiben es noch viel toller. Ihr ganzes Tun ist auf Radau gestimmt; sie sind gelehrige Schüler „großer" Vorbilder. Der Gesang von antisemitischen Liedern auch innerhalb der Schule, wenn nur gerade keine Gefahr droht, Hetzreden auf Aus dem Subaltr Der ums elsas&s in Ungarn. Von *.* Sir Herbert Samuel über Von Dr. Paul Nathan. Vom deutschen Inden und seinen Gegnern. Von Georg Hermann.

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