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Central-Verein-Zeitung · 1926-09-17 · 38 (17.9.1926) · p. Seite 504

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
38 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
Seite 504 (sequence 8)
Language
German
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504 Wer hat nun recht? Es sicht außer Zweifel, daß der Regisseur keines- -falls ein Antisemit ist, im Gegenteil, er ist in seinem Zivilleben klug und unvoreingenommen genug, die Judenfrage frei und unbeirrt zu beurteilen/ist mit jüdischen Kollegen befreundet, kennt also den Inden auch als Menschen, ist aber auch — im allgemeinen! — Künst-- ler genug, um den Ideen des Dichters 31t folgen. Auf der anderen Seite aber ist es für den Leser des „Henschel"-'Dramas ebenso eindeutig wie klar, daß Hauptmann durch die Person des Fabig ( nicht nur eine milieuerweiternde Schilderung geben will oder gar eine Possenwirkung beabsichtigt, sondern ihn die Handlung des Stückes m positivem und mitentscheidendem Sinne weiterführen läßt. Wie kommt es nun, daß die Rolle des Juden trotzdem so dargestellt wird — und daß es nicht nur zufällig in jener süddeutschen Stadt, sondern fast allgemein so ist —, daß er weniger nach der unwertigen oder gar tragischen Seite, sondern einfach mit der Nuance des Komischen, ja des Burlesken gespielt wird? Wie kommt es, daß der nichtj ü d i f ch e Schauspieler in den feite n st e n Füllen de n zu v e r kö rp er n d e n Juden a l s einen n a tü r li ch en M e n s ch e n w i e sich selb st a n z u s e h e n v e r m a g , d e r i m Sinne der D h n a m i k und me n s ch l i ch e n S u b st a n z des Dramas n o t w e n d i g e r w e i f e die und die fee l i s ch e n Eigenschaften ob guter oder schlechter Art ha b e n muß? Die Erklärung ist einfach darin zu suchen, daß die Durst e l l u n g des Juden in der Weise hergebracht u n d traditionell ist. Diese Schematisierung erbt sich gleich Gesetz und Recht im „Faust" als eine ewige Krankheit fort, diese Art Tradition ist wirklich nur das, als was sie Gustav M a h l e r bezeichnete: Schlamperei. Man möchte fast sagen, das Theater hat die Entdeckung L e s s i n g s , daß N atha n in e r st e r Linie ein Herz besitzt und dann erst ein weitsichtiger, kluger und reicher Kaufmann ist, daß Moses Mendelsohn trotz seines Strubbelbartes und trotz seines verwachsenen Aeußeren eine weite M e n s ch l i ch - k e i t befaß, im allgemeinen noch nicht gemacht, unabhängig davon, daß ein Nathan der Weise stets vermenschlicht dargestellt worden ist, daß ein T e v r i e n t und ein B a s s e r m a n n Shylock als tragischen Heros ohne jedes skurile Sich-über-ihn-Lustigmachcnwe, Feilschende, Fletschende gestalteten. Wie kommt das? Es ist ohne Zweifel so, daß die frühere Literatur, wenn sie einen Inden auf die Bühne stellte, ihn vornehmlich in seiner händlerisch e n Art schildert, z. B. den S h y l 0 ck — hier kommt allerdings hinzu, daß das Ingenium Shakespeares ihn zu einem solch flammenden und hassenden Ankläger in acht, daß er für einen Augenblick das ganze Fundament des sozialen und menschlichen Lebens derer, die um den Kaufmann und Bassanio stehen, zu erschüttern drvht —, man denke an Marlowes „Juden von Malta", den Juden in B ü ch n e r s „Wozzek" usw. Die moderne Literatur dagegen von Haupt m a n n über S h a w, .Schnitzler bis zum jüngsten Werk von John G a l s w 0 r k h h, „Gesellschaft", zeichnet den Juden freier und versucht seiner menschl i ch e u Seite gerecht zu werden, immer jedoch blickt das Ressentiment des Z u r ü ck g e s e tz k e n und Entrechtete n au§ ihm, trotz seiner Emanzipation auf wirtschaftlichem, wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiete. Ein Uebergang gleichsam in der Schilderung des Juden stellt Hauptmanns Jude in „Florian Geyer" dar, er kommt als altes Männchen, hergebrachterweise mit Ringellöckchen, Kaftan und Hausierertragkiste, aber schlicht, edel und demütig, um sich für die Freiheit, die das Regiment Florian Gehers bringt, zu bedanken. Die Charakterisierung Dr. S ch u k nt achers in 'S h a w s „Arzt an: Scheidewege" und die Unterhaltung über das Judentum in seiner „Heiligen Johanna" geschieht mit echt Shawscher Klugheit und dem seinen Lächeln. Auf diese Weise will der Dichter mit menschlicher Wärme für sie werben, aber es fließt alles — wie ober: bereits gezeigt — aus einem gekränkten Ressentiment. Zusammenfassend kann folgendes gesagt werden: Die Darstellung des Juden am Theater ist ebenso traditionell wie einseitig. Der Jude muß auch im mode r n st e n Stück, in unserem bartlosen Zeitalter, den ihn vermeintlich charakterisierenden schwarzen Bart sich ankteben, eine schwarzgelockte Perücke tragen und 'sich tiefe und schwarze Falten anmalen. Die Verkörperung des Juden in dieser Art geht jedoch w eit iger darauf aus, den Juden z u t r ä n k e n und ihn in seinem Werte herabzusetzen, sie zielt mehr oder weniger auf die k 0 mi s ch e Wir k u n g b e i m Zuschauer ab. Das Theater ist meist froh, mit der groben Skizzierung dessen, was man billig als „Jüdeln" und „Jüdisch" in Geste und Sprache meint, jeder weiteren Heransarbeitung einer Rolle auf Typisierung behoben zu sein. Ja, das Theater geht soweit, Figuren, die gar nicht als Inden gedacht sind, in ihrer Darstellung als solche zu zeichnen. So zum Beispiel ist der Schmok in Drehtags „Journalisten" durchaus nicht im Sinne des Dichters ein Jude, es hat sich jedoch so eingebürgert, daß es kaum eine Bühne gibt, die ihn nicht „jüdisch" durftest t. Die ersten Ansätze, aus der Typisierung zum Menschlichen 311 gelangen, sind aber jetzt bemerkbar. Den Direktoren ist Mut zur Ehrlichkeit zu wünschen, damit es nicht nur bei den Anfängen bleibt. Ittm unö Rundfunk. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat nach einem Entwurf von Paul Frank von der Gervig - Gesellschaft einen Film „Ein Freitagabend" Herstellen lassen, der in geschickter Verknüpfung mit einem Freitagabenderlebnis die wichtigsten der Zentralwohlfahrtsstelle angeschlossenen jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen zeigt. Frau Gertrud David hat mit vielem Geschick die Regie geführt, und aus dem Film selbst treten uns viele aus der Wohlfahrtspflege wohlbekannten Gesichter und Gestalten entgegen: Henriette AL a y , Hanna K a r m i n s k i, Frau Minna Schwarz und viele andere mehr. Dieser Nundgang durch die jüdischen Wohlfahrtsorganisativnen in Berlin, Hamburg und dem ganzen Reiche wird nicht nur den Nichtjuden ein eindrucksvolles Bild von der jüdisch-konfessionellen Wohlfahrtspflege geben: auch viele jüdische Männer und Frauen werden erst an diesem Film erkennen, was von jüdischer Seite an Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen ist, wieviele Menschen sich mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Kraft für ihre bedürftigen Glaubensbrüder und -schwestern einsetzen, und mancher wird sich veranlaßt fühlen, in Zukunft nicht mit selbst ein Scherslein beizutragen, sondern sich ehrenamtlich mit in den Dienst an dem Mitmenschen zu stellen. Das zu erreichen, ist der eigentliche Zweck dieses Films, der hoffentlich in recht vielen Filmtheatern des Reiches vor Inden und Nichtjuden gespielt werden und dadurch auch zur Versöhnung alter Konfessionen untereinander beitragen wird. Kürzlich hielt der bekannte Dirigent des Chores der Neuen Synagoge in Berlin, Kapellmeister A. Kelle r m ann , im Berliner Rundfunk -einen Vortrag über bas Thema: Kulturgeschichtliche Betrachtungen über hebräische Gesänge und Melodien." Es ist das e r st e m a l, daß d n r ch d e n Berliner Sender c uSi2d= -Schweiz Physikalisch - diätetische Kuranstalt und Erholungsheim. Aerztl.Leitung. Deutsches Haus. Pension vonM.8,- an. lllustr. Prospekt durch den Besitzer. Gams»«s«ht»le in LVoifenbüttrl Staatlich anerkannte Realschule rnit Schülerheirn (gegründet U86) I Kleine Klaffen. — Rituelle Verpflegung. | Das Winterhalbjahr beginnt am j Dienstag, den 12. Oktober 1926. 1 Sanatorium für Nerven-undinnere Krankel Leitende Aerzte: DnR. Fleischmann, Dn Fr.Poemgen. Mech, Weberei „Lica“ Hepbept Joseph CHEMNITZ (Telephon 695) LICHTEN STEIN-C. (Telephon 24) Gobelin-Tisch- und Diwandecken / Madras JASMA1ZI 6 ZIGARETTEN «KäASMffll ««MM«, GRÄFIN MARIZA!l : - 6> Ü HÄNSOM ' . S.» ~ ,!! AUGUSToerSTARKE ü •10> •: ~: I!

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